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Wie man eine Straßensperre überlistet

Radwege braucht es hier wahrlich nicht, denn motorisierte Zeitgenossen begegnen uns auf der Strecke Richtung Amieira kaum. Wir quälen uns noch einen Feldweg von der Straße ab hoch auf den „Monte da Figueira“, dann folgt der Lohn: ein herrschaftliches Anwesen mit Fahrradgarage in einer Quinta! Mehr und mehr werden solche ehemaligen Herrensitze für den ländlichen Tourismus ausgebaut, oftmals ist ökologischer Landbau angeschlossen. Wir genießen die abends kühlere Luft, den frischen Weißwein der Region, den Blick zum Sternenhimmel mit leiser Fadomusik im Hintergrund, das opulente Mahl. Was könnte schöner sein?

Portugal Alentejo Figueira

Abfahrt von Monte da Figueira

Der dritte Tag führt uns zurück auf das Sträßchen nach Amieira, an dessen Ende wir die Ehre haben, eine nagelneue Landstraße in Richtung Moura einzuweihen. Man sollte das nicht verraten, aber anhand dieser Geschichte lässt sich nur zu gut verdeutlichen, wie liebenswürdig die Alentejaner sind: Man wollte uns erst nicht durchlassen, die Straße werde erst um 15 Uhr eröffnet mit Bürgermeister und Scherenschnitt!

Portugal Alentejo Bahnübergang

Weiter geht´s

Doch ein netter Herr half uns: „Passt auf! Ich lenke den Bauarbeiter ab, verwickele ihn in ein Gespräch, und ihr fahrt einfach weiter! Er wird mit den Armenrudern und sich aufblasen, aber das macht nichts. Fahrt einfach durch!“. Gesagt, getan. Das Festkomitee am anderen Ende blickte lediglich verwundert auf.

Die Braut sprang vom Burgturm

Portugal Alentejo alter Mann

Moura schließlich ist berühmt für sein Olivenöl und für seine Thermen. Der Name rührt von einer maurischen Frau namens Moura Salúquia her. Der Sage nach sprang sie vom Burgturm aus in den Tod, als statt des von ihr erwarteten Bräutigams die Christen in die Stadt kamen. Die Burg von Moura, die sich schon bei der Anfahrt eindrucksvoll ins Blickfeld schiebt, wurde auf maurischen Grundfesten erbaut. Und natürlich gibt es ein maurisches Viertel, aber auch eines im andalusischen Stil mit schmiedeeisernen Balkonen, wie uns die kundige Stadtführerin erklärt.

Sie treffen wir auch am vierten Tag in Serpa, der Stadt des Käses, wieder. Hier gibt es einen alljährlichen Wettbewerb um die weißesten Straßen, die sich ebenfalls um eine Burg herum gruppieren. Wir finden einige davon, doch keine Menschen. Mittags herrscht Ruhe! In diesem Landstrich mit Grilleffekt findet sich erst abends das Leben ein. Tags quetscht man sich in den Schatten oder bleibt in den blendend weißen, mit Azulejos verkleideten Häusern. Und außerdem geht man mittags natürlich zum Essen! So auch wir. Wir probieren Alheira, eine Wurst, die früher von Juden hergestellt wurde, aussah wie aus Schwein gemacht, es aber nicht ist. Lecker! Für heute schaffen wir es nur noch bis Pias und übernachten dort.

Portugal Alentejo Bauer

Der Bauer schaut skeptisch auf die Radfahrer

Großbrockige rotbraune Erde, Felder, Korkeichen, Ziegenherden, all das begleitet uns am fünften Tag bis nach Brinches. Sonntag in Brinches. Auch hier vergeht die Zeit nur langsam. Im Schatten natürlich, oder gar im Haus selbst, oder man schleppt sich durch einen Kettenvorhang in eine Kneipe. Wahlweise trifft man sich in antiken Bushaltestellenhäuschen mit abblätternder Farbe. Was tut man hier so? Den ganzen Tag? Man wartet auf den Überlandbus, senhora! Das ist das Ereignis des Tages! Das wünschte ich mir auch und fahre langsamer schon als zu Anfang bis Moura. Denn in Moura finden die Markttage mit Prämierung der Dorfschönheiten und den am besten mit Honig gemachten Süßigkeiten statt.

Ein umstrittener Stausee

Am sechsten Tag geht es ins hübsche Póvoa und dann einmal mehr am endlos scheinenden Alqueva-Stausee entlang nach Mourão mit seiner Burg, wo man den Nachmittag verdöst. Doch wir quälen uns in der Glut weiter über zwei Dämme, die über das endlose blaue alentejanische Meer mit seinen tausend Kilometern Küstenlänge führen. Das sind mehr als die portugiesische Atlantikküste vorzuweisen hat, und darauf ist man stolz. Umstritten ist dieser größte Stausee Europas dennoch.

Portugal Alentejo Pause

Immer wieder fällt der Blick zur Rechten auf das genau oben auf einem 326 Meter hohen Hügel strategisch günstig gelegene Monsaraz. Dort oben sollen wir hinauf? Steil ist’s! Und heiß! Doch schon vor den zwei letzten und steilsten Kilometern liegt das radfahrerfreundliche Hotel „Horta da Moura“ am Fuße des Berges mit eigener Imkerei, Fahrradverleih, Pferden, Obstplantagen und Pool. Perfekt für schwere Beine. Das Dorf ganz oben lockt dennoch. Zumal alle paar Minuten eine Feuerwerksrakete hochgeht und eine „Festa“, ein Fest, ankündigt. Also auf geht’s durch die mittelalterliche Stadtmauer in die engen Gassen! Angeblich schauen hier alle Monumente in Richtung Portugal und kehren Spanien den Rücken zu. Spanien ist nicht weit und hat seine Spuren hinterlassen.

Der Stier ist tot, der Wein ist gütig

Das ganze Dorf ist auf den Beinen und strebt, inklusive Blaskapelle, in eine Richtung: zur Stierkampfarena in der Burg. Ein Stier, so erzählt mir Maria leise, wurde gestern auch getötet. Das ist zwar in Portugal verboten, aber was soll’s. Die Leute werden die Strafe zahlen, denn das ist hier eine alte Tradition, Teil eines religiösen Festes: der gegrillte Stier wird zum Verzehr unter den Armen verteilt. Eine zusammengezimmerte Bar neben der Arena bietet frisch gezapftes Bier, Imperial genannt, an und Sangria. „Volto já!“, komme gleich wieder, steht an einer Ladentür geschrieben. Dort verkauft man schmiedeeiserne Kunst, Töpferwaren, Webkunst und Wein. Stunden später hängt das Schild immer noch dort.

Portugal Alentejo Stierkampf

Beim Stierkampf

Durchs Weinland fahren wir am siebten Tag nach Reguengos de Monsaraz und werden prompt zu einem solchen eingeladen! Gute D.O.C.-Weine gibt es hier, die Weinlese ist gerade in vollem Gange , und dieser aus Reguengos lässt sich gut trinken. „In was für einem Land bin ich hier eigentlich, fragt der Reisende seinen Wein im Glas, der nicht antwortet, sich aber gütigerweise trinken lässt.“ (José Saramago)

Portugal Alentejo Radler im Dorf

Noch ein letztes kleines Dorf ...

Das Ende naht, wir eiern noch über Städtchen wie Montoito, dann Dörfer, schließlich kann man sie kaum noch Weiler nennen. Ein verfallenes Kloster zur Rechten, dann eine namenlose Burg. Wehmut stellt sich ein. Portugiesische Saudade? Denn zurück in Évora geben wir die treuen Räder bei der netten Luzia wieder ab, die hier neben ihren Appartements auch eine Fahrradstation von bikeiberia unterbringt. Adeus, Alentejo!

 

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