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Wer bedroht das Erbe?

Auch die Reisterrassen in der Umgebung von Banaue in der Provinz Ifugao fanden Aufnahme auf die UNESCO-Liste des Welterbes. Doch schon kurz darauf kamen sie auf die „Rote Liste“ des bedrohten Welterbes. Denn die Terrassen beginnen auf breiter Front einzustürzen. Dies hat viele Ursachen. Die Region ist heute nicht mehr so isoliert wie noch vor einigen Jahrzehnten. So können die Menschen sich auch anderswo mit Lebensmitteln versorgen, sind nicht mehr auf den mühsamen Reisanbau auf den Terrassen angewiesen. Zumal der Reis auf dem Weltmarkt billig und von der Regierung subventioniert wird.

Viele jüngere Leute scheuen auch die harte Arbeit und sind vom Land in die Städte geflohen. Und seit einigen Jahren wächst zudem der Tourismus. Sicher, er bringt den Menschen dort Einkommen. Die Dorfbewohner verdingen sich als Führer durch Dörfer und Berge, verkaufen Imitationen ihrer Reisgötter an die Touristen. Doch wenn gleichzeitig die Terrassen verfallen, dann zerstören die Touristen unbeabsichtigt das, was sie eigentlich sehen wollten.


Reisterassen von Banaue

Doch die Reisterrassen sind auch noch von größerem Ungemach bedroht. Seit Jahren will die Regierung in den Bergen einen großen Stausee anlegen, der nicht nur die Dörfer von Tausenden von Bergbewohnern zerstören würde, sondern auch ihre Reisterrassen. Es befinden sich nämlich nicht alle Terrassen auf der UNESCO-Liste, sondern nur vier Gebiete. Könnte es sein, dass die Regierung diese Gebiete auf die Liste gehoben hat, damit sie die anderen zerstören kann?
Gegen den Stausee gibt es massiven Widerstand, und zum Glück arbeitet keine philippinische Regierung besonders effektiv. Deshalb ist noch nicht beschlossen, ob es diesen Stausee jemals geben wird. Andererseits hat Greg Dorris ja Recht, wenn er darauf hinweist, dass es genug Beispiele dafür gibt, dass das Erbe, das diesmal sogar unbeeinflusst von außen ist, nicht hochgeschätzt wird.

Was bringt El Niño?

Und noch einen Eintrag verzeichnen die Philippinen auf der UNESCO-Liste: das Tubbataha-Riff in der Sulusee zwischen den großen Inseln Palawan und Mindanao im Süden des Landes. Die beiden Atolle sind ein Hort für Meeresschildkröten und Wasservögel, für Korallen, Haie, Rochen und Seeschlangen. Zum Glück kommen hierher nur wenige Taucher, denn auch diese Idylle ist bedroht. Diesmal weniger vom Tourismus als durch einheimische Fischer, die Dynamitstangen ins Wasser werfen und die betäubten oder getöteten Fische einsammeln. Natürlich ist das Dynamitfischen auch auf den Philippinen verboten, doch wen kümmert das schon in der Weite der Sulusee?
Auch die Korallen haben schon schwere Zeiten mitgemacht durch die Erwärmung des Wassers. Ein Ergebnis des Phänomens, das verharmlosend El Niño genannt wird und doch nur aus unserem vernichtenden Umgang mit unserer Umwelt und mit dem Erbe unserer Kultur resultiert. Da nützt das ehrenvolle Anlegen von Welterbelisten wenig, da würde nur eine Verhaltensänderung Erfolg im Kampf gegen den Untergang der Kulturen zeigen. Blieben ansonsten nur noch Jollibees statt der Restaurants und statt Fisch nur noch ein paar Stäbchen.

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