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In den Philippinen wurden sie erneut verändert, zum Beispiel weil es hier viel Stein aus Muschelkalk gab, der sich leicht bearbeiten ließ. Die heutigen Konservatoren sind davon nicht begeistert, denn dieser Stein erodiert zunehmend und lässt sich nicht so einfach ersetzen. Heute verwendet man ihn kaum noch. Auch weit abseits der Hauptstadt waren die Steinmetze meist Chinesen, die ihren eigenen Stil einbrachten und, wie der Herr Minister schon sagte, die verschiedensten Einflüsse zu etwas Eigenem machten.

Die Missionare mögen fromm gewesen sein, einflussreich und alles mögliche. Statiker allerdings waren sie nicht. Denn selbst wenn es auf den Philippinen durchaus Erdbeben gibt, die massigen Wände und überdimensionalen äußeren Strebepfeiler waren schon ein wenig übertrieben. Und so gehen die Sorgen der UNESCO auch nicht dahin, dass die Kirchen einstürzen könnten. Einige der Glockentürme drohen hingegen umzukippen, weil die Fundamente nicht solide genug sind, und bei den Kirchen waren es meist die Dächer, die im Laufe der Jahrhunderte abhanden kamen. Heute überspannen meist provisorische Wellblechdächer die Kirchenschiffe. In den Wänden macht der Mörtel Sorgen, weil er hauptsächlich aus Sand besteht und sich gerne vom Winde verwehen lässt.

Zwar nutzen die Filipinos die Kirchen bis heute sehr engagiert und ziehen mit ihren Heiligen bei jeder sich bietenden Gelegenheit durch die Straßen, doch wenn es um die Konservierung der Gebäude geht, gelten Greg Dorris’ Sorgen auch in der Provinz. Die Schilder der UNESCO machen da wenig Eindruck, und auch als Provinzpolitiker verdient man sich mit dem Erhalt des Welterbes keine goldene Nase. Aber um die zu bekommen, ist man schließlich Politiker geworden.


Prozession vor der Kirche der hl. Maria
St. Augustin in Paoay

Miagao und Paoay liegen unweit der Küste. Hier übten die Kolonialherren tatsächlichen Einfluss aus. Mit Vigan schufen sie eine wichtige Handelsstadt, die einmal wirklich schön gewesen sein muss. Auch sie hat eine Kathedrale in ähnlichem Stil, allerdings taucht sie nicht auf der UNESCO-Liste auf. Eine Straße immerhin ist noch geprägt von Kolonialhäusern, die meist im Erdgeschoss einen Laden oder eine Werkstatt hatten. Dort werden heute Antiquitäten (oder was man dafür halten könnte) verkauft, sodass der kleine Ausschnitt des Bewahrens des Erbes sich irgendwie selbst am Leben erhält.

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