Malta - Perle des Mittelmeeres

Eine Insel der Steine mit Großstadtflair & Dorfromantik

Text und Fotos: Karsten-Thilo Raab

Malta, neuntkleinstes Land der Erde und Perle des Mittelmeeres. Viele Mächtige der mediterranen Welt verleibten sich diese Insel zwischen zwei Kontinenten ein und hinterließen im Laufe der Jahrhunderte vielfältige Spuren. Karsten-Thilo Raab war auf Entdeckungsreise auf Malta, einer Insel der Steine mit Großstadtflair und Dorfromantik.

Malta - Mgarr

Von Liebe auf den ersten Blick sprechen nur die wenigsten. Dafür ist das Eiland im Mittelmeer zu kahl und zu dicht besiedelt. Malta ist kein idyllischer Inselzwerg, sondern irgendwie eher wie eine Großstadt mit ein wenig Grün am Rande. Ortsnamen weisen vielfach nur auf Verwaltungsgrenzen hin, während für das bloße Auge die Übergänge von einer Gemeinde zur nächsten zumindest im Nordosten der Insel kaum zu erkennen sind. Einziger Kontrast zu dem allgegenwärtigen Maltagestein, einem weichen Kalksediment, und zu der spärlich bewachsenen Landschaft scheinen die blau glitzernden Swimmingpools der Hotels. Doch das dichte Häusermeer besticht auch durch einen ureigenen Charme.

Malta - Azur Window

Die überall sichtbaren Einflüsse einer langen, bewegten Geschichte, eine aus vielen Facetten zusammengefügte Volkskultur, die Strandidylle, das Großstadtflair im Nordosten und die dörfliche Beschaulichkeit im Südwesten lassen den Inselstaat zu einer eigenen kleinen, aber durchaus feinen Welt mit einer Mischung aus arabischem, italienischem und britischem Lebensstil avancieren.

Malta - Golden Beach

Ohne Frage ist Malta keine Insel für notorische Strandlieger, obschon das Island im Ruf steht, das sonnenreichste Land Europas zu sein. Dies liegt sicherlich einerseits in der Tatsache begründet, dass das mit einer Fläche von 315 Quadratkilometern neuntkleinste Land der Erde überwiegend Felsenküste aufweist und nur über wenige malerische Sandbuchten verfügt. Doch dies macht zugleich auch den besonderen Reiz aus, denn Malta gilt nicht nur in Insiderkreisen als Eldorado für Segler, Surfer und vor allem Sporttaucher und Schnorchler.

Andererseits dürfte es kaum ein anderes Fleckchen Erde geben, wo auf so engem Raum so viele kulturhistorisch wertvolle Denkmäler und Überbleibsel aus allen Epochen der Menschheitsgeschichte zu finden sind.

Malta - Il Fortizza

Aufgrund der strategisch günstigen Lage an einer der engsten Stellen zwischen Europa und Afrika - 93 Kilometer von Sizilien und 230 Kilometer von Tunesien entfernt - galt Malta seit dem Altertum als Sprungbrett zwischen den Kontinenten, aber auch als Schlüssel für die Macht im Mittelmeer. Kaum verwunderlich daher, dass immer wieder fremde Völker von den Phöniziern über die Karthager, Römer und Normannen bis hin zu Arabern, Franzosen und Osmanen die kleine Insel annektierten. Den größten Einfluß auf das Mittelmeerarchipal hatten jedoch zweifelsohne der Ritterorder der Johanniter und bis zur Unabhängigkeit 1964 für rund 150 Jahre die Briten. Die vor rund dreieinhalb Jahrzehnten abgezogenen britischen Machthaber hinterließen neben Englisch als (zweiter) Amtssprache, dem Linksverkehr, antiquierten Bussen und den roten Telefonhäuschen viele weitere Spuren.

Malta - Luzzu-Boote

Zeugnisse der langen bewegten Vergangenheit Maltas finden sich zuhauf: die aus der Steinzeit stammende Tempelanlage Hagar Qim im Südosten, die mehr als 5000 Jahre alten Tarxien-Tempel, die alte Hauptstadt Mdina, die Katakomben von Rabat mit ihren Fresken aus römischer und frühchristlicher Zeit oder das malerische Fischerdorf Marsaxlokk mit seinen bunten Fischerbooten, den Luzzus.

Malta - Zitadelle auf dem Tafelberg von Victoria

Insgesamt zählen Malta und die dazugehörige Nachbarinsel Gozo allein 360 Kirchen und Kapellen, darunter die von mächtigen Mauern umgebene Zitadelle auf dem Tafelberg von Victoria (Gozo) mit der Kathedrale Santa Marija, die imposante Kathedrale St. Peter und Paul in Mdina aus dem Jahre 1702 und die Kirche von Xewkija auf Gozo, deren Kuppel mit einer Höhe von 75 Metern die dritthöchste in Europa ist.

Maltas originellstes Dorf ist eine Filmkulisse: Popeye Village mit seinen windschiefen Holzhäusern und Plankenwegen wirkt wie eine malerische Bucht in der Südsee. Regisseur Robert Altmann ließ das Dorf 1979 eigens für die Verfilmung des Spielfilms nach der Comicserie "Popeye" in der felsigen Anchor Bay errichten. Seither gilt das entlegene Kleinod als Touristenattraktion.

Ein phantastisches Naturschauspiel wartet im Südosten der Insel. Vom beschaulichen Dörfchen Wied Iz-Zurrieq fahren kleine Fischerboote zur Blauen Grotte. Vor allem vormittags bietet sich hier ein faszinierender Anblick. Der Lichteinfall der Sonne verleiht der 30 Meter hohen und 90 Meter im Umfang messenden Grotte ein besonderes Farbenspiel, das durch die weithin sichtbaren orangefarbenen Korallen und eine üppige Unterwasservegetation noch potenziert wird.

Malta - Valetta - Hafen von Marsamxett

Die Hauptstadt Valetta, die von der UNESCO zum "Weltkulturerbe" ernannt wurde, besticht durch eine Vielzahl an imposanten Kirchen und Palästen, engen Gassen, steilen Treppen sowie den typischen Häuserzeilen mit ihren bunten Erkern und zum Teil über 400 Jahre alten Gebäuden. Gewaltige Mauern umgeben die nur knapp 1500 Meter lange und 800 Meter breite Stadt auf der Halbinsel Sciberras zwischen den Naturhäfen Marsamxett und Grand Harbour.

Malta - Valetta - Grand Harbour

Nach Plänen von Francesco Laparelli, einem Schüler Michelangelos, ist Valetta im 16. Jahrhundert am Reißbrett schachbrettartig entworfen und gebaut worden. Die Republic Street, die pulsierende Lebensader, führt vom postmodernen City Gate vorbei am Royal Opera House und dem schmucken Großmeisterpalast, dem heutigen Sitz des Parlaments, in dessen "Tapestry Chamber" eine wertvolle Sammlung von Gobelin-Wandteppichen zu bewundern ist, schnurgerade zum Fort St. Elmo.

Malta - Valetta - Großmeisterpalast

Die geschichtsträchtige Trutzburg am äußersten Ende der Halbinsel war 1565 während der "Great Siege", der Großen Belagerung, die tragische Bühne für eine verzweifelte Schlacht gegen die drohende türkische Invasion, hat ihre besten Tage jedoch lange hinter sich. Aber schon allein wegen des erstklassigen Ausblicks auf Valetta und den größten Tiefseehafen der Welt, den Great Harbour, lohnt der Besuch.

Leider nur von außen zu bewundern ist die "Auberge de Castille". Die schönste aller Ritterherbergen in Valetta aus dem Jahre 1744 dient heute dem maltesischen Ministerpräsidenten als Amtssitz.

Malta - Valetta - Auberge des Castille

Dafür ist die St. John´s Co-Cathedral ein Muß für jeden Besucher. In der einstigen, von außen eher schlichten Hauptkirche des Johanniter-Ordens am zentral gelegenen St. John´s Square schuf der italienische Maler Mattia Preti zwischen 1662 und 1667 eine beeindruckende Gewölbemalerei mit 18 Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers. Bedeutendstes Einzelwerk des prächtigen Gotteshauses ist Michelangelos Altarbild "Die Enthauptung Johannes des Täufers" aus dem Jahre 1608.

Malta - Valetta - St. John's Co-Cathedral

Getreu dem Motto "Alle Straßen führen nach Valetta" ist die Hauptstadt der Dreh- und Angelpunkt des maltesischen Lebens, die Haupteinkaufsmeile und die Anlaufstation für sämtliche Buslinien. Trotz regen Treibens ist Hektik - wie überall auf Malta - ein Fremdwort. Statt dessen dominiert allerorten eine durch Freundlichkeit geprägte Atmosphäre, die einige liebenswerte kleine Unvollkommenheiten der Insel vergessen lassen. Zumal Malta nicht nur für Sonnenhungrige und Wassersportler eine ungeahnte Vielfalt bietet, sondern sich als eine oft verkannte Perle im Mittelmeer entpuppt, die an jeder Ecke zu einer interessanten Entdeckungsreise lädt.

Malta - Font Ghadir Beach

 

Informationen:
Fremdenverkehrsamt Malta
Schillerstraße 30-40
60313 Frankfurt
Tel 069-285 890
Fax 069-285 479

Reisezeit:
Auf Malta gibt es heiße Sommer und milde Winter (selten unter 15 °C), sodass die Insel fast ein ganzjähriges Reiseziel ist. Im Mai und September/Oktober weht ab und zu der feuchtwarme Schirokko.

 

Reisemagazin schwarzaufweiss

 

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