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Baden wie Madonna

Zwischen Malta und Gozo bezaubert das kleine Comino mit seiner Blauen Lagune

Text und Fotos: Adrienne Friedlaender

 

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Die Einsamkeit beim Betreten der Insel ist körperlich spürbar. Leise klatschen die Wellen an die Felsen und ein leichter Wind bläst – sonst ist kein Geräusch zu hören. Es riecht nach Meer und Blumen. Felder von gelbem Sauerampfer blühen vor alten Steinmauern und die Insel ist übersät mit den Büschen der duftenden Maltese-Spurge, der blühenden Wolfsmilch. Gelb ist die Farbe des Frühlings auf Comino.

Comino - Landschaft

Im Kanal Il Fliegu, zwischen Gozo und Malta liegt Comino, die kleinste der drei Inseln des maltesischen Archipels, nur 2.000 Meter lang und 1.700 Meter breit. Doch das kleine Eiland lockt viele Urlauber von seinen beiden größeren Schwestern herüber. Während im Sommer vor allem Sonnenfreunde, Badenixen und Wassersportfans herüber kommen, schätzen Naturliebhaber, Wanderer und Fotografen besonders die Stille und Abgeschiedenheit der Insel in den Frühlingsmonaten.

Auf Comino wird Maltesisch gesprochen, aber natürlich auch Englisch, denn das ist die zweite offizielle Landessprache. Die kleine, ruhige Insel ist bequem und schnell zu erreichen. Während der Saison verkehren von morgens um sechs bis Mitternacht kleine Motorboote zwischen den Inseln. Und die Überfahrt mit dem „Comino Boat“ dauert sowohl von Malta, als auch von Gozo nur rund zwanzig Minuten. Dazu werden im Sommer von beiden Inseln Ausflugsfahren zur Blauen Lagune angeboten.

Comino - Blaue Lagune

Die Blaue Lagune ist Cominos Attraktion. Zwischen Felsen und Höhlen leuchtet ihr kristallenes Wasser magisch in allen Blautönen des Farbspektrums. Während der Sommermonate lockt sie hunderte von Tagesgästen nach Comino - zum Tauchen, Schnorcheln und Baden. Wer kein Picknick dabei hat, lässt sich von den fliegenden Händlern in ihren Booten mit Getränken und Snacks versorgen. Vor einigen Jahren räkelte sich sogar einmal Madonna, umspült vom türkis-schillernden Wasser, in der Blauen Lagune: für die Dreharbeiten der Romanze „Stürmische Liebe – „Swept Away“.

Comino - Blaue Lagune

Wer länger auf der Insel verweilen möchte, kann sich ein Zimmer im einzigen Hotel der Insel mieten. Vom 1. April bis zum 31. Oktober bietet das in den sechziger Jahren erbaute vier Sterne „Comino Hotel“ Platz für 300 Gäste. Neben Tennis und verschiedenen anderen Sportarten werden Segeln, Windsurfen, Wasserski oder Speedbootfahren angeboten. Am hoteleigenen Sandstrand kommen insbesondere Wassersportliebhaber voll auf ihre Kosten.

Comino Hotel

Im Frühling ist Comino ausgesprochen ruhig, ein idealer Ort zum Wandern. Die Temperaturen sind mit zwölf bis fünfzehn Grad angenehm und auf den Streifzügen über die Insel trifft man nur selten einen Menschen. Ohnehin erkundet man Comino am besten zu Fuß, denn es gibt nur wenige befestigte Wege. Neuneinhalb Kilometer lang ist die Strecke entlang der felsigen Küste rund um die Insel – auf den unebenen Klippen aber doch eine Tagestour. Beschilderte Pfade gibt es nicht. Begleitet von dem Duft der Wolfsmilchbüsche sucht sich jeder selbst seinen Weg entlang der rauen Küste.

Comino - Küste

Ein Dorf oder Einkaufsmöglichkeiten sucht man vergebens auf der autofreien Insel. Beinahe an einer Hand kann man die Bauwerke aufzählen: Es gibt eine Kapelle, eine Polizeistation, eine kleine Schweinefarm, das ehemalige Isolationshospital und das „Comino Hotel“. Dazu aber noch zwei echte Sehenswürdigkeiten: Oberhalb der Südklippe in 80 Meter Höhe thront der Comino Tower, der 1618 als Verteidigungsposten errichtet wurde. Weit reicht der Blick von dieser Festung über Comino und das Meer bis nach Malta. Und dann gibt es da noch die Santa Maria Gun Batterie aus dem Jahre 1715. Noch heute sind die sechs schweren Kanonen der restaurierten Geschützstellung auf den Kanaleingang gerichtet.

Vor 7.000 Jahren wurden die drei fruchtbaren Inseln im Mittelmeer besiedelt – auch das kleine Eiland Comino, das über die Jahrhunderte immer wieder unterschiedlich genutzt wurde. So kamen in den 1930er Jahren viele Familien aus Gozo auf die Insel, um in der Landwirtschaft zu arbeiten. Mehr als 60 Menschen lebten damals hier. Heute sind es nur noch vier – die Brüder Angelo und Salvu, ihre Tante Maria Buttigieg und Cousine Veggi.

Comino - Salvu

Der 58jährige Salvu ist bei der maltesischen Water Services Corporation angestellt. Geschäftig fährt er in seinem Mini-Jeep umher und kümmert sich um das Bewässerungssystem seiner Insel. Daneben baut er mit Bruder Angelo ein wenig Gemüse an. Manchmal fällt die Ernte so üppig aus, dass die beiden auch das Hotel mit Kartoffeln und Gemüse beliefern können. Hat Salvu jemals darüber nachgedacht an einem anderen Ort zu leben? „Bestimmt nicht!“ Energisch schüttelt er den Kopf. „Auf Comino habe ich alles was ich zum Leben brauche!“

Gozo
Auf Gozo

Aber heute holt Salvu doch sein Boot aus der Garage und bringt es mit einem kleinen Trailer hinunter zum Hafen. Denn ungefähr zwei Mal im Jahr verlässt er die Insel und fährt für einen halben Tag nach Malta oder Gozo. Immer dann, wenn ihm Motorenteile für seine Maschinen, das Boot oder sein Auto fehlen, oder um einen Arzt aufzusuchen. Alle Lebensmittel für den täglichen Bedarf lassen sich die vier Bewohner der Insel regelmäßig liefern.

Gozo - Höhle der Kalypso
Höhle der Kalypso auf Gozo

Schon jetzt im Frühling leuchtet das Wasser herrlich Türkis. Von den Federn einer einsamen Möwe, die über die noch menschenleere Lagune schwebt, wird es strahlend reflektiert. Fast gleichzeitig mit den ersten Hotelgästen treffen im April auch die Zugvögel ein. Über dreihundert verschiedene Arten landen für einen kurzen Zwischenstopp auf der Insel. Darunter viele Falken und Bussarde, die auf ihrem Weg von Afrika in die europäischen Brutgebiete auf Comino Rast einlegen. Ein besonderes Erlebnis für Vogelfreunde und Ornithologen.

Regelmäßig steuert auch der siebzigjährige Pater Xerri mit seinem kleinen Boot Comino an. Bei Wind und Wetter, Sturm und Wellengang macht der Priester zwei Mal die Woche sein Boot in der Marija Bay fest, um für seine kleine Gemeinde die Messe zu halten. Seit über vierzig Jahren predigt er in der kleinen Kapelle Marija Asunción. Im Sommer kommen auch viele Hotelgäste dazu. Dicht gedrängt stehen sie bis hinaus auf dem Vorplatz, um bei geöffneten Türen den Gottesdienst mit zu feiern. Als junger Mann unterrichtete Priester Xerri die achtzehn Kinder der Gemeinde in einem der Räume des „Palastes“ wie das ehemalige Krankenhaus genannt wurde. Heute gibt es keine Kinder mehr auf Comino. Salvu war der letzten Schüler, bevor die Schule im Jahr 1968 geschlossen wurde.

Der Name Comino leitet sich aus dem lateinischen Wort für Kümmel (Cuminum) ab, der hier im Mittelalter wuchs. Kümmel ist heute kaum noch zu finden, dafür jede Menge wilder Fenchel und Thymian. Die Malteser haben einen großen Hang zur Mystik. So sagt man, die Steine der Inseln hätten eine Seele. Ähnlich muss auch Maltas ehemaliger Präsident, der Schriftsteller Anton Buttigieg, empfunden haben, als er auf den Felsen gegenüber der Blauen Lagune saß. Er schrieb: „Gott wenn ich sterbe, lege meinen Schädel auf den Rand des Kliffs, damit ich das perlende kristallklare Wasser der Blauen Lagune sehen kann bis in alle Ewigkeit.“



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