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Malta im Überblick

Dass der maltesische Archipel "klein an Fläche" sei, aber "groß an Geist", wie Maltas Nationalpoet Dun Karm Psaila (1871-1961) einst anmerkte, findet uneingeschränkte Zustimmung unter den vielen Besuchern des Inselstaats. In der Tat gibt es wohl kaum einen anderen Flecken auf dieser Erde, der auf so beengtem Raum so viele kulturhistorisch bedeutende Baudenkmäler und alte, unversehrte Stadtquartiere, dazu Archive von unschätzbarem Wert beherbergt wie Malta. Und noch einen weiteren Superlativ kann die Insel für sich in Anspruch nehmen, zählt sie doch zu den am dichtesten bevölkerten Territorien der Erde, wo man auf einen freundlich-gelassenen Menschenschlag trifft, der so manche Wesenszüge früherer Eroberer mediterraner und angelsächsischer Herkunft in sich vereint.

Malta

"Groß an Geist", aber deshalb nicht arm an Sinnenfreude: die Malteser sind bekannt für ihre ausgelassenen, farbenprächtigen Feste, die in dichter Folge die Straßen in Bühnen verwandeln - sei es nun zur Karnevalszeit oder anlässlich religiöser Gedenktage, historischer Umzüge oder Musikfestivals. Auch die kulinarischen Überraschungen einer auf bäuerlichen Traditionen fußenden "Familienküche" sprechen die Sinne an wie die frischen, aromatischen Produkte aus heimischer Erde, die auf kurzen Wegen auf den Tisch gelangen oder der in den Küstengewässern gefangene, delikat zubereitete Fisch, nicht zuletzt der Wein, dessen Spitzenprodukte einem internationalen Vergleich standhalten können. Auch wenn Malta allein für Strandurlaub eigentlich zu schade ist, so findet man natürlich "Beachfun" auch hier und ebenso kommen Taucher und Segler, Radler und Golfer auf ihre Kosten. Die aus gewaltigen Steinblöcken errichteten Sakralbauten der geheimnisvollen vorgeschichtlichen Megalith-Kultur und das architektonische Erbe der Ritter des Johanniter-Ordens, der sich später nach der Insel Malteser-Orden nannte, sind die herausragenden Glanzpunkte unter den Sehenswürdigkeiten Maltas.

Mdina

Mdina

Schon beim Anflug auf den einzigen Flughafen der Insel eröffnen sich spektakuläre Ausblicke auf die gigantischen Verteidigungsanlagen der Ordenszentrale Valetta und das ockerfarbene Häusermeer in ihrem Schutz. Die Befestigung der grandiosen Stadt am Grand Harbour, einem gezeitenfreien Tiefwasserhafen, der für viele der "schönste Naturhafen der Welt" ist, wurde in einem wahren Kraftakt in nur fünf Jahren aus dem Boden gestampft. Man wollte sich wappnen gegen osmanische Eroberungsgelüste und zugleich im Schutze der Mauern ein modernes, urbanes Zentrum entstehen lassen mit schachbrettartiger Straßenführung und neuzeitlicher Kanalisation. Als Großmeister La Valette 1566 den Grundstein legte, hatte er die Vision von einem uneinnehmbaren Bollwerk der Christenheit, das überdies den Ruhm des Ordens mehren und sich zu einem politischen und kulturellen Schwergewicht in Europa entwickeln sollte. Seine Vorstellungen erfüllten sich freilich nur zum Teil. Kampflos ergaben sich die Ordensritter und suchten eilends das Weite, als Napoleon 1798 auf Malta landete. Sie hinterließen ein städtebauliches Juwel der Paläste, Kirchen und Forts, dessen ungebrochene historisch-kulturelle Ausstrahlung jeden Besucher in seinen Bann schlägt.

Auf der Valetta gegenüberliegenden Seite des Grand Harbour gelangt man zu den Keimzellen des maltesischen Ordensstaates, der Cottonera, wie die drei dicht aneinander gedrängten Städte Vittoriosa, Senglea und Cospicua genannt werden. Auf dem Gelände der späteren Cottonera-Städte hatten sich die Ordensritter anfänglich festgesetzt und mit ungeheuren Geldsummen zwischen 1530 und 1565 hier eine prächtige, stark befestigte Residenz errichtet. Zwar widerstand sie 1565 der dreimonatigen Belagerung durch die Osmanen, doch selbst der Sieg über die damals stärkste mediterrane Seemacht konnte die Zweifel an der strategischen Eignung der südlichen Hafenseite nicht beseitigen. So machte sich noch im Jahr nach der siegreichen Abwehrschlacht ein Heer von Arbeitern an den Aufbau der neuen, der glänzenden, uneinnehmbaren Stadt der Paläste, Valetta. Doch auch das frühere Ordenszentrum wurde weiter ausgebaut, die Hafenanlagen vervollständigt. Der hier angesiedelte Werftbetrieb behielt seine einstige Bedeutung und bewahrt sie bis auf den heutigen Tag. Das von Besuchern leider verkannte Dreistädteensemble birgt außergewöhnliche kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten aus der Ordenszeit und verspricht zugleich faszinierende Begegnungen mit dem maltesischen Alltagsleben, dort, wo die dröhnende Werftindustrie in die dicht bevölkerten Wohnquartiere hineinwächst.

In exponierter Lage, auf einem 185 m hohen Ausläufer des Dingli-Plateaus, von dem aus weite Teile der Insel zu überblicken sind, liegt mit ihrer Vorstadt Rabat. Die uralten, schon in der Bronzezeit existierenden Städte, erhielten ihre heutigen Namen von den arabischen Eroberern des 9. Jahrhunderts. Unter den Ordensrittern wurden Mdina/Rabat zum Rückzugsgebiet der alten maltesischen Adelsfamilien. Ihr Verhältnis zu den neuen Machthabern blieb gespannt. Doch wer den Wandel akzeptierte, zog nach Valetta, in den aufblühenden Ordenssitz. So wurde Mdina zur "città vecchia", zur "alten Stadt" und noch heute sprechen die Einheimischen von der "stillen Stadt", in der vielleicht noch 500 Menschen leben, umgeben von dem melancholischen Flair der Paläste und Kuppeln, Kirchen und Festungsmauern einer launenhaften Geschichte zwischen Mittelalter und später Neuzeit.

Tarxien

Tarxien, ein Tempel für die Götter und Teil des UNESCO-Welterbes

Sie kamen aus Sizilien. Es mag gegen 5.200 v. Chr. gewesen sein, als sie auf Malta ihren ersten Steinzeittempel aus riesigen Steinblöcken zu Ehren einer Erdgöttin errichteten. Als ihre Megalith-Kultur gegen 2.500 v. Chr. auf rätselhafte Weise ein jähes Ende fand, blieben als stumme Zeugen ihrer mysteriösen Todes- und Fruchtbarkeitsriten zahllose Kultstätten zurück wie etwa nahe der Cottonera das in den Stein getriebene Höhlenlabyrinth Hypogäum, an der Südwestküste Hagar Qim und Mnajdra sowie die Tempelanlage von Ggantija auf der Nachbarinsel Gozo, die älter ist als die ägyptischen Pyramiden.

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Gozo, Maltas "kleine Schwester", ist grüner und ländlicher, eine Insel der Ruhe und Gelassenheit. Wer sich in stille Abgeschiedenheit zurückziehen möchte, ist hier am richtigen Ort. Tafelberge und tiefe Taleinschnitte, dazwischen terrassierte Felder, prägen die Landschaft. Bauern und Fischer bestimmen den Rhythmus des Alltags. Dabei bietet Gozo seinen Gästen nicht etwa weniger Komfort, Unterhaltung, Nachtleben als Malta. Es präsentiert sich nur deutlich zurückhaltender. Im Hafen von Mgarr legen die Fähren von Malta nach 30minütiger Überfahrt an. Noch schneller ist ein Flug mit dem Helikopter vom Internationalen Flughafen in Malta. Wie immer man sich auch der Insel nähert, Gozos einzigartiges Landschaftsbild nimmt den Besucher augenblicklich gefangen: die alten Dörfer auf den Gipfeln der Hügel, das "Azurfarbene Fenster" (ein atemberaubender Felsbogen an der Küste) und allein auf weiter Flur die Basilika Ta´ Pinu, die Fels- und Sandstrände und Victoria, die pittoreske kleine Inselhauptstadt.

Es soll Besucher geben, denen selbst das stille Gozo noch zu hektisch ist. Ihnen kann geholfen werden. , das winzige Eiland zwischen Gozo und Malta, wird ihren Vorstellungen von einem einsamen Urlaubsparadies entsprechen. Außer einem Bungalow-Hotel gibt es hier nur noch eine kleine Kirche und einen alten Wachturm und Autos verkehren hier auch nicht. Dafür kann man sich wie Robinson fühlen, der auch mal durch die "Blaue Lagune" schnorchelt, sein Mountain-Bike durchs Gelände steuert oder sich einfach nur von dem Duft der Kräuter und Wildblumen umwehen lässt.

Eckart Fiene

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