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Albertinum
Galerie Neuer Meister

Die Sammlung

Die Sammlung im Albertinum

300 Werke erwarten den Besucher im 2. Obergeschoss des Albertinums. Die Zeit er Romantik wird üppig vorgestellt, nicht nur durch die Arbeiten von Caspar David Friedrich, sondern auch von Carus. Wenn auch an einer chronologischen Präsentation festgehalten wurde, mischen sich immer "Fremde" unter die Arbeiten. Sean Scully begegnet so den Brücke-Malern. Georg Baselitz und Gerhard Richter durften eigene Räume konzipieren. Penck fehlt in der Präsentation ebenso wenig wie Max Slevogt mit den Impressionen seiner Ägyptenreise.

Es hat Jahre gedauert, bis in Dresden das neue Albertinum seine ersten Besucher begrüßen konnte. Nun gibt es also wieder ein Haus der Gegenwartskunst. Grund für die lange Schließung war die Flut von 2002, die auch die Depots in den Kellergewölben in Mitleidenschaft zog. Im Zuge des des Umbaus des Albertinums bekam das Haus einen weiträumigen Lichthof, über den sich eine kühne Brückenkonstruktion spannt, in der, so Moritz Woelk, einer der Autoren der vorliegenden Veröffentlichung, Kunst archiviert und restauriert wird.

In den Ausstellungsräumen ist seit der Wiedereröffnung die Romantik vertreten durch Malerei von Friedrich, Blechen und Schnorr von Carolsfeld nun ebenso vertreten wie die Bildhauerei von Rauch, Schadow und Thorvaldsen. Woelk betont in seinem Beitrag „Das neue Albertinum“, dass in der Sammlungspräsentation Künstler, die einen besonderen Bezug zur Kunststadt Dresden haben, ob nun Friedrich oder Richter, eine herausragende Rolle einnehmen.

Neben Kunst aus der DDR ist auch Kunst aus dem Westen vertreten. Fritz Cremers und Wieland Försters Arbeiten stoßen auf solche von Moore, Wotruba sowie Caro und Kirkeby. Zu sehen sind alle Arbeiten, in den Ausstellungssälen wie in den beiden Schaudepots „Antike bis Barock“ und „Barock bis Gegenwart“ nach künstlerischer Zusammengehörigkeit und nach Chronologie – und das ist gut so.

Ausstellungen

k. A.

Den umfänglichsten Teil in der vorgelegten Monographie zum Albertinum nimmt die Vorstellung der Einzelwerke von Künstlern der Romantik bis zur Gegenwart ein. Die jeweiligen Werksbeschreibungen sind kurz und knapp gehalten und begleiten die jeweilige Abbildung des Kunstwerks, ob nun Ai Wei Weis „Marble Door“ , Horst Antes „Figur mit Doppelstigma“ oder Hans Arps organische Marmorform „Ram I“. Ernst Barlach ist mit einer seiner russischen Bettlerinnen vertreten, während Baselitz uns unter anderem seine „Dresdner Frauen – die Elbe“ vorstellt. Ganz in der Tradition der Porträtmalerei schuf Beckmann als eines seiner Frühwerke das Bildnis der Malerin Augusta Gräfin von Hagen. Aus aufgefalteter Bronze schuf Emil Cimiotti seine „Große Düne“. Doch neben der Bildhauerei besticht die Sammlung durch das Konvolut an Gemälden, ob Corinths „Walchensee“ Dahls „Mühle im Liebethaler Grund“, Degas' „Zwei Tänzerinnen“ oder James Ensors „Stillleben mit Rotkohl“. Aktuelle Kunst, Kunst der Neuen Sachlichkeit, der „Brücke-Maler“, des Symbolismus und der Romantik sind unter einem Dach vereint. Wer also Caspar David Friedrichs „Schiffe im Hafen am Abend“ sehen möchte und dazu auch mehr erfahren will, kommt beim Lesen des „Ausstellungskatalogs“ ebenso auf seine Kosten wie derjenige, der sich für Paul Gaugin, Hubertus Glebe oder Ernst Wilhelm Nay interessiert.

Der Klingersaal

Wer sich für den im ausgehenden 19. Jahrhundert aufkeimenden Symbolismus interessiert, der wird im Klingersaal nicht nur Arbeiten von Max Klinger, so die Skulptur „Die neue Salome“, sondern auch Franz von Stucks „Das verlorene Bild“ entdecken.

Der Beziehung Mann-Frau widmet sich Klinger in seiner 1904 aus Marmor gearbeiteten Personengruppe,die aus dem Block des Ausgangsmaterials herausgeschält erscheint. Ähliches gilt für Klingers „Schlafende“, einen weiblichen Akt, dessen Haupt auf der Hand abgelegt ist und zu träumen scheint. Vamp und Heilige zugleich ist Klingers aus bemaltem Gips geschaffene Salome. Nicht zu übersehen ist Klingers verführerische „Große weibliche Gewandfigur“. Zu diesen plastischen Arbeiten gesellen sich Gemälde wie „Sommertag“ von Georg Kolbe und Max Slevogts „Der Ritter und die Frauen“ (1903). Auch Auguste Rodin ist im Klingersaal zugegen, wird doch hier seine Büste des Komponisten Gustav Mahler ausgestellt.

Dem Symbolismus zuzurechnen ist wie Klinger auch der Dresdner Künstler Sascha Schneider (1870-1927), dessen stehender bronzener Jüngling mit goldenem Stirnband ebenso zu sehen ist wie die Gouache „Um die Freiheit“. Der griechischen Mythologie entnahm Arnold Böcklin das Motiv von „Pan und Syrinx“. Heiter erscheint „Der Sommertag“, ein Gemälde einer Traumwelt mit weiter Perspektive. Mit „Das verlorene Paradies“ von Franz von Stuck wird ein christliches Thema bearbeitet. Adam und Eva enteilen dem Paradies. Bedrohlich erscheint der Engel mit aufgepflanztem Schwert, der den beiden keine Wahl lässt, als zu fliehen. Ähnlich wie Böcklin hat sich auch von Stuck mit der antiken Mythologie befasst, wie sein Gemälde „Cantaur und Nymphe“ unterstreicht.

Der Mosaiksaal

Dieser Saal ist dem Schaffen Ernst Rietschels vorbehalten, der vor allem dank seines Lessing- und seines Goethe-Schiller-Denkmals bekannt wurde.

Doch neben Rietschel sieht man auch die Büste des jugendlichen Gelehrten Alexander von Humboldt mit kecker Schopffrisur, ein Werk von Friedrich Tieck. Aus dem Nachlass des Hofmalers Anton Raphael Mengs stammt die sogenannte Gruppe von San Ildefonos. Das Original ist es nicht, sondern ein hochkarätiger Abguss, der wie andere Abgüsse im 18. Jahrhundert als Vorlage für akademische Zeichenkurse diente. Neben den oben genannten Arbeiten steht man sich Goethe und Schiller ein weiteres Mal gegenüber. Die beiden bekannten Dichter sind jedoch nicht in einer gemeinsamen Gruppe, sondern separat sitzend und gedacht für ein Denkmal vor dem ersten Dresdner Hoftheater. In dem Weimarer Denkmal, in dem Schiller und Goethe vereint sind, scheint es, als würde Schiller den Dichterfürsten beschwichtigen zu wollen, betrachtet man die Geste von Schillers Rechten. Zu sehen ist außerdem eine bronzene Mänade auf einem Panter, eine Arbeit von Ernst Julius Hähnel von 1886. Kontrapunkt zu dem römischen Bodenmosaik, das 1843 gefunden und 1877 für Dresden erworben wurde, erscheint Thomas Scheibnitz' phallische Plexiglasskulptur.

Das Schaulager

Gleich im Eingangsbereich am Georg-Treu-Platz stößt der Besucher nicht nur auf Ulrich Rückriems „Ägypter“ von 2009, sondern auch auf das erste der drei Schaulager sowie Permosers „Chronos“. Der Besucher erhält einen ersten Eindruck der beeindruckenden Sammlung , die hier nicht dauerhaft verbleiben wird. Der Zwinger wird die neue Heimstatt werden, wenn dort die Umbaumaßnahmen abgeschlossen sind. 150 Skulpturen geben einen nachhaltigen Eindruck unterschiedlicher bildhauerischer Konzepte. Doch damit nicht genug. Im ersten Obergeschoss kann man sich gleichfalls einen Überblick über die Bildhauerei der vergangenen Jahrhunderte verschaffen, reist gleichsam von der Antike über das Barock in die Gegenwart. Diese beiden gläsernen Depots werden im Albertinum verbleiben.

Ein Löwenkopf aus Karnak ist ebenso zu bestaunen wie die naturgetreue Statue eines hockenden Pavians aus dem 2.Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung. Beide stammen aus Ägypten der Pharaonen. Das gilt auch für das Oberteil eines Würfelhockers. Späthellenistisch hingegen ist der Torso eines Jünglings. Einen Frauenkopf mit hohem Haarkranz über der Stirn kann man ebenso in Augenschein nehmen wie die Figurengruppe Herkules und Carus von Francesco Baratta dem Älteren. Verschleiert ist das Haupt der Vestalin, das Antonio Coradini 1724 skulpierte. Wir sind nunmehr aus dem alten Ägypten in die Zeit des europäischen Barock gereist. In einem weiteren Depot können wir diese kunstgeschichtliche Exkursion bis in die Moderne fortsetzen, insbesondere wenn man die Skulpturenhalle in seine Rundreise miteinbezieht.

Es ist schon sehr beachtlich, was da alles an Kunst der Moderne im Depot schlummert. Wieland Förster ist unter anderem mit einem männlichen Torso von 1967 und einem kleinen weiblichen Torso präsent. Gustav Seitz, dem Berlin das Käthe-Kollwitz-Denkmal verdankt, schuf die Maske von Wu-an-Wang. Außerdem ist auch die sitzende Künstlerin Käthe Kollwitz mit ihrer Zeichenmappe im Depot vorhanden. Christoph Voll lässt mit der sich den BH öffnenden Frau ein wenig Erotik auflammen. Gerhard Marcks, einer der Lichtgestalten der deutschen Bildhauerei, gestaltete 1937 „Nana II“, während Waldemar Grzimek den schreitenden, füllig wirkenden Bertold Brecht modellierte. In ähnlicher Formensprache wie die Büste Herwart Waldens schuf William Wauer sein Hund-Katze-Paar. Max Kolbe porträtierte seinen Künstlerkollegen Max Slevogt und Edmund Möller den deutschen Impressionisten Max Liebermann, der neben Corinth und Slevogt das Dreigestirn des Impressionismus in Deutschland bildete. Nicht der Rächer oder der Schwebende von Ernst Barlach ist ausgestellt, sondern die Keramik der russischen Bettlerin und ein Bauernpaar. Eine Dame mit modischem Hut schuf Edwin Scharff. Sitzend und die Hände auf die Schenkel gelegt, so stellt Constantin Meunier einen alten Mann dar.

Verlassen wir die Moderne, so tauchen wir ins 18. Jahrhundert ein und bestaunen zum Beispiel „Die Züchtigung“ von Paul Heermann und die Büste August des Starken von 1718. Auch Persönlichkeiten der Zeit, wie der sächsische Kurfürst Christian II. und Kardinal Richelieu, waren damals Motive der Bildhauerei, die Auftragsarbeit war und nicht frei von gesellschaftlichen Zwängen.

Die Skulpturenhalle

Ob der Denker von Rodin, die Tänzerin von Degas, Arbeiten von Wieland Förster oder Per Kirkeby, in der Skulpturenhalle finden man sie an einem Ort und reist somit durch die Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts ebenso wie die des 20. und 21. Jahrhunderts. Diese Reise endete beim Seelenfänger von Birgit Dieker und bei der Klanginstallation von Stephan von Huene mit dem Titel „Sirenen Low“. Doch der Klang der Sirenen schallt durch die Gewölbehalle nur zu bestimmten Zeiten, ist also keine Dauerreizung des Besuchers, der sich ganz und gar auf die frei stehenden Skulpturen einlassen kann.

Als wolle er auf uns zugehen, so mutet Auguste Rodins lebensgroßer „Johannes der Täufer“ an. Im Gegensatz zu anderen Skulpturen ist er seines Sockels enthoben, sodass wir ihm auf Augenhöhe gegenüberstehen. Ganz anderes hingegen ist dies bei dem berühmte hockenden Denker, der auf einem hohen Sockel seinen Platz gefunden hat. Dass Rodin seine Arbeiten teilweise vom akademischen Sockel gestoßen hat, war für dessen Zeitgenossen weniger ein Skandal als die von Rodin perfektionierte in Gips und Bronze gegossene Leidenschaft – man denke nur an Rodins „Der Kuss“, der allerdings in Dresden nicht zu sehen ist. Rodins Werke werden mit denen des belgischen Soziorealisten Constantin Meunier vereint, dessen ehemaliges Atelier in Brüssel mehr als nur den in Dresden ausgestellten Hafenarbeiter zeigt. Meunier, der ein genauer Kenner des Alltags der Minenarbeiter der Wallonie war, da er diese südbelgische Region ausgiebig bereits hatte, beeindruckt in Dresden durch sein monumentales Werk „Grubengas“, 1898 aus Gips entstanden und auf ein Grubenunglück sich beziehend. Hingestreckt liegt der tote Bergmann, Grubenlampe und Helm neben ihm liegend. Über ihn beugt sich die trauernde Mutter. Unweit davon sehen wir die junge Tänzerin im Tüllröckchen, die Edgar Degas zu verdanken ist. Voller Körperspannung ist diese Figur: Der Kopf ist leicht nach oben gestreckt, die Arme hinter dem Rücken und das eine Bein in seitlicher Stellung so, als ob im nächsten Moment der Sprung oder das Aufrichten auf die Fußspitzen bevorstünde. Unter die Arbeit von Rodin, Degas und Meunier mischt sich ein zeitgenössisches Werk – und das ist Konzept und Absicht: Thomas Scheibitz schuf eine lackierte, aus Stahl und Aluminium bestehende kreisförmige Skulptur, deren Mitte aufgesprengt ist. Es scheint, als habe ein Geschoss die Skulptur „Ruine“ durchdrungen.

Daneben finden sich Porträtbüsten, ob die einer alten Frau von Meunier oder eines Pferdehändlers von Aimé-Jules Dalou. Nicht zu übersehen sind die weiblichen Akte von Wilhelm Lehmbruck, verschlankte und überlängte Figuren wie die “Kniende“. Dabei handelt es sich um einen Steinguss, der 1920 aus dem Besitz von Lehmbrucks Witwe angekauft wurde. Als entartete Kunst 1937 beschlagnahmt, kam die Arbeit in die USA und von dort durch Ankauf nach Dresden. Lehmbruck ist zudem mit dem sogenannten Hagener Torso in der sehenswerten Schau vertreten.

Mit Hans Arp und Henry Moore sind zwei Vertreter der organischen Form in der Skulpturenhalle zu sehen. „Ram I“ von Arp steht dabei im Kontrast zu den Faltungen von Hermann Glöckner und dem kubo-futuristischen Kopf des Galeristen Herwarth Walden, der von William Wauer geschaffen wurde. Die Rundungen bevorzugte Aristide Maillol bei den weiblichen Geschöpfen, die ihm gelangen, so auch bei der Badenden.

Blockhaft erscheint der „Geschlagene“ von Wieland Förster, eine Bronze von 1989. Ohne Sockel zeigt sich Tim Scotts „Feminine for Structure VII“, eine „Collage“ aus Rohren und Stabeisen. Nebenan steht die Archiskulptur von Per Kirkeby mit dem Titel „Tor I“. Sie gleicht einem Block mit unebener, „welliger“ Außenhaut und einem tiefen lanzettförmigen Einschnitt. Aus Fundsachen hat Tony Cragg seine Skulptur geschichtet: Pappe, eine Schublade, eine Plastikwanne, eine Büchse und auch Holz sind die Materialien, die verwendet wurden. Gänzlich anders dagegen ist seine hoch aufsteigende, bewegt erscheinende Arbeit auf dünnen über einander geklebten Holzschichten mit dem Titel „Ever After“. Sie erscheint wie einer bizarr erodierte Felsformation, die zugleich menschliche Gesichter zum Vorschein bringt. Kantig und an einen Schachtelhalm erinnernd, so ist Fritz Wotrubas „Figur“, die 1958 entstanden ist. Landschaften wie „Große Düne“ schuf Emil Cimiotti durch gefaltete Gebilde, die er durch Wachsmodelle vorfertigte. Diese wurden von einer Form umgeben, in die Bronze eingefüllt wurde. Der Wachs schmolz, die gefaltete Bronzestruktur ist das Resultat.

Am Ende stehen wir nicht nur den Holzblöcken von Carl Andre gegenüber, sondern auch dem Gewirr aus Tauen und Rettungsringen gegenüber, die sich zu einem „Seelenfänger“ vereinen. Nicht vergessen werden darf, dass Wieland Förster nicht der einzige Bildhauer der DDR ist, der in der Präsentation gezeigt wird, sondern auch der in der Tradition des sozialistischen Realismus gefangenen Walter Arnold mit „Jugend – Baumeister der DDR“. Dabei handelt es sich die Figur einer jungen Landarbeiterin. © fdp

Galerie Neue Meister
Albertinum. Kunst von der Romantik bis zur Gegenwart
Eingang über Brühlsche Terrasse oder Georg-Treu-Platz
Öffnungszeiten
täglich 10 bis 18 Uhr 

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