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Australien: Unterwegs im Kakadu Nationalpark

Darwin, einer der Ausgangspunkte für Unternehmungen im Kakadu National Park, empfängt Neuankömmlingen aus Europa auch am frühen Morgen noch mit Temperaturen um die 30 ° und tropischer Luftfeuchtigkeit, die rasch erkennen lassen, daß Jeans und Jeanshemd als Bekleidung ungeeignet sind. Bermudashorts, leichtes T-Shirt und Joggingschuhe, vor allem aber eine Basketball-Kappe gegen die unbarmherzig niederscheinende Sonne bestimmen tagsüber alsbald das eigene Outfit. Der Kakadu National Park, seit Jahrzehnten als UNESCO-Welterbe anerkannt, liegt unweit von Darwin, würden Aussies sagen, fragte man sie nach dem Weg. 

Umgebung von Nourlangie Rock

Doch derartige Entfernungsangaben sind für uns gewöhnungsbedürftig. Australier halten nämlich 500 Kilometer für »eben um die Ecke« - »it’s just around the corner«. Auch Farmland, das die Ausmaße von Hunderten von Quadratkilometern besitzt, ist in einem Kontinent, der durch die »Tyrannei der Entfernungen« geprägt ist, keine Seltenheit und bringt niemanden, der in Down Under Zuhause ist aus dem Fassung. Es überrascht daher auch wenig, daß die schiere Größe des Kakadu National Park - er ist größer als das Bundesland Schleswig-Holstein - von Aussies nur mit einem Achselzucken und trockenen und vernuscheltes »Is it« zur Kenntnis genommen wird.

Nach einigen Tagen, um die Zeit- und Klimaumstellung zu verarbeiten, begann ich nach Möglichkeiten Ausschau zu halten, wie ich am besten in den neben den Great Barrier Reefs und Ayers Rock wohl berühmtesten Nationalpark von Down Under gelangen konnte. Und es gibt Tage, an denen der Zufall bestimmt, wann und wohin man reist: In einem der Outdoor Shops in Darwin, in denen ich meine Ausrüstung ergänzen wollte, traf ich zufälligerweise Greg, der vorhatte, mit einigen anderen Zufallsbekannten einige Tage das »Abenteuer« Kakadu zu erleben. Da er mir sympathisch war, zudem erzählte, daß er einige Semester Biologie studiert habe und sich auch ansonsten recht gut mit den heimischen Tieren und der Pflanzenwelt in Kakadu auskenne, nahm ich gern sein Angebot an mitzukommen. Ein kleinen Haken hatte die Einladung doch: Da sein etwas ältlicher Geländewagen nicht gerade viel Platz bot - vom Komfort ganz zu schweigen -, mußte ich zunächst meine persönliche Kleidung auf das Minimum reduzieren. In einen kleinen Rucksack wurden dann Thermounterwäsche, T-Shirts zum Wechseln, Kamera, Badezeug und Insektenspray verstaut. Und auch der Leinenschlafsack fand sich schließlich nach mehrmaligen Packversuchen im Rucksack wieder. Um Unterkunft und Verpflegung versprach sich Greg zu kümmern, was - wie sich später herausstellte - auch fabelhaft klappte. Als wir uns nach einer weiteren schwülen Nächte bei Sonnenaufgang unweit der Busstation trafen, mußte zunächst das Gepäck oben auf dem Dach des olivgrünen Geländegefährts verstaut werden. Nach und nach kletterten dann Rob, Ad, Meike, Miriam, Catherine und ich selbst - ein bunt gemischtes Häuflein von Australien-Globetrottern aus Berlin, Melbourne, Rotterdam, Zürich, Vancouver und Salt Lake City - in den Range Rover, der schon bessere Tage gesehen haben mußte. Daß wir dicht gedrängt und auf Tuchfühlung nebeneinander saßen, stellte sich bei der weiteren Fahrt als glücklicher Umstand heraus. Nicht so sehr auf dem asphaltieren Highway, der in den Nationalpark führt, war dies ein Vorteil, sondern vor allem als wir uns über die sandigen und gerölligen Schneisen zu den Highlights des Kakadu National Park wie Jim Jim Falls begaben. Diese ausgefahrenen und ausgewaschenen Pisten schüttelten uns nämlich gehörig durch. Gelegentlich fanden wir nur aneinander Halt, um nicht durch den Wagen geschleudert zu werden.

...auch Palmenhaine gedeihen in Australiens Norden

Zunächst ging die Fahrt über den ausgebauten Stuart Highway zum Howard Springs Nature Reserve. Hier lockte der erste erfrischende Sprung in den dortigen Pool. Umgeben waren wir dabei von Schlangenhalsschildkröten und einem Heer von Fischen, darunter die bei Angler sehr begehrten Barramundi. Aus einiger Distanz beäugten uns scheue Ibissen, die ihren grünschimmerndem Hals rhythmisch auf- und niederreckten und bei jeder Annäherung flink im Dickicht verschwanden. Bei einbrechender Dämmerung verließen wir Howard Springs, um zum Fogg Dam Conservation Reserve fahren.

...ein Urvieh Australiens: die Kragenechse

Einstmals war dieses heutige Naturschutzgebiet eine Reisplantage, die mit geringem Erfolg betrieben wurde, ehe man sie aufgab. In diesem geschützten Feuchtgebiet, in dem weiß gefiederte Reiher und schwarzweiß gefiederte Spaltfußgänse leben, hörten wir in der Dämmerung den Gesang der Zikaden. Im Licht unserer Taschenlampen schwirrten weiße Motten umher. Klatschende Geräusche erschreckten uns zunächst, ehe sich herausstellte, daß sich grüne Baumfrösche ins seichte Wasser fallen lassen. Eine sogenannte Salt and Pepper Snake, die wegen ihrer gesprenkelten Schuppen mit Recht so heißt, schlängelte sich - ohne von uns Notiz zu nehmen - gemächlich über den Weg und in Blattnestern warteten braun-schwarze, haarige Spinnen auf ihr Festmahl. Nur hier und da schimmerte das Rosa der verschlossenen Lotuslilien im vergehenden Licht.

Von Fogg Dam aus fuhren wir zum Arnhem Highway zurück, um Bark Hut Inn für unsere erste Übernachtung zu erreichen. Doch Greg wählte nicht den direkten Weg, sondern bog hier und da unvermutet auf mehr oder weniger versteckte Pisten ab. Er schien sich auch bei tiefster Dunkelheit im Gelände gut auszukennen und entdeckte kleinere Wasserstellen, an denen wir durch unsere Anwesenheit scheuche, braunweiß gefiederte Nachreiher aufschreckten.

Eine von etwa 650 Eukalyptusarten Australiens: Salmon Gum

Im Wasser bewegten sich unterdessen träge Wasserschlangen, die, hatte man sie gefangen, völlig schlaff in der Hand lagen. Aborigines, so erzählte Greg, töten diese Schlange, indem sie ihnen den Kopf abbeißen, um sie dann zu braten. Wir waren skeptisch, ob wir eine solche Delikatesse wirklich probieren wollten. Doch unsere Aufmerksamkeit lenkte Greg noch auf einige andere Reptilien, die im Wasser lagen: Unter glitschigen Felsen versteckten sich mehrere schwarze Wasserpythons, die sich mit aller Muskelkraft dagegen wehrten, in die Hand genommen zu werden. Das Fangen von Schlangen, so Greg, sollte man nur geschulten Australiern überlassen, die davon etwas verstehen. Denn manch eine Schlange ist nicht so harmlos, wie sie ausschaut: Als Greg während unserer Weiterfahrt urplötzlich auf dem Highway stoppte, wußte niemand warum. Erst nach dem Aussteigen entdeckten wir ihn bei einer angefahrenen rotbraunen Todesotter, die sich in Imponiergebärde flach ausgestreckt hat. Sie hatte einen gebrochenem Kiefer und war daher zum Hungertod verurteilt, doch ungefährlicher machte sie dies nicht. Denn mit ihrem Biß konnte sie noch immer ihr Gift in die Hand oder den Arm des unachtsamen Fängers pumpen.

Bei der Weiterfahrt am nächsten Tag zum Nourlangie Rock mit Felszeichnungen der Aborigines, der Ureinwohner des Kontinents Australien, loderten links und rechts des Highway kleinere Buschfeuer.

Immer wiederkehrend - Buschbrände in Australiens Norden

 Die züngelnden Flammen machten auch vor den orange blühenden Eucalyptus miniata und vereinzelten »Sandpalmen« (Livistona humilis) nicht halt. Überall waren verkohlte Eukalyptusstämme zu sehen, deren Astlöcher noch rot glühten. Über dieser Szenerie kreiste ein Greif, der sich leichte Beute versprach, flohen doch zahlreiche Echsen, darunter auch Kragenechsen, flugs aus diesem Inferno. Durchgeschüttelt erreichen wir dann schließlich das Feuchgebiet von Mamukala.

Es war schon deshalb ein lohnenswertes Ziel, weil von einem Vogelbeabachtungsstand aus Ibisse, Pfeifgänse und Grüne Zwerglanzenten zu beobachten waren. Neben dem angelegten Weg und am Randes des Feuchtgebietes blühten als Farbtupfer im umgebenden Grün fünf bis acht Meter hohe Barringtonia acutangula, Frischwassermangroven mit roten »Spinnenbeinblüten«. Übrigens: Die Aborigines wußten von der Giftigkeit der Früchte dieser Mangrovenart und nutzten dieses Gift zum Fischfang.

...Vielfalt der Flora: der sogenannte 'Bridal Tree'

Nach kurzem Aufenthalt, denn Greg hatte sich ein dicht gedrängtes Programm überlegt, hieß es, wieder im engen Rover Platz zu nehmen, um den nächsten Zwischenstopp Little Norulangie zu erreichen. Vom dortigen Nawurlanja Lookout genossen wir einen sehr guten Rundumblick über die umliegende Waldsavannenlandschaft. Als geübte Buschwanderer entdeckte Greg einen Ficus , der über einer Felsspalte wuchs, und als Einstiegshilfe für die Erkundung der Unterwelt dienen sollten. Als wir uns im fahlen Licht einiger Taschenlampen nach einiger Zeit innerhalb der Höhlen orientieren konnten, nahmen wir auch das aufgeregte Piepsen und Flattern war, das eine Kolonien von Fledermäusen verursachte, in deren Revier wir eingedrungen waren.

Nächste Station war dann Nourlangie Rock mit der Anbangbang Gallery nebst den dortigen Felszeichnungen. Unser Rundweg führte uns vom Parkplatz am Nourlangie Rock zu einem Aussichtspunkt, und von dort aus ging es nach links hinunter, wo sich am Fuße des Felsen mehrere Galerien befinden. Eine der jüngeren Malereien ist Nabulwinjbulwinj, ein böser Geist, der Frauen verspeist. 1964 ist diese Figur von Nayambolmi, auch Barramundi Charlie genannt, geschaffen worden. Eine Männer- und Frauengruppe, die zu einer Zeremonie unterwegs ist, Narmarrgon, der Lightning Man, dessen Frau, Saratoga-Fische und ein böser Geist, Namondjok, bilden das Gesamtkunstwerk in der Hauptgalerie. 

Namondjok - der böse Geist -, Namarrgon - der 'Blitzmann' - und Barrinj, die Frau von Namarrgon - Felszeichnungen der Hauptgalerie von Nourlangie

 

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