Reiseführer Rom

Palazzo delle Esposizioni

Er fällt sofort ins Auge, promeniert man die elegante Via Nazionale hinunter. Schräg gegenüber lagert mit ihren gewaltigen Ausmaßen die Banca d`Italia. Neben dem historisierenden Ausstellungs-Palazzo bilden der von Gaetano Koch entworfene Hauptsitz der italienischen Staatsbank sowie das Teatro Eliseo und die amerikanisch-protestantische Kirche St. Paul Within the Walls die auffallendsten Bauten an der Via Nazionale. Seit der Vereinigung Italiens in den 1860er Jahren und verstärkt mit der Ausrufung Roms zur Hauptstadt 1871 wurde an der bedeutenden Verkehrsachse noch bis 1935 gebaut. Eigentlich nicht als Prachtstraße geplant, hat sie sich zu einer anspruchsvollen Einkaufsmeile entwickelt, an der sich auch zahllose Hotels ansiedelten.

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Erstmals in Rom wurde für ein öffentliches Gebäude ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Das war 1876 und ein Jahr später folgte noch ein zweiter Wettbewerb mit unglaublichen 74 Teilnehmern, aus denen Pio Piacentini als Sieger hervorging. Aber erst 1880 begannen die Bauarbeiten für den Ausstellungs-Palazzo, die dann aber zügig durchgeführt wurden und schon 1883 abgeschlossen werden konnten.

Der neoklassizistische Bau des Piacentini ruht auf einem hohen Sockel. Eine breite Freitreppe führt zum Rundbogenportal hinauf, das von einem riesigen Triumphbogen eingerahmt wird. Die zur Nazionale gerichteten Flügelseiten werden durch flache Wandpfeiler (sog. Lisenen) gegliedert, während das zurückgesetzte Obergeschoss glatte Travertinwände aufweist. Durch ein Vestibül und über eine breite Treppe gelangt man in eine Empfangshalle mit seitlich angeordneten Ausstellungsräumen. Das Obergeschoss zeigt die gleiche Raumordnung. Ein Kuppel schließt die Geschossebenen nach oben ab.

Mit einer Fläche von fast 10.000 m² gilt der Palazzo als größter interdisziplinärer Ausstellungsraum Roms. Er verfügt außerdem über ein Kino, Auditorium, Forum, Atelier sowie eine Buchhandlung, Restaurant und Caffeteria. ,

Einen kleinen Einblick in die große Zahl hochkarätiger Ausstellungen und propagandistischer Inszenierungen im Palazzo delle Esposizioni gibt die folgende Übersicht:

La Quadriennale di Roma (zur Förderung der zeitgenössischen Kunst) fand von der 1. (1931) bis zur 16. (2016/17) mit ganz wenigen Ausnahmen hier im Palazzo statt.

Eine groß aufgezogene Würdigung des italienischen Nationalhelden Giuseppe Garibaldi gab es 1932.

1932 bis 1934 war die „Rivoluzione Fascista“ das Thema und 1937/38 fand die Mostra Augustea della Romanità statt, die Augusteische Ausstellung der Römertums anlässlich des im faschistischen Italien aufwändig gefeierten zweitausendsten Geburtstags von Kaiser Augustus, der Glanz und Größe der römischen Zivilisation den Besuchern als Vorbild für das faschistische Italien präsentierte.

Die Ausstellung „Futurismus 1909 – 1944“ im Jahre 2001 in Zusammenarbeit mit dem Sprengel-Museum in Hannover.

„Play – Il mondo dei videogiocchi“, die erste europäische Ausstellung, die sich Videospielen widmete.

2009 war Charles Darwin im Programm und 2014 Pier Paolo Pasolini.

2017 war das Thema „Hollywood Icons“, eine Präsentation von Fotografien der John-Kobal-Stiftung, die 160 Aufnahmen von Hollywoodgrößen aus den 20er bis 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zeigte.

Unmittelbar neben dem Palazzo delle Esposizione führt eine breite Treppe etliche Meter hinunter auf das Straßenniveau des antiken Rom zu der kleinen, frühchristlichen Kirche San Vitale, deren Anfänge im frühen 5. Jahrhundert vermutet werden.

(Via Nazionale 194)





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