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Palazzo Borghese

Monumentale Ausmaße weist er auf und auch seine repräsentative Wirkung ist kein Zufall. Wer einmal seine strengen Fassaden passieren durfte, den empfangen überraschend üppig dekorierte Palastinnenwelten. Sie waren jahrhundertelang prominenter Treffpunkt der römischen Aristokratie, die sich hier zu den legendären „Freitagsempfängen“ einfand, zu Kostüm- und Karnevalsbällen, Tanzfesten, Spiel- und Kartenrunden. Eine exquisite Kunstsammlung mit Objekten zeitgenössischer Maler und antiker Bildhauer unterstrich die überragende gesellschaftliche Position der Borghese-Familie. Später zogen widrige Zeiten auf. Französische Truppen besetzten 1798 die Ewige Stadt, der Papststaat wurde aufgelöst, die Republik ausgerufen und Napoleon ordnete den Verkauf der umfangreichen Antikensammlung der Borghese nach Paris an, wo sie einen beträchtlichen Anteil am Grundstock der Louvre-Sammlungen stellte. Es kam noch schlimmer. In der Boomzeit nach der Staatsgründung (1870) bewies Familienoberhaupt Paolo Borghese wenig Geschick bei seinen Bauspekulationen. Der nachfolgende Bankrott stürzte die Familie in erhebliche Nöte.  

Palazzo Borghese

Innenhof mit Arkaden. Im Hintergrund ein Brunnen des Nymphaeums

Der Palazzo musste 1892 verkauft werden. Was noch an Kunstobjekten im Besitz der Familie war, wurde in der fürstlichen Sommerresidenz, der heutigen Galleria Borghese, untergebracht, doch 1902 musste auch diese samt kostbaren Gemälden und Skulpturen an den italienischen Staat verkauft werden, der sie an die Kommune Rom weiterreichte. Paolos Sohn Scipione Borghese konnte zwar den Palazzo zurückkaufen und das fürstliche Vermögen stabilisieren, doch die große Zeit der Borghese war Vergangenheit. Sie hatte mit Kardinal Camillo Borghese begonnen, der 1604 den damals noch unfertigen Palazzo erworben hatte. Wenig später wurde er als Paul V. zum Papst gewählt und die Borghese-Familie förmlich in die römische Hocharistokratie katapultiert. Ihr rasanter Aufstieg spiegelte sich auch im ehrgeizigen Bauprogramm des Familienwohnsitzes wider.

Palazzo Borghese

Neben Hausarchitekt Flaminio Ponzio wurde die Elite der römischen Baumeister, Architekten und Dekorateure in Anspruch genommen, darunter Carlo Rainaldi, der u. a. die Zwillingskirchen auf der Piazza del Popolo schuf und St. Andrea della Valle gestaltete zusammen mit Carlo Maderno, der sein Können am Petersdom, an der Fassade von Sta. Susanna und St. Gregorio Magno unter Beweis gestellt hatte. Flaminio Ponzio entwarf auch den Plan für die Villa Borghese (heute: Galleria Borghese), der nach seinem Tod von dem flämischen Architekten Jan van Zanten (d. i. Giovanni Vasanzio) fortgeführt wurde. Von Carlo Maderno stammte die Idee, dem Palazzo der Borghese einen unregelmäßigen, geschwungenen Grundriss zu geben. Vom Volksmund wird der Stadtpalast wegen dieser eigenwilligen Form scherzhaft „Cembalo“ genannt, dessen Schmalseite gegenüber dem Tiber seine „Tastatur“ darstelle. Der langgezogene Bau umschließt einen Innenhof, den doppelgeschossige Arkaden an drei Seiten begrenzen. Durchschreitet man die Arkaden, begegnet man zwei antiken Statuen (Zeus` Sohn Apollo – mit Frauenkopf – und die römische Göttin Ceres, Tochter des Saturn), um nach wenigen Schritten eine märchenhafte Wasserwelt, Carlo Rainaldis Nymphaeum, zu betreten, sein Bagno di Venere (Venusbad), verschwenderisch ausgeschmückt mit Girlanden, Nischen, Vasen, Büsten, Putten und noch mehr Nackedeis.

Palazzo Borghese

Gegenüber dem Palast, an der Piazza Borghese, entstand in den Jahren 1624-1626 ein weiterer Palast, um der „famiglia“, dem hundertköpfigen Diensttross des Fürstenhauses eine standesgemäße Unterkunft zu geben. Ciro Ferri, Domenico Corvi und viele andere sorgten derweil für Freskenschmuck im Haupt- und Obergeschoss. Es wurde nach Kräften dekoriert, mit Wandteppichen und Gemälden behängt, Mobiliar aufgestellt, die Gemächer der Fürstin ausgestattet, die sich über zwei Zwischengeschosse erstreckten und, wie berichtet wird, „ihresgleichen in den römischen Adelspalästen suchen“. Ins gemachte Nest setzte sich auch die berühmteste aller Borghese-Fürstinnen, Paolina Borghese, die Lieblingsschwester von Napoleon Bonaparte und Ehefrau des Fürsten Camillo.

Während der faschistischen Zeit strebten einige Familienangehörige in die Politik und den Militärapparat wie der berüchtigte Junio Valerio Scipione Borghese, der als Kriegsverbrecher verurteilt, aber begnadigt wurde und 1974 im Exil in Franco-Spanien starb. Das verbriefte Wohnrecht im Palazzo blieb den Borghese erhalten, nach wie vor bewohnen sie einen Gebäudetrakt. Hausherrin ist Alessandra Borghese (eigentlich: Donna Alessandra Romana dei Principi Borghese). Etliche Zimmerfluchten sind vermietet. Die spanische Botschaft verfügt hier über repräsentative Räumlichkeiten und schon seit 1922 sorgt der illustre „Circolo della Caccia“, der Jagdclub, dafür, dass die Erinnerung an die aristokratischen Glanzzeiten nicht in Vergessenheit gerät. Der Club ist ein Sammelbecken für Angehörige des schwarzen Adels (nobiltà nera), der großen, alten Familien von Orsini bis Colonna und von Ruspoli bis Pallavicini, die sich auszeichnen durch Papstnähe und Republikferne.

Der Palazzo ist für Besucher nicht zugänglich.

(Piazza della Fontanella di Borghese)

 



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