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Reiseführer Rom


Herkules-Tempel

Unstrittig ist, dass der Rundtempel auf dem Forum Boarium nahe dem Tiberufer der älteste in Rom erhaltene Marmorbau ist. Wer sein Architekt war und wer der Auftraggeber, darüber gehen die Ansichten auseinander, wie auch bei der Antwort auf die Frage, welchem vielbeschäftigtem Schutzpatron der Tempel geweiht war, dem „Hercules Victor“, dem „Hercules Olivarius“ oder war noch ein anderer im Spiel?

Der erste in Rom errichtete Marmortempel war der dem Jupiter Stator geweihte Bau, von dem aber keine Spuren blieben. Hermodoros, ein Architekt aus dem zyprischen Salamis, soll der Erbauer gewesen sein. Möglicherweise war der mit den hellenistischen Stilelementen des griechischen Ostens bestens vertraute Mann aus Zypern auch der Architekt des Rundtempels am Tiberufer. Wenn es so war, muss es sich um das Jahr 120 v. Chr. abgespielt haben.

Herkules, der im olympischen Götterhimmel der Griechen als Herakles mit einer Fülle von Aufgaben betraute Heros, fand anstandslos Aufnahme in der römischen Mythologie. Als Schutzpatron für Haus und Lager, für den Handel und die Kaufleute, als Beschützer der Reisenden und von Roms Soldaten als Siegesgott („Hercules Victor“) verehrt, wurde er einer der populärsten Götter des römischen Volkes. Es heißt, er sei auch Patron der Metzger gewesen und weiter wird berichtet, ein reicher Fleischhändler vom Forum Boarium, dem städtischen Viehmarkt, habe den Tempel gestiftet. Ganz anders klingt die Deutung, die sich auf eine Inschrift an der Basis der Kultstatue stützt. Danach sei ein gewisser Marcus Octavius Herrenus der Stifter gewesen und der Tempel sei dem Hercules Olivarius geweiht, der, wie der Name verrate, auch Schutzpatron der Vereinigung der Olivenölhändler, der „oliarii“, gewesen sei.

Die nur zum Teil erhaltene Inschrift erwähnt auch Skopas Minor, den jüngeren Skopas, einen griechischen Bildhauer, dem man die Götterstatue zuschreibt. Sie war in der Cella, dem runden, fensterlosen Kultraum des Tempels aufgestellt, der umringt wird von zwanzig, einen Kreis bildenden schlanken, kannelierten Säulen aus pentelischem Marmor, der aus der Umgebung von Athen herbeigeschafft worden war. Auch die Bauleute kamen vermutlich aus Griechenland, wo sie mit dem Bau hellenistischer Tholoi (von Tholos = Rundbau, berühmte Beispiele: Epidauros, Delphi, Olympia) Erfahrungen sammeln konnten. Seinerzeit fehlte den römischen Handwerkern noch jegliche Kenntnis im Umgang mit Marmor, war doch Tuffstein in der Vergangenheit das gängige Baumaterial für Tempelanlagen gewesen. Gut hundert Jahre nach der Errichtung des Tempels kam es im Jahre 15 n. Chr. zu einer katastrophalen Tiberüberschwemmung, die auch dem Herkules-Tempel schweren Schaden zufügte. Neun der zwanzig Säulen und elf korinthische Kapitelle mussten ersetzt werden. Marmor aus dem heimischen Carrara wurde dazu verwendet und die ortsansässigen „marmorarii“ lieferten den Beweis, dass sie inzwischen mit Marmor umzugehen verstanden. Neben einigen Säulen und Kapitellen ging auch der von den Säulen getragene steinerne Horizontalbalken (Architrav) zu Bruch und mit ihm das Originaldach.

Im Mittelalter wurde der Tempel während des Pontifikats von Innozenz II. in eine dem San Stefano geweihte Kirche umgewandelt und entging dadurch der Zerstörung. Als Chiesa di Santa Maria del Sole wurde sie im 17. Jahrhundert geführt. Wie sie damals aussah, hat der Zeichner, Kupferstecher und Architekt G. B. Piranesi 1748 festgehalten. Der von ihm mit „Veduta del tempio di Cibele“ (Ansicht des Kybele-Tempels) unterschriebene Stich zeigt den Tempel mit einer Glockenwand auf dem konischen Dach, einem Giebel und einem Wappen als Stuckrelief. Zwischen 1870 und 1890 endete die Funktion des Tempels als Kirche.

 

 

 



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