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Reiseführer Rom

„I centauri“ - Eine Hassliebe

Als lästige Straßenplage verschrieen, von anderen als Mobilitätsgarantie im römischen Dauerstau gepriesen, bewegen die Mopeds und Roller zwischen Piazza del Popolo und Colosseo die Gemüter von Bürgern und Stadtoberen seit Jahren und Jahrzehnten und ein Ende des gereizten Palavers ist nicht in Sicht.

Rom, I centauri

Was es heißt, dem „king of Roman streets“ in der „capitale europea degli scooter“ zu begegnen, wird für Neulinge in Rom zu einer unvergesslichen Erfahrung. Die Zweiräder aller PS-Klassen scheinen nur in großen Pulks unterwegs zu sein. Als röhrendes Rudel nähern sie sich mit zunehmender Geschwindigkeit dem wie angewurzelt verharrenden Passanten, umkurven ihn elegant, taxieren ihn für einen kurzen Moment mit coolem Blick, geben Gas, dass die vom schicken Sturzhelm kaum gebändigten Haare der vielen Rollermädchen wild im Fahrtwind tanzen und jagen auf die nächste Ampel zu, wo das Spiel von neuem beginnt: an den wartenden Autos vorbei, zwischen ihren Reihen sich mit kurzen Gasstößen hindurch lavierend, um die Poleposition zu erreichen und mit anderen Gleichgesinnten einen fetzigen Start hinzulegen – ein paar Sekunden bevor die Ampel auf Grün springt, versteht sich. Autofahrer mögen das gar nicht. Immerhin gibt es annähernd 2 Mio. Pkw`s in Rom und Roller nur knapp eine halbe Million, doch was die Scooter-Dichte angeht, rangiert die Stadt am Tiber weltweit an zweiter Stelle gleich nach dem indischen Mumbai (Bombay).

Rom, I centauri

Autofahrer wie Fußgänger, Polizia urbana und Carabinieri bringt es auf die Palme, mit welcher Selbstverständlichkeit die „Kentauren“ Vorrechte für sich in Anspruch nehmen. So wie sie mit ihrem Fahrzeug verschmelzen, erscheinen sie den Römern wie die antiken Fabelwesen mit menschlichem Oberkörper und einem Pferdeleib darunter. Umweht von einer Aura grenzenloser Freiheit und Kühnheit, setzen sie die Verkehrsregeln außer Kraft, noch entschiedener als es die anderen Verkehrsteilnehmer schon praktizieren, parken, wo immer sich Platz bietet, sei es auf Fußwegen, in Ladezonen, auf Grünstreifen oder Garageneinfahrten, nutzen den nächsten Fußweg mal schnell als Abkürzung oder jagen in der falschen Richtung durch Einbahnstraßen. Beschwerte sich ein Fußgänger in einer römischen Tageszeitung, Rom sei die einzige Stadt, in der man in einer Fußgängerzone von einem Motorroller angefahren wird. Beide, Passant und Rollerfahrer, liegen am Boden, der Mann mit dem Roller rappelt sich schnell wieder auf und brüllt: „Du Arschloch, musst du mir in den Weg kommen?“ Und fährt ungerührt weiter.

Um die allgemeine Kampfbereitschaft auf den Straßen etwas zu dämpfen, ließ der Stadtrat spezielle Parkzonen für motorini (Mofas, Roller) anlegen, die bald nicht mehr ausreichten. Nun wird eine neuer Versuch mit „Motorini Check Points“ gemacht. Mächtig aufgeregt hatte früher die Öffentlichkeit der aberwitzig hohe Schadstoffausstoß bei den Zweitaktern der römischen Rollerflotte, doch die Aufregung hat sich gelegt, seit die Umrüstung auf die umweltfreundlicheren Viertakter weit vorangeschritten ist.

Es ist auch nicht so, dass die Römer ihre motorini nicht lieben. Schließlich hat jeder „Roman Holiday“ gesehen, damals, 1953, oder später als zigfache Fernsehwiederholung mit Gregory Peck und Audrey Hepburn in den Hauptrollen, die verliebt auf einer Vespa um das Kolosseum kurvten. Und eine Vespa oder Piaggio, Gilera, Aprilia oder Benelli hat doch fast jeder besessen als Einstieg in die mobile Lebensart und das schon als 14jährige, die man auf einem gedrosselten Scooter losfahren ließ.



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