Hannover

Aussteigen lohnt sich (1/3)

 Text und Fotos von Helga Schnehagen

Die meisten steigen in Hannover von einem Zug in den anderen um. Doch es lohnt sich, hier einmal auszusteigen und zu verweilen. Die ehemalige Residenzstadt hat mehr Glanz und Charme, mehr Kultur und Unterhaltung, mehr Parks und Gärten als man denkt. Hannover ist eine Stadt der kurzen Wege und lässt sich gut zu Fuß oder mit der Straßenbahn erkunden.

Hannover - Herrenhäuser Gärten

Herrenhäuser Gärten: Die Große Kaskade im Großen Garten beherbergt die überlebensgroßen Skulpturen von Venus und Leda

Schon der Hauptbahnhof zählt zu den Sehenswürdigkeiten der Halb-Millionen-Stadt. Nach den Zerstörungen im Zeiten Weltkrieg wurde die Fassade des Empfangsgebäudes im alten Stil der Neorenaissance von 1883 wieder aufbaut. Das Reiterstandbild davor ehrt König Ernst August, der das ehemalige Königreich Hannover von 1837 bis 1851 regierte. Es ist einer der beliebtesten Treffpunkte. Denn in Hannover verabredet man sich gerne „unterm Schwanz", womit der Schweif des Pferdes gemeint ist.

Hannover - Hauptbahnhof, Reiterstandbild König Ernst August

Auf dem Bahnhofsvorplatz werden alle Reisenden von König Ernst August hoch zu Ross empfangen und verabschiedet

Mit Ernst August‘ Thronbesteigung endete die Personalunion zwischen Hannover und Großbritannien. Aufgrund unterschiedlicher Erbfolgegesetze regierte seine Nichte als Königin Viktoria jenseits des Kanals alleine weiter, da Hannover keine weibliche Erbfolge vorsah, Großbritannien aber schon. Ob man will oder nicht, an einem Ritt durch die Geschichte kommt man nicht vorbei: 1636 erklärte der Welfenherzog Georg von Calenberg Hannover zu seiner Residenz. Es entstand das Haus Hannover, das 1692 Kurfürstentum und 1814 Königreich wurde und von 1714 bis 1837 in Personalunion mit Großbritannien bestand. 1866 annektierte Preußen das Königreich. Seit 1946 ist Hannover Hauptstadt Niedersachsens.

Die Bahnhofstraße führt direkt in die City. Sie ist eine Fußgängerstraße auf zwei Ebenen. Im „Untergeschoss“ verläuft die rund 650 Meter lange Niki-de-Saint-Phalle-Promenade. Mit ihren meist kleinen Geschäften und Imbissläden ist sie das Tor zu Hannovers Einkaufswelt. Hannover wurde im Zweiten Weltkrieg zu 85 Prozent zerstört. Kaum ein Gebäude blieb von den Bomben verschont. Moderne Zweckbauten ersetzen seitdem den historischen Bestand. Dennoch lädt die ausgedehnte Fußgängerzone mit ihren Geschäften, Cafés und Restaurants heute zum Bummeln und Shoppen ein.

Hannover - Opernhaus

Renommierte Spielstätte der Sparten Oper, Ballett und Konzert der Niedersächsischen Staatstheater in Hannover

Über die Luisenstraße gelangt man vom Bahnhof auf direktem Weg zur Oper. Der stattliche Bau im Stil des Klassizismus wurde von Hofbaumeister Georg Ludwig Friedrich Laves als Königliches Hoftheater errichtet und 1852 eröffnet. Das Haus liegt den Bürgern sehr am Herzen. Für ihren Wiederaufbau hundert Jahre später geizten sie nicht mit Spenden. 2020 gewann die Staatsoper Hannover den internationalen „Oper!-Award“ als „bestes Opernhaus des Jahres“.

Hannover - GOP Variete

Das GOP Varieté, Georgstraße 36, ist Treffpunkt der Akrobaten

Im GOP Varieté Theater gegenüber verrenken Akrobaten allabendlich ihre Leiber, um die Zuschauer mit artistischem Körpereinsatz zum Staunen zu bringen. Dazwischen verläuft die etwa ein Kilometer lange Georgstraße, benannt nach Georg III., dem dritten britischen Monarchen aus dem Haus Hannover. Ihre nordwestliche Hälfte ist die wichtigste Einkaufsmeile der Stadt.

Hannover - Bankgebäude

Wo einst die Hannoversche Bank residierte, hat heute die Deutsche Bank eine ihrer Filialen

Das südöstliche Ende mit ihren Grünanlagen und Monumentalbauten des 19. Jahrhunderts ist Hannovers Prachtboulevard. In der Luft liegt der Geruch des Geldes. Den repräsentativen Eckbau am Georgsplatz ließ die Hannoversche Bank 1856 im Stil der französischen Spätgotik errichten. Heute hat die Deutsche Bank hier eine Filiale. In dem im Tudorstil errichten Haus zur Linken hat die Börse ihren Sitz. Weitere Banken schließen sich an.

Hannover - Denkmal für Louis Stromeyer

Denkmal für Louis Stromeyer (1804 bis 1876), verdienter Chirurg und Reformer des deutschen Gesundheitswesens

Am Rand des Heckenlabyrinths werden berühmte Persönlichkeiten der Stadt mit Denkmälern geehrt: Louis Stromeyer (1804 bis 1876), Chirurg und Reformer des deutsche Gesundheitswesens; Karl Karmarsch (1803 bis 1879), erster Direktor der Polytechnischen Schule, der heutigen Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover; Heinrich Marschner (1795 bis 1861), Komponist und königlicher Hofkapellmeister.

Hannover - Denkmal für Karl Karmarsch

Denkmal für Karl Karmarsch (1803 bis 1879), erster Direktor der heutigen Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover

Weit über Hannovers Stadtgrenzen hinaus bekannt ist Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 bis 1716). Sein nahes Denkmal in Form eines Scherenschnitts ist leicht zu übersehen. Als Bibliothekar und Berater hatte er am Hof von Hannover eine Vielzahl von Aufgaben übernommen und maßgeblich an dessen Aufstiegzum Kurfürstentum mitgewirkt.

Der große Denker gab nicht nur dem Leibniz-Keks aus dem Hannoveraner Traditions-Unternehmen Bahlsen seinen Namen. Als einer der klügsten Köpfe seiner Zeit hatte er auch schon ein Zahlensystem entwickelt, das nur die Ziffern 0 und 1 benutzte, und damit den Grundstein zur digitalen Welt des 20. Jahrhunderts gelegt. Auf der Stele mit dem Bronzekopf wird das Binäre Zahlensystem erläutert. In der Neustädter Hofkirche St. Johannis fand das Universalgenie seine letzte Ruhe.

Hannover - Denkmal für den Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz

Vor der Deutschen Bank erinnert ein modernes Denkmal an den Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 bis 1716)

Westlich der Oper gelangt man über Ständehaus- und Grupenstraße in die Altstadt mit seinem kleinen, aber feinen Fachwerk-Idyll. Die meisten Häuser stammen aus verschiedenen Teilen der Stadt, von wo sie nach dem Krieg abgetragen und hier wieder aufgebaut wurden.

Hannover - Altes Rathaus

Hinter dem imposanten Backsteinbau vom Alten Rathaus ragt der fast hundert Meter hohe Turm der Marktkirche empor

Wegen seiner Lage an wichtigen Handelswegen war Hannover Mitglied der Hanse. Mit ihr war die Backsteingotik in die Stadt gekommen. Beispiele sind das Alte Rathaus mit seinen spätgotischen Staffelgiebeln und filigranen Backsteinornamenten und die Marktkirche mit dem großen Passionsaltar. Er entstand um 1480 nach Vorbildern Martin Schongauers und zeigt in zwanzig Szenen die Passion Christi bis zur zentral dargestellten Kreuzigung.

Hannover - Marktkirche

Der Passionsaltar in Hannovers Marktkirche zeigt in zwanzig Szenen die Leidensgeschichte Jesu Christi bis zu seiner Kreuzigung

 

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