Erlebnisradweg Hohenzollern

 

Finale furioso in der Residenzstadt Ansbach

Nur fünf Kilometer trennen Neuendettelsau von Windsbach. Das Wappen mit dem Zollernschild und dem Wellenbalken charakterisiert den Ort (6000 Einw.) bis heute: die hübsche historische Altstadt aus der Markgrafenzeit und die Lage im idyllischen Tal der Fränkischen Rezat, welcher der Radweg bis zum Schlossplatz von Ansbach folgt.

Zwischen Neuendettelsau und Markt Lichtenau: An der Fränkischen Rezat

Zwischen Neuendettelsau und Markt Lichtenau: An der Fränkischen Rezat

Zuvor sollte man an Lichtenau nicht vorbeifahren. Seine Zufahrt durch das Obere Tor mit dem Heimatmuseum ist leicht zu übersehen. Die Exklave der Stadt Nürnberg war ein bohrender Stachel im Fleisch der Ansbacher Markgrafen, den sie trotz aller Kämpfe nie ziehen konnten. Erst mit dem Übergang an Bayern 1806 endeten die 400-jährigen Streitereien.

Markt Lichtenau: Marktplatz

Marktplatz in Lichtenau

Über den Marktplatz mit seinen Voluten-Giebel-Häusern erreicht man ein wahres Prachtwerk der Renaissance: die perfekt sanierte Burg Lichtenau. Über hundert Jahre schrieb sie als Gefängnis und Zuchthaus bayerische Justizgeschichte. Seit 1983 ist sie Außenstelle des Staatsarchivs Nürnberg mit über 16 Kilometern (!) Archivmaterial. Die Flächenburg samt Mauer und Bastionen ist von außen frei zugänglich.

Markt Lichtenau: Burg Lichtenau

Burg Lichtenau

Die Fahrt endet mit Glanz und Gloria vor dem Ansbacher Schloss. 1331 hatten die Hohenzollern Stadt und Stift (1563 aufgelöst) Ansbach erworben, ab 1456 bauten sie den Ort zur markgräflichen Residenz aus. Die Cadolzburg wurde mehr und mehr zur Nebenresidenz und zum bevorzugten Jagdschloss.

Insgesamt 13 regierende Markgrafen residierten in Ansbach (um 42.000 Einw.), darunter eine Frau, Markgräfin Christiane Charlotte. Nach dem Tod ihres Mannes Wilhelm Friedrich war sie ab 1723 bis zur Volljährigkeit ihres Sohnes Carl Wilhelm Friedrich (CWF), dem „Wilden Markgrafen“, Vormund und Landesherrin. CWF wurde 1729 im Alter von 17 Jahren nicht nur für volljährig erklärt, sondern auch mit der erst 14-jährigen Friederike Louise, Tochter von König Wilhelm I. von Preußen, verheiratet.

Ansbach: Markgräfliches Residenzschloss

Markgräfliches Residenzschloss in Ansbach

So unglücklich diese Ehe auch war, so prachtvoll wurde Ansbach ausgebaut. Um den Bruder und Schwager Friedrich den Großen bei seinem Besuch 1743 zu beeindrucken, vollendete man mit Hochdruck die Ausstattung der Residenz mit Frankens bedeutendsten Rokoko-Räumen. Ansbachs Rokoko-Festspiele (2.-6.7.2021) erinnern als kulturelles Highlight bis heute an das Maskenfest, das man Friedrich zu Ehren einst gab. Er soll dabei sogar Flöte gespielt haben.

CWF tröstete sich mit zahlreichen Affären und der Beizjagd, für die er den größten Falkenhof Europas unterhielt. 1734 vermählte er sich unter dem Namen „Unteroffizier Falk“ mit der Tochter des markgräflichen Falkners und ließ den illegitimen Nachwuchs zu Freiherren von Falkenhausen erheben.

Ansbach: Markgräfliches Residenzschloss, Fliesensaal mit Ansbacher Fayence

Fliesensaal mit Ansbacher Fayence

In Ansbach war der doppelgeschossige Festsaal mit einem Deckenfresko von Carlo Carlone schon zur Taufe des legitimen Sohnes Alexander 1736 fertig geworden. Aus dem Rahmen fällt der Kachelsaal mit rund 2.800 Fliesen aus der ehemaligen Ansbacher Fayencemanufaktur, die CWF’s Eltern 1710 gegründet hatten. Von klassizistischer Nüchternheit ist dagegen der Raum, von dem aus Freiherr Karl August von Hardenberg als dirigierender Minister die markgräflichen Territorien später verwaltete.

Letzter maßgeblicher Verschönerer in markgräflichen Diensten war der Architekt Leopoldo Retty aus Italien gewesen. Er hinterließ ein ganz besonderes Kleinod: Nach seinen Plänen erhielt Ansbach zu Zeiten CFW’s eine spätbarocke Synagoge. Unscheinbar verbirgt sie sich hinter einer Fassade mit hohen Rundbogenfenstern in der Rosenbadstraße. Die Rarität ist heute Museum.

Ansbach: Seltene barocke Synagoge, 1744/46 nach Plänen von Hofbaumeister Leopoldo Retty unter Markgraf  CWF, dem Wilden Markgrafen, erbaut

Seltene barocke Synagoge, 1744/46 nach Plänen von Hofbaumeister Leopoldo Retty unter Markgraf CWF, dem Wilden Markgrafen, erbaut

Die Markgraftümer Ansbach und Kulmbach/Bayreuth waren mehrfach in Personalunion regiert worden. So auch unter ihrem letzten Markgrafen Alexander. 1791 wurde zu ihrem Schicksalsjahr. Alexander verkaufte seine Fürstentümer gegen eine jährliche Leibrente an Preußen, heiratete seine Geliebte, die englische Schriftstellerin Elizabeth Carven, nachdem beider Ehepartner im selben Jahr gestorben waren, und widmete sich in England der Pferdezucht.

Preußens Gastspiel in Franken endete 1806 bzw. 1810 mit der Übergabe der Fürstentümer durch Napoleon an das Königreich Bayern. Mit dem Ende der Markgrafendynastie war Ansbach zur Provinzstadt geworden, wodurch sie bis heute den noblen Charme einer barocken Residenzstadt bewahren konnte. Denn für ihre Modernisierung hatte sich offenbar nie jemand interessiert.

An die Wiege Preußens in Ansbach erinnert die Bronzeskulptur für Markgraf Albrecht von Brandenburg-Ansbach in der Reitbahn neben dem Schloss. Der Sohn von Friedrich d. Ä. und Sophia war als letzter Hochmeister des Deutschen Ordens (1511-1525) Gründer des Herzogtums Preußen und bis 1568 dessen erster Herzog. Er gründete 1544 die Universität in Königsberg und leitete die längste Friedens- und Aussöhnungsphase im baltischen, preußischen, polnischen und russischen Raum ein. Nach dem Aussterben der fränkisch-preußischen Hohenzollern gelangte das Herzogtum ab 1618 in Personalunion an das Kurfürstentum Brandenburg, das sich 1701 zum Königreich Preußen erhob.

Ansbach: St. Gumbertus, Schwanenritterkapelle, Stifter Markgraf Albrecht Achilles im Sockel des Altars

St. Gumbertus, Schwanenritterkapelle: Stifter Markgraf Albrecht Achilles im Sockel des Altars

Gegenüber ragt unübersehbar die Dreiturmfassade der ehemaligen Stifts- und Hofkirche St. Gumbertus empor. In der Georgskapelle richtete Markgraf Albrecht Achilles 1459 für die Ordensmitglieder in Franken eine zweite Schwanenritterkapelle ein. Im Sockel des von ihm gestifteten Altars ließ er sich und seine zweite Frau Anna von Sachsen abbilden.

Unter der Schwanenritterkapelle befindet sich seit 1976 die Grablege der Markgrafen und ihrer Familien, darunter auch die von Friederike Louise, besagter Schwester Friedrichs des Großen. Nachdem Soldaten im 30-jährigen Krieg die Grablege in Heilsbronn verwüstet hatten, wurde sie zuerst in die Johanniskirche und ab 1976 sukzessive in die Gruft von St. Gumbertus in Ansbach verlegt. Kunstvoll unter den 25 Särgen von 1665 bis 1791 sind einzig die Sarkophage von Georg Friedrich d. J. († 1703) und Wilhelm Friedrich († 1723). Ab 1730 werden die Särge nur noch von Samt umspannt – vorbei die Glorifizierung der Fürstenfamilie.

Ansbach: St. Gumbertus, Fürstengruft, Prunksarg für Markgraf Georg Friedrich d.J. (1694-1703)

Prunksarg für Markgraf Georg Friedrich d. J. (1694-1703)

Im Glanz des 18. Jahrhunderts sonnt sich dagegen bis heute die Orangerie auf der anderen Seite vom Schlossplatz. Sie verdankt ihr Dasein der Tatkraft von Markgräfin Charlotte. Ihr legendäres Café-Restaurant ist der Logenplatz im Hofgarten. Stilvoller als mit dem Blick auf seine Blumenpracht kann eine Reise nicht enden.

Ansbach: Orangerie im Hofgarten

Orangerie im Hofgarten

 

Informationen

Infos

www.erlebnisradweg-hohenzollern.de

Bahnanschlüsse: www.vgn.de

Fahrrad/E-Bike-Verleih: rent a bike
Dovestr. 10
90459 Nürnberg
Tel. 0171/1710022

kostenlose E-Bike-Ladestation auf der Cadolzburg

Übernachtung

Hotel Streichele
Knorrstr. 8
90402 Nürnberg
Tel. 0911/202280

Hotel Seerose
Gräfenweg 13
90579 Langenzenn/Horbach
Tel. 09101/90940

Gasthof Kapellenhof
Fürther Str. 10
90574 Roßtal
Tel. 09127/57514

Hotel Sonne
Hauptstraße 43
91564 Neuendettelsau
Tel. 09874/5080

Hotel Platengarten
Promenade 30
91522 Ansbach
Tel. 0981/971420.

 

Die Reise wurde unterstützt vom Tourismusverband Franken e.V.

 

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