Erlebnisradweg Hohenzollern

 

Cadolzburg, Sprungbrett nach Brandenburg

Genau 37 Kilometer hinter Nürnberg und 10 Kilometer südöstlich von Langenzenn erreicht man Cadolzburg mit seiner gleichnamigen Feste, den nächsten Höhepunkt der Tour. Durchs Kammerholz, entlang des Farrnbachs, vorbei an blühenden Sonnenblumen fällt man über die Talstraße in den alten Markt ein.

Zwischen Langenzenn und Cadolzburg: Farrnbach

Am Farrnbach zwischen Langenzenn und Cadolzburg

Als erstes stellen sich die über zwanzig Meter hohe mittelalterliche Mantelmauer und der Palas der Feste in den Blick. Auf der einen Seite wehrhafte Burg, überrascht sie auf der anderen mit der Schau-Fassade eines Renaissance-Schlosses und idyllischem Garten. Um 1246 gelangte die Cadolzburg in den Besitz der zollerschen Burggrafen. Der Dauerstreit mit den Nürnberger Stadtbürgern ließ sie ab 1313 zu ihrem bevorzugten Wohnsitz und im 15. Jahrhundert zum Zentrum ihrer Herrschaft werden.

Im Krieg zerstört, wurde die Cadolzburg vom Freistaat Bayern in 35 Jahren für insgesamt 38,6 Millionen Euro wieder auf- und museal ausgebaut. Unter Aufsicht der Bayerischen Schlösserverwaltung zeigt sie seit 2017 anschaulich die komplette Familiengeschichte der fränkischen Hohenzollern und informiert über jeden Gulden, den das höfische Leben im 15. Jahrhundert kostete.

Markt Cadolzburg: Cadolzburg von ihrer schönsten Seite als Renaissance-Schloss

Cadolzburg von ihrer schönsten Seite als Renaissance-Schloss

Im Mittelpunkt steht der zweite entscheidende Karriere-Schritt der Dynastie: 1415 wurde Burggraf Friedrich VI. (1371-1440 Cadolzburg) mit der Mark Brandenburg belehnt und Kurfürst, als der er sich fortan Friedrich I. nannte. Damit „erhoben“ sich auch die fränkischen Fürstentümer zu Markgraftümern, obwohl sie keine Grenzgebiete waren wie der Name suggeriert. Fortan wurde Brandenburg von Franken aus regiert. Der Sprung ins Zentrum der Macht ermöglichte zwar, die Herrschaft im gesamten Hohenzollerngebiet zu festigen, doch sie hatte ihren Preis.

Anschaulich stehen Kurfürst Friedrich I. und Gattin Elisabeth von Bayern (1383 Landshut-1442 Cadolzburg) auf einem Haufen Schuldverschreibungen. Denn die katastrophalen Zustände in der Mark verlangten nach enormen Investitionen. Große Beträge an fränkischem Geld flossen für Infrastruktur-Maßnahmen ins 500 Kilometer entfernte Tangermünde, wo die Hohenzollern residierten. „Nach heutiger Rechnung 25 Millionen“, so die Museumsführerin. Die Lage in den Griff bekam Friedrich I. dennoch nicht und resümierte am Ende seines Lebens: „Im Churstand ist mehr nichts, denn vielseitige mühe, sorge und arbeit.“

Friedrich I. hielt sich insgesamt nur wenige Jahre in der Mark auf. Während er noch als Landverweser von Juni 1412 bis August 1414 ununterbrochen im Land weilte, befand er sich ab 1415 in toto ganze drei Jahre, zwölf Monate und 19 Tage vor Ort. Ende Januar 1426 verließ er die Mark für immer. Zeitweilig führte Ehefrau Elisabeth die Geschäfte. Klug, gebildet und resolut, hatte sie sich schon bei der Verwaltung der fränkischen Besitzungen bewährt. Aufgrund der grassierenden Pest kehrte die schöne Else, wie sie genannt wurde, jedoch bereits 1416 auf die Cadolzburg zurück.

Markt Cadolzburg: Cadolzburg, ein starkes Paar – Kurfürst Friedrich I. und Elisabeth von Bayern auf ihrem Schuldenberg

Ein starkes Paar – Kurfürst Friedrich I. und Elisabeth von Bayern auf ihrem Schuldenberg

Erst als Sohn Albrecht Achilles (1414 Tangermünde-1486 Frankfurt) 1470 die Kurwürde in Brandenburg übernahm, verbesserte sich die Lage. Mit bewährten fränkischen Gefolgsleuten reformierte er die Verwaltung, regierte kontrollsüchtig mit starker Hand und hinterließ eine schuldenfreie Herrschaft. Die schwarze Null war jedoch nicht von langer Dauer. Die Schuldenberge wuchsen unter den nachfolgenden Markgrafen schnell wieder an.

Albrecht Achilles war der letzte Hohenzoller, der den gesamten Besitz in Franken und Brandenburg gemeinsam regierte. Ein Spagat bei dem zerstückelten Land, den er niemandem mehr zumuten wollte. Daher bestimmte er die Aufteilung nach seinem Tod unter seinen drei ältesten Söhnen in die Mark Brandenburg und die Markgraftümer Brandenburg-Ansbach mit den Territorien „unterm Gebirg“ und Brandenburg-Kulmbach/später Bayreuth „überm Gebirg“, der Fränkischen Schweiz. Für den Aufstieg der Mark war das eigene Fürstenhaus ein enorm wichtiger Schritt.

Markt Roßtal: Wehrfriedhof der Laurentiuskirche

Wehrfriedhof der Laurentiuskirche

Weiter geht die Fahrt durch Wiesen und Felder, am Steinbach entlang und über die Bibert ins 10 Kilometer entfernte Roßtal. Hinter dem Radler liegen jetzt insgesamt 47 Kilometer. Seine Bedeutung als der „allerwichtigste Ort in beiden Fürstentümern des Burggrafthums Nürnberg“ erlangte Roßtal als Stätte der Hohen Gerichtsbarkeit. Das schlichte barocke Amtsrichterhaus von 1702 hinter dem Wehrfriedhof verrät nicht, dass hier von 1328 bis 1797 über Leben und Tod entschieden wurde. Zum Beweis präsentiert das Heimatmuseum das Skelett einer enthaupteten Frau.

Um den Ortskern zu erreichen, heißt es auch hier, den Bergsporn zu erklimmen. Wo einst eine der größten Burgen des frühen Mittelalters stand, säumen heute schmucke Fachwerkbauten den Oberen Markt. Ein Archäologischer Rundweg beschreibt die seit den 1960er Jahren gemachten Ausgrabungen der Burganlage von über 5,2 Hektar.

Markt Roßtal: Oberer Markt mit Torhaus zur Laurentiuskirche

Oberer Markt mit Torhaus zur Laurentiuskirche

Hinter dem Torhaus in der wehrhaften Kirchhofmauer ragt die Laurentiuskirche als Zeichen von Frauen-Power empor: Hatte den Umbau zur Kirchenburg doch Kurfürstengattin Elisabeth veranlasst. Porträtkopf wie Wappen der schönen Else schmücken dezent die Südseite des Turmes. Genauso unauffällig wie innen die Herrschaftszeichen die Empore: das Hohenzollernwappen, der Brandenburger Adler, das Wittelsbacher Wappen, das Elisabeth einbrachte, sowie das Wappen des Burggrafen von Nürnberg, die Roßtal 1292 in Besitz nahmen.

Markt Roßtal: Laurentiuskirche, Stifterin Schöne Else

Stifterin Schöne Else in der Mitte

In der Chorwand stößt man auf das Epitaph des ersten evangelischen Pfarrers der Kirche Johann Lazarus († 1546). Denn spätestens mit der Einführung der Brandenburgisch-Nürnbergischen Kirchenordnung 1533 waren die beiden Markgraftümer protestantisch.

Mit der S-Bahn nur 18 Minuten von Nürnberg entfernt, ist man in „Röschdl“, wie die Franken den Ort nennen, merklich in der fränkischen Provinz angekommen. Der „urfränkische“Gasthof Weißes Lamm gleich am Markt liefert entsprechende Hausmannskost wie Fränkische Schlachtschüssel.

 

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