Erlebnisradweg Hohenzollern

Geschichte per Rad erfahren

Text und Fotos: Helga Schnehagen

 

Franken ist Zollernland und Franken ist ein Dorado für Radfahrer. Beides verbindet sich auf dem 95 Kilometer langen Erlebnisradweg Hohenzollern in perfekter Weise, wenn man dem Stammwappen der Hohenzollern mit dem schwarz-weiß gevierteilten Schild folgt.

Zwischen Markt Lichtenau und Ansbach: Schöne Landschaft

Schöne Landschaft zwischen Markt Lichtenau und Ansbach

Nürnberg und die Burg der Väter

Der gut ausgebaute Radweg von Nürnberg nach Ansbach durchquert den Rangau, begleitet von Pegnitz, Regnitz, Zenn und Fränkischer Rezat, führt unter dem Rhein-Main-Donau-Kanal hindurch, über Bibert und Aurach. Auf romantischen Uferwegen, durch stille Wiesen, Felder und Wälder verfolgt er über Cadolzburg und Heilsbronn die einzigartige Karriere der fränkischen Hohenzollern, die als Burggrafen, Kurfürsten, Markgrafen und Herzöge den Grundstein zu Preußens Gloria als König- und Kaiserreich legten.

Die Strecke: Von Nürnberg (0 km) über Fürth (8 km), Langenzenn (27 km), Cadolzburg (37 km), Roßtal (47 km), Heilsbronn (59 km), Neuendettelsau (66 km), Windsbach (71 km), Lichtenau (83 km) bis Ansbach (95 km).

Tugendbrunnen, 1589, vor St. Lorenz, im Hintergrund die Kaiserburg in Nürnberg

Tugendbrunnen, 1589, vor St. Lorenz, im Hintergrund St. Sebald und die Kaiserburg

Mit An- und Abreisetag kann man aus der Strecke daher gut eine Sechs-Tage-Reise machen. Die Tour beginnt auf der mächtigen Doppelburg der Kaiser und Burggrafen am Rand der Nürnberger Altstadt. Hier machten die Zollern, wie die Hohenzollern im Mittelalter meist noch genannt wurden, ihren ersten entscheidenden Karriereschritt. Durch die Ehe mit Sophia von Raabs, die bruderlos blieb, erbte Friedrich III. von Zollern nach dem Tod des Schwiegervaters Konrad II. von Raabs († 1191) dessen Amt als Burggraf. Als Burggraf Friedrich I. ließ er die Vorburg, seinen Wohnsitz, neu erbauen. Ihre Reste sind spärlich: 1420 wurde die Burggrafenburg bis auf Fünfeckturm und Walpurgiskapelle weitgehend zerstört.

1427 verkauften die Burggrafen ihren Anteil der Burganlage an die Stadt Nürnberg. Vergessen hatten die Hohenzollern ihn nie: Jahrhunderte später noch musste Ludwig II. von Bayern nach der Niederlage gegen Preußen 1866 König Wilhelm I. die Mitbenutzung der „Burg seiner Väter“ einräumen. Auch Kaiser Wilhelm II. hat die Burg mehrfach bewohnt und nicht versäumt, sich bis zuletzt als „Burggraf von Nürnberg“ zu bezeichnen.

Beim „Burgwächter“, einem in die Burgmauern eingelassenen Traditions-Lokal, begegnet man der typisch fränkischen Bratwurstküche. Auf der Karte stehen gebratene, geräucherte und im Essig-/Weinsud gegarte „blaue“ Bratwürste zu Kartoffelsalat, Sauerkraut und Bauernbrot.

Nürnberg: St. Lorenz, Krellscher Altar in der Chormitte,um 1483, mit Maria mit dem Jesuskind zwischen Bartholomäus und Barbara überliefert in seiner mittleren Chortafel eine der ältesten Stadtansichten Nürnbergs

St. Lorenz: Krellscher Altar, um 1483, mit Maria mit dem Jesuskind zwischen Bartholomäus und Barbara überliefert in seiner mittleren Chortafel eine der ältesten Stadtansichten Nürnbergs

Der Doppelstadt Nürnberg nördlich und südlich der Pegnitz entsprechen die um 1250 begonnenen doppeltürmigen Schwesterkirchen St. Sebald im Norden und St. Lorenz im Süden. Beide künden von Stolz und Bedeutung der alten Reichs- und Kaiserstadt. Nähert man sich von Süden kommend der Pegnitz, wo der Radweg beginnt, sollte man einen Blick in die kathedralartige Lorenzkirche werfen.

Nürnberg: St. Lorenz, Kaiserfenster im Chorhaupt (Chormitte über Krellschem Altar), 1476, gestiftet von Kaiser Friedrich III., der sich oft in Nürnberg aufgehalten hat. Im Zentrum Kaiser Friedrich III. und seine Gattin Eleonora von Portugal in vollem Ornat unter mächtigem Baldachin. Das Fenster hält Nürnbergs Unterstützung durch die imperialen Stadtherren wach.

Kaiserfenster im Chorhaupt (Chormitte über Krellschem Altar), 1476, gestiftet von Kaiser Friedrich III., der sich oft in Nürnberg aufgehalten hat. Im Zentrum Kaiser Friedrich III. und seine Gattin Eleonora von Portugal in vollem Ornat unter mächtigem Baldachin. Das Fenster hält Nürnbergs Unterstützung durch die imperialen Stadtherren wach.

Besonders der spätgotische Hallenchor ist eine wahre Schatzkammer. Der 1484 entstandene Krellsche Altar in der Chormitte zeigt eine der ältesten Stadtansichten von Nürnberg. Darüber hält das Kaiserfenster Friedrichs III. und seiner Gattin Eleonora von Portugal die Erinnerung an die imperiale Unterstützung der Stadtherren wach. Das Sakramentshaus als über zwanzig Meter hoher filigraner Turm schließlich ist eine gotische Glanzleistung, auf die sein Schöpfer Adam Kraft zu Recht stolz sein kann. Selbstbewusst stellt er sich zu Füßen seines Meisterwerks selbst dar.

Nürnberg: St. Lorenz, Sakramentshaus, 1496

Sakramentshaus, 1496

Mit wehmütigem Blick auf die originelle Kettenbrücke und den malerischen Henkersteg verlässt man Nürnberg über die Maxbrücke. Nomen ist nicht immer Omen. Nach acht Kilometern Bilderbuchfahrt erreicht man Fürth, wechselt von der Pegnitz an die Regnitz, von den Burggrafen von Nürnberg zu den Markgrafen von Brandenburg-Ansbach und deren Nachfolgern, den Königen von Preußen.

Nürnberg: Postkartenblick von der Maxbrücke auf Henkersteg, Wasserturm, Weinstadl, heute Studentenwohnheim, und Pegnitz

Postkartenblick von der Maxbrücke auf Henkersteg, Wasserturm, Weinstadl (heute Studentenwohnheim) und Pegnitz

Der Weg ins Zentrum führt über die breite Königstraße, die Freiherr Karl August von Hardenberg, Preußens Statthalter in Franken, zur Verbesserung der Infrastruktur nach Nürnberg anlegen ließ. Die ganze Geschichte präsentiert das zentrale Stadtmuseum in der Ottostraße 2.

Fürth: Dreiherrschaftbrunnen, 2007, in der Fußgängerzone, mit Bischof, Markgraf, Patrizier.

Dreiherrschaftbrunnen in Fürth, 2007, in der Fußgängerzone, mit Bischof, Markgraf, Patrizier

In der Fußgängerzone erinnert der moderne Dreiherrenbrunnen an die zwischen den Bischöfen von Bamberg, den Markgrafen von Brandenburg-Ansbach und der Reichsstadt Nürnberg über Jahrhunderte dreigeteilte Herrschaft. Die Rückgabe der Vogtei Fürth durch die Burggrafen löste 1314 einen Dauerstreit aus, bis Preußen 1792 Alleinherrscher wurde und dem Gerangel ein Ende setzte.

Fürth: Stadtmuseum, Medaille für Preußenkönig Friedrich Wilhelm II.

Medaille für Preußenkönig Friedrich Wilhelm II im Stadtmuseum

Wo heute das Fürther Rathaus im Stil des Palazzo Vecchio ein Hauch von Florenz versprüht, stand einst das Markgräfliche Schloss. Nebenan wurde 1897 Ludwig Erhard geboren. Seit 2018 feiert das Ludwig Erhard Forum den Wirtschaftswunder-Minister. Die Markgrafen hatten sich mit dem Recht, durch Geleitdienste Reisende und Waren gegen Überfälle und Gewalt zu beschützen, die Kassen gefüllt. An die königlich-preußischen Landesherren Friedrich Wilhelm II. und Friedrich Wilhelm III. erinnern im Stadtmuseum wertvolle Medaillen des berühmten Hofjuweliers Johann Christian Reich.

Langenzenn: Altes Rathaus, Stadtwappen der Hohenzollern mit Brackenkopf

Stadtwappen der Hohenzollern mit Brackenkopf am Alten Rathaus in Langenzenn

Zur Erholung im Grünen lockt die „Milchgaststätte“ mitten im Fürther Stadtpark. Derart gestärkt gelangt man nach 19 Kilometern in Langenzenn an. Da mit dem Burggrafenamt nur wenig Grundbesitz verbunden war, waren die Zollern schon früh bestrebt, ihre territoriale Machtbasis zu erweitern. Dabei kam Langenzenn 1248 durch Erbschaft an den Burggrafen Konrad I. Wie in Fürth endete die Hohenzollern-Herrschaft 1806. Das Alte Rathaus zeigt, dass sich Langenzenn sein Stadtwappen immer noch von den Hohenzollern „leiht“.

Langenzenn: Ehem. Augustiner-Chorherrenstift, Kreuzgang

Kreuzgang im ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift

Eine auf wundersame Weise beim Brand von 1388 verschonte rußgeschwärzte hölzerne Marienstatue machte Langenzenn fast 150 Jahre lang zum Ziel großer Wallfahrten. Zu ihrer Förderung stifteten die Burggrafen Johann III. und Friedrich VI. 1409 ein Augustiner-Chorherrenstift, das als solches bis 1533 bestand. Die Klosterbauten mit dem herrlichen gotischen Kreuzgang sind bis heute erhalten. Erhalten blieb auch die Verbindung zur Gründerfamilie. So schenkten Kaiser Wilhelm I. und Wilhelm II. der späteren Stadtkirche noch Ende des 19. Jahrhunderts zwei großartige Chorfenster, die ihre fränkischen Wurzeln prominent in Szenen setzen. In der frisch sanierten Kirche leuchten sie jetzt wieder in kräftigen Farben.

Langenzenn: Ehem. Augustiner-Chorherrenstift, heute Stadtkirche

Ehemaliges Augustiner-Chorherrenstift, heute Stadtkirche

 

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