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Musée des Sciences naturelles/
Museum voor Natuurwetenschappen
Die Iguanodonten sind da

Wahrlich, für Kinder gibt es bei Städtebesuchen der Eltern nur wenige Sehenswürdigkeiten, die sie beigeistern können. Naturkundemuseen gehören sicherlich zu jenen Attraktionen, die Kinderherzen höher schlagen lassen, vor allem wenn sie in die Welt der Saurier eintauchen können. Dazu bedarf es dann nur riesiger Saurierskelette und nicht etwa eines Comicfilms über das Leben von Fred Feuerstein und seiner Nachbarn. Wer beim nächsten Brüsselbesuch mit seinen Kindern unweit des Gare Bruxelles-Luxembourg und des Parc Léopold das Museum für Naturkunde besucht, wird gleich vor dem Eingang von einem Saurier begrüßt, ehe es in die im Oktober 2007 eröffnete „Sauriergalerie“ geht. Auf 3000 qm steht der Besucher dann mehr als 35 Saurierskeletten gegenüber, darunter den Iguanodonten von Bernissart, die in ihrem „gläsernen Käfig“ in „Kängurustellung“ verharren. Dass diese Stellung als „Zweibeiner“ ein historischer Irrtum ist, wird dank audiovisueller Medien in vier Sprachen – auch in Deutsch – im Laufe des Rundgangs deutlich. Über elf Skelette von Iguanodonten verfügt das Museum – ein einmaliger Schatz und ein Fenster in die Erdgeschichte. Also hinein in die Welt von Diplodocus, Tyrannosaurus rex und Olorotitan.

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Eine Dino als Torwächter

Aufgeregtes Hin- und Herlaufen, lautstarke Begeisterung beim Anblick der Riesenskelette der Iguanodonten, mit denen man sich auf Augenhöhe befindet, Ohs und Ahs während der Suche nach Saurierspuren und ungläubiges Staunen über den „Hängebrückenbauplan“ eines längst ausgestorbenen Erdenbewohners gehören zum Besuch der „Sauriergalerie“ dazu. „Museale Andacht“ steht nicht auf dem Programm – und das ist auch erwünscht.

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Walskelett im Eingangsbereich

Mit Iguanodonten auf Augenhöhe
Die kleinen Besucher des Museums haben keinen Sinn für die sorgsam restaurierte gusseiserne Galerie mit ihren Schnörkelornamenten, sie wollen den urzeitlichen Riesen ganz nahe sein – aber das ist nicht immer möglich. Ob die jungen Besucher einen Blick für die Zeichnungen haben, die in Lichtkästen gegenüber dem gläsernen „Iguanodonten-Käfig“ haben? Wohl eher nicht! Hätten sie jedoch einen Blick darauf geworfen, so würde ihnen bereits jetzt klar sein, dass die urzeitlichen Echsen nicht in der aufrechten Haltung, sondern liegend gefunden wurden. Woher also wollten die Paläontologen wissen, wie sich die Riesenechsen fortbewegt haben? Die Frage wird sich beim weiteren Gang durch die Ausstellung auflösen. Zuvor jedoch kann jeder nachlesen, wie riesig die Iguanodonten wirklich sind. Mehr als sieben Meter konnten sie lang sein. Doch Halt, stimmt das wirklich? Betrachtet man die acht hoch aufgerichteten Iguanodonten, so scheint einer aus der Reihe zu tanzen. Er ist deutlich kleiner. Ist es ein Jungtier oder eine andere Art, fragt man sich unwillkürlich. Auf die Antwort muss man nicht warten: Iguanodon atherfieldenis ist eine eigene Art und mit knapp vier Metern eher ein Winzling in der Welt der Riesen.

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Begegnung mit einem Saurier

Eine Zeitreise durch die Erdgeschichte
Nach dem Bestaunen der in Südbelgien gefundenen Skelette der Iguanodonten kann man sich in die Zeit von Trias, Jura und Kreide zurückversetzen lassen und eine Zeitreise durch die Erdgeschichte unternehmen. Es ist nicht nur eine Zeit der Dinosaurier, sondern auch der Pterosaurier, kleiner, kurzschwänziger Flugsaurier. Es sind vor allem Abgüsse, aber auch Originale, die den Bauplan der Wesen aus der Vorzeit veranschaulichen, so von  Pterodactylus elegans.

Während wir heute ein Europa von Nordsee, Atlantik und Mittelländischem Meer umgeben vorfinden, war das vor Jahrmillionen ganz anders: Europa bedeckte ein warmes Meer. Ichthyosaurier und Krokodile sowie Ammoniten lebten vor 183 Mio. Jahren hier. Auch die Welt außerhalb Europas sah ganz anders aus und bot Lebensraum für gefiederte Theropoden, deren Nahrung aus großschuppigen Fischen bestand, die ein wenig an Welse erinnern.

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Vorfahre unserer Landschidlkröten

Im Laufe der Erdgeschichte, so ist zu erfahren, entstanden in Europa inselförmige Landmassen, die in der Oberen Kreidezeit zur Heimat der Iguanodonten, Hadrosaurier, Sauropoden und primitiver Vögel wurde. Ein Blick in die entsprechenden Schaukästen vermittelt eine Vorstellung von der Fauna der Zeit vor 75 Mio. Jahren, als in Messel bei Darmstadt urzeitliche Vögel lebten, deren Fossilien gezeigt werden.

Mit Siebenmeilenstiefeln durchwandern wir auf engstem Raum die Erdgeschichte und begeben uns in die Trias, als die Welt den Dinosauriern gehörte und Hadrosaurier die Küsten besiedelten. Aber auch Haploteryx und Saurocephalus hießen die damaligen Erdenbewohner.

Dass es neben Dinosauriern noch andere Saurier gab, wird in der sehenswerten Ausstellung deutlich. Vorgestellt werden u. a. Pterosaurier, die nur nahe Verwandte der Dinosaurier sind, und Champosaurier, die zeitgleich wie die Dinosaurier die Erde bevölkerten, allerdings die Dinosaurier überlebten.

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Eine Gans und ein Saurier - gibt es eine Beziehung der beiden?

Saurier in der Polarregion
Dass es auch in der südlichen Polarregion Saurier gab und nicht wie etwa heute Pinguine, und wie diese Kammechsen (Cryolophosaurus ellioli) bei sehr viel wärmerem Klima überleben konnten, wird viele Besucher erstaunen. Wie man anhand von Fußabdrücken auf Gewicht und Laufgeschwindigkeit eines Struthiomimus schließen kann, bleibt beim Besuch der „Sauriergalerie“ kein Geheimnis. Auch auf die Frage der „Zweibeinigkeit“ der Iguanodonten wird ausführlich  eingegangen und auch begründet, warum man die falsche Stellung der Skelette nach der Restaurierung beibehalten hat. Louis Dollo ist diese falsche Haltung zu verdanken. Eine Korrektur der Haltung wäre viel zu aufwendig gewesen, so dass man sich zur „historischen Rekonstruktion“ entschlossen hat. In einem Film-Interview mit David B, Norman wird ausführlich der jüngsteErkenntnisstand über die Fortbewegungsform der Iguanodonten erläutert.

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Urechsen bewohnen das Museum für Naturwissenschaften

Eine Hängebrücke als Bauplan
Ganz nahe kann der Besucher an die Hand eines Iguanodonten treten und je nach Stellung zum Objekt auf Knopfdruck Erläuterung zum Bau und zur Funktion beispielsweise der mittleren drei Zehen mit ihren deutlich sichtbaren Dehnungsfugen erfahren. Dass der Daumen eine „Gefechtswaffe“ war, hört man obendrein. Warum der so genannte Straußennachahmer (Struthiomimus) einen sehr langen Schwanz und einen langen Hals mit kleinem Kopf hat, so dass das Skelett an eine Hängebrücke erinnert, wird dem staunenden Besucher ebenso erklärt wie die Aufgabe des mit einem langen Knochenbein ausgestatteten Kopfes eines Pachycephalosaurier. Alles Gehabe im Kampf um Macht und die Weibchen ist die schlichte Antwort, verwendete dieser Saurier doch seinen Schädel als Rammbock gegen Rivalen.

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Versteinertes Dinoeigelege

Darauf, dass Saurier wie Tyrannosaurus rex wegen ihres „Federkleids“ Vorläufer der Vögel sind, wird der Besucher beim Rundgang ebenso hingewiesen wie auf die Tatsache, das Olorotitan, der „Schwanenähnliche“, einer der ersten asiatischen Saurier und unter anderem im Gebiet des Amurs heimisch war. Wie Sauriereier aussehen und dass sie in Schlammmulden „ausgebrütet“ wurden, haben die Ausstellungsmacher geschickt inszeniert. Ob Maiasaurier allerdings gute Mütter waren, wissen die heutigen Naturforscher nicht zu beantworten.

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Im Aquarium - ein tropisches Riff mitten in Brüssel

Nicht allein Saurier
Die „Sauriergalerie“ ist sicherlich das Highlight des Museums, das sich als Naturkundemuseum jedoch auch mit der Welt der Säugetiere, Spinnentiere, Muscheln und Insekten beschäftigt. Die Unterwasserwelt eines Korallenriffs kann  man in einem Aquarium erleben und im Vivarium warten Wandelnde Blätter, Vogelspinnen, Skorpione und Riesentausendfüßer auf die Besucher. Das mag nicht jedermanns Geschmack sein. Kinder jedoch scheinen Hin- und Hergerissen zwischen Begeisterung für das exotische Getier und Ekelgefühlen. Besonders Vogelspinnen und Riesentausendfüßer lassen das „Blut in den Adern gefrieren“, so das Museumsmotto für das Vivarium. (fdp)

Museum für Naturkunde / Museum für Naturwissenschaften
Vautierstraat 29
1000 Brussel
Tel. 02 / 6 27 42 27
info@natuurwetenschappen.de
http://www.natuurwetenschappen.be
Öffnungszeiten
Di – Fr 9-30 – 16.45 Uhr, Sa/So 10 – 18 Uhr  



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