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Herrenhaus Solvay

Die Industriellenfamilie Solvay, deren Namen für die Revolutionierung der Sodaindustrie steht, war fasziniert von Hortas moderner Architekturauffassung. Hortas Faible für Leichtigkeit und Helligkeit beim Bau von Häusern ist auch in dem luxuriösen Zuhause des Industriellen Armand Solvay, Sohn des bekannten Unternehmers und Mäzens Ernest Solvay, zu spüren. Dieses repräsentative Wohnhaus, das von der Familie Solvay mehr als fünf Jahrzehnte bewohnt wurde, ehe es an die Familie Wittamer fiel, entstand auf einem Grundstück von 15 Meter Breite und 61,4 Meter Tiefe an der Louizalaan. Wegen des instabilen Untergrunds wurde das Wohnhaus auf einer mehr als einen Meter dicken Betonplatte erbaut. Zum Bau (1894-1898) verwendete man hellen Sandstein und Lagen von blauem Kalkstein. Dank des Wechsels von konkaven und konvexen Formen erscheint die Fassade beschwingt. Zugleich erinnert sie dank der vorspringenden Etagen links und rechts wie ein Klappaltar der Art nouveau. Dass das Konstruktive nicht zu verbergen ist, war ein Credo Hortas, so dass hier und da die genietete Eisenstruktur des Gebäudes sichtbar geblieben ist.

Typisch für den belgischen Jugendstil ist die Verwendung kostbarer Materialien für den Innenausbau: Verwendung fanden verschiedenfarbiger Marmor mit unterschiedlichen Maserungen und zwölf exotische Holzsorten. Vergoldete Bronze und Schmiedeeisen wurden gleichfalls als dekorative Elemente beim Innenausbau eingesetzt. Die Treppe als bewohnbarer Raum wird durch zwei 30 qm große Lichtkuppeln überwölbt, die ausreichend natürliches Licht ins Innere eindringen lassen. Fragiles Rankenwerk bestimmt die Struktur der Treppengeländer. In die Balustraden des Musiksaals sind florale Formen eingebunden, die an zerbrechliche Irisblüten erinnern. Schwungvolles „Astwerk" findet sich als Einfassung des im Esszimmer befindlichen Heizkörpers und die Handgriffe der Türen gleichen einem offenen Knoten. Neben dem expressionistischen, in mediterranen Pastellfarben gehaltenen Gemälde „Die Lektüre im Garten" von Théo van Rysselberghe finden sich im Haus außerdem Kunstwerke von Charles van der Stappen und Victor Rousseau. Mit Fug und Recht kann man beim Herrenhaus Solvay von einem Gesamtkunstwerk sprechen, das zum Glück 1977 unter Denkmalschutz gestellt worden ist.

Herrenhaus Solvay
Louizalaan224
1050 Brüssel
Tel. 0032 - (0)2 - 6 40 56 45
http://www.hotelsolvay.be/
Besuch nur auf Anfrage für Gruppen

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