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René-Magritte-Museum Brüssel (Jette)
Einblicke in das Leben des Ehepaars Magritte

Im ehemaligen Wohn- und Atelierhaus des wohl bekanntesten belgischen Surrealisten – es wurde zwischen 1993 und 1999 restauriert - besteht seit einem Jahrzehnt ein privates Museum, das auf die Initiative eines Antwerpener Kunstsammlers zurückgeht und nicht mit dem im Juni 2009 eröffneten Magritte-Museum auf dem Brüsseler Kunstberg verwechselt werden darf.

René und Georgette Magritte haben ein eher bescheidenes bürgerliches Leben geführt, jenseits von gesellschaftlichen Skandalen und Ausschweifungen. Sie bewohnten ein schmales Haus mit einem kleinen Hof und schmalem Garten, an dessen Ende das Atelier Magrittes stand. Das 1932 erbaute Studio Dongo – der Name der von den Gebrüdern Magritte gegründeten PR- und Werbeagentur – war für den Künstler Magritte eher ein No-Go-Area. Hierher zog er sich zurück, um Kundenaufträge zu erledigen und sein täglich Brot zu verdienen. Als Künstler bevorzugte Magritte sein Wohnhaus als Arbeitsort. Im Esszimmer entstanden wohl die Hälfte aller Gemälde und Gouachen. Bisweilen diente aber auch die Küche als Atelier. Schaute Magritte durch das Fenster des Esszimmers hinaus in den schmalen Hofgarten, dann sah er zwitschernde Gesellen in einem großen Käfig – ein wenig Natur in der Enge der Stadt. An diese Situation erinnert der Vogelkäfig im Garten, in dem aber keine lebenden, sondern ausgestopfte Vögel zu sehen sind. Wie einfach die Lebensverhältnisse der Magrittes zunächst waren, ersieht man daraus, das die Toilette ursprünglich im Hof war und erst auf Wunsch Georgettes Bad und Toilette im Haus eingebaut wurden.

Das Wohnhaus: Quelle der Inspiration
In Jette trafen sich auch die verschworenen Geister des Surrealismus zu ihren wöchentlichen Sitzungen und Happenings. Max Ernst war hier ebenso zu Gast wie André Breton, der geistige „Vater der Surrealisten“. Auch Pol Bury, der seine künstlerische Laufbahn als Surrealist begann, ehe er sich der kinetischen Kunst widmete, gehörte zum Kreis um das Ehepaar Magritte. Paul Delvaux hingegen, ein weiterer über die Grenzen Belgiens hinaus bekannter Surrealist, war jedoch nur einmal bei den Magrittes eingeladen. Einige Elemente, die wiederkehrend in Magrittes Werken auftauchen, darunter Türklinken, die Schiebetür des Salons, das Treppenhaus und der Kamin, entstammen der unmittelbaren Umgebung des Künstlers, seinem Wohnhaus in Jette. Die Laterne, die Magritte bisweilen in ein Bildwerk einfügte, steht bis heute vor dem Haus.

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Eher unscheinbar: das ehemalige Wohnhaus des
Ehepaars Magritte in Jette (c) OPT/JP Remy

Als wäre der Hausherr noch da
Das Museum in Jette hat es sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur das Wohnhaus Magrittes so einzurichten, als wäre der Künstler gerade aus dem Haus gegangen, um im schwarzen Anzug mit Bowler ein wenig frische Luft zu schnappen, sondern auch mittels Dokumenten das Leben des Künstlers und seiner Gesinnungsgenossen in möglichst allen Facetten nachzuzeichnen. 24 Jahre seines Lebens hat das Ehepaar Magritte hier gelebt, ist über den graublau gemusterten Fliesenboden des Flurs gelaufen, hat sich am Kamin gewärmt und Freunde im Esszimmer begrüßt. Anfänglich waren die Magrittes lediglich Mieter des Erdgeschosses. Hier entstanden einige Hundert Werke von Magritte, die er aus Not - vor allem am Beginn seiner Karriere - an Freunde verkaufte. Was der Besucher an Einrichtungen im Erdgeschoss sieht, ist zu 70 Prozent die Originalausstattung. Auch das Klavier, an dem Georgette oft saß, gehörte zum Haustand der Magrittes. Der „Lieblingsspitz“ des Hausherren liegt ausgestopft auf dem Bett. Ein schwarzer Paravent, eine rote Kommode und ein roter Schrank sind eigene Möbelentwürfe Magrittes für das Schlafzimmer. Über dem Paravent hängen die Hosenträger Margritts – eine Inszenierung, die an die Anwesenheit des Künstlers glauben lässt. Im Esszimmer sieht man die Staffelei und auf einem kleinen Tisch Magrittes Brillenetui und ein Schachbrett. Magritte war ein passionierter Schachspieler, der diesem Denksport auch regelmäßig mit Gleichgesinnten im Café „Greenwich“ in der Brüsseler Innenstadt nachging.

In dem nunmehr als Museum fungierenden Wohnhaus soll der „Philosoph mit Pinsel und Palette“ lebendig werden, der beispielsweise zu seinem bekannten Werk „Der Verrat der Bilder“ bemerkte: „Die berühmte Pfeife ...? Man hat sie mir zur Genüge vorgehalten! Und trotzdem ... können Sie sie stopfen? Nein, nicht wahr, sie ist nur eine Darstellung. Hätte ich unter mein Bild 'Das ist eine Pfeife' geschrieben, hätte ich gelogen.

Die Jugend, die Familie, die Freunde
Dank zahlreicher Familienfotos – u. a. die Brüder Paul, René, Raymond und der Vater Léopold im Jahr 1912 und das Elternhaus in Châtelet - und schriftlicher Aufzeichnungen erfährt der Besucher von der nicht einfachen Kindheit und Jugend Magrittes, der seine Mutter 1912 durch Selbstmord verlor. Bereits früh hatte Magritte mit dem Malen begonnen und als Elfjährige ein Landschaftsbild mit Mühle geschaffen. 1914 lernten sich René und Georgette kennen. Es dauerte allerdings bis 1922, ehe sie heiraten konnten. Fotos von Georgette fehlen ebenso wenig im Museum wie eine Kreidearbeit von Magritte, der die Stiefmutter zeigt. Die Partitur der Hochzeitsmusik aus der Feder des Magritte Freundes Edouard Léon Théodore Mesens kann ebenso eingesehen werden wie ein kleines Porträt von Aimé Declercq, einem Galeristen und Freund Margrittes.. Die von Mesens herausgegebene Anti-Kunst-Zeitschrift Marie ist im Übrigen Teil der umfänglichen historischen Dokumente, über die das Museum verfügt.

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Beim Ehepaar Magritte zuhause (c) OPT/JP Remy

Zurück in Brüssel
Kurz skizziert wird die Pariser Zeit Magrittes, der sich jedoch aufgrund ausbleibenden Erfolgs an der Seine wieder nach Brüssel begab, wo er ab 1927 allmählich Beachtung fand, nachdem er in der Galerie Le Centaure ausstellen konnte. Doch zum Leben reichte es nicht, so dass Magritte u. a. für ein Modehaus in der Louisalaan (Brüssel) Werbegrafiken entwarf. Gemeinsam mit seinem Bruder Paul betriebt der Surrealist das Studio Dongo, eine Art Werbeagentur, die die Distillerie Luxor in Brüssel ebenso belieferte wie die Fluggesellschaft SABENA, für die die Wolkentaube als „Logo“ entstand. Als Auftragsarbeit – und auf solche war Magritte angewiesen – malte Magritte das Porträt des 1915 hingerichteten belgischen Widerstandskämpfers Ferdinand Lenoir. Magritte gestaltete außerdem Titel für Publikationen, darunter auch für eine Streitschrift von André Breton. Ob er dafür bezahlt wurde, erfährt der Besuche allerdings nicht. Mesens zwischen 1923 und 1958 geschriebene Gedichte wurden von Magritte ebenso illustruiert wie Titelblätter von Musikpartituren. Zu sehen sind schließlich von Georgette Magritte autorisierte Drucke neben einzelnen Werken von Edouard Léon Théodore Mesens („Hot Pot“, 1970) und Marcel Mariën, der u. a. eine Assemblage aus Sardinendose und Anker schuf.

Ein Wandteppich und janusköpfige Frauen
Dank Schwarzweiß-Fotos folgen wir Magritte in der Urlaub, den er in den Dünen von De Panne verbrachte und lernen seine Mitstreiter Edouard Léon Théodore Mesens, Paul Nougé und Irene Harmoir kennen. Zudem sieht man in einer Fotoreihe Aufnahmen vom Haus in Jette, die 1949 entstanden sind. Außergewöhnlich für das Schaffen des Malers Magritte ist der blau und grau gemusterte Wandteppich mit einem Text von Nougé, den Magritte gestaltete. In Französisch steht folgender Sinnspruch auf dem Teppich: „Wenn deine Gedanken dem Traum begegnen, erinnere dich daran.“ Zu sehen ist außerdem eine Gouache von Magritte „Die Lampe des Aladins“ und eine Pastellzeichnung „Der Schwindel“ (1943). Janusköpfig sind Lola und Valence in einem von Magritte stammenden Aquarell. Dass Magritte mit seinen Arbeiten zu provozieren wusste zeigt ein um 1930 entstandenes Aquarell mit einer erotischen Szene: Eine breitbeinig auf einem Sessel sitzende Frau greift ihrem Partner ungeniert ins Gemächt!
(fdp)

Museum René Magritte
Esseghemstraat 135
1090 Brüssel (Jette)
Tel 0032-2-428 26 26
magrittemuseum@tele2allin.be
http://www.magrittemuseum.be
Öffnungszeiten Mi-So 10-18 Uhr



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