Wandern in Albanien

Eine Wanderreise durch den Süden des Landes


Teil 2


Der erste Teil unserer Wanderreise durch den Süden Albaniens führte uns von der Hauptstadt Tirana über die UNESCO-Weltkulturerbestadt Berat und die sehenswerte Ausgrabungsstätte Apollonia in das Wandergebiet des Llogara-Nationalparks. 

Über das Touristenzentrum Saranda führt der zweite Teil unserer  Tour zu weiteren Weltkulturerbestätten der UNESCO: zunächst nach Butrint, dann nach Gjirokastra, bis wir schließlich das Wandergebiet rund um Voskopoje erreichen.


Der Küstenort Saranda

Der einst ruhige Küstenort hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem bedeutenden touristischen Zentrum entwickelt, was die unzähligen Hotels und Restaurants, die wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, verdeutlichen. Vor allem in den Sommermonaten Juli und August ist die Stadt überlaufen, aber auch sonst sind hier viele Tagestouristen unterwegs, Kreuzfahrtschiffe machen in der Bucht vor der Stadt Halt, während deren Passagiere das nahe gelegene Butrint besuchen und einen Bummel durch die Stadt unternehmen bevor sie wieder in ihre “eigene Welt” übersetzen. Auch die nahe griechische Insel Korfu - sie liegt nur 3 km entfernt - führt zu einem regen Austausch und kontinuierlichem Fährverkehr - zumindest während der Saison. 

Saranda selbst hat nur wenige Sehenswürdigkeiten zu bieten - ein abendlicher Spaziergang auf der langen Promenade gehört zum Pflichtprogramm eines jeden Besuchers.
Saranda
Dabei kann der Ort auf eine lange und bedeutsame Geschichte zurückblicken, wie römische Ruinen oberhalb des Bootshafens zeigen. Die einstige Stadtmauer allerdings ist kaum noch erkennbar. Von besonderem Interesse sind die Reste einer Synagoge, vermutlich aus dem 4. Jahrhundert, die in späterer Zeit wohl als frühchristliche Basilika genutzt wurde. Das Judentum kann in Albanien auf eine lange Geschichte zurückblicken.

 Juden im 2. Weltkrieg

“Die Nazis forderten Ende 1943 und 1944 Listen mit allen Juden in Albanien. Innenminister Xhafer Deva lehnte dies ab mit dem Hinweis, dass dies eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Albaniens sei. Die ausländischen Juden mussten in der Folge versteckt werden. Viele Albaner, Mitglieder aller Religionen, nahmen unbekannte Juden bei sich zu Hause auf, versorgten sie, besorgten gefälschte Papiere und albanische Kleider. Sie riskierten ihr Leben für die Fremden, aber konnten sie so retten. Zwar sympathisierten viele Albaner mit den Deutschen, die ihnen mehr Freiheiten ließen als die Italiener und das Land mit dem Kosovo vereint hatten. Aber selbst jene Albaner, die in Deutschland oder Österreich studiert hatten, waren kaum für die Nazi-Ideologie empfänglich.[1] Die traditionelle albanische Gastfreundschaft wurde von allen Albanern über die Forderungen der Besatzer gestellt.”
Aus: Wikipedia, Judentum in Albanien


Im kleinen Archäologischen Museum der Stadt lässt sich ein großes Mosaik bestaunen, das in der Stadt freigelegt wurde.

Oberhalb der Stadt thront die Burg Lëkurësi aus dem 19. Jh., die heute ein schön gelegenes Ausflugsrestaurant beherbergt. Ein herrlicher Platz, um den Sonnenuntergang zu genießen und mit etwas Glück albanischer Musik zu lauschen.



Als besonderer Tipp für Badegäste gilt die Halbinsel Ksamil südlich von Saranda, während der Hauptsaison allerdings hoffnungslos überfüllt.  


 Albanische Musik

Wer - wie unsere Wandergruppe - das Glück hat, eine Kostprobe albanischer Musik genießen zu dürfen, kann sich auf ungewohnte Klänge freuen, wenn der traditionelle, mehrstimmige Gesang angestimmt wird, die so genannte Iso-Polyphonie. Dieser Gesangsstil unterscheidet sich je nach Region, mal ist es ein reiner Männergesang, mal sind auch Frauen dabei und manchmal gibt es auch eine Instrumentalbegleitung. Aufgrund ihrer Einzigartigkeit wurde diese Form der albanischen Volksmusik 2008 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Der mehrstimmige iso-polyhpone Gesang besteht zum einen aus mehreren von Solisten vorgetragenen Stimmen, die unabhängig voneinander sind aber Bezug aufeinander nehmen, zum anderen aus der Chor-Stimme, dem so genannten Bordun, der um eine bestimmtes tonales Zentrum herum vorgetragen wird. Die Texte drehen sich meist um Geschichten, Mythen und Alltagserlebnisse, sie können melancholisch, aber auch ausgelassen fröhlich klingen. Im Ergebnis ein für unsere Ohren ungewohntes Klangerlebnis, das vor allem live ein besonderes Erlebnis darstellt.

Albanische Musikgruppe Zeri i Bilbilit
Die Gruppe "Zeri i Bilbilit" - auf dem Foto während eines Auftritts auf der Burg Lëkurësi oberhalb von Saranda -   pflegt die traditionelle albanische Musik, auch Iso-Polyphonie. Von der Gruppe sind auch DVDs erhältlich. 




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