Die eigentliche Sensation spielt sich am Boden ab, wo es kribbelt und krabbelt. Im Schlickwatt, das in ruhigen, strömungsarmen Zonen durch Ablagerung feiner Schlickteilchen und Schwebstoffe entsteht, leben auf einem Quadratmeter manchmal bis zu 1 Million Kieselalgen. Mit bloßem Auge kaum zu erkennen, bilden die 0,02 mm großen Organismen in ihrer Summe den bräunlichen Überzug auf dem Boden. Sie sind für die Sauerstoffproduktion verantwortlich und stellen für viele Lebewesen im Watt eine wichtige Nahrungsgrundlage dar.
Mitten im Algenteppich lebt die kleine Wattschnecke (0,5 cm) wie die Made im Speck; sie weidet die Algen und Bakterien systematisch ab. Biologen haben pro Quadratmeter über 100 000 Exemplare gezählt. Viele Muscheln, wie die Platt- (2 cm), Herz- (4 cm) und Sandklaffmuscheln (12 cm), fühlen sich am wohlsten im Sand eingegraben. Anders die schwarzen Miesmuscheln, die auf dem Sandboden zu Hause sind. Sie verbinden sich mit ihren "Byssusfäden" zu sogenannten Muschelbänken, damit sie nicht so leicht mit ins Meer weggeschwemmt werden. Wenn man vom Wattführer erfährt, daß die Miesmuscheln das gesamte Wasser im Wattenmeer in wenigen Wochen einmal durch ihre Kiemen spülen und reinigen, hat man sie vermutlich zum letzten Mal mit Freude gegessen.

Wattwanderung mit Wattführer Heino
auf der Insel Juist
Am Auffälligsten sind die kringeligen Kothaufen vom Pierwurm. Hebt der Wattführer mit seiner Schaufel darunter den Sand etwa 25 cm tief aus, kann man ihm höchstpersönlich begegnen. Auch er ist eine Reinigungsmaschine. Er frißt Sand, aus dem er Mikroalgen und Bakterien verwertet, den unverdaubaren Sand aber wieder ausscheidet. Im Jahr wälzen die Pierwürmer etwa 1 000 Tonnen Sand pro Hektar um. Unterwegs trifft man noch Krebsen, Garnelen und manch auf dem trockengefallenen Sand sterbenden Seestern.
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