Taiwan |
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Kurzportrait Als ein portugiesischer Händler 1517 an der Küste im Norden der Insel Taiwan landete, soll er spontan von einer ”Ilha formosa”, einer ”schönen Insel” gesprochen haben. Die Kolonialherren, Besatzer und Siedler kamen und gingen – sie brachten schöne, meist aber weniger schöne Zustände mit sich –, doch der Name blieb: Bis heute ist die Insel vor der Südostküste Chinas als Formosa bekannt. Sie hat seit dem 16. Jahrhundert viele Häutungen erlebt, in den letzten 50 Jahren auch eine industrielle, die zwar Wohlstand, aber wenig Schönheit brachte. Und doch blieben das Bergland sowie weite Abschnitte der Küste so ähnlich, wie der Portugiese sie erlebt hatte, nämlich von besonderer landschaftlicher Schönheit. Ein Grund mehr, diese touristisch noch kaum entdeckte Region einmal selbst zu erleben.
Das nationale Palastmuseum in Taipeh Anzeige!
Besonders auffällig sind in der Stadt die opulenten Bauwerke, mit denen dieser Staat sich selbst und seine Gründer feiert. Sun Yatsen stammte aus Südchina und war für kurze Zeit der erste Präsident der chinesischen Republik, nachdem der letzte Kindkaiser 1911 in Peking abgedankt hatte. Sun begründete die nationalistische Bewegung (Kuomintang, KMT), und es sind Zweifel angebracht, ob er mit seinen direkten Nachfolgern einverstanden gewesen wäre. Sun Yatsens wird in einer eindrucksvollen Halle gedacht, die durch eine Allee mit dem Präsidentenpalast verbunden ist. Dieser stammt allerdings, am Stil leicht erkennbar, aus der Zeit der japanischen Besatzung (1907) und diente damals dem japanischen Gouverneur als Dienstsitz. Besonders pompös ist die Gedenkhalle für Chiang Kaishek gehalten, besagten Nachfolger Sun Yatsens, der 1949 nach verlorenem Bürgerkrieg mit seinen Getreuen nach Taiwan floh und hier, wie schon zuvor auf dem Festland, rücksichtslos und diktatorisch regierte. Beim sog. Märtyrerschrein wird der gefallenen Kuomintang-Soldaten des Bürgerkriegs gedacht, eingerahmt vom militärischen Drill der Wachsoldaten. Ein Museum allerdings ist eigentlich schon die Reise nach Taiwan wert. Am Stadtrand liegt das Nationale Palastmuseum, das die meisten der Kunstschätze aus 2000 Jahren der chinesischen Monarchie beherbergt. Als sie an diesen Ort kamen, hatten sie eine lange Odyssee hinter sich gebracht. Die 650.000 Objekte stammen aus dem Kaiserpalast in Peking, der nach der Abdankung des letzten Kaisers weitgehend verwaist war. Als die Kaiserfamilie 1924 endgültig aus dem Palast verjagt wurde, durfte sie nur wenige persönliche Gegenstände mitnehmen; die Schätze, die die Kaiser über Jahrhunderte angesammelt hatten, wurden Eigentum der Republik. Um sie vor den 1937 anrückenden Japanern zu retten, verpackte die nationalistische Regierung den größten Teil, aber längst nicht alles, in Kisten, zog damit in Krieg und Bürgerkrieg mehrfach um und schaffte wiederum einen Teil der Kisten 1949 nach Taiwan. Ein kleinerer Teil der Kaiserschätze ist jetzt wieder im Kaiserpalast von Peking zu sehen, der größere im Palastmuseum von Taipeh. Und was es alles zu bestaunen gibt: Gemälde, Kalligraphien, Skulpturen aus den verschiedensten Materialien, Gewänder und andere Kleidungsstücke, Waffen, Zeremonialgegenstände, Keramiken, Alltagsgegenstände, Geschenke von ausländischen Staatsoberhäuptern und vieles andere mehr. Leicht kann man sich hier mehr als einen Tag aufhalten. Vom
Museum ist es nicht mehr weit zum Nationalpark
Yangmingshan (bis
1100 m
Höhe), nordöstlich der Hauptstadt gelegen und als
Naherholungsgebiet äußerst beliebt. Wilde Landschaft, ausgedehnte
Wanderwege, heiße Quellen, manche auch schwefelhaltig, Seen,
Wasserfälle, Blumen, Vögel und Schmetterlinge laden dazu
ein, die verkehrsreiche Stadt einmal hinter sich zu lassen. Fährt
man weiter an die Küste, so gelangt man bald nach Keelung, dem
industriellen Hafen der Hauptstadt. In der Umgebung gibt es allerdings
einige Ferienresorts sowie bei Yeliu die berühmten skurrilen Felsen,
durch Wasser- und Lufterosion entstanden und oft wie Frauenköpfe
mit gewagten Frisuren anmutend. In Keelung selbst lassen sich einige
Bauten aus der Kolonialzeit erkennen, außerdem sollte man das
Marmor-Nonnenkloster (1995) und den Nachtmarkt nicht verpassen. In Richtung Süden Zur
großen Inselumrundung brechen wir nach Süden auf. Über
die Autobahn kann man Taiwans zweitgrößte Stadt, Kaohsiung,
in einem guten halben Tag erreichen, doch es lohnt sich, immer wieder
abzufahren oder direkt die kleineren Küstenstraßen zu nehmen. Mit ungefähr 800.000 Einwohnern ist Taichung drittgrößte Stadt des Landes und ein industrielles Zentrum. Von Interesse sind zwei Tempel, der Paochueh-Tempel mit seinem 30 Meter hohen dickbäuchigen Milefo, nach der Legende ein chinesischer Mönch aus dem 10.Jh., der sich bei seinem Tod als Reinkarnation des Amitabha zu erkennen gab. Mit dem Yufo-Tempel kann man zudem eine daoistische Stätte besuchen, in der vor allem der Kriegsgott Kuangti verehrt wird. In
starkem Kontrast zu Taichung steht der Charakter der Kleinstadt
Lukang, deren
Altstadt noch von Gassen und Hofhäusern geprägt
ist. Dort werden Antiquitäten verkauft, und die Bewohner gehen
kunsthandwerklichen Tätigkeiten nach, wie der Herstellung von
Fächern, Holzschnitzereien und Laternen. Auch Feinschmecker kommen
bei dem großen Angebot von Meeresfrüchten auf ihre Kosten.
Der 1786 gegründete Lungshan-Tempel ist der bedeutendste der Stadt. Von
1663 bis 1885 war Tainan Hauptstadt der Insel. Kein Wunder also,
dass hier
Zeichen vergangener Macht sowie einige Tempel zu sehen sind.
Die Holländer sicherten ihre koloniale Herrschaft durch den Bau
der Festungen Provintia und Zeelandia ab. Von ersterer sind nur noch
Ruinen zu sehen, während letztere auch von Koxinga, dem Sieger über
die Fremden, als Verwaltungssitz genutzt wurde und gut erhalten blieb.
Dem Befreier Taiwans von den Kolonialherren baute man im Süden
der Stadt einen Schrein, in dem er jeweils am 12. Februar, dem Tag
der niederländischen Kapitulation, verehrt wird. Nicht weit entfernt
liegt der Konfuzius-Tempel, der angeblich der älteste des Landes
sein soll und 1666 von Koxingas Sohn errichtet wurde.
Kloster Fokuang Shan Die
Schönheit der Natur erfährt man im Schmetterlingstal
bei der historischen Stadt Meinung. Die Stadt zeigt noch die traditionellen
Handwerke, während die Täler der Umgebung zu Spaziergängen
einladen. Und im Mai machen hier Millionen Exemplare der 400 Schmetterlingsarten,
die auf Taiwan heimisch sind, auf ihrer Wanderung nach Süden Station. Nationalparks im Landesinnern Der
Weg über Kending legt die vollständige Umrundung der
Insel nahe. Doch sollten Besucher auf keinen Fall das Landesinnere
verpassen. Wer nicht an den Stränden interessiert ist, wird vorher
schon auf einer der gut ausgebauten Nationalstraßen den gebirgigen
Rücken der Insel überqueren und immer wieder durch die überwältigenden
Ausblicke auf die Gebirgslandschaft aufgehalten werden. Weite Gebiete
sind hier zu Nationalparks erklärt worden, während die meisten
Berge eh als Sitze der Götter gelten. Entlang der Ostküste nach Norden Fährt man von Kending entlang der Ostküste Richtung Norden,
so ist Taitung die erste größere Stadt. In dieser Gegend
lagen die frühesten Siedlungen auf der Insel, deren Überreste
man in einem archäologischen Freiluftmuseum bei Peinan bestaunen
kann: Vor allem Töpferwaren, Skelette und Särge wurden gefunden.
Immer weiter entlang der Küste fällt bald eine achtbogige
Brücke ins Auge. Sie führt zu einem Korallenfelsen namens
Sanshiantai vor der Küste, auf dem drei der acht Unsterblichen
gerastet haben sollen. Nach einem kleinen Spaziergang kann man es ihnen
gleichtun oder die zahlreichen Maler beobachten, die die bizarre Landschaft
aufs Papier bannen.
Die achtbogige Brücke zum Korallenfelsen Sanshiantai Die
zentrale Stadt der Ostküste ist Hualien. Im Süden liegt
der berühmte Karpfensee, in dem nicht nur zahlreiche prächtige
Exemplare zu sehen und zu angeln sind, sondern mit etwas Fantasie auch
die Form des Sees als Fisch zu erkennen ist. Jedenfalls bleibt der
See das beliebteste Freizeitzentrum der Stadt. Über die gewinnt
man einen guten Überblick, wenn man auf die siebenstöckige
Pagode des Tungchia-Tempels steigt. In dieser Region siedelte einst
das Volk der Ami; ihre Kultur wurde jetzt im Ami-Dorf für Touristen
in Form von Tänzen und Gesängen aufbereitet. Hualien ist
zudem Ausgangspunkt für Ausflüge in die Taroko-Schlucht (s.o.). Neue Ziele Inzwischen
stehen auch einige der kleineren Inseln Besuchern offen. Im Südosten der Hauptinsel, von Taitung aus erreichbar, ragt 35
km vor der Küste Lutao, die Grüne Insel, mit ihrer üppigen
Vegetation auf. Es gibt saubere Strände, eine Quelle sowie gute
Tauch- und Schnorchelgebiete. Einige Kilometer südlich von Lutao
liegt Lanyu, die Orchideeninsel, die größtenteils von wild
wachsenden Blumen bedeckt ist. Hier lebt das Volk der Yami, das für
seine Einbaumkanus bekannt ist.
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Reiseinfos Klima und Reisezeit Einreise Ärztliche
Versorgung Währung Statistik Einwohner: rund 23 Mio. Lage: Die Insel Taiwan liegt rund 160 km vor der Südostküste des chinesischen Festlands im Pazifischen Ozean. Zur Hauptinsel gehören noch 85 weitere Inseln, von denen einige sich direkt vor der Küste der Volksrepublik befinden. Die Hauptinsel wird wegen ihrer Form gern mit einem Tabakblatt verglichen. Sie misst in der Länge 394 km und an der breitesten Stelle 144 km. Ein Zentralgebirge bildet östlich der Inselmitte ein Rückgrat, mit einer steilen Küste im Osten und einer flachen Küste im Westen; etwa zwei Drittel der Insel sind bewaldetes Bergland. Die nächsten Nachbarn sind Korea und Japan im Norden, die VR China im Westen und die Philippinen im Süden. Hauptstadt: Taipeh (in anderer Umschrift Taipei oder Taibei), rd. 3 Mio. Einwohner Fläche: 36.000 qkm (etwas kleiner als die Schweiz) Bevölkerung: Die Bevölkerungsdichte Taiwans ist mit durchschnittlich ca. 600 Ew./qkm recht hoch, vor allem, wenn man bedenkt, dass die gebirgigen und waldreichen Gebiete im Zentrum der Insel nur äußerst schwach besiedelt sind. Die meisten Menschen leben in der Tiefebene zwischen der Westküste und den Gebirgen. Das Bevölkerungswachstum hat sich in den letzten Jahren auf unter 1% abgesenkt. Heute sind rund 98% der Bewohner Chinesen, deren Vorfahren zu verschiedensten Zeiten vom chinesischen Festland übersiedelten, die meisten aus der Provinz Fujian, die der Insel gegenüberliegt. Ihr Dialekt ist auch in Taiwan am weitesten verbreitet. Während dieser Einwanderungen wurde die bereits ansässige Bevölkerung in wirtschaftlich unergiebige Gebiete, vor allem ins Bergland, verdrängt. Die Chinesen sahen sich als diesen Völkern überlegen an. Es handelt sich dabei um Völker austronesischer Herkunft, die verschiedene Dialekte des Altmalaiischen sprachen und von ihrer Kultur her sehr unterschiedliche Merkmale aufwiesen. Durch die jahrhundertelange Unterdrückung und Marginalisierung dieser Menschen ist von ihrer Kultur kaum etwas geblieben. Erst seit wenigen Jahren werden sie als eigenständig anerkannt und jetzt sogar Touristen vorgeführt. Ihre Kostüme und Tänze sind jedoch nichts anderes als Folklore. Sprache: Die Amtssprache ist Hochchinesisch (Mandarin), im Alltag werden jedoch zahlreiche Varianten und Dialekte des Chinesischen gesprochen. Im touristischen Umfeld ist Englisch weit verbreitet, im Alltag und auf dem Land aber praktisch überhaupt nicht. Politisches
System:
Seit langer Zeit ist Taiwan von polynesischen Völkern
besiedelt, die ab dem 9. Jh., vor allem aber ab dem 15. Jh. durch chinesische
Einwanderer vom Festland verdrängt wurden. 1583 stießen portugiesische
Seefahrer auf die Insel; ihnen folgten fast alle europäischen Kolonialmächte,
die aber 1661 von Koxinga, einem Beamten der Ming-Dynastie, vertrieben
wurden. 1683 eroberten die Mandschu Taiwan und gliederten es in ihr Reich
ein. Nach dem chinesich-japanischen Krieg von 1894/5 mussten die Chinesen
Taiwan als Kolonie an Japan abtreten, das dort bis zu seiner Kapitulation
am Ende des 2. Weltkriegs herrschte. Wirtschaft: In der
Zeit als japanische Kolonie lieferte Taiwan vor allem Holz, Reis und
Zucker
an das weiter nördlich gelegene Inselreich.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Flachland im Westen noch intensiver
von einer nun diversifizierten Landwirtschaft genutzt. Auch die Forstwirtschaft
und die Fischerei bzw. Zucht von Meeresfrüchten spielen weiterhin
eine bedeutende Rolle. Auf großen Farmen werden zudem Enten und
Schweine gehalten. Tourismus: Die Entwicklung
des Tourismus steht erst ganz am Anfang. Zwar gibt es genügend gute Hotels, doch die sonstige touristische
Infrastruktur lässt noch zu wünschen übrig. |