Reisemagazin schwarzaufweiss

8.000 Kilometer auf dem Schienenstrang

Im Zarengold von Peking nach Moskau

Text und Fotos: Axel Scheibe

Die Nacht ist hereingebrochen und der Rote Platz sorgt einmal mehr, auch bei diesen Reisenden, für eine wehmütige Abschiedsstimmung. Morgen früh starten sie in verschiedene Himmelsrichtungen zurück in ihre Heimatländer. Viele natürlich in Richtung Westen nach Deutschland, England oder Frankreich, doch auch Australien, Kanada, Südamerika oder Indien standen auf der Passagierliste des Zarengold-Express, des rollenden Hotels, das die 200 Touristen für knapp zwei Wochen zu einer Schicksalsgemeinschaft verbunden hatte.

Der Zarengold auf Tour

Der Zarengold auf Tour

Zwei Wochen voller Erlebnisse, die sicher auch für zwei oder gar drei Urlaubsreisen gereicht hätten. Kein Wunder, dass sich dann fast jeder auf Zuhause freut und gerade jetzt, in dieser fast mystischen Mitternachtsstimmung am Fuße von Spasskiturm und Basillius Kathedrale manche Erinnerung aufkommt. Alle Eindrücke in der Kürze der Zeit zu verarbeiten, war kaum möglich. So wird gerade auch der Einstieg ins Schienenabenteuer in Peking in Erinnerung bleiben. Wer da mit Bildern im Kopf angereist war, die von riesigen Fahrradkolonnen auf breiten Straßen erzählten, wurde eines besseren belehrt. Es sind jetzt stählerne Karossen und nicht mehr die einst typischen Fahrräder, die das tägliche Verkehrschaos in Peking dominieren. Kaiserpalast, verbotenen Stadt, Mingh-Gräber und vor allem, sehnsüchtig erwartet, der Ausflug an die Große Mauer.

Im Zarengold von Peking nach Moskau - Hübsches Mädchen an der Großen Mauer, sonst leider nur Nebel

Hübsches Mädchen an der Großen Mauer, sonst leider nur Nebel

Nach einer ersten Zugnacht im Chinesischen Regierungszug wurde es ernst. In Erlian, der Grenzstation zwischen China und der Mongolei stand er bereit. Frisch geputzt, bestens vorbereitet und in Erwartung neuer Gäste – der Zarengold-Express. 15 Waggons, darunter vier Speisewagen, nahmen die ganze Länge des Bahnsteigs in Beschlag. „Mit unseren 15 Waggons“, so Hauptreiseleiter Wolfgang Egger, „haben wir die Maximallänge für russische Personenzüge erreicht. Mehr geht nicht.“ 200 Passagiere, der Zug war voll, freie Abteile gab es nicht. Ob zu Viert in der Kategorie 1, oder in den Kategorien 2 bis 5 mit je zwei Bewohnern, die Auslastung war perfekt. Wer das Gemeinschaftserlebnis suchte, die Zugstimmung mit anderen erleben wollte und mit jugendherbergsmäßigem Sanitärkomfort der 60-Jahre, sprich gemeinsamen Toiletten und Duschräumen, kein Problem hatte, war in den Kategorien 1 bis 3 bestens und stilgerecht aufgehoben. Wer Wert auf gehoben Ausstattung und privates WC inklusive Dusche legte, kam in der Bolschoi-Klasse auf seine Kosten. Das Zugerlebnis und all das, was Veranstalter Lernidee auf der Tour im Programm hat, war natürlich für alle gleich.

Lamas, Ringer, wilde Pferde

Im Zarengold von Peking nach Moskau - Tausende kommen zu den traditionellen Pferderennen in der Mongolei

Tausende kommen zu den traditionellen Pferderennen

Nach einem kurzen Stadtbummel in Erlian zog die Schlange der 15 Waggons über die weite Steppe der Mongolei. Ab und an ein paar Jurten. Immer mal wieder ein Reiter. Die Mongolei lebt von der Weite ihrer Landschaft. Ganz anders in der Hauptstadt Ulaanbaator. Die Touristen hatten das Naadam-Fest erwischt. Den wichtigsten Feiertag und das größte Volksfest des Landes. Tausende Mongolen aus dem Umfeld der Hauptstadt zog es zu den Festplätzen. Wer gedacht hatte, er kenne chaotischen Straßenverkehr, staunte. Selbst Saigon oder Delhi, beide Städte berüchtigt für das, was auf deren Straßen passiert, erinnerten hier an den Verkehrsgarten eines Mädchenpensionats. Gibt es eine Straßenverkehrsordnung? Theoretisch ja. Gibt es Fahrschulausbildung? Theoretisch ja … Der Wahnsinn auf der Straße blieb nachhaltig in Erinnerung. Aber auch das bunte Programm und die Schauvorführungen im Nationalstadion, wo die Ringer und die Bogenschützen zu ihren Wettkämpfen antraten. Später dann, vor den Toren der Stadt, die Reiterwettkämpfe. 25 km - so die längste Distanz. Die Jockeys wohl kaum älter als sechs Jahre und zigtausende begeisterte Mongolen mit ebenso vielen Pferden.

Im Zarengold von Peking nach Moskau - Mongolische Schweiz - Hammel gegart in der Milchkanne

Und der Ausflug in die Mongolische Schweiz. Eine Bergwelt, wie sie hier die wenigsten Zuggäste erwartet hätten. Essen in der Jurte – Hammel gegart in der Milchkanne – das war mongolische Küche. Bevor der Zug seinen Weg fortsetzte, noch Buddhistisches zum Anfassen. Das Gandan-Kloster hat die Jahrzehnte kommunistischer Versuche in der Mongolei ebenso überstanden wie die Jahre von Wende und Veränderung. Heute zieht es wieder mehr junge Leute hinter die Klostermauern.

Im Zarengold von Peking nach Moskau - Gebetsmühlen im Gandan Kloster in Ulaanbaator in der Mongolei

Gebetsmühlen im Gandan Kloster in Ulaanbaator in der Mongolei

Am Sibirischen Meer

Zahlen können beeindrucken. Und die, die der Baikalsee zu bieten hat ganz besonders. 25 Millionen Jahre alt, 636 km lang, zwischen 27 und 80 km breit, maximal 1.637 m tief. Seine Schönheit wird seit Jahrhunderten besungen und, wie sollte es anders sein, es rankt sich manche Geschichte und Sage um „Väterchen“ Baikal. Anatoly, Reiseleiter mit Leib und Seele, hatte da viel zu erzählen.

Als einziger Sonderzug darf der Zargengold auf der alten, historischen Strecke über malerische Brücken und durch rustikale Tunnel entlang des Baikal tuckern, um dann von Port Baikal, nach einem Seeausflug seiner Passagiere, zurück zur Transib zu rollen. Nicht ohne einen Fotostopp am Kilometer 110. Der Zug, das Baikalufer und eine typisches Picknick mit Schaschlik, russischen Weisen und russischem Wodka.

Im Zarengold von Peking nach Moskau - Baikalsee - Rast am Kilometer 110. Beste Fotomöglichkeit der Reise

Rast am Kilometer 110. Beste Fotomöglichkeit der Reise

Auf der Hauptroute der Transsibirischen Eisenbahn, die von Wladiwostok nach Moskau führt, übernahmen Elektroloks die Arbeit. Auch dem Zarengold wurde eine vorgespannt. Nun hieß es „Kilometer fressen“. Mal abgesehen von Stopps in Irkutsk mit dem Freilichtmuseum Talcy, am mächtigen Ob in Nowosibirsk, in Jekatarinburg, wo 1918 die Zarenfamilie ermordet wurde und in der Tatarischen Hauptstadt Kasan mit ihrem Kreml und einer der schönsten Moscheen Russlands.

Im Zarengold von Peking nach Moskau - Freilichtmuseum „Leben und Arbeiten im alten Sibirien“ Talzy unweit von Irkutsk

Freilichtmuseum „Leben und Arbeiten im alten Sibirien“ Talzy unweit von Irkutsk

Wie von vielen erhofft entwickelte sich der Zug zum bestimmenden Element der Tour. Reiseleiter Anatoly lud nicht nur zum Russischunterricht sondern auch zur Wodkaverkostung. Da war Stimmung und Spaß vorprogrammiert. „Wodka trinken mit Trinkspruch ist Kultur, doch wer Wodka allein trinkt und ohne Trinkspruch, der säuft.“ Wer wollte sich das nachsagen lassen. So brachte nicht nur Anatoly manchen Trinkspruch auf die große russische Seele aus. Stunde um Stunde zog die Landschaft am Fenster vorbei. Waren es anfangs eher kleine Dörfchen mit windschiefen Holzhütten, wurden die Orte an der Bahntrasse Richtung Moskau größer.

Im Zarengold von Peking nach Moskau - Anatoly ganz in seinem Element – Wodka-Probe mit vielen Informationen und ums russische Nationalgetränk Nummer 1

Anatoly ganz in seinem Element – Wodka-Probe mit vielen Informationen und ums russische Nationalgetränk Nummer 1

Noch bevor der Zug den Kasaner Bahnhof in Moskau erreichte, hieß Abschied von den gemütlichen Zugabteilen und dem Waggonverantwortlichen zu nehmen. Kamulov Khoumen aus Tadschikistan, als „fahrender Koch“ seit Jahren fester Bestandteil des Zarengold, hatte sich noch einmal selbst übertroffen. Die Edelfischplatte „Zarenhof“, das Pilzragout Julienne das Gemüsepotpourri „Wolgaschiffer“ und die Fleischroulade „Zar Nikolaj“ garantierten Abschiedstimmung bei einem letzten Wodka im Speisewagen.

Im Zarengold von Peking nach Moskau - Nächtlicher Zauber – Basiliuskathedrale auf dem Roten Platz in Moskau

Nächtlicher Zauber – Basiliuskathedrale auf dem Roten Platz in Moskau

Jetzt in Moskau bleiben nur die Erinnerungen. Zurück in der Heimat kommen sicher ungezählte Fotos dazu. Unweit der Basiliuskathedrale wartet der Bus. Ein letzter Blick aufs nächtliche Moskau. Auf Wiedersehen!

Informationen:

Weitere Informationen und Reisedetails zur vorgestellten Reise erhalten Sie bei:

Lernidee Erlebnisreisen GmbH
Eisenacher Straße 11
D-10777 Berlin
Telefon +49 – (0)30 – 786 00 00
Telefax +49 – (0)30 – 786 55 96
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