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Litauen im Überblick

Wer vermutet schon Europas geographischen Mittelpunkt in diesem uns immer noch so fernen Land? Unstreitig markiert der Schnittpunkt zweier Koordinaten, die wir von den äußersten Landmarken Europas über die Karte unseres Kontinents legen, einen Ort ganz nahe der litauischen Hauptstadt Vilnius. Leider haben jahrzehntelange Okkupation und Isolation dieses europäische Kernland im Bewusstsein der Europäer zu einer "terra incognita" werden lassen. So sind die Litauer für viele noch heute die unbekannten Nachbarn im Nordosten, ihre großartigen Kulturdenkmäler kaum bekannt und die landschaftlichen Schönheiten weitgehend unentdeckt.

Litauen

Wohl in keinem anderen Ort Litauens prägen die bedeutendsten europäischen Kunstrichtungen Gotik und Renaissance, Barock und Klassizismus so nachhaltig die Silhouette der Stadt wie in . Eingebettet in eine liebliche Hügellandschaft, begeistert Litauens Metropole ihre Besucher mit unzähligen Zeugnissen einer reichen Geschichte und mit einem quicklebendigen Kulturleben, dessen Musik- und Theaterpräsentationen weit über die Grenzen hinaus Anerkennung finden. Anerkannt wurde auch das Bemühen um die fachgerechte Restaurierung der Altstadt, deren Gassen und Höfe, Befestigungen, Türme und Kirchen in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen wurden. Um nur einige Bauwerke zu nennen: das Barockkleinod Peter-und-Paul-Kirche, aus der Zeit der Renaissance das Ausros-Tor oder St. Anna, ein Juwel der späten Backsteingotik, das als einer der schönsten Kirchenbauten Nordosteuropas gilt.

Vilnius

Kathedrale mit Glockenturm in Vilnius

Auch Kaunas, Litauens zweitgrößte Stadt, an der Mündung der Neris in die Memel (lit. Nemunas) gelegen, kann, obwohl Industriezentrum, mit einem historischen Stadtkern aufwarten, einer malerischen Altstadt voller sehenswerter Bauten, durchzogen von Fußgängerzonen mit einladenden Cafés und Restaurants. Die Ruine der Burg von Kaunas erinnert an die Kämpfe mit den Rittern des Deutschen Ordens, denen es nie gelang, Litauen zu unterwerfen. Andere Höhepunkte eines Bummels durch die dicht bebaute Altstadt sind die St. Georgskirche und die Kathedrale, beide aus dem 15. Jahrhundert, das Rathaus und der Rathausplatz, den alte, Wohlstand ausstrahlende Bürgerhäuser säumen oder die wuchtige Erzengel-Michael-Kirche.

Litauen

Tief im Südosten, nahe der Grenze zu Weißrussland, in einer seenreichen Hügellandschaft, durch die sich die Memel schlängelt, liegen mehrere Naturparks und der alte Kurort Druskininkai. Inmitten von Kiefernwäldern finden hier seit nunmehr 200 Jahren Heilungssuchende in den salzigen Mineralquellen Linderung. Wer keiner Schlammtherapien oder Mineralwasserkuren bedarf, für den ist das Städtchen ein idealer Ausgangspunkt langer Waldwanderungen oder Fahrradtouren, auch Dampferfahrten durch die wunderschöne Flusslandschaft der Nemunas. Nicht zu vergessen: östlich von Druskininkai wartet mit dem Dzukija-Nationalpark, dem mit 550 km² größten Naturpark Litauens, ein Naturparadies für Wanderer, Angler, Vogelkundler, Radler oder Reiter. Ein urwüchsiger Park mit Wäldern, Quellen, Seen und Dünen, aber auch Lehrpfaden und ethnographischen Stationen.

Ein weiterer bedeutender Nationalpark ist um die Relikte der früheren litauischen Hauptstadt Trakai westlich von Vilnius eingerichtet worden. Eine reizvolle Seenlandschaft beherbergt in ihrem Zentrum, auf einer Insel gelegen, die rote Backsteinburg von Trakai aus dem 14./15. Jahrhundert, heute ethnographisches Museum. Hoch im Nordwesten des Landes liegt der Nationalpark von Zemaitija, auch er ein wald- und wildreiches Naturreservat, an dessen Seeufern und Flusswindungen kleine Dörfer liegen, die viel von ihrer traditionellen Architektur und Lebensart bewahrt haben.

Prickelnde Seeluft deutet es an: wir nähern uns der Küste. Am Weg liegt Palanga, das frühere Polangen. Sein kilometerlanger feinsandiger Strand, seine Salzthermen und die jodhaltige Luft machen die kleine Stadt bei Badetouristen und Kurgästen gleichermaßen beliebt. Während der Saison sorgen eine gute Gastronomie, zahllose Freizeiteinrichtungen und Veranstaltungen für viel Abwechslung. Werden die Tage kürzer, lässt der Trubel nach und wer die Ruhe liebt und lange, erholsame Strandspaziergänge kommt dann auf seine Kosten. An Palangas frühere Bedeutung als Handelsplatz für Bernstein erinnert das sehenswerte Bernsteinmuseum, eines der größten der Welt .

Klaipeda (Memel) ist als bedeutender Fähr- und Handelshafen Litauens Tor zur Welt. Für viele ihrer Gäste ist die quirlige Stadt auch günstiger Ausgangspunkt für Ausflüge auf die Kurische Nehrung, in das 25 km nördlich gelegene Seebad Palanga oder zu den Sehenswürdigkeiten im Hinterland. Die aufstrebende Hafenstadt, die im 13. Jahrhundert von den Rittern des Schwertbrüderordens gegründet wurde, birgt in ihrer restaurierten Altstadt viele alte Häuserzeilen, die an ihre große Zeit als Handelsplatz und Zentrum des Handwerks erinnern. Damals wie heute im Zentrum des Geschehens: der Theaterplatz, Ort historischer Ereignisse und wichtiger Veranstaltungen und Standort einer Berühmtheit, der bronzenen Figur des "Ännchen von Tharau".

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Unbestrittener Höhepunkt jeder Litauenreise ist ein Besuch der Kurischen Nehrung. Wind und Meeresströmungen haben diese in Europa einzigartige Landzunge geformt. Mit ihren weißen, bis zu 60 m hohen Sanddünen, ihrer eigentümlichen Tier- und Pflanzenwelt fand das Naturphänomen Aufnahme in die Liste des Weltnaturerbes der UNESCO. 98 km lang (die nördliche Hälfte litauisch, der südliche Teil gehört zum Kaliningrader Gebiet der Russischen Föderation) und stellenweise nur 400 m breit, trennt sie das Kurische Haff von der Ostsee. Wenigstens fünfzehn Dörfer wurden zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert für immer vom stetig rieselnden Sand der Nehrung zugeweht mitsamt ihren Friedhöfen und Brunnen. Doch für einige - Künstler, Naturfreunde, Wissenschaftler- war es ein "Paradies aus Sand" und später folgten ihnen Badelustige und Sonnenanbeter. Thomas Mann kam erstmals 1929 und verbrachte drei Sommer hier. Sein Ferienhaus, das "Thomas-Mann-Haus", ist in Nida (Nidden) zu besichtigen. Neben Nidden wurden in der Vorkriegszeit die Dörfer Preil (lit. Preila), Perwelk (Pervalka) und Schwarzort ( Juodkrante) zu beliebten Feriendomizilen, die heute mit viel Engagement den Anschluss an die touristische Entwicklung betreiben.

Text: Eckart Fiene

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