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Im Schatten der Hauptstadt

Ein Besuch in Porvoo, der zweitältesten Stadt Finnlands

Text: Dagmar Krappe
Fotos: Axel Baumann

Wer einen Kurztrip nach Finnland unternimmt, der kommt meist nach Helsinki und bewegt sich dort zwischen den Hauptsehenswürdigkeiten, dem Dom am Senatsplatz, der Felsenkirche und dem Sibelius-Monument. Man schlendert über die Nord- und Südesplanade und durch den 2005 eröffneten Design District mit seinen rund 170 Boutiquen, Galerien, Studios, Bars und Hotels, die sich der finnischen Kultur verschrieben haben. Ein Kontrastprogramm zur quirligen Hauptstadt findet man nur 50 Kilometer entfernt: in Porvoo, der zweitältesten Stadt Finnlands nach Turku.

Finnland - Helsinki - Sibelius-Monument
Sibelius-Monument

Mit dem Auto oder Linienbus dauert die Fahrt ins „Mittelalter“ eine knappe Stunde. Landschaftlich reizvoller und gemächlicher ist die dreistündige Anreise mit dem Schiff. Es startet vom Südhafen in der Nähe des Helsinkier Marktplatzes. Der weiße Dom und die gold-rot-blaue Uspenski-Kathedrale verschwinden langsam hinter den Masten der im Hafenbecken dümpelnden Segelboote. Schon bald schaukelt das Ausflugsschiff durch die typisch skandinavische Schärenlandschaft. Birken und Fichten säumen das Ufer. Ein Elch lugt kurz zwischen zwei Bäumen hervor. Kameras surren. Doch heute hat er keine Lust auf ein Fotoshooting und ist schnurstracks wieder im Wald verschwunden. Über den Fluss Porvoonjoki gleitet das Boot bis zum Hafen des fünfundvierzigtausend Einwohner zählenden Ortes.

Finnland - Helsinki - Hafen mit Dom im Hintergrund
Hafen von Helsinki mit dem weißen Dom im Hintergrund

Bunte Holzhäuser in engen Gassen

Rot gestrichene Lagerhäuser aus dem 18. Jahrhundert leuchten am Ufer unterhalb der Altstadt. Sie dienten als Depots für Obst, Kaffee, Wein, Gewürze und Tabak. Heute werden sie als private Lagerräume genutzt. Einige sind zu Appartements umgebaut. Porvoo liegt an der Kuninkaantie, der Königsstraße. Dieser mittelalterliche Handelsweg führte von Bergen über Oslo, Stockholm und Turku bis nach St. Petersburg. „Im 14. Jahrhundert wurde diese Straße von Königen und ihrem Gefolge und auch von der Armee benutzt“, erzählt Stadtführerin Ulla Schröder: „In Porvoo gab es damals viele Gasthäuser, in denen man gern einkehrte.“

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1346 erhielt der Ort vom schwedischen König die Stadtrechte. Noch heute sprechen über dreißig Prozent der Einwohner Schwedisch. „Porvoo heißt auf Schwedisch Borga, was sich aus den Wörtern Burg und Fluss zusammensetzt“, erklärt Ulla Schröder. Von der mittelalterlichen Burg zeugt heute aber nur noch der Wassergraben, der sie einst umgab.

Finnland - Porvoo - alte Lagerhäuser
Rot gestrichene Lagerhäuser aus dem 18. Jahrhundert

Porvoos Flair und Gemütlichkeit machen die bunten Holzhäuser und engen Kopfsteinpflastergassen aus. Kunsthandwerker- und Antiquitätengeschäfte, Galerien, Museen, Cafés und Restaurants verbergen sich hinter den gelben, roten, blauen und grünen Fassaden. „Die Altstadt besteht zu 90 Prozent aus Holzhäusern“, berichtet die Stadtführerin. Aus dem Mittelalter stammen sie jedoch nicht mehr. In den nachfolgenden Jahrhunderten vernichteten erst die Dänen, später die Russen den Ort. Die meisten der heutigen Häuser entstanden erst nach dem großen Brand von 1760. „Damals wurden zwei Drittel aller Häuser zerstört. Eine Hausfrau wollte Fisch kochen und entfachte das Feuer“, so Ulla Schröder. Wer die finnische Küche (gefahrlos) genießen möchte, is(s)t im Restaurant „Wanha Laamanni“ richtig. Es befindet sich in einem Holzgebäude aus dem 18. Jahrhundert in der Nähe des gotischen Doms. Doch auch im 21. Jahrhundert ist der Ort nicht vor Bränden gefeit. Der Dachstuhl des Doms mit seinen vierzigtausend handgefertigten Schindeln fiel im Mai 2006 einer Brandstiftung zum Opfer.

Finnland - Porvoo - Holzhäuser
Bunte Holzhäuser in Porvoo

Gegenüber der Kirche steht ein Denkmal des Dichters Johan Ludvig Runeberg. Eines seiner Gedichte ist der Text der finnischen Nationalhymne. Sein ehemaliges Wohnhaus ist heute Museum. „Und genauso bekannt wie die Hymne sind die Runeberg-Törtchen“, meint Ulla Schröder: „Es ist ein Sauerteig mit klein gehackten Mandeln, garniert mit Zuckerguss und Himbeerkonfitüre.“ Der Schriftsteller soll sie täglich zum Frühstück gegessen haben. „Wenn in Finnland am 5. Februar, dem Geburtstag des Dichters, der Runeberg-Tag begangen wird, sind die Kuchen im ganzen Land erhältlich. Nur in Porvoo kann man sie immer kaufen.“

Finnland - Porvoo - bunte Holzhäuser



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