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Finnland: „Valmis“!

Mit dem Huskygespann durch die Wildnis Lapplands

Text und Fotos: Adrienne Friedlaender

 

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Kilometer um Kilometer schlängelt sich die Landstraße durch verschneite Fichtenwälder. Windschief hängt ein verrotteter Briefkasten an einem Holzpfeiler am Wegesrand und durch die Bäume ist ein kleines rotes Saunahaus zu erkennen – die einzigen Zeichen menschlichen Lebens in den wenig bewohnten Wäldern. Nur einige Kilometer von Kemi (1), der unscheinbaren Stadt am Bottnischen Meerbusen entfernt, ist man bereits mitten drin in der weißen Wildnis Lapplands. Nichts oder so wenig wie möglich von Nachbarn zu sehen und zu hören ist kein Grund zur Beunruhigung, sondern ein ersehnter Zustand für die Finnen, habe ich neulich irgendwo gelesen.

Das gilt vor allem auch für Ulla. Die 52jährige Finnin lebt allein mit ihren Hunden auf ihrer Husky Farm in Keminmaa (2), eine Gemeinde im finnischen Teil Lapplands. Vor 25 Jahren war sie eine der ersten, die Husky-Touren für Touristen in Finnland anbot. Statt Namensschild steht ein verwitterter Holzschlitten an der Einfahrt zu Ullas Farm und auch das Bellen der Hunde zeigt an, dass wir unser Ziel erreicht haben.

Finnland - Huskies in Lappland

Die Hunde sind schon im Zuggeschirr eingespannt. Aufgeregt jaulend tänzeln sie in dem Wirrwarr blauer, roter und grüner Leinen vor dem Holzschlitten hin und her. Bei minus 15 Grad laufen die Huskys erst so richtig zu Hochtouren auf und es macht den Eindruck, dass ihnen ihre Arbeit Spaß macht, was auch meine Vorfreude auf die Fahrt verdoppelt. Ungeduldig warten die Hunde, die in ihrem dicken Fell ein wenig an Miniatur-Eisbären erinnern, auf das Startzeichen zur heutigen Tour durch den Tiefschnee. Im wärmenden Thermoanzug mache ich es mir auf dem Holzschlitten zwischen Decken und Fellen gemütlich.

Finnland - Schlittenhunde

„Valmis“ - Marco steigt hinter mir auf die Kufen des Schlittens, greift nach der Führleine und ruft seinen Hunden das Startkommando zu. Begeistert werfen sich die Hunde ins Geschirr. Jeweils sechs Hunde ziehen einen Schlitten. Heute gehören zwei Schlitten zum Team, das auf die zweistündige Schlittensafari durch die Wälder aufbricht.

Es hat angefangen zu schneien. Mühelos ziehen die Hunde den Schlitten auf unberührten Wegen durch den Tiefschnee. Eisig pfeift der Wind durch die Bäume. Nur die ruhige Stimme des Fahrers unterbricht das Knirschen der Kufen und das Hecheln der Hunde: „Vas – Oik“ (links - rechts) Aufmerksam lauscht Kamu der Leithund des Teams den Kommandos aus dem Schlitten. Marco erklärt, dass zwar jeder Schlitten einen Leithund hat, aber nur der erste Hund im ersten Schlitten des gesamten Teams versteht, was links, rechts und andere Befehle in Menschensprache bedeuten. Die Leithunde der nachfolgenden Schlitten laufen ihm nach - meistens jedenfalls. Hinter uns scheint es noch einige Kommunikationsprobleme zu geben. Schon zum zweiten Mal hängt der Schlitten des russischen Ehepaars nun schon im Baum. 

„Hier ist die Bremse“ Marco hat den Platz mit mir getauscht, lässt sich entspannt auf dem Schlitten nieder und zündet sich eine Zigarette an. Jetzt stehe ich auf den Kufen hinter ihm und halte stolz die Führleine in der Hand„Ok! Valmis!“ Tatsächlich setzen sich die Hunde auch auf meinen etwas zaghaften Ruf in Bewegung. Wie wichtig die Bremse ist, stelle ich fest, als Kamu seine Chefposition ausnutzt, das Bein hebt und damit seine fünf Kollegen ruckartig zur Vollbremsung zwingt.

Finnland - Schlitten mit Husky-Gespann

In ihrer dicken karierten Jacke und den festen Stiefeln erinnert Ulla an einen kanadischen Holzfäller. Viel Wert auf ihr Äußeres legt sie nicht, aber ihre blauen Augen leuchten, als sie von ihren Hunden erzählt. Ulla lebt für und mit ihren 90 Hunden allein auf ihrer Farm im Wald. Das einfache kleine Haus ohne WC, Strom oder sonstigen Komfort hat sie mit ihren eigenen Händen gebaut – kräftige raue Hände, die zupacken können. „Genau so möchte es meine Mutter haben“, erzählt Tochter Paula (29), denn Ulla spricht keine fremden Sprachen. Paula wohnt mit ihrer Familie in der Nähe und leitet mit ihrer Mutter gemeinsam die Huskyfarm. „Alles was Sie hier sehen, haben wir beiden zusammen und ohne fremde Hilfe aufgebaut: Die Schlitten, die Geschirre, die Zäune, die Hütten – einfach alles und so soll es auch bleiben. Das ist unsere Lebens-Philosophie.“

Erstaunlich, das die beiden Frauen so vehement an ihrem einfachen Leben festhalten, denn inzwischen ist Ullas Huskyfarm fast ein kleines Wirtschaftsunternehmen geworden.

Finnland - Schlitten mit Husky-Gespann

In den zwei Wochen um Weihnachten und dem Jahreswechsel ziehen Ulla, Paula und Marco, der die beiden Frauen unterstützt, 7000 Touristen mit ihren Huskys durch die Wälder. In dieser Zeit läuft jeder der Hunde bis zu acht Stunden täglich. „Für die kurze Zeit ist das schon in Ordnung für unsere Tiere“, sagt Paula. Und der Blick mit dem „Husky-Rentner“ Joonas, der seit vier Jahren ihr Schlittenhund im Ruhestand ist und seitdem keinen Zentimeter von seinem Frauchen weicht, bestätigt ihre Aussage.

In der Nachsaison werden dann auch zehntägige Husky-Safaris quer durch Lappland angeboten. Bei diesen Touren bekommt jeder Teilnehmer seinen eigenen Schlitten und versorgt selbst seine Hunde. Gekocht wird zum Teil unter freiem Himmel, geschlafen wird in einfachen Wildmarkhütten– natürlich mit Sauna.

Schon aus weiter Ferne ist das vertraute Jaulen und Bellen zu hören. Die Heimkehrer werden lange vor der Ankunft von den zurückgebliebenen Hunden wahrgenommen und fröhlich begrüßt. Kamu, Sani, Fixu, Uvanga, Nasa und Naata legen noch einmal einen Gang zu und galoppieren ungeduldig Richtung Rudel.



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