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Leipzig
Grassimuseum
Museum für angewandte Kunst


Vom Jugendstil bis zur Gegenwart
zurzeit

Ausstellungen

Jugendstil bis Gegenwart

Das GRASSI Museum für Angewandte Kunst eröffnete am 4. März 2012 den dritten und damit letzten Teil seiner neuen Ständigen Ausstellung. "Jugendstil bis Gegenwart" vereint auf etwa 1.200 Quadratmetern mehr als 1.500 Objekte von der Jahrhundertwende bis zur unmittelbaren Gegenwart. Schwerpunkte bilden dabei Werke aus der Zeit des Jugendstil, Art-déco und Funktionalismus ebenso wie ostdeutsches Design ab den 1950er Jahren.

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Freischwinger und Barcelona-Sessel - Ausstellungsansicht
"Jugendstil bis Gegenwart" (c) foto fdp

Mit der nun präsentierten Dauerausstellung ist der Sammlungsaufbau im Bereich der Angewandten Kunst des Grassi-Museums vorläufig abgeschlossen. Ein wahrer Hingucker ist gleich zu Beginn des Rundgangs ein fünfteiliger Fries, der auf der Pariser Weltausstellung im Jahr 1900 zu sehen waren. Zu sehen sind friedlich im Fries vereint Bär, Löwe und Steinbock. Glas und Silberwaren in Vitrinen, aber auch Möbelbeschläge aus Silber gegossen sind zu sehen, zudem eine Frauenmaske aus Porzellan aus der Manufacture Nationale de Sèvres. Verspielt erscheinen zwei Gewürzbehälter aus Zinn, die von zwei knienden Figuren gehalten werden. Gleichfalls aus Zinn besteht eine Zierplatte mit der Darstellung von Krebsen, einer Meerjungfrau und von Kindern, die alle auf dem Rand der Zierplatte zu sehen sind. Perlmutt und Silber sind die Materialien, aus denen Ernest Cardeilhac eine Schale mit floralem Dekor schuf. Mit Sinn für schwungvolle Formen gestaltete Gustav Siegel seine aus Buchenbugholz gearbeitete Sitzbank. Ebenfalls aus Buchenbugholz wurde der Spiegelrahmen geschaffen, der über der Sitzbank platziert wurde.

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Sitzbank und Spiegel Entwurf Gustav Siegel, vor 1900, foto fdp

Spielarten des europäischen Jugendstils

Statt floraler Dekors wählte Otto Prutscher für sein Likörfläschchen mit sechs Gläsern eine lineare Musterung. Dies ist ein Beispiel für den österreichischen Jugendstil, der ebenso vorgestellt wird wie die skandinavische Spielart: Nicht nur Besteck von Georg Jensen ist zu sehen, sondern auch ein Wandteppich mit Schwänen (1898). Aus der Vielzahl präsentierter Objekte der Art nouveau sei das von Eugène Gaillard um 1899 entworfene Speisezimmer für den Pariser Kunsthändler Siegfried Bing an dieser Stelle herausgestellt.

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Empfangszimmer Modell 428, Entwurf Margarete Junge,
Dresden 1905/06 foto fdp

Peter Behrens steht nicht nur für die gute Form der AEG, sondern auch für ein Kaffee- und Teeservice aus dem Jahr 1904 mit auffallend „bauchig-runder Formensprache“. Erwähnenswert ist zudem der 13-armige Leuchter mit schwenkbaren Armen, ein Entwurf von Bruno Paul. Während Jugendstil und Art nouveau auf handwerkliche Tradition Wert legten, entwickelte sich parallel dazu eine Strömung des Kunsthandwerks, die auf serielle Produktion abzielte. Dazu zählt auch das sogenannte Maschinenmöbelprogramm von Richard Riemerschmid, der insbesondere mit den Dresdner Werkstätten für Handwerkskunst in Dresden Hellerau eng zusammenarbeitetr. Das Museum zeigt Möbel eines von Riemerschmid entworfenen Speisezimmers mit zwei Stühlen, Büffet und Tabletttisch aus dem Esszimmer der Einrichtung III. Die Wanduhr (1905/06) stammt auch aus den oben genannten Werkstätten, wurde allerdings von Heinrich Tessenow entworfen. Zu sehen ist außerdem ein Teil des Service „Donatello“ (Entwurf Hans Günther Reinstein).

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Riemerschmid-Maschinenmöbelprogramm foto fdp

Tischkultur

Nicht nur die verschiedenen Strömungen des Jugendstils werden im Haus vorgestellt, sondern im Grassi-Museum widmet man sich auch Themen wie „Tischkultur“. In diesem Kontext zeigt man ein 1903 entworfenes Speiseservice von Henri van de Velde. In einer Nische steht man vor einem Empfangszimmer (Modell 428), das Margarete Junge 1905/06 entworfen hat. Es zeichnet sich durch einen sehr zarten Linienschwung aus. Mahagoni, massiv und furniert, aber auch Eiche sind die Hölzer, die zum Möbelbau verwendet wurden. Die zartgrüne Polsterung von Couch und Sessel ist nach Originalbefunden erneuert worden. Zur Ausstattung gehört zudem ein Wandbehang mit „Frau Musika“, entworfen von Hans Christiansen. Auf dem halbrunden Vitrinenschrank steht eine Frauenbüste, die um 1910 entstanden ist.

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Funktionalistisches Möbelprogramm: Bücherschrank Modell B 116, Entw. Ferdinand Kramer 1928/29, Möbelensemble, Entw. Mies van der Rohe, um 1927, Deckenfluter Modell 37222,
Entw. Eckart Muthesius 1931/31

Auch der bekannte Bildhauer Bernhard Hoetger ist in der Schau vertreten, von ihm zeigt man die Statuetten „Hoffnung und Liebe“ (1912). Es handelt sich um zwei Majolikaplastiken, die zwei liegende Frauen darstellen. Sie verhüllen dabei nur ungenügend mit ein bisschen Stoff ihre Körper. Zum Thema „Tischkultur“ passt auch das Leipziger Art-déco-Speisezimmer, das einst im Hause des Juweliers Ernst Treusch in der Ferdinand-Rhode-Straße 10 stand. Der Entwurf geht auf Ernst Max Jahn zurück, der selbstverständlich für seinen wohlhabenden Kunden Möbel aus Mahagoniholz schuf. Über dem ovalen Tisch hängt ein mehrstrahliger Leuchter. Auf einem hohen Sockel steht die Bronze „Der Schreitende“ von Alfred Thiele. Eine Hamburgansicht von Will Semm hängt an der Wand des auf einer Ausstellungsinsel inszenierten Zimmers.

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Leipziger Art-déco-Speisezimmer foto fdp

Passend zum Thema darf auch die Typenküche nicht fehlen, die wir Erich Diekmann verdanken und die durch die Bauhochschule Weimar ausgeführt wurde. Nach Erwerb dieser Küche durch den Kunsthistoriker Nikolaus Pevsner im Jahre 1929 wurde diese zeitlebens von dem nach London ausgewanderten Pevsner genutzt. Diekmanns Küche ist bereits Teil des Themas „Funktionalismus“. Zur Ausstattung dieser Küche gehören in der Ausstellungspräsentation auch ein Wasserkocher und ein Milchtopf, die sich Wilhelm Wagenfeld in ihrer Formgestaltung ausgedacht hatte. Zudem findet man auch den Tauchsieder Saluta von Theodor Strebel in der „Schauküche“, mal abgesehen von Bratschalen aus dem Hause Schott & Genossen.

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Blick in die Pfeilerhalle des Grassi-Museums: Beispiel für Art déco in der Architektur foto fdp

Art déco

Bereits die Wiener Werkstätte hatte auf florale Anmutungen und den „Peitschenschlag“ der Art nouveau zugunsten geometrischer Formen verzichtet. In der Art déco sind es gerade diese Formen, die dominieren, das sieht man nicht nur anhand des ausgestellten Kinderspielzeugs, sondern auch anhand der Figurengruppe „Freude“ von Wilhelm Andreas. Zu sehen sind zudem Barlachs schwebender Gottvater und auch Beschläge von Fritz Höger. Streng in der Linienführung ist der vierarmige Leuchter von Karl Hagenauer aus Wien. Zu sehen ist zudem ein Schachspiel von Curt Hasenohr, das aus Kupfer gearbeitet und teilweise emailliert wurde. Geometrische Formen wie ein Zylinder sind maßgebend für die Gestaltung der Figuren.

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Beleuchtung für modernes Wohnen foto fdp

Möbel für das neue Wohnen

Freischwinger und Barcelona Chair – das sind die Möbel, die sich Bauhausmeister wie Marcel Breuer und Mart Stam hatten einfallen lassen, so auch der berühmte Clubsessel B3, auch als Wassily Chair bekannt. Doch auch einen Freischwinger des eher unbekannten Designers Kalman Lengyel zeigt man in der sehenswerten Schau. Nur edle Materialien wurden für Tee- und Kaffeeservice verwendet. Ebenholz- oder Elfenbeingriffe waren durchaus üblich zum aus Kupfer getriebenen Service.

Spätestens mit dem Bauhaus wurde das funktionale Möbeldesign zum Standard. Typenmöbel von Mies van der Rohe stehen hierfür. Das Ensemble besteht aus dem Tisch MR 140, dem Stuhl MR 10, dem Armlehnstuhl MR 20 und dem Hocker MR1: Holz, Peddigrohr und Stahlrohr waren die Werkstoffe, um derartige Möbel bei der Firma Berliner Metallgewerbe Joseph Müller fertigen zu lassen. Schlichte Formen – das war der Zeitgeschmack.

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So sitzt man bei Eero Saarinen foto fdp

Nicht nur Design-Klassiker

Verlassen wir die erste Etage und begeben uns ins Erdgeschoss, um einen Gang durch die Geschichte des Designs von den 1940er Jahren bis heute zu unternehmen: Unser Blick fällt unmittelbar auf eine Ausstellungsinsel mit zahlreichen Stühlen, darunter der Hocker „Butterfly“ von Sori Yangi und der Vostra-Sessel von Jens Risom, aus Bugholz und textilem Gurtband gearbeitet. Zu sehen ist aber auch der flügelförmige, auf gespreizten Beinen ruhende Schreibtisch von Carlo de Carli, der dieses Möbel 1953 konzipierte. Unterdessen zu den Design-Klassikern zählend sind die Stühle von Charles und Ray Eames wie der Schaukelstuhl RAR.

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Blick in die Schau foto fdp

Dass auch Kinder mit modernen Möbeln bedacht wurden, unterstreicht der Schaukelwagen, den Erwin Andrä und Hans Brockhage 1950 erdachten. Dieses Möbelstück ist Sitzmöbel und Gefährt zugleich. Gezeigt werden aber auch Haushaltsgeräte wie der Toaster TUR aus dem Jahr 1957, bei dem man noch die Seiten aufklappen musste, um die Toastscheiben einzulegen und herauszunehmen. Brauns Multimix ist ebenso zu sehen wie der Entwurf des Radiogeräts RT 20 V von Dieter Rams für die Firma Braun. Gemeinsam mit Hans Gugelot schuf Rams außerdem das Phonogerät SK5. Diese Entwürfe treffen in der Ausstellung auf eine Sitzgruppe mit sogenannten Tulpenstühlen, die dem finnischen Designer Eero Saarinen zu verdanken sind.

Nicht nur der Blick auf das internationale Design wird beim Rundgang durch die Dauerausstellung möglich, sondern auch auf DDR-Design wie die Sitzgruppe, die anlässlich der Internationalen Gartenbauausstellung 1961 in Erfurt entstanden ist.

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Ron Aaron. Schlaf- und Arbeitsensemble, frühe 1980er Jahre
foto fdp

Ein besonderer Hingucker ist schließlich Ron Aarons Zimmergestaltung aus Gerüststangen, aus denen er auf engstem Raum ein Zimmer mit Hochbett, Schrank und Schreibtisch einrichtete. Zum Ausklang des Besuches durchschreiten wir eine 360-Grad-Installation mit dem Titel „Sinneslandschaften“, die von Axel Buether inszeniert wurde. © fdp

Ausstellungen

ANGEWANDTE KUNST AUS DEN NIEDERLANDEN UND FLANDERN
bis 16.10.2016

Präsentiert werden nicht nur die berühmten kobaltblau bemalten Fayencen und Fliesen der Delfter Manufakturen, sondern auch Metall- und Glasarbeiten des 18. Jahrhunderts. Neben diesen älteren Kostbarkeiten treten zeitgenössische Schmuckstücke und zahlreiche keramische Arbeiten der letzten Jahre. Historisches und Aktuelles stehen sich gegenüber und geben einen Einblick in die angewandte Kunst aus den Niederlanden und Flandern.

BACKEN, BÜGLEN, PUTZEN, KOCHEN
05.11.2016 - 09.04.2017

Das bisschen Haushalt! War Hausarbeit jemals schön? Beim Anblick blanker Puddingformen aus Kupfer, eleganter Teigrollen aus Glas, Küchenmaschinen im Space-Age-Look könnte man fast vergessen, dass Haushalt schon immer harte Arbeit war und noch ist. Aus den eigenen Sammlungen werden Gerätschaften und Haushaltshelfer aus rund vier Jahrhunderten präsentiert. Vom Mangelbrett bis zum modernen Dampfbügeleisen, vom Pfannenknecht am offenen Feuer bis zu Schnellkochtopf und Tischgrill. Viele Handgriffe sind mit Hilfe der Technik inzwischen leichter, schneller und weniger gefährlich geworden. Doch Handarbeit im Haushalt ist selbst im digitalen Zeitalter noch immer nicht ersetzbar.

GRASSI
Museum für Angewandte Kunst Leipzig
Museum für Völkerkunde
Johannisplatz 5-11
04103 Leipzig
Di – So, Feiertage: 10 – 18 Uhr, 1. Mi im Monat freier Eintritt

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