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Leipzig
Museum der Bildenden Künste


Spotlight on für die Sammlung
des Museums für bildende Künste Leipzig

zurzeit

Ausstellungen

Spotlight on für die Sammlung des
Museums für bildende Künste Leipzig

Nein nicht Fürsten und Despoten trugen die außergewöhnliche Leipziger Sammlung zusammen, sondern Händler und Kaufleute. Entstanden ist eine Kunstsammlung von europäischem Rang mit heute 2700 Gemälden, 55000 grafischen Blättern und 750 Plastiken. Davon werden in der dauerhaften Präsentation etwa zehn Prozent gezeigt. Dies ist für Kunstmuseen nichts Besonderes, sondern durchaus gängig. Die Liste der mit Werken im Bestand vertretenen Künstler liest sich wie ein "Who is who" der Kunstgeschichte: Lucas Cranach, Caspar David Friedrich, Johan Christian Clausen Dahl, Moritz von Schwind, Jacob Isaakszoon van Ruysdael, Rembrandt Harmenszoon van Rijn, Jan van Goyen, Gerrit van Honthorst, Frans Hals, Carl Gustav Carus, Max Klinger, Max Beckmann, Neo Rauch und Jonathan Meese, um an dieser Stelle nur einige Namen zu nennen. Das niederländische Stillleben und die niederländischen Seestücke sind ebenso Teil der Sammlung wie eine Wolkenstudie von Carus, der „Falkensteiner Ritt“ von Moritz von Schwindt, der „Teppichhändler“ von Max Beckmann und die „Neue Salome“ von Max Klinger. Mit dem Namen Neo Rauch ist die sogenannte Leipziger Schule verbunden. Eugène Boudin steht für den französischen Impressionismus, während mit Jules Dupré und Gustave Courbet („Am Starnberger See“) die „Schule von Barbizon“ vertreten ist. Ob man sich beim Besuch des Hauses mit der deutschen Malerei des 15./16. Jahrhunderts, mit niederländischer Malerei des 17. Jahrhunderts oder aber mit dem deutschen Expressionismus und der Kunst der Gegenwart beschäftigt, ist schlicht eine Frage des eigenen Kunstinteresses.

friedrich
Caspar David Friedrich Lebensstufen, um 1834

Mintfarben ausgeschlagen ist der Raum, in dem Max Klingers Skulpturen ihren Platz haben. Besonderer Aufmerksamkeit kommt dabei dem auf einem Thron sitzenden halbnackten Beethoven zu, zu dessen Füßen sich ein Adler niedergelassen hat. Mürrisch schaut der Schöpfer der 9.Symphonie drein. Klinger hat ihn gleichsam in der Rolle eines antiken Gottes skulptiert, ihn als Person damit erhöht, äußerlich auch durch den massiven violett schimmernden Marmorsockel, auf dem die Skulptur ruht. „Die neue Salome“ und „Kassandra“ entstammen auch aus dem antiken Kanon und wurden von Klinger aus farbigem Marmor herausgearbeitet.

Ausstellungen

Sighard Gille
30. Oktober bis 22. Januar 2017

Das Museum der bildenden Künste Leipzig zeigt im Herbst 2016 die erste umfassende Retrospektive des malerischen Werkes von Sighard Gille (*1941 Eilenburg). Präsentiert werden etwa 70 Gemälde von den späten 1960er Jahren bis in die Gegenwart. Anlässlich der Ausstellung erscheint das vollständige Werkverzeichnis seiner Gemälde. In der Ausstellung wird ein Fokus auf Gilles Schaffen in der DDR gerichtet, als der Künstler in der Haltung eines einfühlsamen, aber auch ironischen Kommentators alltägliche Situationen des Lebens im Sozialismus festhielt. Früh unterschied sich Gille von vielen seiner älteren und jüngeren Leipziger Kollegen durch die Verweigerung eines heroisierenden Narratives zugunsten seines Blicks auf die bedeutsamen Nebensächlichkeiten und das öffentlich gezeigte Intime, das sich der ideologischen Überfrachtung bereits vom Sujet her entzog. Diese Neigung zeigt sich in seinem vielleicht bekanntesten Werk dieser Zeit, der bei offiziellen Stellen Empörung auslösenden Brigadefeier von 1977, aber auch bei seiner wichtigsten Auftragsarbeit, dem großformatigen Deckenbild "Gesang vom Leben" für das Leipziger Gewandhaus. Der Schwerpunkt der Ausstellung wird auf Gilles Werk nach der Wende liegen, als der Künstler zum Professor an die Hochschule für Graphik und Buchkunst berufen wird und auch als Lehrer Anteil an der Entwicklung der Leipziger Kunst der Gegenwart nimmt. Gilles OEuvre dieser Zeit ist geprägt von privaten Themen, Portraits, Aktdarstellungen und ironisch wiedergegebenen Alltagsszenen. Auch die künstlerische Reflexion über den politischen und gesellschaftlichen Wandel spielt in dieser Phase eine größere Rolle. Mit großer Deutlichkeit tritt Eros als eine Triebfeder des Zwischenmenschlichen in seinem OEuvre zutage. In den letzten Jahren öffnet sich der Künstler zudem einer sensiblen Freilichtmalerei und wendet sich der Landschaft als Reflexionsraum menschlichen Daseins zu. Trotz künstlerischer Experimente mit der Fotografie und verschiedenen Drucktechniken bildet die Malerei auf Basis von präziser Beobachtung und Naturstudium das zentrale Arbeitsgebiet Sighard Gilles. Sein fulminanter Farbauftrag und die überbordenden Kompositionen zeigen Gille als einen Meister des Malerischen. In expressiver Artikulation und leichter Ironie befragt der Maler die Kunst über ihre Beziehung zum Leben. Denn über alle Gesellschaftsformen und politischen Konstellationen hinweg bleibt Gilles großes Thema der Mensch und das Menschliche. Der von Ina Gille redigierte Katalog wird mit einer Einführung durch Uwe M. Schneede Einblick geben in den Einfluss Gilles auf die Leipziger Malerei und eine wichtige Grundlage für die weitere Erforschung der Leipziger Kunst nach 1945 bilden.

Nolde und Die Brücke
12. Februar bis 18. Juni 2017

Emil Nolde gehört zu den herausragenden Künstlern des 20. Jahrhunderts. Die Künstlergruppe "Brücke", die 1905 in Dresden von Fritz Bleyl, Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff gegründet wird, zählt zu den wichtigsten Vertretern des Expressionismus. Diese Anfang 20-Jährigen sind von den "Farbenstürmen" des bald eine Generation Älteren Noldes begeistert und bieten ihm im Februar 1906 die Mitgliedschaft an. Es kommt zum künstlerischen Austausch. Die Malerei der "Brücke" wird durch Nolde inspiriert und dieser wiederum lässt sich anregen vom Holzschnitt, einer Domäne der "Brücke"-Künstler. Ihre fast zwei Jahre anhaltende Zusammenarbeit leitet den Beginn der modernen Kunst in Deutschland ein. Doch Nolde, der "die Flügel ja so gern frei haben will", trennt sich von den "Brücke"-Künstlern bereits im November 1907. Das künstlerische Echo der gemeinsamen Zeit hält allerdings für alle beteiligten Künstler noch Jahre an. Erstmals zeigen das Museum der bildenden Künste Leipzig und die Kunsthalle zu Kiel in einer gemeinsam konzipierten Ausstellung dieses aufregende Kapitel deutscher Kunstgeschichte. 150 Werke der Malerei, der Zeichnung und der Druckgraphik künden von expressiv aufgeladenen Landschaften, von Porträts, die Seelenbildern gleichen, und von Orten und Räumen, die von vibrierenden Farbströmen durchzogen sind.

Beethoven und was noch?

Im benachbarten Raum sind Gemälde von Klinger vereint. Die Mythologie der Antike ist eines der Bildmotive, betrachtet man ein bemaltes Türflügelpaar mit der Darstellung des Raubes des Ganymed. Diese Arbeit stammt aus der Villa Albers in Berlin-Steglitz: Vergeblich versucht ein riesiger Krebs Ganymed zu halten. Doch die Klauen eines Greifs sind stärker und Ganymed wird in die Lüfte „entführt“. 1889 malte Klinger seinen Atelierblick auf Santa Maria Maggiore. Entstanden ist eine „gestufte“ Stadtansicht, die von Kirchtürmen dominiert wird. „Surreale Welten“ spiegeln sich in „Eine Gesandtschaft“: Nackt liegt sie am Strand, die wohlgeformte Holde. Ein Flamingo stolziert auf sie zu, während zwei Marabus aus einiger Entfernung die Szenerie beäugen. Antiken Stoffes nahm sich Klinger in „Cäsars Tod“ an: Die Meuchelmörder sind noch am Tatort, die Blut verschmierten Waffen in den Händen. Leichenblass liegt der Imperator auf dem Boden. Mit flottem Duktus schuf Klinger außerdem eine Meereslandschaft. Der 2010 verstorbene, aus Hannover stammende Bildhauer Klaus Kumrow schuf mit seiner eigenwilligen Inszenierung des Kumrow-Raums.eine besondere Hommage an Klinger.

Nicht nur Selbstbildnisse

Nachdem wir uns dem deutschen Künstler unter den Künstler, so der Impressionist Lovis Corinth über Max Klinger, gewidmet haben, stehen wir den Werken Max Beckmanns gegenüber, der vielen Motiven eine deutliche schwarze Konturlinie gab und für seine grellen Farbsetzungen bekannt ist. „Der Teppichhändler“, mit erhobener linker Hand dastehend und den Teppich über den rechten Arm gelegt, ist eines der ausgestellten Beckmann-Werke. Eher selten gezeigt – aber in Leipzig zu sehen – sind die skulpturalen Arbeiten Beckmanns. In diesem Fall handelt es sich um ein skulptiertes Selbstbildnis. 1938/39 entstand „Selbstbildnis mit Grün und grünem Hemd“, eines der vielen gemalten Selbstporträt des „Meisters des Weltentheaters“. Ja, Beckmann inszenierte einige seiner Arbeiten als wäre er ein Theaterdramaturg. Das gilt auch für „Mars und Venus“: In diesem Gemälde verwandelt sich die Liebesgöttin in eine barocke Schönheit“ mit Korallenkette um den Hals, die von Mars – in eine Rüstung gehüllt – erobert wird. Besonders ausdrucksstark gelangen Beckmann zwei Skulpturen: „Kriechende (Frau)“ und „Tänzerin (Spagat)“. Was für Beckmann besonders typisch ist, die schwarzen Konturlinien, entdeckt der Besucher in dem als schmales Hochformat ausgeführten Gemälde „Blick auf Menton mit Lilientopf“. Das Inferno des Krieges – Beckmann hatte im Ersten Weltkrieg die Ostfront und den Stellungskrieg in Flandern erlebt – nahm Beckmann in seinem Gemälde „Die Schlacht“ (1907) bereits vorweg.

cranach
Lucas Cranach, der Jüngere Allegorie der Erlösung, 1557

Die Kniende trifft ein Liebespaar

In Leipzig „begegnen“ sich nicht nur bei Beckmann Bildhauerei und Malerei. So können wir zum einen „Die Kniende“ von Ernesto di Fiori ebenso betrachten wie Otto Muellers „Liebespaar“, das sich umarmt. Doch bei der Umarmung wird es wohl nicht bleiben. Die gelbe Bluse der Verliebten ist bereits aufgeknöpft, die Brüste teilweise zu sehen und auch die Hose ist leicht verrutscht. Gehemmt-drängend scheint er nur das eine zu wollen: den Geschlechtsakt. Mit Mueller schlagen wir das Kapitel des deutschen Expressionismus auf. Zu diesem Kapitel gehört auch Max Pechstein mit dem Porträt seiner Gemahlin, das in sehr starker blau-grün Tönung gehalten ist. In lichte Gelb- und Rottöne getaucht hat Peter August Böckstiegel seine Ansicht einer Lehmgrube, in der hart gearbeitet werden muss - auch bei unbarmherzig heißem Sommerwetter. Sinn für Farben bewies auch Fritz Winter in seinem gemälde „Straße mit Kirche“. Winter setzte ein grelles Rot – die Kirche – gegen ein Taubenblau des Himmels, mischte für die Ansicht Giftgrün mit Sonnengelb und Lachsfarben, in die er die Fassaden der Häuser eintauchte. Geschah ein Grubenunglück, gab es einen Zwischenfall in einer Hütte oder ist es doch nur ein Verkehrsunfall? Gustav Alfred Müller jedenfalls „war zur Stelle“, als der am Kopf Verletzte von vier Männern weggetragen wurde. Im „Dialog“ mit diesem Werk des Spätexpressionimus steht Mario Marinis Kopfbüste von Oskar Kokoschka, von dem es in der Sammlung auch einige Arbeiten gibt.

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Caspar David Friedrich Lebensstufen, um 1834

Konfrontationen

Gehen wir weiter, so stehen wir vor de Chiricos zwei Alten, recht füllig drall, ebenso wie Lehmbrucks Torso der Stehenden. Vollschlank war wohl in der ersten Dekade des 20. Jahrhundert das gängige Schönheitsideal. Mediterranes Licht liegt über Hans Purrmanns Hafenansicht, die 1931 entstand. An das letzte Abendmahl erinnert Karl Hofes „Tischgesellschaft“. Unter einem Dach vereint sind Archipenkos Marmorskulptur seiner Frau mit dem religösen Stilleben, das Willy Kriegel 1934 schuf. Von ihm befindet sich ein Großteil von Gemälden im Deutschen Historischen Museum in Berlin. Barlach gestaltete eine eindrucksvolle alte Frau, während Georg Kolbe seine schlanke „Große Kniende“ schuf.

Hans Grundig erinnert den Besucher mit seinem 1946 entstandenen Gemälde an die jüngere deutsche Vergangenheit: Zu sehen ist ein politischer Häftling mit rotem Dreieck und der Nummer 18061 auf der Häftlingskleidung vor der der „Kulisse“ eines mit Stacheldrahtverhau und Wachtürmen gesicherten Konzentrationslagers.

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Gerrit van Honthorst: Musizierende Gesellschaft, 1629
© Maximilian Speck von Sternburg Stiftung

Mit Willy Tübke und Wolfgang Mattheuer sind die Granden der Kunst der DDR genannt, denen man in Leipzig selbstverständlich besondere Aufmerksamkeit zuteil werden lässt. Tübkes „Lebenserinnerungen des Dr. jur Schulze“ gleicht einem Bilderbogen der Geister, die man gerufen hat und nicht mehr loswird: Barden, Harlekine, Kapuzenmänner, puppenhafte Weiber, ein Richter in roter Robe, ein Nazi mit Hakenkreuzfähnchen in der Hand und eine Europa auf dem Pferderücken. Zu den bekannten bildenden Künstler aus den heutigen neuen Bundesländern gehört auch der im Juni 2011 verstorbene Bernhard Heising, von dem „Als ich die Völkerschlacht malen wollte“ ausgestellt ist. Gewiss meinte Mattheuer mit „Hinter den sieben Bergen“ nicht die Zwerge von Schneewittchen, sondern eher die Verlockungen des Westens und die Suche nach der unbegrenzten Freiheit, auch wenn er dies „märchenhaft“ verpackt hat.

Das Enfant terrible der aktuellen deutschen Kunstszene, Jonathan Meese, durfte die hohe Wand eines der Treppenhäuser gestalten und Ludwig Brauns „Napoleon auf der Flucht nach Leipzig“ paraphrasieren, während Sighard Gille – ihm ist die Deckenmalerei im Gewandhaus zu verdanken – sich mit dem „Großen Fressen“ befasste: Fünf Damen der Gesellschaft – Karikaturen ihrer selbst – vergessen, gierig die Mahlzeit in ihre Münder stopfend, all ihre Tischmanieren. Über Ulf Puders „Schafe mit Schwimmhilfen“ stolpern wir fast, wenn wir die „Farbfeldmalerei“ von Henriette Grahnert im Blick haben.

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Eugène Boudin: Hafen von Deauville,1896

Abstecher Impressionimus

Ein wahrer Hingucker ist Claude Monets Gemälde „Boote am Strand von Etretat“. Kaum ein anderer französischer Impressionist konnte so virtuos mit dem Licht umgehen wie Monet. Nicht minder beeindruckend ist die Hafenansicht von Deauville, die Boudin uns hinterlassen hat. Zugleich ist dieses Gemälde eine Erinnerung an eine längst vergangene Zeit, als noch Großsegler auf den Weltmeeren unterwegs waren. Dass nicht nur niederländische Meister wie Willem van de Velde d.J. und Ludolf Backhuysen dramatische Seestücke malen konnten, unterstreicht Jules Dupré mit „Offene See“ (um 1870).

Wem dieser Rundgang noch nicht genügt, der kann sich selbstverständlich noch an der deutschen Malerei und niederländischen Malerei des 15. bis 17. Jahrhundert sattsehen. Um diese zu genießen, sollte man wiederkommen, um die Kunstreise durch die Jahrhunderte fortzusetzen, zumal das Haus immer wieder auch sehenswerte Sonderausstellungen organisiert. (c) fdp

Museum der Bildenden Künste Leipzig
Katharinenstr. 10
04109 Leipzig
Telefon: 0341 - 216 99 0
mdbk@leipzig.de
http://www.mdbk.de
Öffnungszeiten
Di, Do - So 10 - 18 Uhr, Mi 12 - 20 Uhr

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