California dreaming im Surfmekka Santa Cruz

Text und Fotos: Karsten-Thilo Raab

 

Kalifornien wird von vielen mit Sonne satt, Traumstränden, Palmen und Wellenreiten verbunden. Geburtsstätte des Surfens auf dem amerikanischen Festland war nachweislich Santa Cruz, wo sich das 1965 von The Mamas and the Papas besungene California dreamin' noch immer hautnah erleben lässt.

USA - Strand in Santa Cruz, Kalifornien

Strand in Santa Cruz

Jeden Morgen dasselbe Spielchen an der Monterey Bay. Küstennebel zieht auf - oft in Minutenschnelle. Im Laufe des Vormittags verflüchtigt sich der Schleier dann nach und nach wieder, um einem nahezu wolkenlosen Himmel Platz zu machen. Von diesem strahlt an rund 300 Tagen im Jahr die Sonne. Gleichzeitig sind die morgendlichen Nebelschwaden für den regenarmen Teil Kaliforniens ein absoluter Segen. Die Feuchtigkeit sorgt dafür, dass es hier üppig grünt und einige der besten Weine des Landes gedeihen. All dies interessiert die Frauen und Männer mit den bunten Brettern unter dem Arm wenig. Sie alle sind auf der Suche nach der perfekten Welle nach Santa Cruz, der Surfer-Hauptstadt der USA, gekommen.

USA - Santa Cruz in Kalifornien - Surfer am Strand

Surfer

„Santa Cruz war vor mehr als 130 Jahren die Geburtsstätte des Wellenreitens auf dem amerikanischen Festland", unterstreicht Christina Glynn nicht ohne Stolz. Gleichzeitig weißt „CeeGee", wie sich die klein gewachsene Powerfrau von Visit Santa Cruz County selber nennt, darauf hin, dass der faszinierende Sport eine weitaus längere Geschichte besitzt. Die Wurzeln des Surfens reichen mehr als 2.000 Jahre zurück. Die Mochica aus dem heutigen Peru nutzten bereits damals die Kraft der Wellen, um mit ihren primitiven Einmannfischerbooten, den „Caballitos de Totora" oder auch „straw seahorses" (Strohseepferde), zurück an Land zu gelangen.

Im Jahre 1777 berichtete schließlich ein gewisser Joseph Banks, der an Bord eines der Schiffe von Entdecker James Cook die Südsee erforschte, von Männer vor Tahiti, die aus Spaß auf einem geschnitzten Holzstück aufs Meer hinaus paddelten, um dann auf den Wellen zurück an Land zu reiten. Weit mehr als ein Jahrhundert sollten ins Land gehen, ehe der Surfsport auch die USA erreichte.

USA - Santa Cruz in Kalifornien - Surfer in Action

Surfer in Action

„Im Jahre 1885 waren drei hawaiianische Prinzen, die eine Militärakademie hier bei uns in Kalifornien besuchten, von den Wellen vor Santa Cruz derart begeistert, dass sie begannen, eigene Surfbretter zu bauen", blättert CeeGee verbal ein wenig mehr im Geschichtsbuch. David Kawananakoa, Edward Keliiahonui und Jonah Kalaniana'ole besorgten sich damals bei einem ortsansässigen Schreiner dicke Bretter aus Redwood, dem berühmten Riesenmammutbaum Kaliforniens, um erste, einfache Boards zu fertigen. Vor dem heutigen Leuchtturm, etwas nördlich des Hauptstrands von Santa Cruz, stürzten sich die Neffen von König Kalakaua dann mit Begeisterung in die Fluten.

„Ihre Bretter waren extrem lang, schwer und dick in der Mitte. Sie waren perfekt, um große Wellen zu nehmen, aber schwer zu kontrollieren", weiß CeeGee, und dass es bei aller Begeisterung für die blaublütigen Wellenreiter und ihre Künste noch gut zwei Jahrzehnte dauerte, bis das Surf-Bazillus auch die Bewohner von Santa Cruz nachhaltig infizierte. 1907 engagierte Eisenbahnmagnat Henry Huntington den Hawaiianer George Freeth als Lifeguard. Dieser nutzt jede Gelegenheit, Wellen zu reiten und wurde schnell als „the man who walks on water" bekannt.

USA - Feuerwehrwagen mit Surfbrett in Santa Cruz, Kalifornien

Feuerwehrwagen mit Surfbrett

Und mit Freeth begann der Sport seinen endgültigen Siegeszug; Santa Cruz wurde fortan als „Surf City, USA" geadelt. Verbunden war die Sportart stets mit einem lässigen Lebensstil. Die Musik der Beach Boys mit Songs wie „Surfin' USA" (1963) oder The Mamas and the Papasmit dem bis heute populären„California dreaming" trugen ebenso wie der Kinohit „Point Break" (Gefährliche Brandung) mit Patrick Swayze zum Bild der Surfer-Szene in Kalifornien und speziell in Santa Cruz bei.

„Damals war das Surfen nichts für Weicheier", lacht CeeGee, wohl wissend, dass die Pioniere unter den Wellenreitern noch aus einem ganz anderen Holz geschnitzt sein mussten. Denn das Surfen selber gestaltete sich meist als ein eher kurzes Vergnügen. Nur in Badehose bekleidet stürzten sich die Wagemutigen in die Fluten. Wenn die Welle einen vom Brett warf oder jemand das Gleichgewicht verlor, musste er zurück an Land schwimmen - egal wie weit der Strand entfernt war. Und dies ohne Neoprenanzug. Dabei ist der Pazifik je nach Jahreszeit auch in Küstennähe nicht unbedingt muckelig warm. Am Strand wurden daher von den Surfern immer schon vor dem ersten Wellenritt Feuer entzündet, um den drohenden klappernden Zähnen etwas entgegen zu setzen.

USA - Surfer in Santa Cruz, Kalifornien

Surfer mit Neoprenanzug

Ein weiteres Problem war, dass nach dem mehr oder weniger freiwilligen Abgang des Wellenreiters nicht selten die Bretter abgetrieben wurden oder gar an Felsbrocken zerschellten. Denn die Bretter hatten noch keine Sicherungsbänder. Probleme, deren Lösung schließlich in der Surf City entwickelt wurden und den Sport entscheidend weiterbrachten.

Ein gewisser Jack O'Neill aus San Francisco kam in den 1950er Jahren auf die Idee, aus Neopren Anzüge zu fertigen, die den ganzen Körper bedeckten und warm hielten. Er siedelte nach Santa Cruz und eröffnete den ersten und wohl berühmtesten Surfshop der Welt. Seine Neoprenanzüge wurden immer ausgereifter - und tausendfach von anderen Hersteller kopiert.

USA - Kalifornien - Jack O'Neill Mural in Santa Cruz

Jack O'Neill Mural in Santa Cruz

Doch O'Neill, der 2017 verstarb, bleibt eine Surf-Legende. An ihn erinnert heute ein überdimensionales Mural (Wandbild) am Strand von Santa Cruz. Direkt daneben, exakt an der Stelle, an der lange Jahre sein Laden und seine Produktionsstätte standen, befindet sich heute ein Hotel. Die dortige O'Neill Bar ist ganz dem Surfstar gewidmet und ist zugleich ein kleines Museum mit zahlreichen Schwarzweißfotos und einem der ersten Neoprenanzüge.

USA - Jack O'Neill Bar in Santa Cruz

Jack O'Neill Bar

O‘Neills Sohn Pat hatte nicht minder großen Einfluss auf die Entwicklung des Sports. Er erfand die Sicherung, die Surfer am Fuß und Brett befestigen, um das Brett beim Kentern nicht zu verlieren. Sein Vater Jack O'Neill wurde übrigens Opfer der ersten, primitiven Sicherung und verlor bei einem Surfunfall ein Auge. Eine Augenklappe wurde danach zu seinem Markenzeichen.

USA - Jack O'Neill Mural in Santa Cruz, Kalifornien

Jack O'Neill Mural

Auch heute noch locken die traumhaften Bedingungen Surfer aus allen Teilen der Welt nach Santa Cruz. Bei jedem Wetter messen sie sich im Kampf mit den vermeintlich besten Wellen im Westen der USA. Fast von jeder Stelle entlang der kurvenreichen, städtischen Küstenstraße West Cliff Drives, wo einige der mondänsten Häuser von Santa Cruz zu finden sind, lassen sich die nimmermüden Wassersportler beobachten.

 

Reisemagazin schwarzaufweiss

 

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