Erstes Ziel ist Tavira. Wir wollen zuerst im Hotel Vila Galé Albacora einchecken, um von dort nach Castro Marim und wieder zurückzufahren. Die N270 führt östlich aus Santa Catarina heraus und in acht Kilometern nach Tavira. Die Ausläufer des Höhenzugs Serra de Alcária do Cume machen sich bemerkbar. Stechginster, Heidekraut und Rosmarin, die aus den Schieferschichten kriechen, winken uns. Doch der Atem keucht, die Wade zwickt.
Wieder wandelt sich die Algarve. Bei Malhão verabschieden sich die Hügel. Vor drei Tagen sahen wir im Barlavento noch Klippen und Felsen. Jetzt kommen wir in den Sotavento, die Sandalgarve mit ihren langgestreckten Lagunen und flachen Sandinseln.

Blick über die Lagunen des Naturschutzgebietes Ria Formosa
Das Autobahnkreuz der A22 lassen wir links liegen, queren und biegen in die ruhige Nebenstrecke nach Santa Margarida ein. In Tavira lotst uns der GPS zu einer Brücke über den Fluss Gilão, die auf der anderen Uferseite zur Halbinsel Ilha de Tavira und zum Hotel führt. Die Hafflandschaft des artenreichen Naturschutzgebietes Ria Formosa ist unser Startpunkt für den Küstenradweg nach Osten.
Schon sind wir wieder im Sattel. Es lässt sich gut radeln auf den festen Sandpisten des EuroVelo 1, der hier mit der EcoVia Litoral zusammentrifft. Im flachen Wasser der Lagune sieht man Säbelschnäbler, Grünschenkel und Flamingos stolzieren. Am Himmel kreisen mal Storch, mal Adler.

Spruch, gefunden an der Burgmauer in Cacela Velha
Santa Luzia ist das Zentrum für den Fang von Tintenfisch. Man muss hier nur der blauen Linie der EcoVia folgen. Schon ist man da. Über Kies- und Schotterwege rattern die Räder Richtung Cacela Velha. Eine Kirche, eine Burgruine, drei Straßen und zwei Kneipen. Das Dorf steht unter Denkmalschutz, weil es die traditionelle Architektur der Küste idealtypisch abbildet. An der weißen Kirche Nossa Senhora da Assunção legt sich uns die Weite der Ria Formosa und des Meeres zu Füßen.

Cacela Velha, das wegen seiner idealtypischen Architektur unter Denkmalschutz steht
Durch ein Kiefernwäldchen mit Kaktusfeigen lenken wir die Bikes in den Badeort Monte Gordo und schließlich in die Grenzstadt Vila Real de Santo António, wo der Guadiana-Fluss Portugal von Spanien trennt. Die barocke Architektur erinnert an die von Lissabon, weil beide Städte nach dem Erdbeben von 1755 im gleichen Stil aufgebaut wurden.

Meersalzgewinnung bei Castro Marim
Auf einem grün markierten Streifen extra für Radler setzen wir die Tour durch die morastigen Feuchtwiesen und Salzseen des Sapal-Naturschutzgebietes fort. Unterhalb der Burg von Castro Marim, die im Mittelalter Sitz des mächtigen Christusritterordens war, erstrecken sich großflächig Salinen, auf denen schon seit 700 Jahren Meerwassersalz produziert wird. Eine davon ist die Saline Salmarim von Jorge Raiado. Dem Salz gibt er nicht nur aromatische Noten wie Olive, Limone oder pfeffriges Piri-Piri. Salz ist für ihn Philosophie, die Würze des Lebens.

Hauptplatz Praça da República
Taviras Altstadt am Abend ist zauberhaft. Der Hauptplatz Praça da República und die römische Siebenbogenbrücke über den Gilão sind rötlich beleuchtet. Die pastellfarbenen Patrizierhäuser, denen die Ziegeldächer wie verwegene Spitzhüte aufsitzen, spiegeln sich im Fluss und erstrahlen in dezenter Eleganz. Man ahnt den Wohlstand verflossener Tage. Unter den 26 Kirchen ist die prächtigste die Igreja de Misericórdia mit reicher Azulejo- und Holzschnitzkunst.

Igreja da Misericórdia aus dem 16. Jahrhundert
Am letzten Tourtag bringt uns die gut ausgeschilderte EuroVélo 1 nach Faro. Es gibt viele Schotterpisten, doch die immer schön anzusehende Ria Formosa tröstet. In Olhão scheint uns der Orient im Okzident zu begegnen. Tatsächlich verströmt der streng geometrische Würfelbaustil orientalisches Flair. Dennoch ist er keine Hinterlassenschaft der Araber, sondern vielmehr eine Antwort auf das Klima.

Olhão
Zum Schluss Faro, die unterschätzte Hauptstadt der Algarve. Am Yachthafen macht das große Renaissance-Stadttor auf sich aufmerksam. Der Arco da Vila ist der Durchgang zu einer anderen Welt, der Altstadt. Der städtische Trubel endet schlagartig. Enge Gassen führen zur Kathedrale, ein spannendes Stilgemisch aus Gotik, Renaissance und Barock.

Das Renaissance-Stadttor Arco da Vila ist der Zugang zur Altstadt von Faro
Trotz fehlender Proportionen, gibt der Platz mit Gotteshaus, dem alten Rathaus und dem Bischofspalast, den roten Dachziegeln, hohen Fenstern und gusseisernen Balkonen ein harmonisches Ensemble ab. Im Restaurant Tertúlia lernen wir bei einem Kochkurs, eine Cataplana zuzubereiten, den traditionellen Fischeintopf der Algarve. Abends lassen wir in der Bar Lab Terrace die Radtour beim Sonnenuntergang über der Ria Formosa Revue passieren.

Kochkurs im Restaurant Tertúlia
Touren
Die Algarve ist für Radtouren noch nicht wirklich erschlossen. Konsequent ausgearbeitete Routen mit Wegweisern gibt es nicht, auch keine Radkarten. Die aktuellen Markierungen stammen meist aus den 2000er Jahren, wurden danach aber nicht mehr durchgängig gepflegt. Nicht jede Gemeinde engagiert sich im Fahrradtourismus. Orientierung bieten auf manchen Strecken auf dem Asphalt aufgemalte Radfahrersymbole oder Farbstreifen, die bei Grenzübertretung zu einer anderen Gemeinde plötzlich ausbleiben. An Knotenpunkten stehen ab und an Info-Points der Eco Via Litoral oder Euro Velo 1, die über Etappen informieren. Entweder man radelt auf eigene Faust oder mit einem Veranstalter, der GPS-Daten für ausgewählte Routen vorgibt.

Infotafel der Eco Via Literal auf dem Weg von Tavira nach Castro Marim
Die meisten Strecken verlaufen auf den alten, wenig befahrenen, oft löchrigen Landstraßen, Sand- oder Schotterpisten. Geeignet sind Gravel-, Trekking- und Mountainbikes. Rennräder sind nicht empfehlenswert. Die Küsten- und Berglandschaft bietet auch sportliche Herausforderungen.
An- und Abreise
Per Flugzeug bis Faro, z.B. mit Eurowings, www.eurowings.com
Übernachtung
Hotel Memmo Baleeira, Sagres, www.memmohotels.com/baleeira/
Vale Fuzeiros Nature Guesthouse, Vale Fuzeiros, www.zitur.pt/en/Menu/Accommodation/Vale-Fuzeiros-Nature-Guest-House.aspx
Casa Bela Vida, Santa Catarina, www.casabelavida.com
Hotel Vila Galé Albacora, Tavira, www.vilagale.com/de/hotels/algarve/vila-gale-albacora
Cardeal Suites & Apartments, Faro, www.cardeal.pt
Bike Friendly Network, www.bikotels.com
Essen & Trinken
A Sagres, Av. Infante D. Henrique, Sagres, www.asagres.pt
Don Sebastião, Lagos, Rua 25 de Abril 20, www.restaurantedonsebastiao.com
Doçariado Sul, Rua Elias Garcia 15, Silves, www.docariadosul.pt
Casa Velha, Rua Sophia de Melo Breyner, Cacela Velha.
Nó de Gosto, Tavira, www.nodegosot.com
Tertúlia, Praça Afonso III, 11-13, Faro, www.tertulia-algarvia.pt
Bar LAB Terrace, Rua Comandante Fracisco Manuel 41, Faro.
Veranstalter
z.B. Bike Sul, www.bikesul.pt; Bike Tours Portugal, www.biketoursportugal.com; Algarve Cycling, www.algarvecycling.com.
Allgemeine Infos/Tipps
Eco Cork Factory, Sítio Mesquita Baixa/São Brás de Alportel, Tel. 00351-965561166. Geführte Touren Mo–Fr 10, 11.30, 14 und 15.30 Uhr, www.eco-corkfactory.com
Bird Watching in der Ria Formosa mit João Silvestre Ministro, www.proactivetur.pt
Besichtigung Salinen: Saltpan, Salmarim, Castro Marim, www.salmarim.com/pt
Der Sommer an der Algarve ist sehr heiß und touristisch überfüllt, auch die Straßen. Zum Fahrradfahren ist die Nebensaison von Oktober bis April ideal.
Auskünfte:
Atlantic Coast Route (Euro Velo 1), www.eurovelo.com
Küstenradweg EcoViaLitoral, www.ecoviadolitoralalgarve.com/cycle-route-overview/
Website der Autorin: www.beate-schuemann.de
Reiseveranstalter Portugal bei schwarzaufweiss
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