Die Luft ist frisch, die Morgenröte legt ein zartes Rouge auf die Sandsteinfelsen. Der neue Tag bringt uns ins gebirgige Hinterland und auf eine sportive Tour nach Silves. Doch zunächst sind wir noch auf dem sandigen, teils schottrigen Küstenweg der EuroVelo 1. Was aber nicht bedeutet, er wäre ausgeschildert. Wir freuen uns, dass GPS funktioniert. Rechts ein Golfplatz, links eine Austernzucht weisen uns auf die kaum befahrene Landstraße, die den Radler an Feldsteinmauern, Rebgärten und Höfen vorbei nach Odiáxere bringt.

Störche bei Odiáxere
Die Route bringt uns auf den Randstreifen der vielbefahrenen N125. Zwei Kreisverkehre noch, und wir können nach Mexilhoeira Grande abbiegen. Die gute alte Landstraße hat uns wieder.
Von der Küste in die Berge zu fahren, ist wie Szenenwechsel im Theater. Die Natur schaltet von steppe-gelb auf baum-grün. Wild wachsen Lorbeer, Pinien, Schirm- und Seekiefern, Stiel- und Korkeichen, Eukalyptus. Eine Vielfalt, die unterschiedlichen Mikroklimata zu verdanken ist. Eine urwüchsige Gegend, in der man sich ohne weiteres als Entdecker fühlen kann. Die Straßen sind von Erdbeerbäumen gesäumt, aus deren erdbeer-ähnlichen Früchten der scharfe Medronho-Schnaps gebrannt und in den Kneipen ausgeschenkt wird.

Früchte des Erdbeerbaumes, aus denen der Schnacps Medronho hergestellt wird
In Mexilhoeira Grande steht die Kirche noch im Dorf und zwar auf dem höchsten Punkt. Türen und Fenster sind farbenfroh umrahmt, die Gärten gepflegt und blumig. Bewohner nehmen sich Zeit für einen Nachbarschaftsplausch. Längst nicht alle Dörfer wirken so belebt. Manches scheint verlassen. Oft liegen Felder brach. Auf der Suche nach einem besseren Leben sind viele Bauern abgewandert. Unterdessen hat die Agrarindustrie ihre Äcker übernommen und Plantagen für Johannisbrotbäume angelegt, deren Früchte neuerdings als Kakaoersatz begehrt sind.

An der römischen Brücke über den Fluss Arade in Silves
In der heißen Algarve sind Flüsse rar. Doch bei Odelouca fließt einer, ein Nebenfluss des Arade. Das bedeutet, dass das Etappenziel Silves nicht mehr fern ist. Der Boden wird röter. Die Mandelbäume, deren Blüte im März die Gegend wie mit Schnee überzieht, stehen dichter. Nach gut zehn Kilometern halten wir vor der imposanten Maurenburg, die im 8. Jahrhundert aus dem roten Sand erbaut wurde.

Am Tor der Maurenburg von Silves mit der Statue von König Sancho I.
„Ein Meisterwerk aus zehn Türmen, einem doppelten Mauerring, unterirdischen Lagerräumen und riesigen Zisternen - fast uneinnehmbar, “ rühmt Stadtführer Francisco Simões. Mehr als zwanzig Moscheen sollen damals die Kapitale des Maurenreiches überragt haben. Im Hafen des Arade ankerten seegängige Schiffe. „Silves war ein wirtschaftliches, wissenschaftliches und kulturelles Zentrum“, sagt Francisco. Als der Fluss versandete, verlor es an Bedeutung.

Spätgotische Kathedrale von Silves
Nur noch zur Kathedrale, die 1268 nach der Eroberung durch die Christen eine Moschee ersetzte, und in die Altstadt, wo wir einen Stopp bei der Doçaria Sul einlegen. Im „Süßwarenladen des Südens“ versammelt Alexandra dos Santos die süßesten Träume, die regionale Produzenten nach traditioneller Art herstellen. Darunter sind Gebäck aus Mandeln, Feigen und Johannisbrot, Tee oder Medronho-Schnaps.

Alexandra dos Santos von der Doçaria Sul in Silves
Weiter geht’s, denn das heutige Quartier liegt gut sieben Kilometer entfernt. Es geht bergauf auf der ruhigen N124. Orangen-, Granatapfel- und Feigenbäume zeigen den Weg zum großen Arade-Stausee. Am Abzweig Richtung Canhestros biegen wir links ab und erreichen über eine extrem steile Zufahrt das Vale Fuzeiros Nature Guesthouse.
Am dritten Tag fordern uns die Ausläufer des Caldeirão-Gebirges heraus. Wir legen ein forsches Tempo vor. Denn die Sonne wird bald zur Hochform auflaufen, dass die Landschaft nur so staubt. Die richtige Richtung heißt São Bartolomeu de Messines, ein typisches Bergdorf an der N124. Nach gut zwölf Kilometern ist Alte erreicht, das zum Inbegriff eines malerischen Bergdorfes geworden ist. In der prächtigen Kirche aus dem 13. Jahrhundert wird sogar Eintritt verlangt.

Rast auf der Route von Silves nach Santa Catarina
Wieder radeln wir. Wieder ist alles anders. Die Landschaft gibt sich typisch mediterran mit Mandel-, Quitten-, Mispel- und Granatapfelbäumen, mit Oliven- und Johannisbrotbäumen von fast biblischem Alter. Die Tour verläuft zuweilen auf alten Arbeitswegen, oft nicht breiter als ein Ochsenkarren. Trockensteinmauern begrenzen Felder und Wege, die Feigenbäume spenden Schatten. Jedes Haus besitzt einen kläffenden Hund, manchmal zwei oder drei. Alles kleine Wichtigtuer, die Hühner, schwarze Schweine und die Herrchen beschützen; je schmächtiger, desto lauter sind sie.
Die Ausläufer des Kalksteingebirges Serra do Caldeirão haben es in sich. Der Schweiß trieft. Nach vierzehn Fitness-Kilometern rückt Salir ins Bild. Das verschlafen wirkende Bergdorf erlebte seine großen Tage zur Maurenzeit. Davon erzählt das moderne Archäologie-Museum Pólo Museológico.

Geschälte Korkrinde
Durch Korkwälder waren wir schon geradelt. Doch hier wachsen nur diese knorrigen Eichen, die bis zum Geäst geschält sind. An den Straßenrändern türmen sich die geschälten Rinden. Wir sind im Zentrum der Korkindustrie von São Brás de Alportel. Die Stadt muss durchquert werden, um im Südwesten die Eco Cork Factory zu finden, wo wir mehr über Kork erfahren wollen. Ein paar Verfahrer, und die Führung ist verpasst. Immerhin erklären Infotafeln, dass die weiße Ziffer am Baum das Jahr der letzten Schälung angibt und die Rinde nur alle neun Jahre geerntet werden darf.

Pfarrkirche von Santa Catarina, Mitte des 16. jahrhunderts
Auf kurvigen Nebenstraßen ohne Wegweiser fahren wir über Dörfer wie Desbarato, Carrasqueira und Várzeas nach Santa Catarina da Fonte do Bispo. Ein unspektakuläres 1.800-Seelen-Dorf, das von Olivenöl und Keramik lebt. Aber die Pfarrkirche dominiert schon seit 500 Jahren den Hauptplatz und die Schornsteine. In der Pension Casa Bela Vida geht ein ereignisreicher Radeltag zu Ende.

Bauer mit selbst geernteten Oliven bei Santa Catarina
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