Kontrastreiche Algarve

Mit dem Rad in Portugal unterwegs (1/3)

Text und Fotos: Beate Schümann

 

Die Begegnung mit Felsen, Buchten und Dünen an der Algarve fasziniert wohl jeden. Die eigentliche Überraschung liegt jenseits der Küste, in der Bergwelt. Sie zeigt sich untouristisch, urwüchsig, verlassen und bietet Radlern sportliche Herausforderung.

Cacela Velha, das wegen seiner idealtypischen Architektur unter Denkmalschutz steht. Algarve, Portugal

Cacela Velha, das wegen seiner idealtypischen Architektur unter Denkmalschutz steht

Anfang oder Ende? Am Cabo de São Vicente, am südwestlichsten Punkt Europas, fällt das Land senkrecht in den schäumenden Ozean und verschwindet in der Meerestiefe. Ein atemberaubender Platz, den ein rot-weißgeringelter Leuchtturm markiert. Von hier segelten einst die portugiesischen Entdecker mit ihren Karavellen ins Ungewisse – nach Afrika, Brasilien und Indien. Hinter dieser Steilküste fing für die Seefahrernation das Abenteuer auf See an.

Der Leuchtturm am Cabo de São Vicente, der südwestlichste Punkt Kontinentaleuropas, Algarve, Portugal

Der Leuchtturm am Cabo de São Vicente, der südwestlichste Punkt Kontinentaleuropas

Wo Land und Meer einander so spektakulär begegnen, beginnt auch für Radler das Abenteuer. Weil nachmittags noch Zeit ist, holen wir die Miet-E-Bikes aus dem Fahrradkeller vom Memmo Baleeira Hotel in Sagres für eine Testfahrt zum berühmten Kap heraus. Die gut ausgebaute Nationalstraße N268 zieht sich entlang der Küstenlinie bis zur Landspitze. Die Sightseeing-Kolonne kommt uns schon entgegen. Am Abend können wir die Faszination des Leuchtturms mit den wenigen teilen, die auf der Suche nach Felsenromantik und dem Sonnenuntergang sind.

 

Im Barlavento, wo der Wind die Felsen modelliert

Wegweiser auf der Radroute von Sagres nach Vila do Bispo, Algarve, Portugal

Wegweiser auf der Radroute von Sagres nach Vila do Bispo

Der erste Tourtag beginnt neblig. Doch der Schleier verzieht sich, während wir Sagres verlassen. Auf dem Weg nach Lagos folgen wir den Fahrrad-Symbolen am Boden. So finden wir den Abzweig zur alten Landstraße, die der N268 parallel folgt. Nach sechs Kilometern ist Vila do Bispo erreicht. Im Zentrum besuchen wir die für Fisch bekannte Markthalle. Auf den Tischen stapelt sich eine Vielfalt silbriger Fische, deren Namen wir nicht einmal kennen.

Fischmarkt von Vila do Bispo, Algarve, Portugal

Fischmarkt von Vila do Bispo

Am Kreisverkehr nehmen wir die Einflugschneise nach Raposeira, eine der alten verkehrsarmen Landstraßen, die, auch wenn es mal größere Löcher gibt oder der Asphalt aufbricht, gut zu befahren ist. Bald lernen wir den Küstenwind kennen, der die langsam aufkochende Hitze mildert, uns aber ganz schön strampeln lässt. Der Wind ist der Namensgeber der westlichen Felsalgarve: Barlavento.

Radroute nach Lagos, Algarve, Portugal

Auf der Radroute nach Lagos

Noch umgibt uns der Parque Natural do Sudoeste Alentejano e Costa Vicentina, ein Naturpark, der in Portugals Südwesten Felsen, Buchten und Dünen schützt. Die karge Vegetation duckt sich unter dem rauen Seewind. Im Frühjahr mischt sich der zarte Blütenduft von Lackzistrosen, Thymian, Stechginster, Schopflavendel und Rosmarin unter die Salzluft. Bei Raposeira biegen wir auf die offizielle Euro Velo 1 nach Hortas do Tabual, die in ländliches Gebiet führt. Eukalyptus-, Feigen- und Olivenbäume sind von nun an unsere Begleiter.

Infotafel Radweg Eco Via Litoral, Algarve, Portugal

Infotafel Radweg Eco Via Litoral

Am Ortsschild von Figueira entdecken wir die erste Infotafel der EcoVia Litoral, die die Etappe von Sagres nach Lagos beschreibt. Er führt zurück an die Felsküste von Salema, das einmal ein idyllisches Fischerdorf war. Unter der dichten touristischen Bebauung, die sich den Hügel hinaufzieht, ist das kaum mehr zu erkennen. Aber der Strand ist da, und so packen wir das Badezeug aus und stürzen uns in den Atlantik. Erfrischt nehmen wir die Steigung zur Dorfkirche. Ganz schön steil an der Steilküste.

Strand von Salema, Algarve, Portugal

Strand von Salema

Der Naturpark der Costa Vicentina endet bei Burgau. Wieder ein Ort für Oberschenkeltraining. Im algarvianisch gebliebenen Kern sind die kalkweißen Häuser mit roten Ziegeln gedeckt, die Schornsteine hübsch verziert, Fenster und Türen blau oder gelb umrahmt. Um Geister abzuwehren, wie man früher sagte.

Dörfliche Architektur, Algarve, Portugal

Dörfliche Architektur

Mit Kiefernduft in der Nase und Küstenwind im Rücken umradeln wir das Dorf Cama de Vaca, fahren durch den Ferienort Luz und weiter an der aufregenden Küstenlinie entlang, bis der Leuchtturm der Ponta da Piedade – die „Spitze des Erbarmens“ - auftaucht. Eine schlichte Erscheinung, hinter der sich eine Hauptattraktion der Algarve verbirgt. Wo Wind, Meer und die Erosion bizarre Formationen aus den Felsen modelliert haben, sind Höhlen, Grotten, Bögen, Zacken und Gebilde entstanden, die im Volksmund Namen wie „Küche“ oder „barocker Damenschuh“ tragen.

Felsformationen der Ponta da Piedade, Algarve, Portugal

Felsformationen der Ponta da Piedade

Am Aussichtspunkt an der Kliffkante tut sich eine Symphonie der Farben auf: Senfbraun der Sandstein, smaragdgrün das Meer, honiggelb die Buchten, terrakottarot die Erde. Unten schäumt das Meer, spuckt immer wieder eine neue Ladung Gischt klatschend gegen die Klippen.

Blick von der Ponta da Piedade auf den Strand von Meia Praia, Algarve, Portugal

Blick von der Ponta da Piedade auf den Strand von Meia Praia

Letzter Stopp für heute ist Lagos. „Phönizier, Griechen, Karthager, Römer und Araber waren hier“, sagt die Stadtführerin Cristina Marreiros. Alle nutzten die günstige Lage zwischen Europa und Afrika für den Handel und bauten Lagos früh zur Seefestung aus. „Damals schlugen die Wellen an die Stadtmauer“, weiß die gebürtige Algarvia. Heute liegen eine breite Palmenpromenade und ein Yachthafen davor.

Igreja Santa Maria in Lagos, Algarve, Portugal

Igreja Santa Maria

Auf historischem Pflaster flanieren wir durch mittelalterliche Stadttore, besichtigen den sogenannten Sklavenmarkt aus dem 15. Jahrhundert und die Igreja do Santo António. Von außen ist ihr die barocke Pracht des Inneren kaum anzusehen. Über das Stadtmuseum kann man aber in die faszinierende Welt der portugiesischen Azulejos aus blau-weißen Fliesen und der goldverzierten Holzschnitzereien gelangen und staunen. Beeindruckt passieren wir das Denkmal für Heinrich den Seefahrer, der Lagos zu seinem Ruhm verhalf, und kehren im Restaurant D. Sebastião ein.

Statue Heinrich der Seefahrer in Lagos, Algarve, Portugal

Heinrich der Seefahrer

 

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