Costa Rica

 

Ein Kapokbaum oder Ceiba im Parque Nacional Volcano Arenal, Costa Rica

Ein Kapokbaum oder Ceiba

Zwischen Monster-Philodendren und hohen Kapokbäumen wird der Tropenbiologe Vinicio Víquez im Tenorio-Nationalpark nachdenklich. „Die meisten Hotels sind in ausländischer Hand, das ist problematisch“, sagt er. Tourismus sei ein ähnlich fragiles System wie der Regenwald: „Alle kämpfen um Licht. Nicht allen gelingt es.“ Plötzlich singt laut ein Rotkehlchen. „Es gibt Regen“, deutet Víquez den Gesang. Wem Grün gefalle, der müsse auch den Regen mögen.

Roberto Quirós, Biologe und Ranger im Nosara Naturschutzgebiet auf der Halbinsel Nicoya am Pazifik, Costa Rica.

Roberto Quirós, Biologe und Ranger im Nosara Naturschutzgebiet auf der Halbinsel Nicoya

Die Nicoya-Halbinsel liegt im Pazifik. Roberto Quirós ist Ranger hier im Nosara-Naturschutzgebiet. Sich als Naturreiseziel zu profilieren, hält er für die weiseste Entscheidung für die gesamte Entwicklung Costa Ricas. „Die Ökonomen stellten in den 1980er Jahren fest, dass die Einnahmen fünfmal höher lagen als die aus der Landwirtschaft“, sagt der Biologe. Und sie stiegen jedes Jahr. Selbst Menschen, die keine Schmetterlinge mögen, verstünden so die Bedeutung der Ökologie.

Der Schildkrötenstrand im Ostional Naturschutzgebiet am Pazifik. Halbinsel Nicoya, Costa Rica

Der Schildkrötenstrand im Ostional Naturschutzgebiet am Pazifik

Die Nicoya-Halbinsel ist eine Null-Stress-Zone. Der Sand mag gräulich sein, doch Strände reihen sich wie Perlen an der Schnur. Nicht nur unter Surfern sind sie ein Hotspot, sondern auch unter den Bastardschildkröten, deren Liebe besonders zum Ostinal-Strand entbrannt ist. Alljährlich zur Regenzeit von November bis Dezember steuern Tausende den Strand des gleichnamigen Dorfes an, um ihre Eier in den Dünen einzubuddeln. Mit der nächsten Flut folgen noch mehr Meeresschildkröten nach, graben die Eier der Vorgängerinnen wieder aus, um die eigenen hineinzulegen. Wissenschaftler bemerkten das Phänomen erst in den 1950er Jahren. „Früher sah der Strand wie ein Schlachtfeld aus Schalen und glitschigem Eipürree aus“, erinnert sich Quirós.

Als das Gebiet 1983 unter Naturschutz gestellt wurde, stand auch das Eiersammeln unter Strafe. Das führte zu Aufruhr unter den Einwohnern von Ostional. Sie waren von jeher Eiersammler und fühlten sich ihres Einkommens beraubt. Schätzungen zufolge geht es um rund dreißig Millionen Eier. „Es wurden Überlegungen für eine Ko-Existenz zwischen den Schildkröten und den rund 450 Dorfbewohnern angestellt“, sagt der 35-jährige Naturschützer. Seither dürfen sie die Gelege des ersten Schildkrötenschwarms kontrolliert einsammeln, weil sie vom nächsten ohnehin vernichtet worden wären. Warum die Invasion stattfindet, sei bis heute ungeklärt. Das Schauspiel fasziniert längst auch Touristen, die Einwohner von Ostional sind kompetente Guides geworden. „Die Ostional-Eier sind heute die einzigen legalen und tragen eine Kennzeichnung“, sagt Quirós. Deshalb bekommt man sie in Bars und Kneipen von Nicoya bis in die Hauptstadt San José – ökologisch korrekt roh zum Bier oder in Cocktails verrührt.

Kajaktour im Nosara Naturschutzgebiet, wo Río Montaña und Río Nosara in den Pazifik münden. Costa Rica

Kajaktour im Nosara Naturschutzgebiet, wo Río Montaña und Río Nosara in den Pazifik münden

 

Informationen

Anreise

Condor fliegt mehrmals pro Woche von Frankfurt nach San José. Preis ab 730 Euro. Etwas bequemer als Economy ist die Premium Economy Class für einen Aufpreis von ca. 90 Euro/Strecke. www.condor.com. Außerdem wird San José von Lufthansa, www.lufthansa.com, Iberia, www.iberia.com, oder Air France, www.airfrance.com, angeflogen.

Inlandsflüge : Die costa-ricanische Airline Natureair bedient Ziele wie z.B. Arenal oder Nosara (Nicoya Halbinsel) mit zweimotorigen Kurzstreckenflugzeugen, www.natureair.com. Die Strecke San José-Nosara kostet z.B. ca. 50 Euro.

Beste Reisezeit

Costa Rica ist ganzjährig gut zu bereisen. Die Hochsaison am Pazifik ist die Trockenzeit von Dezember bis April. In der Regenzeit von Mai bis November kann es zwar täglich für ein paar Stunden regnen. Doch die Niederschläge sind warm, und die Natur beeindruckt mit üppigem Grün. Im Hochland über 1200 Meter kann es kühl werden.

Tourguides

Die zertifizierten, meist englisch-sprachigen Guides sind Kenner von Natur und Landesgeschichte, individuell und für Gruppen buchbar z.B. bei Costarican Trails, www.costaricantrails.com.

Unterkunft

Boutique Hotel Chayote Lodge, www.chayotelodge.com. Auf dem Weg zum Arenal-Nationalpark: Zwölf großzügige Bungalows, alle mit Fenster mit Vulkanblick.

Nosara Hotel, Niyoca-Halbinsel, www.olasverdeshotel.com. Ferienresort mit Pool und Surfschule in Strandnähe. Geräumige Zimmer und Appartements.

Casitas Tenorio, www.casitastenorio.com. Sechs moderne Ferienhäuser mit Regenwald-Flair.

Auskunft

Infos über Costa Rica: www.visitcostarica.com.

 

Webstite der Autorin: www.beate-schuemann.de

 

Reisemagazin schwarzaufweiss

 

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