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Der Bischof als Winzer

Beim Gehen gibt Attila in seinem schicken, hochmodernen Empfangshaus noch den Tipp: „Wenn Freitag, dann Villány“. So heißt der neue Slogan des Kellerdorfes, denn Weintourismus ist die beste Werbung. Und das zieht. In der Hauptstrasse des Dorfes wimmelt es vor Menschen. Die Weinkeller stehen offen, es wird ausgeschenkt. Auf der Veranda eines Restaurants fiedeln zwei Zigeuner ungarische Tänze. Ein leichter Wind weht, der die Hitze des Tages kühlt und die Luft mit dem Duft der Weinblüte parfümiert.

Ungarn Villány Kirche
Gibt´s hier den Wein des Bischofs?

Am nächsten Morgen liegt die Kellergasse wie ausgestorben. Wenn man auf der Spur der ungarischen Weine bleiben will, kommt man auf die ausgeschilderte Weinstraße Villány-Siklós. Sie beginnt vor Villánys Haustür, knapp drei Kilometer entfernt in Palkonya. Das Dorf ist berühmt für seine exotische Rundkirche mit der Turmspitze, die wie eine orangefarbene Zwiebel über den geduckten Weinkellern schwebt. Unter ihr reihen sich die Gassen mit frisch gekalkten Presshäusern, alle tipptopp gepflegt und denkmalgeschützt, manche 200 Jahre alt. Sprichwörtliche deutsche Ordnungsliebe. An einer chilischotenroten Holztür lehnt ein Traubenbauer in magyarischer Gelassenheit. „Na, ein Gläschen Wein?“ fragt er mit rauchiger Stimme. Aber es ist noch viel zu früh.

Ein Kellerdorf folgt dem nächsten, und Wein gibt es unterwegs überall. „Nur Kaufen oder Verkosten“, klingt Attilas Warnung nach: In Ungarn herrscht auf den Straßen Null-Promill. Die Spur der Weine führt auch in Attilas Geburtsstadt Pécs, die alte Bischofs- und Universitätsstadt. Weinkeller gab es schon im Mittelalter, und die Weine der Villány-Winzer stehen auf fast allen Speisekarten. Wer die Sprache des Weines versteht, erkennt im Eisenportal der Basilika den biblische Rang von Trauben und Reblaub. Auch heute existiert eine selige Verbindung zum edlen Saft. Im Ticket für den Kirchenbesuch ist ein Gläschen vom bischöflichen Messwein mit drin. Denn der Pécser Bischof Michael Meyer betätigt sich nicht nur als Seelsorger, sondern auch als Winzer. Er weiß, wie er seine Schäfchen zum Weinberg holt, damit er darin arbeite.



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