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Kein Kompromiss

Mit fünfzig Hektar Rebgärten gehört der Senkrechtstarter heute zu den größten Winzern der Region - und zu den erfolgreichsten. Wie die meisten musste er klein anfangen. Im sogenannten „Gulasch-Kommunismus“ durfte jeder für den Eigenbedarf 0,3 Hektar Land besitzen, mehr nicht. Wer in größerem Umfang Wein herstellen wollte, griff zu einem Trick: er „pachtete“ die erlaubten 0,3-Hektar von Mutter, Bruder, Cousin und Nachbarn dazu. Manches Winzerland war auf dreißig Namen oder mehr eingetragen. „Noch heute verfügen 70 Prozent der Traubenbauern über weniger als einen Hektar Land“, weiß Attila.

Ungarn Villány Weinfelder
Üppige Weingärten

Doch Attila hatte Glück. Nach 1989 erhielt er das enteignete Rebland zurück und kaufte sukzessive neues hinzu. „Im Sozialismus war Qualität im Grunde Nebensache“, erinnert der 51-Jährige sich nachdenklich und ohne Wehmut. Wein wurde damals zum billigen Massenprodukt. Der gute Stern, der während der k.u.k.-Zeit über dem Wein stand, auf den Schubert und Liszt Hymnen geschrieben hatten, versank. Das Image war ruiniert.

Ungarn Villány Kellergasse
Typische Kellergasse

Nach der politischen Wende änderten sich die Verhältnisse blitzschnell. Das zwang zum Umdenken, sowohl in der Weinbergpflege und Weinlese, als auch in der Kellertechnik. „Wir mussten plötzlich exportieren und uns mit anderen messen“, sagt Attila im Weinkeller, wo sein ganzer Stolz steht: die nagelneuen Edelstahltanks und die Abfüllanlage. 180 Millionen Euro hat er vor zwei Jahren dafür investiert. Eine gigantische Summe, aber weniger als Top-Qualität kommt bei ihm nicht in die Flasche. „Ich will den Wein, den ich mache, schließlich auch selber trinken!“ Punkt, kein Kompromiss. Handlese, Entrappung, gute Gewächse, ausgereifte Technik und gutes Marketing – da ist er sensibel. Trotz all der Anstrengungen stellt er für sich fest: „Für Wein lohnt es sich zu leben.

Ungarische Kultweine

Die Roten aus Villány brauchen die französische Konkurrenz heute nicht mehr zu scheuen. Der Durchbruch kam vor gut drei Jahren. Bescheiden, aber doch stolz rückt Attila schließlich damit heraus. Dass sein „Solus 2000“ den legendären Pétrus aus Bordeaux bei einer Blindverkostung auf internationaler Bühne geschlagen hat. Anfang dieses Jahres siegte in Los Angeles auch sein „Kopár Cuvée 2000“. „Am meisten habe ich mich darüber gefreut, dass ein Wein aus dem noch unbekannten Villány einen der weltweit berühmtesten Weine schlagen kann.“

Ungarn Villány Rebberg
Südungarische Reblandschaft

In Ungarn sind beide schon zu Kultweinen geworden. „Jeden Tag kommen wegen dem „Solus“ zig Anfragen.“ Aber er ist seit langem komplett verkauft. In diesem Jahr soll der „Solus“ noch charaktervoller werden. „Die Richtung heißt Parker-Stil; er wird im Gaumen eine Explosion auslösen“, verspricht er. Das Experimentieren ist seine wahre Leidenschaft.

Ungarn Villány Bäuerin
Auch eine Weinkennerin?

Attila philosophiert noch ein bisschen weiter über Wein, während er eine Flasche seines Favoriten entkorkt, einen „Kopár Cuvée 2002“. Kraft, Stil und Sinnlichkeit steckt drin. Das feurig-pfeffrige Aroma erinnert an Paprika, die rassigen Tannine sind wie der Anblick von ungezügelten Pusztapferden. Noch verkauft er die meisten seiner Weine im eigenen Land. „Ungarn kaufen patriotisch“, stellt er nüchtern fest. Doch er weiß, dass sich der Name Ungarn außerhalb der Grenzen nur langsam etablieren wird. Seine besten Auslandskunden hat er in Deutschland, in der Schweiz und in Belgien.



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