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Fünf Länder – ein Zug

Mit dem Shongololo durchs südliche Afrika 

Text und Fotos: Axel Scheibe 

Eigentlich müsste er fast eine Inventarnummer tragen. Platz genug hätte er. Groß und stattlich ist der Mann, den Kopf voller blonder Locken, im Gesicht fast immer ein Lächeln. Ein Südafrikaner, wie er im Buche steht. Rudi Ahrens, so sein Name, ist der Chef auf dem Shongololo. Während die Gäste ihre Abteile suchen, hat er etwas Zeit zum Luftholen. Die Bar-Lady Sjila setzt ihm ein Wasser auf den Tresen und er kommt ins Erzählen. „Während der Rovos-Train und der Bluetrain zumindest unter weit gereisten Globetrottern eine feste Größe sind, ist unser Shongololo noch immer mehr ein Underdog, obwohl er schon mehr als 15 Jahre unterwegs ist“, so sinniert er.

Shongololo - Eine Dampflok bringt den Zug aufs rechte Gleis
Eine Dampflok bringt den Zug aufs rechte Gleis

Shongololo heißt so viel wie Tausendfüssler. Und ein bisschen kann es der altehrwürdige Zug (Baujahr 1951/52) mit diesem Tierchen aufnehmen. Gut, auf ganze 1000 Räder kommt er nicht, doch Rudis Zahlen sprechen trotzdem für sich. „Die 15 Waggons bringen es auf 52 Achsen und somit sind wir zumindest ein „Hundertfüßler“. Ganz abgesehen mal von den Lokomotiven, in jedem Land andere, die uns ziehen und den Servicewaggon, den unsere Begleiter von der Bahn in Simbabwe sich noch extra anhängen.“ Es ist also schon eine lange Schlange, die sich da in den nächsten 14 Tagen durchs südliche Afrika schlängeln wird.

Shongololo - Abteil der „Gold Class“
Abteil der „Gold Class“

Allein neun Wagen sind den gemütlichen Passagierabteilen vorbehalten. Je nach Geschmack und Geldbeutel warten drei verschiedene Kategorien auf die Gäste. Erkennbar - und das von weitem - ist der Zug durch seine sechs Mercedes-Kleinbusse, die auf zwei separaten Waggons immer dabei sind. So werden es nicht nur reichlich 3.000 Kilometer sein, die die Gäste aus sechs Nationen auf afrikanischen Schienen rollen werden, sondern rund ebenso viele Kilometer bringen sie die wendigen Kleinbusse zu den interessanteste Zielpunkten abseits der Route.

Ausgangspunkt Johannesburg

Südafrika - Skyline von Johannesburg
Skyline von Johannesburg

Doch der Reihe nach, denn noch bevor sich der Zug von seinem Stellplatz am Rande der südafrikanischen Metropole Johannesburg (1) auf den Weg macht, rollen die Kleinbusse zu ersten Besuchstouren in die Stadt. Das Apartheidsmuseum gehört dabei ebenso zum abwechslungsreichen Programm, wie ein Abstecher nach Soweto zu Mandelas ehemaligem Wohnhaus, heute natürlich Museum und zur „Welt des Bieres“. Immerhin gilt Johannesburg, zumindest für den Süden Afrikas, als die Wiege des beliebten Getränkes. Unter afrikanischer Sonne schmeckt es, nachvollziehbar, fast noch besser als im heimischen Garten. Dass die Besichtigung mit einer kleinen Verkostung abgerundet wird, versteht sich von selbst.

Südafrika - „The World of  Beer“ – ein lohnendes Touristenziel auch für nicht Biertrinker in Johannesburg
„The World of Beer“ – ein lohnendes Touristenziel auch für
Nicht-Biertrinker in Johannesburg

Zum Eingewöhnen bleibt der Zug in der ersten Nacht noch ruhig und gemütlich auf dem Bahnhof stehen. Schnell kehrt Ruhe ein. Fast alle Passagiere haben vielstündige Nachtflüge hinter sich. Trotzdem trifft man sich am nächsten Morgen pünktlich im „Dining Wagon“ zum Frühstück. Diese Mal stehen Ausflüge nach Pretoria (2) auf dem Programm. Besonders das Voortrekker Monument, das Paul Krüger Museum und das Union Building mit den Büroräumen des Präsidenten und der Minister sind interessante Zeitzeugnisse eines Stücks „weißer Geschichte“ auf dem schwarzen Kontinent. Während das Zentrum Pretorias noch vor 15 Jahren fest in weißer Hand war, pulsiert heute in Tshwane, wie die administrative Hauptstadt Südafrikas seit kurzem genannt wird, rund um dem Church Square, dem Hauptplatz, buntes, afrikanisches Leben.

Voortrekker Monument in Pretoria
Voortrekker Monument in Pretoria

Swaziland und Mosambik

Zurück am Zug beginnt die Abenteuertour. In Richtung Osten rollt der „Shongololo“ seinem ersten Ziel entgegen. Am nächsten Morgen hat er in Kaapmuiden (3) Station gemacht. Es wird Zeit, Land zwei der Reise in Augenschein zu nehmen. Mit dem Abstecher nach Swaziland steht ein Stückchen authentisches Afrika auf dem Plan. Hohe Berge und sanfte, weite Täler überzeugen besonders durch Natur. Kunstgewerbestände unterbrechen den Landschaftsgenuss, ob Schnitzer, Glasbläser oder Batiker, an typischen Souvenirs gibt es keinen Mangel. Interessant auch das, was Tourguide und Fahrer Jörg Trummler über Sitten und Gebräuche des Zwergstaates auf der Grenze zwischen Südafrika und Mosambik zu erzählen weiß. Im Gegensatz zu seinem großen Nachbarn spielte hier Apartheid nie eine Rolle. Und während sich Südafrikas Präsident Jacob Zuma mit nur drei Frauen begnügt, hat Swasilands König mit gut einem dutzend Frauen deutlich mehr „Auswahl“. Andere Länder andere Sitten.

Souvenirstände in Swasailand
Souvenirstände in Swasailand

Andere Sitten auch am nächsten Tag, als der Zug in den Bahnhof von Maputo (4) rollt. In Mosambik sind die Einflüsse der ehemals portugiesischen Herrscher noch unverkennbar. Nicht nur in der Architektur und in den Erzählungen der Geschichtsmuseen. Portugiesisch ist Trumpf, in der Sprache, aber auch beim Essen. Die an den kleinen Ständen am Strand des Indischen Ozeans gebratenen Hähnchen sind ganz nach portugiesischer Art und extrem lecker. Hier, auf Meereshöhe, brennt die Sonne besonders heiß. Erstmals trifft so richtig afrikanische Hitze aufs Zugdach. Zum Glück sind die Klimaanlagen darauf eingestellt. Ein erfrischendes Bad an einem der weiten Strände nördlich Maputos sorgt für Abkühlung, ehe in den nächsten Tagen, dann wieder im etwas kühleren Südafrika, die bunte Tierwelt des Kontinents das Zepter übernimmt. Zwei Tage Krüger Park (5), das bedeutet Elefanten, Zebras, Krokodile und Nashörner. Die rechte Einstimmung auf Späteres.

Impressionen aus dem Krüger NP
Nashorn im Krüger Park

Doch bevor dann in Simbabwe erneut die „Big Five“ Afrikas im Mittelpunkt stehen, wartet das nördliche Südafrika bei einer Fahrt über die Panoramaroute mit von der Natur geformten Überraschungen auf, die alle Fotoapparate zum Klicken bringen. Ob der Blick von „God´s Window“, die fast einzigartigen Bourke´s Luck Potholes, merkwürdige zylindrische Ausfräsungen im Gestein, gebildet durch Wassererosion oder „Three Rondavels“, an afrikanische Rundhütten erinnernde Felsen – auch das ist Afrika.

Bourke´s Luck Potholes, Sehenswert an der Panorama Route
Bourke´s Luck Potholes, Sehenswert an der Panorama Route

Angekommen in Simbabwe, die Grenzformalitäten sind schnell und problemlos erledigt, greift einmal mehr der Atem der Geschichte nach den Afrikatouristen. Durch eine wildromantische, von mächtigen Felsen dominierte Landschaft geht die Reise nach Great Zimbabwe (6). Die am südöstlichen Rand der zentralen Hochebene gelegen Ruinen gelten als das größte prä-koloniale Monument südlich der ägyptischen Pyramiden. Bis heute stellt das Areal viele ungelöste Fragen und ist nicht zuletzt deshalb auch ein bisschen ein Spielplatz für die Fantasie der Archäologen. Magischen Mythen und Sagen, wie die Geschichte von König Salomon ranken sich um den Ort. Fakt ist, für das moderne Simbabwe sind die Ruinen zu einem wichtigen Nationaldenkmal geworden.

Die Ruinen von Great Zimbabwe sind die größten Bauwerke im Süden Afrikas
Die Ruinen von Great Zimbabwe sind die
größten Bauwerke im Süden Afrikas

Geschichte wartet in den Matobo Hills (7) unweit von Bulawayo. Wiederum eingebettet in eine aride Felsenwelt hat Cecil Rhodes, das weiße Gesicht Rhodesiens, des heutigen Simbabwes, seine letzte Ruhestätte gefunden. Nicht unumstritten, gilt er trotzdem bis heute als eine der wichtigsten Persönlichkeiten der kolonialen Ära der Region.

Simbabwe und Botswana

Schon der Besuch im Antelope Park (8) nahe bei Gweru, Elefantenritt, Wanderung, Streicheln und Füttern mit Löwen eingeschlossen, rückt wieder das Haupterlebnis des Schwarzen Kontinents in den Blickpunk: die Tierwelt. Während das im Antelope Park eher touristisch „weichgespült“ abläuft, warten der Hwange Nationalpark (9) in Simbabwe und der Chobe Nationalpark (10) im benachbarten Botswana, übrigens Land 5 der Zugreise, mit authentischer afrikanischer Wildnis auf. Was freilich auch bedeutet, dass man tierische Erlebnisse nicht vorprogrammieren kann. So sind es im Hwange NP weniger die Big Five, die für den Aha - Effekt sorgen, sondern eher die bunte Vielfalt gefiederter Bewohner in Klein und Groß. Nicht zu vergessen ein eigentlich unvergessliches Lunch inmitten der weiten, fast unberührten Wildnis des Parks. Im Chobe NP dagegen warten bei einer Flusssafari dutzende Elefanten, Flusspferde und vieles mehr darauf, dass jeder Tourist zu seinen eigenen, tollen Schnappschüssen kommt. Eine tierische Vielfalt, die sich auch bei der anschließenden Tour im offenen Landrover fortsetzt.

Elefanten satt im Chobe NP
Elefanten satt im Chobe NP

Höhepunkt Victoria Falls

Apropos Schnappschüsse: Nach reichlich zwei Wochen fährt der Zug im Bahnhof von Victoria Falls (11) ein. Direkt neben dem legendären Victoria Falls Hotel, das natürlich einen kurzen Abstecher wert ist. Doch in Victoria Falls gibt es nur ein großes Ziel für neue Schnappschüsse– die berühmten Fälle, die David Livingston 1855 als erster Weißer entdeckte und auch in Europa bekannt machte. In dem weltweit größten „Wasservorhang“, die Fälle sind über 1,5 km breit und 92 Meter hoch, stürzen in Flutzeiten bis zu 550 Millionen Liter Wasser pro Minute ins Tal. Unvorstellbar. Unvorstellbar auch, diesen tosenden Wassermassen nahe zu kommen, ohne nicht gleichzeitig von der weit sprühenden Gischt bis auf die Haut durchnässt zu werden. Da helfen selbst die angebotenen Regenumhänge nur sehr bedingt. Doch von den Victoria Fällen „getauft“ zu werden – das gehört zum Erlebnis einfach dazu. Für viele wird dieser feuchte Ausflug zu einem der Höhepunkte der Reise. Und wer doch noch zu trockenen Fotos kommen will, steigt in einen der Hubschrauber und sieht sich das mächtige Schauspiel aus sicherer Höhe an.

Die Victoria Fälle von Land aus. Eine feuchte Angelegenheit
Die Victoria Fälle von Land aus. Eine feuchte Angelegenheit

Während die Touristen noch schnell den mächtigen, über 1000 Jahre alten Baobab bewundern, der es auf immerhin 18 m Umfang gebracht hat, dem Ko Mpisi Village am Rande der Stadt einen Besuch abstatten und in der Crocodile Ranch dem Füttern zusehen, ist es für Rudi Ahrens Zeit, die Abrechnung fertig zu stellen. Dann steht, wie er das seit über 15 Jahren kennt, wieder eine Abschied bevor. Die Zuggäste verabschieden sich in Richtung Heimat. Es kehrt Ruhe ein im Zug. Doch nicht lange. Schon zwei Tage später kommen neue Gäste. Voller Erlebnishunger starten sie ihre Reise in umgekehrter Richtung. 

Touristenmagnet unweit de Fälle – mächtiger Baobab
Touristenmagnet unweit de Fälle – mächtiger Baobab



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