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Südafrika, einfach tierisch

Ein Besuch bei den „Elefantenflüsterern“ in Hazyview

Text und Fotos: Rainer Heubeck

Bei den Elephant Whispers in Hazyview erklärt Brighton Machipisa den Körper des Elefanten von Kopf bis Fuß. Der zwei Tonnen schwere Jungelefant Lebua, der zwischendurch immer wieder durch Futter belohnt wird, spielt brav mit – und legt sich auf Kommando sogar auf die Seite. Brighton Machipisa und eine Gruppe von Campbesuchern nutzen die Gelegenheit und betrachten die Bauchseite des Dickhäuters.

Südafrika - Elefanten

Brighton erklärt, wie die elastischen Pads in den Beinen der Elefanten das Gewicht beim Gehen abpuffern. „Diese Pads funktionieren so gut, dass ein Elefant beim Laufen so gut wie kein Geräusch macht – er bewegt sich gewissermaßen fort wie ein Mercedes, sanft, leise und gut gefedert“, erklärt Brighton und zeigt anschaulich, dass Vorder- und die Hinterfüße des Tieres höchst unterschiedlich geformt sind. „Die Vorderfüße sind rund, die sind geformt wie ein Fußball, die beiden Hinterfüße haben die Form eines Rugbyballs. Die unterschiedlichen Fußformen helfen beim Balancieren – und sie haben sich so entwickelt, weil die Vorderfüße mehr Gewicht zu tragen haben als die Hinterfüße.“

Fußball und Rugby, die beiden Nationalsportarten Südafrika, vereint in einem Tier, das umso faszinierender wird, je näher uns Elefantenflüsterer Brighton mit den physischen Besonderheiten der Elefanten und mit ihrem Sozialverhalten vertraut macht. Die Bedeutung der Füße – egal ob fußball- oder rugbyförmig – für das größte lebende Landsäugetier ist nicht zu unterschätzen. Denn beim Gehen hebt ein Elefant immer nur ein einziges Bein, die anderen drei bleiben auf dem Boden. „Ein Elefant, der nur drei funktionierende Beine und Füße hat, kann sich nicht mehr bewegen, er wird zwangsläufig sterben“, berichtet Brighton. Bei kleineren Verletzungen hingegen wissen sich Elefanten gut zu helfen: Wenn ein Elefant einen Dorn in seinem Fuß hat, kann er diesen entfernen, indem er etwa 300 bis 500 Meter auf weichem Untergrund läuft – wenn sich seine Füße dabei oft genug ausdehnen und wieder zusammenziehen, wird der Dorn nach außen gepresst. „Unsere Elefanten hier im Camp machen das allerdings nicht so, sie kommen einfach her zu uns und heben den Fuß“, berichtet Brighton Machipisa.

Südafrika - Elefanten

Elefanten haben vier Beine, aber nur zwei Knie: „Ihre Knie sind vorne an ihren Hinterfüßen, nicht hinten an den Hinterfüßen wie bei den Büffeln. Deshalb können Elefanten weder hüpfen noch galoppieren“, ergänzt Brighton. Langsam sind die Tiere deshalb jedoch keineswegs: „Ein schneller Elefant kann auf kurzen Strecken bis zu 45 Stundenkilometer schnell rennen.“

Als Elefantenflüsterer weiß Brighton natürlich auch, wie er die Stimmung eines Elefanten erkennen kann. Elefanten weinen zwar nicht, aber wenn sie brunftig und dadurch besonders reizbar sind, bekommen sie trotzdem feuchte Wangen. Die Flüssigkeit an ihren Wangen rinnt nicht aus den Augen, sondern wird von einer Drüse abgesondert, die zwischen dem Auge und dem Ohr liegt. Sie schwillt an, wenn der Elefant emotional aufgewühlt ist.

Ohren wie der afrikanische Kontinent

Südafrika - Elefanten

Wenn Brighton die Anatomie der Elefanten erklärt, bleibt so gut wie kein Körperteil außen vor. Der Südafrikaner schaut den Elefanten in den Rachen und erklärt, wie die Zahnblöcke der Elefanten aufgebaut sind – und dass sich die Backenzahnbänke im Laufe des Elefantenlebens sechs Mal erneuern. Er blickt dem Elefanten ins Auge, erklärt, dass die langen Augenbrauen der Elefanten, die bei manch weiblicher Besucherin des Elefantencamps Neid erwecken, vor Schlamm, Staub, Fliegen, Blättern und Sand schützen. Er hebt das gewaltige Ohr von Lebua an und lässt die Gäste den glatten, lederartigen, von Adern durchzogene Ohrfächer befühlen. „Wenn man das Ohr betrachtet, hat es fast die gleiche Form wie der afrikanische Kontinent, schaut mal, hier unten liegt Kapstadt“, scherzt Brighton.

Südafrika - Elefanten

Die Sinnesorgane der Elefanten sind denen des Menschen allerdings nur teilweise verwandt – das Sehen ist für Elefanten beispielsweise gar nicht so wichtig. Sie sehen nur schwarzweiß und verschwommen, doch ihr Geruchssinn und das Gehör gleichen dieses Manko wieder aus. „Ein blinder Elefant“, so beteuert Brighton, „kann problemlos überleben, wer ihn beobachtet, merkt nicht einmal, dass er blind ist.“ Der Geruchssinn eines Elefanten, so berichtet Brighton, ist noch 14 Mal besser ausgeprägt als bei einem Bernhardiner, und dieser wiederum nimmt Gerüche 70 000 Mal besser wahr als der Mensch. „Elefanten registrieren Gerüche auf bis zu 500 Meter Entfernung, sie können Geruch sogar noch durchs Wasser aufnehmen.“, erläutert Brighton. Für den Einsatz als Drogenschnüffler an Flughäfen sind Elefanten zwar zu unhandlich, doch bei der Jagd nach Wilderern und bei der Suche nach Landminen sind die feinsinnigen Rüsseltiere längst erfolgreich im Einsatz.

Südafrika - Elefanten

Nach so viel Theorie im Elefantenflüstern beginnt nun der praktische Teil. Und hierfür hat sich Brighton nicht den vergleichsweise kleinen Lebua ausgesucht, sondern den sechs Tonnen schweren Elefantenriesen Tembo. Der 26 Jahre alte Dickhäuter ist bis zu den Schultern gute 3,2 Meter hoch – und damit noch nicht einmal ausgewachsen. „Mutige vor“ heißt es, denn nun ist Zeit, sich zwischen die Beine des Elefanten zu stellen, und sich dann – einen bedrohlich großen Tembo-Kopf mit zwei Stoßzähnen über einem – auf einem Erinnerungsfoto ablichten zu lassen. „Wichtig ist, dass ihr euch seitlich nähert und auch seitlich wieder vom Elefanten weg geht, dann kann euch nichts passieren, falls er den Kopf plötzlich hebt oder senkt. Und gut ist, wenn ihr das Bein anfasst und tätschelt, denn dann weiß Tembo, dass ihr da seid.“ Am Beispiel von Tembo erklärt Elefantenflüsterer Brighton weitere Besonderheiten der Dschungel-Riesen. Beispielsweise, dass der von mehr als 60.000 Fibermuskeln durchzogene Rüssel nicht nur zum Atmen dient, sondern auch zur Wasseraufnahme. „Ein großer Elefant wie Tembo kann bis zu 25 Liter Wasser in seinem Rüssel festhalten.“ Verliert ein Elefant seinen Rüssel, zum Beispiel, weil ihn ein Krokodil abbeißt, wird sein Leben schwer. „Aber wenn die Leitkuh der Herde intelligent ist, kann er überleben. Dann kann die Leitkuh die Herde dazu bringen, sich um ihn zu kümmern. Wenn Trinkzeit ist, kommen die anderen Elefanten dann und helfen ihm, ebenso, wenn es darum geht, das Schlammbad zu nehmen“, berichtet Brighton.

Südafrika - Elefanten

Weniger problematisch als ein beschädigter Rüssel ist ein abgebrochener Stoßzahn, denn Stoßzähne wachsen wieder nach. Zwischen 10 und 15 Zentimeter pro Jahr können sie zulegen – und wenn sie nicht gelegentlich abbrechen würden, könnten sie bis zu drei Metern lang werden. „Bei den Menschen gibt es Rechtshänder- und Linkshänder, bei den Elefanten ist es ähnlich“, berichtet Brighton. Der kürzere der beiden Stoßzähne ist in der Regel der „Arbeitsstoßzahn“ des Tieres. Diesen setzt es beim Ausgraben von Wurzeln oder beim Abreißen von Ästen besonders oft ein – und deshalb bricht er auch häufiger ab.

Elefanten, auch das wird bei einem Besuch bei den Elefantenflüsterern klar, sind äußerst intelligente Tiere. Die Dickhäuter im Camp befolgen mehr als achtzig verbale Kommandos. Kein Hund würde sich jemals so viele Anweisungen merken können. „Wir haben den Elefanten keine Zirkustricks beigebracht, wir schlagen sie nicht, wir richten sie nicht ab – wir belohnen lediglich ihr natürliches Verhalten“, erläutert Brighton. Nach der Interaktion mit den Elefanten haben die Besucher des Camps in Hazyview die Möglichkeit, mit denen Camp-Elefanten auf eine kleine Reittour zu gehen. Guide Andrew hat den 13 Jahre alten Elefanten Ziziphus für mich ausgesucht, einen gutmütigen Dickhäuter mit einer besonderen Vorliebe für Orangen. Beim Aufstehen des Tieres halte ich mich an Andrew, der vor mir im Sattel sitzt, fest, anschließend stapfen die sechs Tiere im Gänsemarsch auf einem Waldpfad, der sie nah ans Ufer des Sabi-Flusses führt.

Südafrika - Elefanten

Elefanten sind in Südafrika keineswegs nur bei den Elephant Whispers zu bewundern, es gibt sich auch im Kruger-Nationalpark. Dieser leidet derzeit sogar an einer regelrechten Elefanten-Schwemme, denn die Tiere, die innerhalb des Parks kaum natürliche Feinde haben und dort auch vor Wilderern relativ sicher sind, haben sich in den letzten Jahren sehr stark vermehrt. Ideal, so sagen Experten, wäre eine Elefantenpopulation von 5 500 Elefanten im Krugerpark, 7 500 sind noch verkraftbar – doch mehr als 14 000, wie derzeit, sind eindeutig zu viele.

Südafrika - Elefanten

Im Nkomazi Game Reserve

Eine der schönsten Möglichkeiten, Elefanten zu sehen, ist eine Tierbeobachtungsfahrt in einem privaten Safaripark, beispielsweise dem 2008 neu angelegten Nkomazi Game Reserve, das in einer traumhaften, von einem Fluss durchzogenen Steppenlandschaft südwestlich des Kruger-Nationalparks liegt. Im Nkomazi Game Reserve fährt Jan Kriel, ein Südafrikaner, der lange Zeit als Ranger im Kruger-Nationalpark gearbeitet hat, mit seinen Gästen regelmäßig zur Wildbeobachtung, zumindest, wenn er nicht gerade einen Buschbrand zu löschen hat. „Meine Mutter und mein Vater waren ebenfalls Parkranger, als ich ein Kind war, hatte meine Mutter Löwenbabys bei uns zuhause aufgezogen. Deshalb interessierte ich mich schon sehr früh für die Natur und für das Tierleben“, beteuert Jan Kriel.

Während er an Löwen so von klein auf gewöhnt war, hatte Jan Kriel von Elefanten immer großen Respekt. „Elefanten sind faszinierende Tiere, sie können mit ihren Stoßzähnen eine Erdnuss aufspießen, oder sie können dich damit umbringen. Ich hatte lange Zeit Angst vor ihnen. Aber um eine Furcht zu überwinden, muss man sich ihr stellen – und das habe ich getan“, berichtet Jan Kriel, der einige seiner dramatischsten Begegnungen mit Elefanten mittlerweile in einem Buch festgehalten hat. Zwei wichtige Lehren hat Jan Kriel aus seinen Erfahrungen bei der Tierbeobachtung gezogen: die Tiere nicht in ihrer Komfortzone stören und die Toleranzgrenze der Dickhäuter und anderer Tiere nicht durch einen zu langen Aufenthalt strapazieren.

An diesem Spätnachmittag haben wir Glück – nach einer längeren Suche, bei der Jan Kriel mehrmals mit seinem Geländewagen am Fuß eines Hügels entlang fährt, nähert sich von links eine kleine Elefantenherde, die etwa fünfzig Meter vor uns den Weg kreuzt. Die Tiere, darunter auch einige Babyelefanten, steuern eine Baumgruppe an, die frische grüne Zweige trägt. Bereits kurz darauf werden die Äste mit Rüsseln und Stoßzähnen bearbeitet. „Die Elefanten brechen die Zweige weg, weil es in der Mitte einen Strunk mit viel Wasser gibt, das trinken sie“ erläutert Jan Kriel, bevor er nach etwa 15 Minuten zum Aufbruch drängt, um seinen Gästen noch Giraffen, Zebras, Impalas, Strauße und ein riesiges Nashorn zu zeigen.

Südafrika - Nashorn

Luxus pur

Im Gegensatz zu einem eher einfachen Camp, wie es im Kruger Nationalpark anzutreffen ist, bietet ein Private Game Resort echten Luxus. Die zwölf Luxuszelte des Resorts sind deutlich größer als viele Hotelzimmer – und außerdem äußerst geschmackvoll eingerichtet und sogar mit Dusche und WC ausgestattet. Und da die Sterne am Himmel fast von nirgendwo klarer funkelnd gesehen werden können als hier, in der afrikanischen Savanne, lohnt es sich, abends auf der Terrasse zu sitzen. Fast schon dekadent wirkt es da, dass dort nicht nur ein kleiner Badepool eingebaut ist, sondern dass vor dem Zelt auch noch eine große, weiße Emailbadewanne steht, in der sich der Badende am Blick auf den Sternenhimmel und an den Geräuschen der Wildnis gleichermaßen ergötzen kann.

Wer nach drei, vier Tagen Safari im Nkomazi Game Reserve weiter ziehen will, kann in der Umgebung viel entdecken. Beispielsweise die Wildpferde rund um Kaapsche Hoop. Oder den Adams Calendar, eine mysteriöse Steinformation, die angeblich rund 75000 Jahre alt ist. Lohnend ist es, mit dem Mietwangen entlang der Panorama-Route von Hazyview aus Richtung Norden zu fahren. „Gods Window“, der bis zu achthunderte Meter tiefe Blyde River Canyon, die „Burke’s Luck Potholes und die drei „Rondavels“, drei Felsen, die an riesige afrikanische Rundhütten erinnern, sind nur einige der landschaftlichen Besonderheiten, die diese Fahrt zu einem unvergesslichen Erlebnis machen.



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