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Unter dem Jakobsweg ist jedoch keine zusammenhängende Wanderroute zu verstehen. Es gab Haupt- und Nebenstrecken, und die Route teilte sich unterwegs oft mehrmals, um später wieder zusammenzulaufen. In der Schweiz führt die Hauptroute von Konstanz am Bodensee über Rapperswil nach Einsiedeln und von dort weiter am Brienzer und Thunersee vorbei nach Rüeggisberg. In Rüeggisberg stießen die aus Luzern kommenden Pilger dazu, um dann gemeinsam mit den anderen den Weg zum Genfer See einzuschlagen.

Schweiz / Einsiedeln
Einsiedeln

Nach heutigen Maßstäben nahmen die damaligen Pilger unvorstellbare Strapazen in Kauf. Während den Wanderer die grandiose landschaftliche Szenerie aus sanften Appenzeller Hügeln, den Gipfeln der Glarner und Berner Alpen und den herrlichen Gebirgsseen für alles Inkommode entschädigt, stellte die Natur sich den Wallfahrern als manchmal kaum zu überwindendes Hindernis in den Weg. Steinige, steile, rutschige Pfade, Nebelbänke und Gewitter verwandelten die Fußreise im Nu in ein extremes Abenteuer. Schmerzende Gelenke, von der Feuchtigkeit aufgeweichtes Schuhwerk, an widerborstigem Gebüsch aufgerissene Kleidung, wilde Tiere, Entkräftung und Krankheiten waren unkalkulierbare Risiken - und nicht alle kamen durch.

Schweiz / Luzern
Blick auf Luzern

Heute sind die Strecken selbst für Unsportliche bequem zu meistern, und die meisten Wege führen über komfortablen Asphalt. Wie früher können sie zu Fuß begangen werden, aber auch andere Fortbewegungsarten sind möglich, etwa das eigene Auto, Fahrrad, Bus oder Schiff. Auch bei der Wahl des Quartiers braucht der moderne Pilger sich nicht zu sorgen; er muss allenfalls rechtzeitig reservieren. Ausgeschildert waren die Routen auch damals schon, wenn auch nicht in unserem Sinne. Die Pilger folgten den Marksteinen mit einer eingemeißelten Jakobsmuschel, die am Wegesrand auftauchten. Die typische Jakobsmuschel und der Jakobusstern prangen auch auf den Wegweisern quer durch die Schweiz. Eine einheitliche Beschilderung gibt es bei den Eidgenossen jedoch nicht. In der Ostschweiz weisen braune Schilder mit weißer Schrift auf den "Jakobsweg" hin. Zu lesen ist auch "Schwabenweg", denn früher sagte man zum Bodensee "Schwäbisches Meer". In den übrigen Regionen ist die Strecke an der internationalen Beschilderung - weiße Schrift auf blauem Grund.

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