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Auch heute noch zieht es viele Menschen auf den Pilgerweg. Er verlor zwar an Bedeutung, als Santiago de Compostela im Zuge der Reformation als Zentrum des Katholizismus zu verblassen begann. Doch in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert erlebte er ein Comeback - allerdings weniger aus religiösen Motiven als vielmehr aus Lust am Wandern und an der Kultur. Den wichtigsten Teil des Jakobsweges von den Pyrenäen nach Santiago erklärte 1987 der Europarat zur ersten europäischen Kulturstraße. 1993 erhob ihn die UNESCO zum Weltkulturerbe, was ihn noch stärker ins Bewusstsein rückte. Höhepunkte der Jakobspilger sind jene Jahre, in denen der Namenstag des Apostels am 25. Juli wie in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt. Dann feiert die katholische Welt ein "Heiliges Jahr". Wer nicht ganz bis nach Santiago reisen will, begnügt sich mit Teilstrecken. Einsiedeln, mit seinem Benediktinerkloster aus dem 10. Jahrhundert einer ihrer wichtigsten Schweizer Sammelpunkte, zählt jedes Jahr durchschnittlich 500.000 Pilger. In diesem Jahr rechnet die Region mit einer Verdoppelung.

Viele Pilger passierten auf ihrem Weg zur heiligen Stätte das Gebiet der heutigen Schweiz, die zu den wichtigsten Durchgangsländern gehörte. Zwischen Bodensee und Genfer See führen gut 400 Kilometer auf dem Jakobsweg durch die Eidgenossenschaft. Wenn auch nicht vergleichbar mit dem spanischen Hauptweg, so stößt man doch auch hier überall noch auf die Spuren der mittelalterlichen Pilger. Mit reichlich Wegkreuzen, Bildstöcken, Herbergen, Trinkwasserstationen, Hospitälern, Kapellen, Kirchen und Kathedralen, die im Abstand von Tagesetappen aufeinander folgten, waren die stark frequentierten Jakobsrouten ähnlich gut durchorganisiert wie heute moderne Autobahnen mit Tankstellen und Raststätten. Die Logistik lag damals fast ausschließlich in der Hand von Mönchsbrüdern, die Klöster und Hospize am Wegesrand aufbauten wie Werbestrategen heute Großplakate.

Schweiz / St. Gallen
St.Gallen

Alle einflussreichen Orden postierten ihre Klöster am Jakobsweg, so die Benediktiner in St. Gallen und Einsiedeln, die Kapuziner in Rapperswil, die Franziskaner in Luzern und Lausanne, die Johanniter in Fribourg und die Kluniezenser in Rüeggisberg. Im Baueifer der Jahrhunderte ziehen sich Kulturdenkmäler in einem Stilcocktail aus Romanik, Gotik und Barock von der Ostschweiz bis nach Galizien.

Schweiz / Lausanne
Lausanne

In zahlreichen Ortschaften und Städten, vor allem in St. Gallen, Luzern, Fribourg, Lausanne und Genf, belegen die Gotteshäuser die Anwesenheit der Jakobspilger. Die St.-Nicolas-Kathedrale in Fribourg birgt allein fünf Jakobusdarstellungen, die Luzerner Franziskanerkirche vier.

Schweiz / Fribourg
Fribourg

In der St.-Pierre Kathedrale in Genf präsentiert ein Glasfenster den heiligen Jakobus gar in königlichem Purpurmantel mit Hermelinbesatz. Die Jakobsmuschel, ihr wichtigstes Erkennungszeichen, taucht unterwegs immer wieder in Kapellen und Gebäuden und an den Statuen des heiligen Jakobus auf. In der St.-Etienne-Basilika in Moudon sind Jakobsmuscheln sogar ins Chorgestühl geschnitzt.

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