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„Schöne Bescherung“

Nicaragua See beim SchnitzenDenn als 1990 die Sandinisten die Wahl verloren, veranstalteten sie in den zwei Monaten bis zur Machtübergabe das, was höchst treffend "Pinata" genannt wurde. Die Pinata ist ein Spiel, bei dem Kinder eine Puppe aus Pappmaché zerschlagen, worauf sich ein Strom von Geschenken und Süßigkeiten über sie ergießt. Auch die Sandinisten gestatteten sich eine Bescherung: Verdienten und auch einfach nur mächtigen Compañeros wurden zehn Jahre zuvor enteignete Grundstücke, Immobilien oder Firmen aus Staatsbesitz zugeteilt. Es wurde gemauschelt und verschoben, es gab ein Hauen und Stechen, und glaubt man den Leuten vor Ort, erwiesen sich dabei vor allem Ernesto Cardenal, Nicaraguas einstiger Vorzeigerevolutionär im Ausland, und seine Strohleute als "rücksichtslose Abgreifer".

Nubia Garcia, ehedem die einzige Frau aus San Carlos beim Angriff auf die Kaserne, trotzte ihnen 35 Hektar Grund und Boden ab. Auf den Fundamenten der fehlgeplanten und längst nicht mehr genutzten Bauernschule erbaute sie das "Hotel Mancarrón", das sie heute zusammen mit ihrem deutschen Mann Immanuel Zerger betreibt: Einfache, saubere Zimmer mit Dusche in kleinen Bungalows inmitten einer gepflegten Gartenanlage, ein luftiger Speisesaal, Schaukelstühle unter Sonnendächern, und den Strom liefert ein eigener Dieselgenerator. Ein tropisches Schmuckstück. Pfade führen von hier aus über die Insel, Straßen und Autos gibt es nicht.

Nicaragua See Holz-Tucane
Kunsthandwerk: So bunt kann das Land sein

Zahlungskräftige Touristen sollen die wohlwollenden Soli-Besucher von einst ablösen, richtige Geschäfte statt einseitiger Almosen - das ist heute, notgedrungen, die Devise ganz Nicaraguas. Denn der von den USA mit Millionen und Abermillionen geschürte Krieg der Contras gegen die Sandinisten hatte ein ausgeblutetes Land hinterlassen, die Politik der Jahre danach hat das Elend der Massen verschärft. Nicaragua heute - das ist das hinter Haiti zweitärmste Land Amerikas. Die Arbeitslosigkeit beträgt über 60 Prozent, die Auflagen, die der Internationale Währungsfond an die Gewährung von Krediten knüpft, treffen wie immer die Armen: Löhne stagnieren, Grundnahrungsmittel werden frei auf dem Markt gehandelt, Geld für Schulen und Gesundheitsfürsorge wird gestrichen. Die Analphabetenrate, unter den Sandinisten auf 12 Prozent gesunken, schnellt nach oben: Schon kann wieder jeder Dritte weder lesen noch schreiben.

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