Reisemagazin schwarzaufweiss

Mächtige Mauern trotzen der Zeit

Ein Rundgang durch Gegenwart und Vergangenheit in Luxemburg

Text und Fotos: Ferdinand Dupuis-Panther

Luxemburg - Hauptstadt des Großherzogtums, 1995 und 2007 Europas Kulturhauptstadt und die europäische Bankenmetropole schlechthin. Ohne Brückenschläge zwischen Oberstadt und den anderen Vierteln wäre das Leben dort sehr beschwerlich. Auch ein Aufzug von der Unterstadt in die Oberstadt erleichtert den Alltag. Neben der Adolphbrücke, die die Altstadt mit dem Bahnhofsviertel verbindet, und der Grande-Duchesse-Charlotte-Brücke zwischen Stadtzentrum und Bankenviertel sind es die dicken Festungsmauern und die Kasematten, die wie die Kirchtürme oder das hoch aufragende Europäische Zentrum das Stadtbild prägen.

Luxemburg - Abtei Neumünster

Blick über die Dächer ehemaligen Abtei Neumünster auf die Oberstadt

Trutzig erscheint die Festung, die die Oberstadt einst gegen einen feindlichen Angriff abschirmte, während im Tal der Petruß und der Alzette das Leben in der Unterstadt im Schatten von hoch aufragenden Felsen seinen Gang ging. Gemächlich schlängelt sich die Alzette an der Sankt-Johannes-Kirche und der ehemaligen Benediktinerabtei von Neumünster vorbei, kopfsteingepflastert sind zahlreiche pittoreske Gässchen der Altstadt. Der Bockfelsen kann als die Akropolis von Luxemburg angesehen werden.

Die Stadt als Festung

Hier wie auch an anderen Stellen der Stadt hat die Militärarchitektur für das urbane Gesicht Luxemburgs gesorgt: ein Ensemble von 40.000 Quadratmetern Kasernen, Pulverlagern und Magazinen. Dazu gehören das Fort Thungen, auch Dräi Eechelen (Drei Eichen) genannt, und die Wenzelsmauer, die im 14. Jahrhundert entstand, ganz abgesehen von den Kasematten, die im achtzehnten Jahrhundert unter österreichischer Herrschaft angelegt wurden.

Luxemburg - Kasematten

Trutzige Felsen, die von Kasematten durchzogen sind, sind das Bollwerk der Stadt an der Alzette seit Jahrhunderten

Die Festungsstadt faszinierte die europäischen Heerführer und berühmte Militärarchitekten wie den Militärbaumeister des Sonnenkönigs Ludwig XIV., Sébastien le Prestre de Vauban, der mit seinen Plänen zum weiteren Ausbau der Kasematten und Bastionen oberhalb der Petruß beitrug.

Luxemburg - Herbststimmung

Herbststimmung im Tal der Petruß

Ein Zeitzeuge wie der Abgeordnete Lazare Carnot, äußerte sich in der Französischen Nationalversammlung des Jahres 1795 wie folgt: „Wer Luxemburg hält, hält seinem Feind nicht nur die neben Gibraltar stärkste und gefährlichste Befestigungsanlage vor, sondern schützt gleichzeitig seine eigene Grenze."

Luxemburg - Dinselpforte

Einst von wichtiger strategischer Bedeutung: die Dinselpforte

Mit dem Skizzenblock unterwegs

Kein geringerer als William Turner hat die beeindruckende Feste Luxemburg-Stadt auf seinen Reisen, die er 1817 und 1839 unternahm, zunächst in feinen Bleistiftzeichnungen skizziert und dann in seinem Londoner Atelier zu Aquarellen und Gouachen umgearbeitet. Schon das Skizzierung gelang Turner nur unter Mühen: Hätte er nicht gewartet, bis ihm die Wachen der Festung den Rücken zugewendet hatten, so wäre er auf der Stelle verhaftet worden. Außerdem verbarg er seinen Skizzenblock unter seinem Frack, zeichnete also „blind“ das, was er sah. Turner gelang es durch isolierte Menschen und Personengruppen, die er in seine Luxemburgansichten aufnahm, die Festung noch Furcht erregender erscheinen zu lassen, als sie in Wirklichkeit war.

Luxemburg - Unterstadt

Ein Blick auf die malerische Unterstadt Grund – Hier hielt auch der Schöngeist Wolfgang von Goethe bei einem Besuch seine Eindrücke auf Papier fest

Nicht nur Turner hielt sich in Luxemburg auf, sondern auch der Schöngeist Wolfgang von Goethe. Sein Besuch stand im Zusammenhang mit dem Feldzug gegen das revolutionäre Frankreich. Auf dem Rückzug der Truppen des Herzogs Carl-August von Sachsen-Weimar bezog Goethe Quartier in der Nähe des Fischmarkts. Goethe schreibt: „Mir verschaffte der gewandte Quartiermeister ein hübsches Zimmer, das aus dem engsten Höfchen, wie aus einer Feueresse, doch bei sehr hohen Fenstern genugsames Licht erhielt.“ Auch wenn Goethe von den Kriegsereignissen mitgenommen war, scheint er dennoch von der Festungsstadt beeindruckt gewesen zu sein: „Wer Luxemburg nicht gesehen hat, wird sich keine Vorstellung von diesen an- und übereinander gefügten Kriegsgebäuden machen..“

Goethe ließ sich 1792 bei einem achttägigen Aufenthalt auch dazu anregen, die Festungsstadt zu zeichnen. Doch auch er durfte nicht vor Ort skizzieren, sondern brachte die Eindrücke aus dem Gedächtnis heraus in seinem Quartier zu Papier. So entstand unter anderem „Corniche mit Vorstadt Grund“, eine Ansicht, die der Besucher von heute beim Spaziergang durch die Montée du Grund nachvollziehen kann.

Tausend Jahre Geschichte in hundert Minuten

Luxemburg - Wenzelsmauer

Auf dem beschilderten Rundweg durch die Geschichte der Stadt passiert man in der Unterstadt nicht nur den Tatersall, sondern auch die Wenzelsmauer

Nach der Entfestung der Stadt in den Jahren 1867 bis 1883 sind die Wachen vor dem Grund- und dem Trierer Tor abgerückt. Der Hall der Kanonen ist längst verstummt, der Pulverdampf verflogen. In einen tiefen Dornröschenschlaf sind die zahlreichen Schanzen und Halbmonde versunken. Doch: Wer heute auf dem ausgeschilderten Wenzelrundweg unterwegs ist, kann eine Zeitreise unternehmen und in hundert Minuten die tausendjährige Geschichte Luxemburgs erleben. Der Bockfelsen ist Ausgangspunkt dieses historischen Spaziergangs. Unterwegs sieht man unter anderem die Schlossbrücke (1735), die so genannte Corniche, die nach Plänen von Vauban befestigt wurde, das Grundtor und einen kleinen, Stierchen genannten, Steg, die ursprünglich 875 Meter lange Wenzelmauer mit ihren 37 Türmen und 15 Toren, die Krudelspforte, die im 17. Jahrhundert Grund und Clausen miteinander verband, die Abtei Neumünster – 1896 bis 1984 als Männergefängnis genutzt und heute ein Kulturtreff –, das 1590 erbaute Trierer Tor und die Dinselpforte, auch Altes Trierer Tor genannt.

Luxemburg - Liebfrauenkathedrale

Hoch in den Himmel recken sich die Türme der gotischen Liebfrauenkathedrale

Im Zentrum der Oberstadt residiert die weltliche Macht in dem im Renaissancestil erbauten Großherzoglichen Palais. Nicht weit davon entfernt erinnert das alte Jesuitenkolleg mit der hochgotischen Liebfrauenkathedrale an die tragende Rolle der katholischen Kirche des Landes. In der Oberstadt befinden sich auch das in den Felsen gebaute Museum der Geschichte der Stadt Luxemburg und das Nationalmuseum für Geschichte und Kunst.

Schmucke und verwinkelte Gässchen wie die Rue Large und lauschige Plätze lassen die Zeiten vergessen, als eine 4000 Mann starke Garnison aus dem Bild der Stadt nicht wegzudenken war. Unübersehbar ist bis heute der Stolz der Luxemburger: Die Schlusszeile der Festkantate, mit der am 4. Oktober 1859 der erste Eisenbahnzug von Luxemburg aus ins benachbarte Ausland verabschiedet wurde, schmückt für jeden sichtbar einen bauchigen Erker: „Mir wele bleiwe wat mer sin" – „Wir wollen bleiben, was wir sind.

Reiseinformationen zu Luxemburg

Luxembourg City Tourist Office
B.P. 181, L – 2011 Luxembourg
30, place Guillaume II, L – 1648 Luxembourg
Tel.: (352) 22 28 09
Fax: (352) 46 70 70
touristinfo@lcto.lu
www.lcto.lu/

Office National du Tourisme
Gare Centrale
PO Box 1001
L-1010  LUXEMBOURG
Tél.: (+352) 42 82 82 1
Fax: (+352) 42 82 82 38
info@visitluxembourg.lu
http://www.visitluxembourg.lu

 

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