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Kuba im Überblick

Sonne und Sozialismus, Rumba und Revolution. Kuba ist ein Land mit vielen Gesichtern. Und einer ist immer mit dabei: Fidel Castro. Um den roten Caudillo und seine Revolution kommt man in Kuba nicht herum. Sein Konterfei auf den großen Werbeplakaten erzählt davon, der von den Fassaden blätternde Putz ebenso wie die leeren Regale in den Lebensmittelgeschäften, aber auch das hohe Bildungsniveau der Kubaner und ihre fast unerschütterliche Lebenslust.

Kuba

Seit der Kolonialzeit hatten die Kubaner Unterdrückung und Not erlebt. In der Silvesternacht von 1958 auf 1959 wurde schlagartig alles anders. Castros Revolution hatte gesiegt, der Diktator Fulgencio Batista war geflohen. Die beiden Chefideologen Fidel und "Che" Guevara begannen sofort mit dem Umbau der Gesellschaft nach sozialistischen Idealen. Die USA reagierten mit einem harten Konfrontationskurs. In der Sowjetunion fand Kuba seinen wichtigsten Ve-bündeten. Hunger, Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit und Prostitution waren auf der Karibikinsel bald verschwunden.
Doch der kurze Sommer einer gerechten Gesellschaft neigt sich dem Herbst zu. Was die USA mit ihrem Wirtschaftsembargo drei Jahrzehnte lang nicht schafften, besorgte Anfang der neunziger Jahre der Zerfall der Sowjetunion: Kuba steuert langsam auf einen wirtschaftlichen Herzinfarkt zu. Und die alten sozialen Übel, gegen die die Rebellen einst angetreten waren, sind zurückgekehrt. Halbherzige Reformen und der Tourismus sollen dem Land wieder auf die Beine helfen. Während viele Kubaner sich nur von Reis und Bohnen ernähren, wird alles getan, um dem erholungsuchenden "Klassenfeind" die ihm vertraute Welt des Luxus zu bieten. Widersprüche tun sich auf.

Havanna ist die alte Diva der Karibik. Wenn man beim Schlendern durch die Straßen einen rosafarbe-nen Buik oder einen türkisen Dodges vorbeischnurren hört, schießen Bilder aus der Zeit der Prohibition durch den Kopf, als Havanna noch der Treffpunkt durstiger US-Millionäre, Mafia-Bosse und korrupter Politiker war. Mittlerweile ist sie in die Jahre gekommen und überall blättert der alte Glanz. Zwischen kolonialen Prachtvillen in La Habana Vieja, Wolkenkratzern amerikanischen Zuschnitts in Vedado, mondänen Luxusvillen in Miramar und sozialistischen Plattenbauten am Stadtrand spürt man, wie eng Pracht und Niedergang beieinander liegen. Morbide und marode hat Havanna Patina angelegt. Gerade das scheint sie für sich einzunehmen. Seit der Altstadtkern 1982 zum Unesco-Weltkulturerbe gekürt wurde, sind die alten Prachtgebäude fast lückenlos restauriert.
Kaum ein Ausländer, noch dazu Amerikaner, ist bei den Kubanern so beliebt wie der Schriftsteller . Er lebte 20 Jahre auf der Insel und verfasste einen großen Teil seines Romanwerkes hier. Sein Wohnhaus Casa Museo Ernest Hemingway ist in Francisco de Paula, eine gute Autostunde von Havanna entfernt, zu besichtigen. In dem kleinen Fischerort Cojímar startete der Literat zur Hochseejagd nach dem Blue Marlin. Ein Hemingway-Denkmal erinnert daran.

Kubas westliche Provinz Pinar del Río ist das Mekka der Zigarrenraucher. In der fruchtbaren Landschaft mit dem feuchtheißen Klima gedeiht der beste und teuerste Tabak der Welt, der "Vuelta Abajo". Unter den Palmwedeldächern der bohíos, die charakteristischen Bauernhäuser, wird er zum Trocknen aufgehängt. Außer Tabak gibt es hier auch Palmen im Überfluss, von denen Kuba rund 30 verschiedene Arten registriert hat. In der Stadt Pinar del Río, die we-gen ihrer Kolonialarchitektur "Stadt der Säulen" genannt wird, kann man in der Zigarrenfabrik Francisco Donatien den Zigarrenrollern bei der Arbeit zusehen. Ein Naturereignis der besonderen Art sind die mogotes im . Diese eng beieinander stehenden Kalksteinkegel erreichen Höhen bis zu 400 Meter, ein Alter von 160 Millionen Jahren und entstanden durch tropische Verwitterungsprozesse. An den Stränden an der Westspitze erlebt man noch Robinsonaden.

Hotelanlage auf Kuba

Strand und Pool: Prospektidylle pur

Der Norden Kubas ist mit den bekanntesten Feriengebieten der Karibikinsel gesäumt. Hier sind die Ankerplätze der süßesten Träume: Sonne, Palmen, weißer Sand, fein wie Puderstaub, kristallklares Meer. Es beginnt bei Varadero, wo die Kette der Hotels mittlerweile genauso lang ist, wie der feinsandige Strand auf der Halbinsel Hicacos. Die Cayería del Norte mit hunderten vorgelagerten Koralleninseln, auch Jardines del Rey ("Gärten des Königs") genannt, ist nach dem Great Barrier Reef in Australien das zweitgrößte der Welt. Für den Tourismus entdeckt sind Cayo Coco und Cayo Guillermo, die alle Voraussetzungen besitzen, um auf Anhieb Lieblingsinseln für Urlauber zu werden. Zwischen den Cayos wechselt die Farbe der Karibik von Türkis zu Smaragd, Pelikane fischen in Lagunen, Flamingos zupfen an ihrem Federkleid. Auch die Strände von Playa de Santa Luzia und Guardalavaca, die im östlichen Norden anschließen, sind bei Sonnenanbetern und Wasserratten beliebt.

Wer trotz des All-inclusiv-Angebots in den Hotels vom Land etwas sehen will, findet in Camagüey eine der schönsten und ältesten Städte Kubas. Das labyrinthische Straßengeflecht der Altstadt mit ihren Kolonialvillen und der Kathedrale läßt sich am besten im bicitaxi, die kubanische Fahrradrikscha, erkunden. Auch wenn Holguín ansonsten wenig zu bieten hat, lohnen sich ein Besuch der Kathedrale und des Museo de Ciencias de la Torre, das die größte Schnecken- und Muschelsammlung Kubas umfasst. Der Altstadt von Matanzas sieht man die Blüte aus besseren Tagen noch an: Tabak, Kaffee und Zucker bescherten der Stadt großen Reichtum, zahlreiche Prachtvillen, ein neoklassizistisches Theater und den Beinamen "Athen von Kuba". Santa Clara ist zum Pilgerziel geworden, nachdem 1997 der Leichnam von Che Guevara hierher überführt und beigesetzt wurde.

Obwohl der Süden Kubas zwischen den langen Mangrovensümpfe auch mit traumhaften Naturstränden wie etwa bei Cienfuegos, Trinidad oder in der Bahía de Cochinos ("Schweinebucht") aufwarten kann, haben sich bisher nur wenige Touristenzentren etabliert. Der Süden ist vielmehr die "Kornkammer" Kubas, auch wenn damit weniger Getreide, als vielmehr Zuckerrohr, Ananas, Orangen und Reis gemeint sind. Plantagen und große Weideflächen prägen das Bild der Landschaft. Naturfreunde statten dem Nationalpark Ciénaga de Zapata einen Besuch ab. Das 285.650 Hektar große Feuchtgebiet ist das Zuhause für zwei Drittel aller in Kuba vorkommender Vögel, auch vieler endemischer, und rund 15.000 Krokodilen, die auf der Krokodilfarm in Rundgehegen leben. Zu den Highlights im Süden zählt die koloniale Perle Trinidad am Fuße des Escambray-Gebirges. In keiner anderen Stadt hat das "Goldene Zeitalter" des Zuckerbooms greifbarer überlebt. An der Plaza Mayor, wo die reichen Plantagenbesitzer sich ihre Paläste bauten, wird es prachtvoll in Szene gesetzt. Lückenlos reihen sich Kolonialgebäude aneinander, verziert mit hohen Holztüren, vergitterten Fenstern und Säulen. Selbst das blankpolierte Kopfsteinpflaster wird gepflegt. Seit 1988 setzt sich die Unesco für den Erhalt Trinidads ein.

Trinidad

El Morro in Santiago de Cuba

Auch Cienfuegos blickt auf eine süße Vergangenheit zurück. Zuckerbarone und französische Siedler sind für das Flair der Stadt verantwortlich. In der Altstadt konkurriert das Capitolio mit den großen Vorbildern in Washington und Havanna. Das prächtige Teatro Tomás Terry spendete 1867 der "Krösus Kubas". Der Castillo de Jagua am Eingang der engen Flaschenhals-Bucht schützte die reiche Stadt seit 1745 vor Feinden.

Schatzinsel-Romantik kommt auf Isla de la Juventud auf, die seit der Entdeckung durch Kolumbus Piraten und entlaufenen Sklaven als Versteck diente. Die Insel genießt mit den ausgedehnten Korallenbänken des Canarreos-Archipels den Ruf des besten Tauchreviers in der Karibik. Die 38 Quadratkilometer große Nachbarinsel Cayo Largo bietet vor allem Strand, acht Hotels, einen Yachthafen und eine Leguan-Kolonie.

Wild und unbezähmbar wie das Urwalddickicht der Sierra Maestra ist der ganze Osten Kubas. In keiner anderen Gegend gab es mehr Aufstände gegen Sklaverei, die spanische Kolonialregierung, die Diktatur oder die amerikanische Dominanz. Landschaftlich stehen flache Ebenen mit weiten Zuckerrohrfeldern und Viehweiden Kubas höchstem Gebirge Sierra Maestra gegenüber. Wo in den Provinzen Santiago de Cuba und Granma die Regenwaldvegetation wuchert, ist die Provinz Guantánamo streckenweise so ausgedörrt, dass selbst Kakteen kaum damit zufrieden sind. Auch wenn es seit einigen Jahren eine Straße nach Baracoa gibt, wirkt das Städtchen am äußersten Ost-zipfel der Insel immer noch wie ein unverdorbenes Paradies. Ein paar Strandbuchten, der Tafelberg El Yunque und das alte Holzkreuz, das Kolumbus zum Zeichen seiner Landnahme 1492 in den Boden schlug, ziehen nur wenige Touristen an.

Anders die Stadt . Hier pulsiert das Leben. Karneval ist eine Leidenschaft, Musik wie Brot und Wasser. Stolz und Aufmüpfigkeit spricht aus den Gesichtern der überwiegend dunkelhäutigen Bewohner. Stolz nennen die Santiagueros ihre Stadt nicht nur "Wiege der Re-volution", sondern auch "Wiege der Musik", weil mindestens Trova, Son und Rumba bei ihnen aufkamen. Eine gute Portion Selbstbewußtsein, Wohlstand und die große Entfernung zur Kolonialregierung in Havanna gaben fortschrittlichen Ideen den nötigen Raum zur Entfaltung. An der Moncada-Kaserne werden die Einschüsse sorgsam gepflegt, die Kubas zweitgrößter Militärbastion beim Angriff von Castro und seinen Leuten 1953 beigebracht wurden; die gescheiterte Offensive gilt als Fanal für die Revolution. Auf dem Friedhof Santa Ifigenia liegen, im Tod vereint, Revolutionäre und Zuckerbarone gemeinsam unter der Erde, etwa der Nationalheld José Martí. Auch die Rum-Dynastie der Bacardís hat hier ein Masoleum; es steht jedoch leer.

Landschaftlich herrlich eingebettet in eine Naturkulisse aus Bergen, Stränden und Meer, bieten sich zahlreiche Ausflugsziele an. Castillo El Morro heißt die wuchtige Felsenfestung, die 1590 zum Schutz gegen Piraten an der Ostseite der Bucht von Santiago errichtet wurde. Versteckt in der Sierra Maestra liegt die Wallfahrtskirche El Cobre, in der die dunkelhäutige Jungfrau der Barmherzigkeit oder, wie man's nimmt, die Göttin Ochún im Santería-Kult verehrt wird. Das Cafetal La Isabélica im Nationalpark Gran Piedra erzählt von der Arbeit der Sklaven und vom Leben der Kaffeebarone.

Beate Schümann

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