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Kuba |
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Kurzportrait Sonne
und Sozialismus, Rumba und Revolution. Kuba ist ein Land mit vielen
Gesichtern. Und einer ist immer mit dabei: Fidel Castro. Um den
roten Caudillo und seine Revolution kommt man in Kuba nicht herum.
Sein Konterfei auf den großen Werbeplakaten erzählt
davon, der von den Fassaden blätternde Putz ebenso wie die
leeren Regale in den Lebensmittelgeschäften, aber auch das
hohe Bildungsniveau der Kubaner und ihre fast unerschütterliche
Lebenslust.
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Doch der kurze Sommer einer gerechten Gesellschaft neigt sich dem Herbst zu. Was die USA mit ihrem Wirtschaftsembargo drei Jahrzehnte lang nicht schafften, besorgte Anfang der neunziger Jahre der Zerfall der Sowjetunion: Kuba steuert langsam auf einen wirtschaftlichen Herzinfarkt zu. Und die alten sozialen Übel, gegen die die Rebellen einst angetreten waren, sind zurückgekehrt. Halbherzige Reformen und der Tourismus sollen dem Land wieder auf die Beine helfen. Während viele Kubaner sich nur von Reis und Bohnen ernähren, wird alles getan, um dem erholungsuchenden "Klassenfeind" die ihm vertraute Welt des Luxus zu bieten. Widersprüche tun sich auf. Havanna ist
die alte Diva der Karibik. Wenn man beim Schlendern durch die Straßen
einen rosafarbe-nen Buik oder einen türkisen Dodges vorbeischnurren
hört, schießen Bilder aus der Zeit der Prohibition durch
den Kopf, als Havanna noch der Treffpunkt durstiger US-Millionäre,
Mafia-Bosse und korrupter Politiker war. Mittlerweile ist sie in
die Jahre gekommen und überall blättert der alte Glanz.
Zwischen kolonialen Prachtvillen in La Habana Vieja, Wolkenkratzern
amerikanischen Zuschnitts in Vedado, mondänen Luxusvillen
in Miramar und sozialistischen Plattenbauten am Stadtrand spürt
man, wie eng Pracht und Niedergang beieinander liegen. Morbide
und marode hat Havanna Patina angelegt. Gerade das scheint sie
für sich einzunehmen. Seit der Altstadtkern 1982 zum Unesco-Weltkulturerbe
gekürt wurde, sind die alten Prachtgebäude fast lückenlos
restauriert. Kubas westliche Provinz Pinar del Río ist das Mekka der Zigarrenraucher. In der fruchtbaren Landschaft mit dem feuchtheißen Klima gedeiht der beste und teuerste Tabak der Welt, der "Vuelta Abajo". Unter den Palmwedeldächern der bohíos, die charakteristischen Bauernhäuser, wird er zum Trocknen aufgehängt. Außer Tabak gibt es hier auch Palmen im Überfluss, von denen Kuba rund 30 verschiedene Arten registriert hat. In der Stadt Pinar del Río, die we-gen ihrer Kolonialarchitektur "Stadt der Säulen" genannt wird, kann man in der Zigarrenfabrik Francisco Donatien den Zigarrenrollern bei der Arbeit zusehen. Ein Naturereignis der besonderen Art sind die mogotes im Vinales-Tal. Diese eng beieinander stehenden Kalksteinkegel erreichen Höhen bis zu 400 Meter, ein Alter von 160 Millionen Jahren und entstanden durch tropische Verwitterungsprozesse. An den Stränden an der Westspitze erlebt man noch Robinsonaden.
Strand und Pool: Prospektidylle pur
Der
Norden Kubas ist mit den bekanntesten Feriengebieten der Karibikinsel
gesäumt. Hier sind die Ankerplätze der süßesten
Träume: Sonne, Palmen, weißer Sand, fein wie Puderstaub,
kristallklares Meer. Es beginnt bei Varadero,
wo die Kette der Hotels mittlerweile genauso lang ist, wie der
feinsandige Strand auf der Halbinsel Hicacos. Die Cayería
del Norte mit hunderten vorgelagerten Koralleninseln, auch
Jardines del Rey ("Gärten des Königs") genannt,
ist nach dem Great Barrier Reef in Australien das zweitgrößte
der Welt. Für den Tourismus entdeckt sind Cayo
Coco und Cayo Guillermo, die
alle Voraussetzungen besitzen, um auf Anhieb Lieblingsinseln für
Urlauber zu werden. Zwischen den Cayos wechselt die Farbe der Karibik
von Türkis zu Smaragd, Pelikane fischen in Lagunen, Flamingos
zupfen an ihrem Federkleid. Auch die Strände von Playa
de Santa Luzia und Guardalavaca,
die im östlichen Norden anschließen, sind bei Sonnenanbetern
und Wasserratten beliebt. Obwohl der Süden Kubas zwischen den langen Mangrovensümpfe auch mit traumhaften Naturstränden wie etwa bei Cienfuegos, Trinidad oder in der Bahía de Cochinos ("Schweinebucht") aufwarten kann, haben sich bisher nur wenige Touristenzentren etabliert. Der Süden ist vielmehr die "Kornkammer" Kubas, auch wenn damit weniger Getreide, als vielmehr Zuckerrohr, Ananas, Orangen und Reis gemeint sind. Plantagen und große Weideflächen prägen das Bild der Landschaft. Naturfreunde statten dem Nationalpark Ciénaga de Zapata einen Besuch ab. Das 285.650 Hektar große Feuchtgebiet ist das Zuhause für zwei Drittel aller in Kuba vorkommender Vögel, auch vieler endemischer, und rund 15.000 Krokodilen, die auf der Krokodilfarm in Rundgehegen leben. Zu den Highlights im Süden zählt die koloniale Perle Trinidad am Fuße des Escambray-Gebirges. In keiner anderen Stadt hat das "Goldene Zeitalter" des Zuckerbooms greifbarer überlebt. An der Plaza Mayor, wo die reichen Plantagenbesitzer sich ihre Paläste bauten, wird es prachtvoll in Szene gesetzt. Lückenlos reihen sich Kolonialgebäude aneinander, verziert mit hohen Holztüren, vergitterten Fenstern und Säulen. Selbst das blankpolierte Kopfsteinpflaster wird gepflegt. Seit 1988 setzt sich die Unesco für den Erhalt Trinidads ein.
El Morro in Santiago de Cuba
Wild und unbezähmbar wie das Urwalddickicht der Sierra Maestra ist der ganze Osten Kubas. In keiner anderen Gegend gab es mehr Aufstände gegen Sklaverei, die spanische Kolonialregierung, die Diktatur oder die amerikanische Dominanz. Landschaftlich stehen flache Ebenen mit weiten Zuckerrohrfeldern und Viehweiden Kubas höchstem Gebirge Sierra Maestra gegenüber. Wo in den Provinzen Santiago de Cuba und Granma die Regenwaldvegetation wuchert, ist die Provinz Guantánamo streckenweise so ausgedörrt, dass selbst Kakteen kaum damit zufrieden sind. Auch wenn es seit einigen Jahren eine Straße nach Baracoa gibt, wirkt das Städtchen am äußersten Ost-zipfel der Insel immer noch wie ein unverdorbenes Paradies. Ein paar Strandbuchten, der Tafelberg El Yunque und das alte Holzkreuz, das Kolumbus zum Zeichen seiner Landnahme 1492 in den Boden schlug, ziehen nur wenige Touristen an.
Beate Schümann
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