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Flamingos, Baumratten und Touristenbäume auf Kuba

 Auf Ernest Hemingways Spuren durch die Jardines del Rey

Text und Fotos: Rainer Heubeck

Kuba - Strand

Warum gibt es auf den Kanaren so wenig Kanadier? Weil Kuba für sie viel näher ist. Und – ohne den Kanaren zu nahe treten zu wollen - die Strände auf Kuba, sowohl auf der Hauptinsel sowie auch auf vielen der rund 4000 Inseln, die zum Archipel gehören, sind phänomenal: Kilometerlang weißer Sand, manchmal fein wie Puderzucker. Kein Wunder, dass Kolumbus am 28. Oktober 1492 nach seiner Landung auf Kuba in sein Bordbuch schrieb „Ich habe keinen schöneren Ort je gesehen. Die Flussufer waren von blühenden, grün umrankten Bäumen eingesäumt, die ganz anders aussahen als die heimatlichen Bäume. Sie waren von Blumen und Früchten der verschiedensten Art behangen, zwischen denen zahllose, gar kleine Vöglein ihr süßes Gezwitscher vernehmen ließen.“ Was für ein Paradies!

Kuba - langer Sandstrand

Trotzdem sind etliche europäische Besucher, die auf die zu Kuba gehörenden Koralleninseln, die so genannten Cayos, reisen, zuerst einmal enttäuscht. Denn Cayo Coco – das klingt nach majestätischen Kokospalmen, die am Strand Schatten Spenden. Doch diese sind hier nicht heimisch, und wenn sie angepflanzt werden, bleiben sie – wegen des salzigen Bodens – meist recht mickrig. Stattdessen dominieren Mangrovenwälder. Wer sich freilich Ernest Hemingways Buch „Inseln im Strom“ als Reiselektüre eingepackt hat, der weiß, was ihn erwartet, weil er die Schritte, die Hemingways Romanfigur Thomas Hudson auf Cayo Coco unternommen hat, längst nachvollzogen hat. „Er hatte eine Stelle gefunden, wo sich bei Hochwasser die Flamingos sammelten, und er hatte viele Rote Ibisse gesehen, die Cocos, nach denen die Insel genannt war, und ein Pärchen Rosenlöffler, die am Rand der Lagune im Schlamm gründelten“, schrieb Hemingway – und lies seinen Romanhelden staunen über den scharfen Kontrast zwischen grauen Schlammbänken und rosa Gefieder – und die „grässliche, besinnungslose Fressgier mancher Laufvögel.“ In seinem Roman, der in der Zeit des Zweiten Weltkriegs spielt, beschreibt Hemingway Begegnungen mit einigen wenigen Menschen, die auf den Cayos seinerzeit siedelten: Köhler, Fischer und Schildkrötenfänger. Und er lässt seinen Romanhelden Thomas Hudson sagen, Cayo Guillermo, die kleine Nachbarinsel von Cayo Coco sei, „eine grüne Insel, höchst verheißungsvoll.“.

Kuba - Schildkröte in der Hand

Hemingway, der ein begeisterter Fischer war, schätzte die Umgebung von Cayo Guillermo, einer Koralleninsel, die auch heute noch zu den besten Hochseefischrevieren Kubas zählt. Eine Liebe, der die Touristiker auf der Insel eine Referenz erwiesen. Sie haben den schönsten Strand auf Cayo Guillermo - einen drei Kilometer langen feinsandigen Strand mit kristallklarem Wasser, der hinter haushohen Dünen versteckt ist - nach Hemingways Yacht benannt, die den Namen Pilar trug. Playa Pilar ist heute der End- und der Höhepunkt von Katamaranfahrten, die von der Marina auf Cayo Guillermo angeboten werden, und die nicht nur Schnorchelstopps an den schönsten Stellen, sondern auch Partystimmung und volle Becher mit Mojito und Cuba Libre beinhalten.

Kuba - Katamaran mit Touristen

So einsam wie Hemingway kann man sich auf Cayo Coco und Cayo Guillermo freilich nicht mehr fühlen. Denn zu Hemingways Zeiten waren die Koralleninseln nur mit dem Boot erreichbar. Seit knapp zwanzig Jahren ist das anders. Damals wurde ein 18 Kilometer langer Damm gebaut, der nach Morón hinaus auf den Atlantik führt. Als Kuba Anfang der 90er Jahre seine große Tourismusoffensive gestartet hat, wurde auf Cayo Coco ein erstes Hotel eröffnet. Fidel Castro Ruz persönlich ließ es sich nicht nehmen, das Hotel Jardin de Los Cocos (heute Hotel Blau) im November 1993 einzuweihen. Inzwischen sind die Gärten der Könige, die Jardines del Rey, nach Varadero das wichtigste Ziel für Bade- und Pauschaltouristen auf Kuba. Die Hotels auf den Inseln, fast alles All-Inklusiv-Anlagen, sind zum Großteil regelrechte Hoteldörfer, und fast durchweg im Vier- und Fünf-Sterne-Bereich angesiedelt.

Kuba - Hotel mit Swimming-Pool

Der Naturpark El Baga

Manche Besucher – egal ob Kanadier oder Europäer - sind von Hotelbar, Hotelstrand und Poollandschaft so begeistert, dass sie den gesamten Urlaub innerhalb der Anlage verbringen – doch das ist ein Fehler. Denn wer die Flamingos und Ibisse beobachten möchte, wie sie einst Ernest Hemingways Romanfiguren gesehen haben, sollte zumindest den Naturpark El Baga besuchen. In dem Park, der in der Umgebung des alten Flughafens eingerichtet wurde, können Besucher Seeschildkröten, Krokodile und Leguane aus nächster Nähe betrachten. Eine besondere Attraktion sind die Baumratten – ein biberähnliches Nagetier, das vegetarisch lebt und das es nur auf Kuba gibt. Wer sich mit Maritza Morales auf eine geführte Tour durch den Park begibt, erfährt dort, dass es auf Cayo Coco 216 verschiedene Vogelarten gibt. „Einige davon sind Zugvögel, wenn es in den USA und in Kanada Winter wird, kommen sie zu uns nach Kuba“. Doch nicht nur bei den Tieren, auch bei den Pflanzen finden sich Parallelen zu den Menschen. „Den Almácigo-Baum nennen wir hier nur den Touristenbaum – denn seine Rinde ist genauso rot wie die Haut vieler Touristen, wenn sie ein paar Tage lang in der Sonne waren“, erklärt Maritza Morales. El Baga ist aber mehr als ein Naturreservat, in dem Pflanzen und Tiere beobachtet können – es ist auch ein Freilichtmuseum, in dem über die Geschichte Kubas informiert wird. „Wir sprechen von den Ureinwohnern, von der Zeit der Sklaverei –und wir zeigen, wie die Bauern auf dem Land gelebt haben und zum Teil noch Leben“, erläutert Maritza Morales. Damit das alles keine graue Theorie bleibt, führt eine Tanz- und Schauspielergruppe, die jeden Tag von der zweieinhalb Stunden entfernten Provinzhauptstadt Ciego de Avila hierher anreist, die schamanischen Zeremonien und Tänze der einst 500.000 kubanischen Ureinwohner vor, die von den Spaniern innerhalb weniger Jahrzehnte ausgerottet worden waren.

Kuba - Krokodil

Ein Stück von dem Eingeborenendorf entfernt führt ein Beobachtungssteg hinein in die Mangroven. „Die Flamingos dort hinten sind noch nicht ausgewachsen. Das sieht man an ihrer weißen Farbe. Erwachsene Flamingos ernähren sich hauptsächlich von einer bestimmten Krebsart, die Karotin enthält, und dadurch wird ihr Gefieder rosarot“, erläutert Maritza Morales, die sich wünscht, dass wieder mehr deutsche Gäste nach Cayo Coco kommen. Doch Besucher aus Europa werden reichhaltig belohnt: durch grandiose Strände und eine faszinierende Tier- und Pflanzenwelt und durch moderne Hotels – zum Großteil auf All-inklusiv-Basis - mit gut ausgebildetem Personal und äußerst fairem Preis-Leistungsverhältnis.



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