Im Land der Wälder und Seen

Kandas Osten mit dem Wohnmobil

Text und Fotos: Dirk Schröder

Eine faszinierende Naturlandschaft wie aus dem Bilderbuch erlebte unser Autor Dirk Schröder bei seiner Erkundung des Ostens Kanadas.

So hatten wir uns Kanada nicht vorgestellt: Seit zwei Stunden schon fahren wir über den schnurgeraden Highway, vorbei an Häusern, Feldern und Kulturlandschaften. Die Straßen sind wie mit dem Lineal über die Ebene gezogen. Wo sind die weiten Wälder Kanadas, die Seen, die Tiere?

Kanada / Wohnmobil am Abend

Camping mit Feuer am Grillplatz

Vielleicht waren wir nach der langen Reise doch zu ungeduldig. Natürlich finden wir unser „Traumkanada“ nicht gleich am Flughafen und nicht im Großraum Torontos, doch schon am Abend des ersten Tages mit unserem frisch angemieteten Wohnmobil „Fleed Wood“ stehen wir im dichten Wald und das ersehnte Wasser ist nicht weit entfernt. Um uns herum wachsen Birken, Ahorn, Eichen und andere Bäume. Abgestorbene Stämme vermodern auf dem Boden, der mit einer dicken Laubschicht überzogen ist. In den Wipfeln trillern die Vögel um die Wette und um uns herum rascheln Erdhörnchen auf der Suche nach Eicheln und den Resten unseres Abendessens. Wir haben uns in dem wunderschönen Avenda Provintional Park häuslich niedergelassen. Hier befinden sich 350 Stellplätze, die so individuell mit Feuerstelle und Piknickbank gestaltet sind, dass man glauben könnte alleine zu sein. Am nahen Lake Kattle ist die Kanadaidylle dann wirklich perfekt. Es fehlt nur noch der Elch, der über das Wasser schwimmt und am Ufer zu grasen beginnt ... Der Park erstreckt sich bis an das Südufer der Georgian Bay, einem See, der uns so riesig wie ein Meer erscheint. Nun bedauern wir es doch, das wir mit unserem Wohnmobil nicht noch Fahrräder gemietet haben, denn die Entfernungen bis an die wunderschönen Badeplätze sind lang, zu lang um zu laufen.

Kanada / Georgian Bay

Georgian Bay

 

Um 1950 entstand der Gedanke, Freizeiteinrichtungen im Süden der Georgian Bay zu schaffen. Es sollte allerdings bis 1979 dauern, bis der 2917 ha große Park mit seiner Sandküste und herrlichem Waldgebiet eingeweiht werden konnte. Im Gespräch mit Tim Tully, dem Parkverwalter, erfahren wir, dass die Gletscher vor rund 20.000 Jahren diesen riesigen See geformt haben. Der Wasserspiegel senkte sich und rundgeschliffene Felsen kamen zum Vorschein.

„Im Schutze des Parks wachsen 750 verschiedene Pflanzenarten und mit 32 Reptilienarten und Amphibien liegen wir ganz vorne in Kanada,“ sagt Tim. „Dazu kommen 39 verschiedene Säugetierarten. Zu denen der Schwarzbär genauso zählt wie der Elch und die sehr selten gewordenen fliegenden Squirls. Unsere Aufgabe ist der Schutz der selten gewordenen Landschaft mit ihren Bewohnern, verbunden mit einem hochwertigen Tourismusangebot für Erholungssuchende,“ sagt der junge Mann stolz und zählt uns die Wanderwege im Park auf. Zum Schluss zeigt er uns noch die schönsten Sandstrände auf der Karte.

Die ersten Siedler kommen

Kanada / Hausbemalung

Hausbemalung in Midland

Seit der Einfahrt in den Park fühlen wir uns wie in eine andere Welt versetzt. So muss es vor der Besiedelung durch die Europäer auch im Süden ausgesehen haben. 1615 drang Samuel de Champlain als erster Europäer zu den Quendat vor, einem Indianerstamm der hier sesshaft war. Die Franzosen nannten sie später Huronen. Den Entdeckern folgte eine kleine Gruppe von Jesuiten, die 1639 beim heutigen Midland im Namen der französischen Krone eine Missionsstation gründeten. Ihr Ziel war es, die „Heiden“ zum Christentum zu bekehren, doch sie brachten ihnen vor allem den Tod durch Masern, Blattern und Grippeviren. Gegen solche Krankheiten hatten die Indianer keine Abwehrstoffe und ihre Heiler keine Medizin. Als Folge davon starben innerhalb von zehn Jahren etwa die Hälfte der 25.000 Ureinwohner. Die überlebenden Indianer waren gespalten in Traditionalisten, die am liebsten die Schwarzröcke vertrieben hätten und solche, die von den Errungenschaften durch die Neuankömmlinge begeistert waren und gerne Pelze gegen Eisenwerkzeuge tauschten, um sich ihre Arbeit zu erleichtern.

Kanada / Midland Museum  Sainte-Marie

Midland Museum Sainte-Marie

Wie das Leben in der Missionsstation Sainte-Marie zu Beginn des 17. Jahrhunderts ausgesehen haben mag, dass erfahren wir bei einem Besuch der rekonstruierten Anlage am Ufer des Wye River, an der gleichen Stelle, wo sich die Holzhäuser ursprünglich befanden. Belebt werden die Gebäude durch das Personal, das so gekleidet ist wie die Menschen damals. Da wird geschmiedet und gezimmert, werden Seile hergestellt und aus der Bibel gelesen, genau so, wie der Alltag in der Mission vor 360 Jahren ausgesehen haben könnte.

Nicht weit davon entfernt befindet sich das Huronen-Museum. Diese private Freiluftanlage vermittelt ein sehr plastisches Bild von dem Leben der Huronen bevor die Europäer ihren Einfluss geltend machten und die Ausrottung eines ganzen Indianerstamms einleiteten. Wir erfahren, dass sie als sesshafte Bauern in befestigten Dörfern in Clans (größere Familienverbände) lebten. Hohe Palisaden und ein verwinkelter Eingang schützte die Menschen vor wilden Tieren und unerwünschten Gästen. Ein Langhaus und Wigwam aus Rindenplatten wurde nachgebaut sowie die Hütte des Schamanen bzw. eines Medizinmannes. Wir erfahren auch, dass Tabak den Indianern heilig war und nur bei Zeremonien geraucht wurde. Die bemalten Holzmasken vor dem Eingang stellen die Geistwesen dar, an welche die Dorfbewohner glaubten. Nach der Vorstellung der Huronen gab es eine Verbindung zwischen den drei Welten: der menschlichen, der natürlichen und der geistigen Welt.

Kanada / Huronendorf

Hütten im Huronen-Museum

Das Südufer der Georgian Bay ist ein geschichtsträchtiger Boden. So katapultiert uns ein Bummel über die Mainstreet in Penetanguishene zurück in das 19. Jahrhundert. Wandgemälde an den Häusern zeigt den Handel der Siedler mit den Indianern und die Fassaden lassen den Wohlstand ihrer Bewohner erkennen. Direkt an der Mündung der Bucht erinnert der Discovery Harbour mit seinen bunt bemalten Holzhäusern an die Zeit als Werft- und Hafenstadt. Gleich nebenan flitzen zum Vergnügen die modernsten Boote mit PS-strotzenden Motoren über das Wasser. Zwischen 1817 und 1856 war dies eine Militär- und Marinebasis der Engländer.

Wo die High Society ihre Cottages hat

Den nächsten Tag steuern wir unsern Ford weiter gen Norden an der Ostseite der riesigen Georgian Bay entlang. Die Wälder reichen hier bis dicht an die Straße heran. Sie sind anders als im Awenda Nationalpark und gleichen mehr einer feuchten Tundralandschaft. Immer wieder tauchen rechts und links herrliche Seen auf, die von einem dichten Seerosenteppich überzogen sind und am Ufer spiegeln sich die weißen Wollgräser im Wasser. Viele Autos transportier ein, zwei oder mehrere Kanus auf dem Dach, auf ihrem Klappwohnwagen oder ziehen einen Anhänger mit Booten hinter sich her. Sixe Mile Lake, Lake Muskoka. Lake Rosseau, Lake Joseph .... die Möglichkeiten scheinen hier grenzenlos zu sein. Beim Exit 174 schließlich verlassen wir den Highway um durch das Seengebiet Muskoka zu fahren. Wegen der vielen Seen, Inseln und Inselchen wird es auch als Lakeland bezeichnet.

Kanada / Lake Muskoka

Im Muskoka Seengebiet

Das Gebiet war für die Landwirtschaft nicht geeignet und man erkannte sehr früh seinen Wert als Freizeitregion. Ende des 19. Jahrhunderts verkehrten bereits einige Dampfschiffe und1875 wurde die Eisenbahnverbindung fertiggestellt. Seitdem haben viele wohlhabende Kanadier dieses Gebiet zu ihrem Zeitwohnsitz erkoren. Schnell können sie mit ihrem privaten Wasserflugzeug von Toronto aus in ihr Feriendomizil fliegen. Port Sandfield ist einer der kleinen Orte an der Route Nummer 7, der uns durch die vielen teuren Jachten und Jetskis besonders auffällt. Solche Nebenstraßen sind stellenweise so holprig, dass unser Geschirr in den Fächern eine Tanzpartie veranstaltet.

Der Algonquin Provincial Park im Osten, der uns schon zu Hause von Kennern des Landes empfohlen wurde, ist unser Ziel für die nächsten Tage. Von dem größten Park Ontarios können wir nur einen winzigen Teil im Süden mit dem Wagen erreichen. Mit 7725 km² ist der Algonquin der größte und älteste von Ontarios Provinzparks. Nur noch der Name erinnert an den Indianerstamm, der bis zum Eintreffen der Holzfäller die Wälder durchstreifte. Die Lumberjacks, wie die Männer gerne genannt wurden, waren auf der Suche nach den mächtigen Weymouthkiefern, die wegen dem hervorragenden Holz von der expandierenden Wirtschaft Englands sehr gefragt waren. Bereits 1893 wurde der Park gegründet, um das Wild zu schützen und eine weitere Zersiedelung zu stoppen. So profitieren wir heute von einem einzigartigen Naturschutzgebiet. Auch wenn wir „nur“ von der Straße am Oxtongue River vorbei den Park kennen lernen, fühlen wir uns tief in die kanadischen Wälder versetzt, wo kapitale Elche leben und Hirsche (Elk) zu Hause sind. Ja auch die Wölfe sollen hier heulen. Bei einem Glas Wein am Abend auf einem dem Campgrounds planen wir mit dem guten Infomaterial, das wir zusammen mit unserem „permit“ am Eingang erhalten haben, eine Kanufahrt über die Seen und Wanderungen auf markierten Wegen. Unser 15 jähriger erkundet das Gebiet lieber mit dem Mountain Bike auf dem eigens dafür angelegten Trail.

Schwarzbären und Klapperschlangen

Das Land ist riesig und unsere Ferien begrenzt. Überall könnten wir länger verweilen, vieles nehmen wir als Anregung für eine weitere Reise mit. Über Hunstville erreichen wir die Georgian Bay wieder bei der Ortschaft Perry Sound. Auf der Suche nach einem kräftigen Graubrot landen wir in einer Bäckerei an der Hauptstraße neben dem Supermarkt. Hinter dem Ladentresen türmen sich die verschiedensten Leiber, ordentlich in Folie verpackt und mit mir unbekannten Namen versehen. Als ich mühevoll beginne zu beschreiben, dass wir nicht so ein weiches Brot suchen, sondern ein Vollkornbrot, unterbricht mich die Dame auf Deutsch: „Wir haben ein Pumpernickel, ein Roggen mit Sonnenblumen. Das hier enthält auch Zwiebeln!“ Uns hat es für einen Augenblick die Sprache verschlagen. Die Verkäuferin kommt aus Bayern, genauer gesagt aus München. „Die Brote sind von einem deutschen Bäcker“, erklärt sie uns, „trotzdem sind sie etwas weicher als wir es gewohnt sind“. Natürlich wollen wir wissen, was sie hierher verschlagen hat. „Mein Mann war bei der Marine und von Halifax ganz begeistert. Er wollte unbedingt nach Kanada auswandern. Schließlich bin ich mitgekommen. Seit 20 Jahren sind wir nun schon hier“. Mit dem Sonnenblumenbrot unter dem Arm und einer interessanten Begegnung reicher verlassen wir die Bäckerei.

Kanada / Campingplatz

Killbear Nationalpark, Campground

Der Campingplatz auf dem Killbear Provincional Pac erweist sich als ein idealer Stützpunkt auf der Ostseite der Georgian Bay. Wir hatten rechtzeitig reserviert und somit einen Platz nahe dem Wasser erhalten. Keiner von uns glaubt seinen Augen zu trauen, als wir den feinen Sandstrand erblicken. Leicht geschwungen und ganz flach geht es hier ins Wasser. Vor uns ist eine der 30.000 Inseln zu sehen und dazwischen kreuzen Kanada / WaschbärSegelboote, große Jachten und Surfer. Die flachen Wasserstellen sind für Kinder zum Plantschen abgeteilt. Johann ist nach einem kurzen Bad im See sofort im Wald verschwunden, auf der Suche nach Feuerholz für den Abend. Von einem der Parkwächter erhalten wir Anweisung, die Lebensmittel immer in den Wagen zurück zu bringen. Erst gestern hätten sie drei Schwarzbären eingefangen und in andere Teile des Parks gebracht. Die Tiere hatten eine Kühlbox aufgebrochen und die Vorräte verspeist. Auch wenn wir keine Schwarzbären sehen, so erhalten wir am Abend überraschenden Besuch von einem „grauen Etwas“, das sich uns raschelnd ohne Scheu nähert. Im Schein der Taschenlampe erkennen wir in dem runden Gesicht einen schwarzen Streifen, der wie eine Maske aussieht. „Das ist ein Waschbär“ ruft Johann vollkommen sicher und überzeugend. Mir kommt seine Behauptung etwas kühn vor, doch solch ein Tier hatte er einmal mit den Großeltern im Zoo hinter Gittern gesehen. „Ich erinnere mich genau daran“, antwortet er auf meine Frage im Brustton der Überzeugung. Dieses Erlebnis soll noch lange nicht die letzte Begegnung mit Tieren sein. Beim Frühstück sind es die Erdhörnchen, die hier so aufdringlich werden, dass wir sie schließlich von unserem Brot verscheuchen müssen.

Zum Angebot des Parks gehört der tägliche Unterricht für Kinder. „Der Unterricht ist nicht so wie in der Schule“, sagt uns Kenton, der Leiter des Parks: „Wir wollen ihnen spielerisch die Bedeutung dieses Feuchtbiotops nahe bringen. So bekommen sie ein besseres Verständnis für die Tiere und Pflanzen in der Natur. Die meisten Besucher unseres Parks kommen aus den Städten Toronto, Ottawa und Montreal. Wir haben sogar einige Stammgäste, die sich hier mit anderen Urlaubern jedes Jahr wieder treffen“.

Killbear Nationalpark, Unterricht für Kinder

Killbear Nationalpark, Unterricht für Kinder

Klapperschlangen – ja, auch die soll es im Park geben und gar nicht mal so selten. Kenton hatte uns von dem Forschungsprojekt im Park erzählt und uns gleichzeitig beruhigt. „In den 18 Jahren, in denen wir die Reptilien untersuchen, wurde noch kein einziger Besucher von ihnen gebissen. Wir warnen auf Schildern vor den Klapperschlangen und es muss schon sehr dumm kommen, dass jemand direkt auf sie drauf tritt“, versucht er uns zu beruhigen.

Kanada / Klapperschlange

Killbear Nationalpark, Klapperschlange

Viel „gefährlicher“ finden wir die Mücken, die unablässig Jagd auf uns machen und so manches mal auch mit Erfolg. Das ist die andere Seite der Sumpfgebiete, die für die Stechbiester ideale Brutplätze bieten. Schnell haben wir gelernt, das Moskitonetz vor der Wohnmobiltür immer zu schließen und sind glücklich über die entsprechenden Netze vor den Fenstern.

Das Reich der 30.000 Inseln

Der Killbear Provincional Pac befindet sich in einem Gürtel von 30.000 Inseln, der vom French River im Norden bis zum Avenda Provincial Park im Süden reicht. Zwei davon erkunden wir heute im Mietkanu aus Aluminium. Lieber hätten wir natürlich eines aus Birkenrinde gehabt, so wie es die Voyageurs auf ihren Entdeckungsreisen und Handelsfahrten benutzten. Doch die scheint es nur noch in den Museen zu geben. Unser erstes Ziel liegt nur wenige hundert Meter von der Küste entfernt. Auf dem kleinen Fleck wachsen hohe Pinien und einige Birken. Schnell haben wir die Insel erkundet, einige Federn von Möwen gefunden und sitzen schon wieder im Kanu um zum nächsten Eiland zu gelangen. Der Wind kräuselt das Wasser, bis es zu leichten Wellen heranwächst. Wir fühlen uns wie die ersten Entdecker im Indianerland. Damals gab es nur die Wasserwege um tiefer ins Land vor zu dringen.

Im nahen Ort Parry Sound werden Rundflüge über die Inseln mit einem Wasserflugzeug angeboten. Wir entscheiden uns für die preiswertere Bootstour und besteigen eines der Ausflugsschiffe, das uns in einer drei Stunden dauernden Fahrt um Parry Island mit seinen vielen kleinen Inseln führt. Hier haben die wenigen verbliebenen Ojibwa-Indianer ihr winziges Reservat. Anders als die Huronen im Süden waren sie Fischer, Jäger und Sammler, bis die Siedler die Wälder als lukrative Einnahmequelle entdeckten. 1865 etwa kamen die ersten Holzfäller und rodeten die „White Pines“. Die mächtigen Stämme der 300-400 Jahre alten Bäume waren als Masten für die Schiffe sehr gefragt, wurden aber auch als Bauholz exportiert. Anfang des 20. Jahrhunderts kam dann die große Zeit der Holzfäller und Industrien entstanden am Ufer. Inzwischen sind die Bäume nahezu ausgerottet.

Manitoulin Island

Auf dem Trans Kanada Highway 69 steuern wir unser Reisemobil am nächsten Tag weiter gen Norden. 180 km bis Sudbury und weitere zwei Stunden nach Little Current. Die Fahrt geht durch ausgedehnte Wälder und bietet wenig Abwechslung. Der 1500 Einwohner zählende Ort Little Current liegt bereits auf den Manitoulin Islands. Sie ist die größte der Inselwelt inmitten eines Binnensees. Rund ein Drittel der 15.000 Einwohner sind Indianer, die in den beiden Reservaten wohnen. In der Sprache der Ojibwa wird die Insel „Heimat des großen Geistes“ (Gitchi Manitou) bezeichnet.

Auf unseren Entdeckungsfahrten über die Insel landen wir in Gore Bay im Nordwesten der Insel. Einer der größten Hafenorte der Insel, der trotzdem sehr beschaulich wirkt. Uns interessiert das alte Gefängnis, das zum Museum umgestaltet wurde. Am Südufer der Providence Bay entdecken wir dann sehr schöne Sandstrände und es gibt Camping- und Picknickmöglichkeiten direkt am Ufer, wo wir einige Ruhetage einlegen.

Bevor wir uns in die Warteschlange an der Fähre über den „Main Channel“ einreihen, interessiert uns noch Manitowaning. Der kleine Ort liegt am Südufer der gleichnamigen Bucht. Vom nahen Leuchtturm bietet sich uns eine großartige Perspektive über die Küste. Trostlos dagegen die Fahrt in das Wikwemidong Reservat im Osten der Insel. Mit unserem riesigen Wohnmobil überkommt mich ein beschämendes Gefühl neben den armseligen Häusern der Indianer, die von Autowracks und Müll gesäumt werden. Bereits 1648 hatte Pater Joseph Poncet hier eine Jesuitenmission gegründet und versucht, die Indianer zum Christentum zu bekehren. Mir kommen bei der Weiterfahrt immer mehr Zweifel, ob dies zum Segen der Indianer gewesen ist, wenn ich sehe, unter welchen Bedingungen sie heute in ihrer Heimat leben müssen. Mit christlicher Nächstenliebe hat das nicht viel zu tun.

Die Inseln sind der nördliche Wendepunkt unserer Reise. Mit der Fähre setzen wir in zwei Stunden nach Tobermory über. Wir sparen uns dadurch den langen Weg um die Bay herum, müssen aber langes Warten am Fähranleger in Kauf nehmen. Wie gut, dass wir dem Rat von Insidern gefolgt sind und unsere Überfahrt auf einen Wochentag gelegt und den Platz für unser Reisemobil rechtzeitig reserviert haben.

Den Niagarafällen entgegen

Richtung Süden zeigt Ontario wieder seine landwirtschaftliche Seite. Die Siedlungen werden größer und der Verkehr nimmt zu. Trotzdem ist es in Kanada nicht so anstrengend zu fahren wie auf heimischen Straßen. Hier wird nicht riskant überholt oder mit der Lichthupe der Vordermann zu einem waghalsigen Manöver genötigt. Der Highway 6 führt uns nach Kitchener, dem wichtigsten Siedlungsort der Deutschen. In unserem Reisebegleiter lesen wir, dass er vor dem Ersten Weltkrieg noch Berlin hieß und heute zusammen mit Waterloo 200.000 Einwohner zählt. Über die Hälfte der Menschen hier haben deutsche Vorfahren und sprechen z.T. auch noch ihre ehemalige Muttersprache. Es waren vorwiegend Mennoniten, die sich seit 1810 hier ansiedelten und es zur wirtschaftlich erfolgreichsten Gemeinde gebracht haben. Nach dieser Information verwundern uns die großen Gutshöfe nicht mehr. Auf den Feldern wachsen Mais, Tomaten und Getreide in großen Mengen.

Bald ist der Erie See erreicht. Kein Streifen Land ist auf der anderen Seite zu sehen. Weit und breit nur Wasser. Er wird u.a. durch den Niagara mit seinen berühmten Wasserfällen gespeist. Dieses Naturschauspiel ersten Ranges hatten wir uns als Höhepunkt für den Schluss der Reise aufgespart. Nun sind wir allerdings enttäuscht. Nicht von den gewaltigen Wasserfällen, die beeindruckend und tosend in die Tiefe stürzen und eine weiße Gischt hinterlassen. Nein, es sind die Menschenmassen und der Rummel, der um die Fälle gemacht wird. Außer der klassischen Bootsfahrt dicht an die Strömung heran und dem Blick von der Aussichtsplattform werden ringsherum Vergnügungsattraktionen aller Art angeboten: mit dem Schneelboot über den Fluss rasen, im Ballon einen Blick von oben oder im Helikopter einen Rundflug ...

Kanada / Niagara Falls

Niagarafälle

Nach all dem, was wir auf der Rundreise an faszinierenden Naturlandschaften gesehen haben, wird uns der Konsum hier schnell zu viel. Wir werfen den Weltwundern noch einmal einen Blick zu und fahren dann den Canon hinauf nach Niagara on the Lake. Das Vorzeigestädtchen wirkt fast wie ein Freiluftmuseum aus dem vorletzten Jahrhundert, als man noch mit Postkutschen fuhr. Auf der Hauptstraße überwältigt uns eine Blumenpracht, wie wir sie während unserer ganzen Reise nicht gesehen haben. Jedes der alten Holzhäuser mit seiner individuellen Fassade bietet entweder Souvenirs, Süßwaren oder eine Zwischenmalzeit an. Im Christmas store kann man sogar jetzt schon alles Erdenkliche für das nächste Weihnachtsfest mit nach Hause nehmen. Ausgezeichnete Leckereien entdecken wir in der Niagara Home Bakery.

Kanada / Niagara on the Lake

Niagara on the Lake

Nun dröhnt unser Fünf-Liter-Mobil über die Weinstraße. Der Süden Ontarios ist der Obst- und Gemüsegarten Kanadas. Auch wenn die Weingüter bei weitem nicht so groß sind wie in Frankreich, so brauchen sie sich doch nicht vor der Konkurrenz zu verstecken. Inmitten dieser Farmlandschaft führt uns ein Hinweisschild in den kleinen Ort Vienland zum Camping Valley. Nach all dem Rummel am heutigen Tag sind wir froh über die Ruhe auf dem weitläufigen Platz im Grünen. Geradezu familiär wurde die Anlage gehalten und der Swimmingpool kommt uns als Ausklang des Tages gerade recht. Die Sanitäreinrichungen sind äußerst bescheiden, doch die haben wir ja an Bord unseres Reisemobils.

Wasser und Wolkenkratzer in der Hauptstadt

Gut eine Stunde schon rollen wir auf der sechsspurigen QEW (Queen Elizabeth Way) durch ein langes Siedlungsband Toronto entgegen. Für einen Besuch der Metropole wurde uns der 5 Sterne Campground Dedar Beach empfohlen, von dort gelangt man mit öffentlichen Verkehrsmitteln ins Zentrum. Auch wenn wir nach über drei Wochen schon viel Erfahrung mit unserem Fleet Wood 24 haben, so wollen wir uns einen Stadtbesuch mit dem 7 Meter langen Fahrzeug doch nicht antun. Schon während der Fahrt fällt uns die Vielfalt der Nationen auf, die hier – offensichtlich friedlich - miteinander leben. 400.000 der über 4 Millionen Einwohner sind Italiener, 350.000 Chinesen, 180.000 Osteuropäer... insgesamt mehr als 100 Nationalitäten.

Kanada / Toronto Skyline

Blick auf Torontos Innenstadt

Kanada / Chinatown in TorontoIn Chinatown (Foto rechts), nur wenige Schritte auf der Dundas Street Richtung Westen, glauben wir eine andere Welt betreten zu haben. Nicht nur die anderen Gerüche, die uns in die Nase steigen, auch die Auslagen der Gewürze, Früchte und Gemüsesorten, die wir z.T. noch nie gesehen haben, faszinieren uns. Dazu die anderen Schriftzeichen, die Sprache und die chinesischen Restaurants. Im angrenzenden Kensington Market haben sich vorwiegend Juden angesiedelt. Nach 1960 sollte dieser Bereich „weg saniert werden“, was die Bewohner bis heute erfolgreich verhindern konnten. Auffallend sind in diesem Viertel die vielen Fischgeschäfte, in denen sogar Klippfisch aus Norwegen angeboten wird. Rasterlocken und Scaterfahrer dominieren dagegen in der breiten Queensstreet. Nahe der Wasserlinie recken sich Wolkenkratzer in den Himmel. Fast überall spiegeln sich die Fassaden in den Häusern wider. Winzig wirken dagegen die Gebäude aus der Gründungszeit – damals immerhin schon vierstöckig. Wie ein Wahrzeichen lugt der schlanke C.N. Tower fast überall zwischen den Straßenfluchten hervor. Das einst höchste Gebäude der Welt (553 m) dient uns somit immer wieder als Orientierungspunkt. Die Aussicht in 457 Metern Höhe ist einzigartig und während des Abendessens im Drehrestaurant kann man die Stadt in Ruhe von allen Seiten betrachten.

Als grüne Oase entpuppen sich die vorgelagerten Inseln, nur 5 Minuten mit der Fähre entfernt. Von City Island bietet sich wohl der beste Fotoblick auf die Skyline Torontos mit dem berühmten Stadium „Skydom“ in erster Reihe neben dem CN-Tower, den Bankpalästen und Superhotels. Vom Restaurant oder einer der Picknickbänke aus kann man den Aktivitäten auf dem Wasser zuschauen: wie die Fährschiffe übersetzen, die alten Schoner zur Hafenrundfahrt auftakeln und Kanuten nach Feierabend ihre Runden drehen. Auch über dem Wasser zeigt sich Toronto mit den startenden und landenden Privatjets sehr busy. Eine Topadresse für ausgefallene indianische Kunst entdecken wir zum Schluss in der Frontstreet West, nicht weit vom besagten Tower entfernt. Die Bay of Sprits Gallery biete so ausgefallene Arbeiten, dass wir nicht widerstehen können ...

 

Reisemagazin schwarzaufweiss

 

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