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Rund achtzig Wölfe sind in vier oder fünf Rudeln unterwegs und verhindern ein übermäßiges Wachstum des Rotwildbestandes. In Jasper, wie in vielen anderen Nationalparks Nordamerikas, brauchte man einige Zeit, um die Wölfe zu akzeptieren. Zuerst erlegte man sie, um den Besuchern mehr Hirsche, Elche und Dickhornschafe vorzeigen zu können.

Kanada Jasper Dickhornschaf
Der Winter bedeutet Ruhe für das Dickhornschaf

Als diese dann überhand nahmen, musste man verstärkt auf das Rotwild Jagd machen, denn zu viele schwache und anfällige Tiere überlebten und sorgten für die Ausbreitung von Krankheiten. Inzwischen mischen sich die Ranger im Prinzip nicht mehr ein und gehen davon aus, dass sich ein vernünftiges Gleichgewicht von allein herstellt, weshalb die Tiere selbst in harten Wintern nicht gefüttert werden. Sie verlieren dann oft mehr als ein Drittel ihres Gewichts, aber die kräftigsten halten bis zum Frühling durch.

Eine mysteriöse Eiswelt

Kanada Jasper EiskletternDie ungewöhnlichste Attraktion des Nationalparks ist nur im Winter zu sehen: Dann entstehen an den Wänden des Maligne Canyon riesige Eiszapfen und gefrorene Wasserfälle (Foto rechts), deren bizarre Formen an manchen Stellen sogar kleine Höhlensysteme bilden. Der nur wenige Meter breite, aber über fünfzig Meter hohe Canyon, im Sommer wegen des reißenden Gebirgsbaches vollkommen unzugänglich, verwandelt sich nach Einsetzen des Frostes in eine begehbare Klamm, in der man zwischen wundersamen Eisskulpturen entlang wandern kann. An vielen Stellen fällt nur wenig Tageslicht in die Schlucht, so dass die Eiswelt etwas Mysteriöses, fast Bedrohliches annimmt, dann wieder schillern die Eiszapfen in hellen und frischen Farben, die durch im Wasser gefrorene Algen und Mineralien entstehen. Im Frühjahr schmilzt die geheimnisvolle Eiswelt und hinterlässt in der engen Erdspalte keinerlei Spuren.

Der Wassernachschub für den eisigen Canyon stammt aus dem weiter oberhalb gelegenen Medicine Lake, dessen poröser Kalksteinboden das Wasser aufsaugt und in ein fünfzehn Kilometer langes Höhlensystem leitet. An den Rändern der Schlucht tritt das Wasser wieder an die Oberfläche, läuft die Canyonwände herab und gefriert. Medicine Lake wird gespeist von einem Gletscher, der allerdings ab Spätherbst nicht mehr abschmilzt, so dass der See nach und nach ausläuft. Die Indianer, die früher in dieser Gegend heimisch waren, konnten sich nicht erklären, warum ihnen jeden Winter der See gestohlen wurde, und hielten sich vom Ufer dieses sonderbaren Gewässers fern.



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