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Platz und Schnee im Überfluss

Winter im kanadischen Jasper Nationalpark

Text und Fotos: Volker Mehnert

Kanada Jasper Rocky Mountains

Es gibt Orte, die muss man einfach mit der Eisenbahn aufsuchen. Jasper ist einer von ihnen - zumindest im Winter. Egal, ob man von Edmonton oder von Vancouver aus kommt, die Bahnfahrt lässt die Erinnerung an die großen Städte langsam verblassen, und nach jeder Schienenschleife passen sich die Reisenden mehr und mehr dem trägen Rhythmus der winterlichen Berge an. Die Zugfahrt gibt bereits einen Vorgeschmack auf das Dasein am Rande der arktischen Wildnis. Gemächlich zuckelt die Lokomotive durch die verschneiten Rocky Mountains und hält immer wieder ohne ersichtlichen Grund auf freier Strecke. An improvisierten Stationen werden ein paar Pakete oder vereinzelte Passagiere eingeladen. Dass der Zug bei diesem Tempo am Ende doch irgendwann ankommt und in den Bahnhof von Jasper einrollt, ist beinahe eine Überraschung.

Die Ankunft verläuft ebenso undramatisch wie die ganze Fahrt. Obwohl die Bahn in den kanadischen Rocky Mountains vor allem im Winter eine wichtige Lebensader darstellt, steigen nur wenige Passagiere aus, und auch die Lieferungen für die fünftausend Einwohner scheinen nicht übermäßig bedeutsam zu sein. Die Einheimischen laden ihre Verwandten oder Bekannten rasch in die bereitstehenden Autos, die wenigen Touristen verschwinden schnell in einem der Hotels in Bahnhofsnähe, und die kurz aufgeflackerte Geschäftigkeit hat ein Ende. Neben den Schienen bleiben nur noch die riesigen Wapiti-Hirsche zurück, von denen rund dreihundert ihr Winterquartier mitten im Ort aufgeschlagen haben. Nach Einbruch der Dunkelheit gleicht dann selbst die Hauptstraße einer beleuchteten Geisterstadt.

Kanada Jasper Skilift
Von der Eisenbahn in den Skilift und ...

Mit dem Bahnhof hatte 1910 in Jasper alles begonnen. Zwar führte die erste transkontinentale Eisenbahnlinie der „Canadian Pacific“ nicht über Jasper, sondern wurde weiter südlich durch Calgary und Banff verlegt. Aber kurz nach der Jahrhundertwende bekamen zwei weitere Eisenbahngesellschaften die Konzession für eine nördliche Route von Edmonton zum Pazifik. Die „Grand Trunk Pacific“ und die „Canadian Northern“ lieferten sich daraufhin einen absurden Wettbewerb und verlegten auf über fünfhundert Kilometern ihre Schienen parallel durch die Rocky Mountains. Für beide Firmen endete das Abenteuer im Ruin, ihr Schienennetz wurde 1923 von der staatlichen Eisenbahngesellschaft „Canadian National“ übernommen.

Kanada Jasper Piste
... auf die Piste

In der Zwischenzeit war die Bahnstation Jasper gegründet worden. An das eigentliche Ziel, den Warentransport von Küste zu Küste, war zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht zu denken. Um den weiteren Bau ihrer Schienenstränge Richtung Westen zu finanzieren, priesen die Eisenbahngesellschaften die Gegend um Jasper als Ferienziel an und füllten in der Sommersaison ihre Personenzüge mit Bergurlaubern. Durch geschickte Manöver schafften sie es, dass die kanadische Regierung den Jasper Forest Park gründete, aus dem später der Nationalpark hervorging.



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