Indien
schwarzaufweiss




Fotos:
Albrecht G. Schaefer (3), Dirk Renckhoff (4)
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Kurzportrait
Ein
Reiseziel im klassischen Sinn, das ist Indien auf jeden Fall. Seit
der Antike locken Kultur und Kunst, Exotik und Schätze des
Orients, faszinierende Natur und kulinarische Köstlichkeiten
Eroberer, Forscher und Globetrotter an. Doch Indien ist mehr. Es
ist eine Welt, ein Kosmos für sich, der sich nur in Ausschnitten
porträtieren, nur in Ansätzen verstehen lässt.

Den Entscheidungsbereich der Seele nannte der französische Schriftsteller
André Malraux das Land der Mystiker und Philosophen, der Magier
und Meister der Weisheit. Hier ist der Ursprung Jahrtausende alter
Zivilisationen, die Quelle religiöser Offenbarungen und Spannungen.
Indien gleicht einem soziologischen Lehrbuch mit mehr als sieben Siegeln.
Auf Schritt und Tritt fordert es heraus zu einer Gratwanderung zwischen
Kontrasten und Extremen. Da konkurrieren nicht nur Gletscherberge mit
Regenwäldern, Großstadtmoloch und Dorfidylle, strenge Keuschheit
mit der Sinnlichkeit des Kamasutra, Askese mit kulinarischen Genüssen,
althergebrachtes Handwerk mit revolutionärer Technologie, sondern
auch blendender Reichtum mit erschütternder Armut archaisches
Rechtsystem mit freiheitlichem Denken in der Welt größter
Demokratie. Es ist ein Riesenland, das mit über 100 Flughäfen,
mit einem immensen Straßen- und dem weltweit zweitlängsten
Schienennetz aufwartet. Rustikale und luxuriös-nostalgische Verkehrsmittel
wie ein nachgebauter Maharadscha-Eisenbahnzug, aber auch eine Rikschafahrt
oder eine Camel Safari stehen bereit, um den einfühlsamen Reisenden
durch die einzigartige Vielfalt an Landschaften, Nationalparks und
Kulturdenkmälern, Völkern, Traditionen, Religionen, Festen
und Sprachen zu bewegen.
Indien, das ist der tägliche Reiz des Unbekannten. Ein Abenteuer
physischer und mentaler Art, das die hier beheimateten Lehren Ayurveda,
Yoga und Meditation einschließt.
Schon
angesichts der geografischen Fakten ist Bharat, so lautet der amtliche
Name des nach China bevölkerungsreichsten Landes, überwältigend.
Es erstreckt sich mehr als 3200 km von Nord nach Süd, vom
Himalaya bis tief in den nach ihm benannten Ozean. Von West nach
Ost, vom unruhigen Grenzgebiet mit Pakistan bis zum Nachbarland
Burma (Myanmar) sind es rund 2900 km. Bis er diese prominente Lage
in Südasien einnehmen konnte, musste der heutige indische
Subkontinent eine weite Reise zurücklegen. Als einer der vom
Urkontinent Gondwanaland abgelösten Erdteile driftete er vor
Millionen von Jahren nach Nordosten. Die hoch aufragenden Faltengebirgsgürtel
des Himalaya und das sich über weite Teile Nordindiens ausdehnende
Dekhan-Hochland geben markantes Zeugnis von der Kollision Indiens
mit der eurasischen Landmasse.
Vom Dach der Welt umgeben liegen die nördlichen Nachbarn China,
Nepal und Bhutan. Hier türmen sich Gebirgswälle parallel
zueinander auf und schirmen entlegene, wild-romantische Gebiete wie
das Kul-Tal in Himachal Pradesh oder das durch die indisch-pakistanische
Dauerkrise zusätzlich isolierte Hochtal von Kaschmir ab. Über
den Bergregionen in Indiens Nordosten, den Teeplantagen von Assam und
Darjeeling, den Gebetsfahnen vor buddhistischen Klöstern liegt
dennoch das Flair von Frieden und „Shangri-La“, dem verlorenen
Paradies. Im ehemaligen Königreich Sikkim erhebt sich des Landes
höchster Berg. Mit 8528 m ist der Kanchenjunga nach dem Mount
Everest in Nepal und dem K2 in Pakistan die Nummer Drei auf der Weltgipfelliste.
Von großer religiöser Prominenz ist das heutige Grenzgebiet
zu Nepal, seit Siddharta Gautama einst bei Bodhgaya zu „Buddha“,
dem Erleuchteten wurde.
Rekorde brechen auch die drei Lebensadern des Subkontinents. Indus, Ganges und Brahamaputra zählen
zu den längsten Flüssen Asiens und haben bedeutende Zivilisationsepochen
genährt. Insbesondere die sich an die Gebirgszone anschließenden
fruchtbaren Schwemmländer in der Ganges-Brahmaputra-Ebene, von
den starken, regelmäßigen Monsunregen genährt, haben
schon vor rund 3500 Jahren Einwanderer aus dem Inneren von Asien angelockt.
Die Arier, frühe Siedlervölker dokumentierten ihre Lebensweise
in den Veden, episch verfassten Geschichtsbüchern. In ihre Kultur
fallen die Anfänge von Hinduismus und Kastenwesen. Unter der Herrschaft
der ersten Großreiche entstanden wichtige religiöse Strömungen
wie Jainismus und – unter der Regentschaft von Kaiser Ashok vor
allem der Buddhismus. Bis ins 13. Jahrhundert n.Chr. dehnte sich der
politische und kulturelle Einfluss bis nach Südostasien aus. Schließlich
konnte sich der Islam für die nächsten 500 Jahre in Nordindien
etablieren. Der Dynastie der Moguln, die für Gewalt, Zerstörung,
blutige Intrigenpolitik, aber auch für pompösen Glanz einer
imperialen Epoche steht, folgten Machthaber aus Persien und schließlich
die Kolonialherrschaft der Briten, bevor Indien 1947 die Unabhängigkeit
erlangte.
So befremdend die Hauptstadt Dehli aufgrund
ihrer ausufernden Größe und Menschenmassen zunächst
wirken mag, so eindrucksvoll vermittelt sie Indiens Vergangenheit und
Realität. Kutub Minar, Rotes Fort, India Gate und Raj Ghat sind
beispielsweise solche Marksteine der Geschichte. Persönlichkeiten
wie Schah Dschahan, Mahatma Gandhi, Jawaharlal Nehru, Indira und Rajiv
Gandhi haben sich hier verewigt. Die Regierungszentrale ist neben den
anderen Megastädten Mumbai (Bombay), Kalkutta, Bangalore und Chennai (Madras)
Drehscheibe für Handel und Verkehr, leider auch ein Ballungsraum
des sozialen Elends, das auch die Millionen verarmter Zuwanderer vom
Land nicht verschont.

Das
Taj Mahal in Agra
Nur ein paar Fahrstunden von der Metropole entfernt ragt eine der berühmtesten
Sehenswürdigkeiten der Welt empor: Taj Mahal in Agra,
das Grabmal aus Marmor, das als eines von 16 nationalen Kulturstätten
zum UNESCO-Welterbe gehört. Insbesondere Rajasthan,
der zweitgrößte Bundesstaat und „Land der Könige“,
verkörpert ganz das Bild vom Orient, wo exotische Klischees und
Wirklichkeit verschmelzen. Zahlreiche Burgen und Schlösser der
Rajputenherrscher, wie alle indischen Fürstenkollegen längst
ihrer politischen Privilegien beraubt, dienen heute als märchenhaft
anmutende Herbergen, hier nobel saniert, dort mit der Originalpatina.
Mit oder ohne feudales Ambiente der Unterkünfte, die Reiseziele
Nordindiens sind überaus eindrucksvoll und oft aufregende Fenster
in die Vergangenheit. Gute Gelegenheit, einen solchen Zeitsprung zu
wagen, bieten die Märkte und Basare. In vielen Orten haben sich
aus regionalem Anlass farbensprühende Festivals mit internationalem
Ruhm entwickelt. In Jaipur, wo ein Spaziergang
durch die Kernstadt “Pink City“ den Besucher um einhundert
Jahre zurückzuversetzen scheint, widmet man den Elefanten einen
Feiertag, in Bikaner findet das Kamelfestival
statt, in Rishikesh, am Fuß des
Himalaya dreht sich eine Woche lang alles um Yoga. In Jaisalmer,
der alten Karawanenstadt inmitten der von Nomaden bewohnten Wüste
Thar, begeht man stilgemäß das Desert Festival, und
die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht scheinen tatsächlich
lebendig zu werden scheinen. Ausgelassene Feste kennt man in ganz Indien,
denn vor allem die Hindu-Gläubigen feiern meistens mit Bezug zu
ihren anscheinend unzähligen Gottheiten und immer in sprudelnder
Lebensfreude. Um an allen teilnehmen zu können, würde eine
wiederholte Wiedergeburt nicht ausreichen. Um Reinkarnation und rituelle
Reinigung dreht sich alles in Indiens heiliger Stadt Varanasi am Ufer
von „Mutter Ganga“. Jeder fromme Hindu sehnt sich nach
dem geweihten Ganges-Wasser, das schließlich seine Asche nach
der Verbrennung auf den Ufertreppen der Erlösung näher bringen
soll. In kaum einem Ort auf Erden ist man Leben und Tod so nahe.

Im Westen stehen zwei geografische Begriffe ganz oben auf der Bekanntheitsskala: Goa,
der kleinste Bundesstaat mit portugiesisch-christlichem Kulturerbe
und rund 100 Kilometer langen Stränden, die nicht nur Hippies
und Aussteiger anziehen, sondern auch in den Broschüren des internationalen
Tourismus für das Erholungsziel Indien werben. Dann ist da Mumbai,
wie der alte, jetzt offizielle Name der Hafenstadt Bombay lautet. Pulsierend,
rastlos, mit dem Flair eines Wirtschaftsmagneten, dem die hier angesiedelte
größte Filmschmiede der Erde zum Spitznamen „Bollywood“ verholfen
hat. Dem stehen andere Attraktionen im Westen kontrastreich gegenüber.
Das klimatisch angenehme Poona, wo im
Ashram des Baghwan Rajnesh sich Pilger aus aller Welt einfinden, die
alten buddhistischen Höhlentempel bei Ajanta und Ellora,
die Bergfestung von Gwalior in Madhya
Pradesh, dem größten indischen Teilstaat. Vom Aussterben
bedrohte Tiger, Panther und Büffel erspäht man mit Glück
in Wildschutzgebieten wie Kanha, Banhvagarh oder
in den Mahadeo Hills, wo sich Rudyard
Kipling zu seinem „Dschungelbuch“ inspirieren ließ.
Die allerletzten indischen Löwen gibt es im Gir
Forest im Nachbarstaat Gujarat zu
bestaunen. Im dortigen Küstenort Porbandar wurde
1869 Mahatma Gandhi, die „Große Seele“ Indiens geboren.
Wer sich in Ahmedabad, der Hauptstadt
von Gujarat aufhält, sollte das von Gandhi gegründete Meditationszentrum
besuchen.
Will
man prägnante Merkmale Südindiens nennen, so fällt
die Aufgeschlossenheit der Menschen auf. Eine über lange Zeit
isolierte Lage hat diesen Teil des Subkontinents vor einer derart
wechselhaften Geschichte wie im Norden, mit Invasionen, Fremdherrschaften
und Grenzkriegen bewahrt. Eine friedlich-entspannte Atmosphäre
liegt über dem Land, fruchtbare, sanfte Landschaften, lang
gezogene Strände und die beeindruckende Palette an Kunstschätzen
und farbenfrohe Tempelbauten verstärken den Eindruck, dass
sich die Hindu-Götter hier besonders wohl fühlen müssen.
Aber wie überall in Indien hat auch diese Idylle ihren Kontrapunkt: Kalkutta.
Die größte Stadt des Landes hat bei Fremden und Einheimischen
viele Beinamen, und die sind ganz und gar nicht schmeichelhaft. Moloch,
Monster, Inbegriff von Kulturschock; „sterbende Stadt“ nannte
beispielsweise Rajiv Gandhi die 12 Millionen-Metropole, die aus allen
Fugen quillt. Mutter Theresa wurde dort durch ihren Einsatz für
die Ärmsten der Elenden berühmt, die Briten mieden Kalkutta,
das, von 1773 bis 1912 Hauptstadt der Kolonie, zum Zentrum der indischen
Freiheitsbewegung wurde. Trotz oder gerade wegen des an allen Ecken
sichtbaren Überlebenskampfes ist Kalkutta die Stadt der Intellektuellen
und Künstler, wo selbst der kleine Mann zum Philosophen wird.
Die Umgebung gibt einen versöhnlicheren Startpunkt für eine
Reise in Südindien ab. Wie das Kanal- und Inselsystem der Sundarbans im
Gangesdelta. Oder die Strandregion im Nachbarstaat Orissa am
Golf von Bengalen mit ihren ruhigen Fischerdörfern. Eine andere
Ausgangsstation ist Hyderabad, das Zentrum
Jahrhunderte alter muslimischer Kultur im Landesinnern. Ebenfalls eine
Mehrmillionenstadt ist Chennai, besser
bekannt als Madras, der alte Handelshafen
an der Koromandelküste. An die geheimnisvollen Anfänge indischer
Geschichte erinnern die drawidischen Tempelbauten bei Mahabalipuram,
während die Pilgerstadt Madurai,
der Legende nach von Lord Shiva höchstpersönlich gegründet,
eine Hochburg tamilischer Kultur ist.
Tropisches Flair, vor allem ausgedehnte Kokos- und Pfefferplantagen
prägen die Landschaft um Cochin,
Hauptstadt im Staat Kerala und wichtiger
Hafen an der Malabarküste, in dem die portugiesischen Konquistadoren
ihre Spuren hinterlassen haben. In Kerala hat Ayurveda, die 5000
Jahre alte Heilkunst und „Weisheit vom langen Leben“ ihre
Wiege. Passend dazu bietet das Hinterland außer den palmengesäumten „Backwaters“ üppig-grüne
Hügelketten und Wildreservate, wo komfortable Hotels, Sommerfrischen
früherer Kolonialherren, auf Gäste warten.
Mit anmutigen Gärten und Blütenpracht wirbt Bangalore,
Hauptstadt von Karnataka. Und hier drängen sich dann wieder Gegenwart
und Fortschritt ins Bewusstsein: Die „Stadt der Düfte“ ist
eine der modernsten Städte Indiens und Zentrum der Computertechnologie.
Albrecht
G. Schaefer
Adressen,
Links, Musik und Bücher

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Reiseinfos
Klima,
Reisezeit
Das subtropische bis tropische Klima wird bestimmt durch den jahreszeitlichen
Wechsel der Monsune. In den Wintermonaten von November bis etwa Juni
weht der trockene NO-Monsun, im Sommer der Regen bringende SW-Monsun.
An der SO-Küste bewirken die Bengalenzyklone von Oktober bis Dezember
eine zweite Regenperiode. Die empfehlenswerte Reisezeit liegt zwischen
Anfang Oktober und Mitte April. In den Monaten Dezember und Januar kühlt
es besonders in den höheren Lagen Nordindiens und in Rajasthan abends
merklich ab. Im indischen Sommer ab April bis Mitte Juni steigen die
Temperaturen stark an (bis über 45°C), bevor dann der Monsun
mit starken Regenfällen einsetzt. Erst ab Ende August lassen die
Niederschläge nach. Neben sehr hoher Luftfeuchtigkeit, Überflutung
der Straßen und Unannehmlichkeiten durch Insekten bringt die Monsunzeit
allerdings auch Vorteile: Die Luft ist sauberer, und zwischen den häufigen
Regenfällen scheint die Sonne auf die sich überall entfaltende
Blüten- und Farbenpracht.
Für die Himalayaregion fällt die beste Reisezeit zwischen Mai
und Oktober. Oktober/November sind im hohen Norden die kältesten
Monate, die aber auch die beste Fernsicht gewähren.
Einreisebestimmungen
Ein
Touristenvisum für mehrmalige Einreise innerhalb von sechs
Monaten ist gegen Gebühr von € 50,- und Vorlage eines
noch mindestens sechs Monate über das Reiseende hinaus gültigen
Reisepasses sowie zweier Passfotos beim Konsularservice der Indischen
Botschaft zu beantragen. Für einige Teilstaaten und Naturschutzgebiete
(z.B. Sikkim, Manipur, Mizoram) sind Sondergenehmigungen erforderlich.
Bei der Ausreise per Flugzeug wird eine Gebühr von 500 Rupien
erhoben.
Währung,
Geld
In ganz Indien ist die indische Rupie (1 Rs = 100 Paise) offizielles
Zahlungsmittel. Münzen: 5, 10, 20, 25, 50 Paise, 1 und 2 Rs. Banknoten:
1, 2, 5, 10, 20, 50, 100 und 500 Rs. € 1,- ist derzeit ca. Rs 45
wert. Indische Rupien dürfen weder ein- noch ausgeführt werden.
Geldmittel im Wert von mehr als US$ 2 500.- , höchstens US$ 10 000.-
(bar bzw. Reiseschecks) müssen bei Einreise deklariert werden (Currency
Declaration Form). Bargeld und Reiseschecks sollten Sie nur bei Banken
und autorisierten Wechselstuben (z.B. Thomas Cook, wo bei wiederholtem
Umtausch Gebühren entfallen) bzw. "Money Changer"-Büros
eintauschen. Wechselquittung bzw. Currency Declaration Form bis Reiseende
aufbewahren um Rupies problemlos vor Ausreise zurücktauschen zu
können.
Ratsam ist die Mitnahme von Devisen in Bar und Reiseschecks. In Städten
und Touristenzentren werden Kreditkarten häufig von Reiseagenturen,
größeren Geschäften, Restaurants und besseren Hotels
akzeptiert.
Gesundheit
Impfungen sind nicht vorgeschrieben, außer bei Einreise aus Infektionsgebieten.
Wie in anderen Tropenregionen wird empfohlen, nur geschältes Obst
und gekochtes Gemüse zu verzehren. Vorsicht bei Eiswürfeln
in Getränken! Beim Kauf von Trinkwasser auf unversehrte Flaschenverschlüsse
achten, kein Leitungswasser trinken! Ratsam ist die Mitnahme von Medikamenten
zur Wunddesinfektion, gegen Magen- und Darmprobleme und Elektrolytlösungen
bei schwerem Durchfall. Insekten- und Sonnenschutzmittel (großzügige
Kopfbedeckung, Creme, Lotion mit hohem Lichtschutzfaktor) sind wichtig.
Nicht vergessen: Polio-, Diphtherie- und Tetanusimpfung notfalls auffrischen.
Lassen Sie sich rechtzeitig von kompetenten Stellen (Gesundheitsamt,
Tropeninstitut) zur geeigneten Prophylaxe, auch der gegen Malaria beraten.
Sicherheitshinweise
Bitte beachten Sie die aktuellen Sicherheitshinweise des Auswärtigen
Amtes !
Statistik
Indien
hat eine Landesfläche von
3.287 Millionen qkm, Ausdehnung zwischen 8° - 38° N und 68° -
87° O. Einschließlich der Inselgruppen Andamanen, Nikobaren,
Lakkadiven und des von Indien besetzten Teils von Kaschmir ist es der
siebtgrößte Staat der Erde, rund dreizehnmal größer
als Deutschland.
Bevölkerung:
Derzeit leben rund 1,1 Milliarden Menschen im Staatsgebiet (1951
waren es 361 Millionen!), die durchschnittliche Bevölkerungsdichte
beträgt 273 E/qkm, wobei ein extremes Stadt-Land-Gefälle
herrscht. Trotz der vielen Millionenstädte beträgt
Anteil der urbanen Bevölkerung nur 27%. Obwohl Indien nur
2,4% der Erdoberfläche einnimmt, leben hier 15% aller Menschen.
Bleibt die Wachstumsrate von 2% im Jahr gleich, wird Indien 2025
China als bevölkerungsreichstes Land abgelöst haben.
Leichter Vorsprung der Männer im Geschlechtervergleich:
1000 Inder / 933 Inderinnen. (Lebenserwartung: 63 Jahre/Männer,
62 Jahre Frauen. Von 1000 Kindern sterben rund 65 im ersten Lebensjahr.
Alphabetisierungsrate: 65,4%.
Religion: Größte
Religionsgemeinschaft sind die Hindus (ca.82,5%), gefolgt von
Muslimen (ca. 11,7%), Christen (ca. 2,3%), Buddhisten, Jainismus-Gläubigen,
Parsen u.a. Obwohl offiziell verboten, ist das im Hinduismus
verankerte Kastenwesen für die soziale Schichtung der Bevölkerung
relevant. (Brahmanen: ca. 6%; Kshatriya: ca. 14%; Vaishiya: ca.
52%; Shudra: ca. 18%; Parias (Kastenlose): ca. 10%
Sprache:Offizielle
Staatssprache ist Hindi. Als "assoziierte" Sprache
für Verkehr und Handel wird Englisch verwendet. Daneben
sind weitere 17 Lokalsprachen anerkannt. Insgesamt spricht man
in ganz Indien 1 652 Sprachen und Dialekte.
Verkehrsmittel: Inländische
Fluggesellschaften (Indian Airlines, Jet Airways, Sahara Airlines
u.a.) verkehren zwischen zahlreichen Flughäfen, einige bieten
für Touristen Sondertarife an (z.B. „Discover India
Ticket“).
Mit mehr als 100 000 Streckenkilometern, rund 8000 Bahnhöfen und
fast 2 Mio. Beschäftigten ist die indische Eisenbahn ein gigantisches
Unternehmen, das auf vier unterschiedlichen Spurbreiten täglich
etwa 11 Mio. Reisende befördert. In Expresszügen zwischen den
größeren Städten, in gemächlicheren stets überfüllten
Lokalbahnen. Verschiedene Klassen, mit / ohne Klimaanlage, Schlafwagen,
Großraum-/ Abteilwagen, Reservierungspflicht, Suche nach richtigem
Bahnhofsschalter für jeweilige Kategorie (u.U. gibt es spezielle
Touristenschalter), häufige Verspätungen machen Eisenbahnfahren
zum Abenteuer. (Noch) preisgünstiger werden diese Zugverbindungen
mit dem „Indrail Pass“. Mehr oder weniger komfortable Überlandbusse
(Ordinary, Express, Semi-Deluxe, Deluxe) verkehren im ganzen Land, zwischen
Großstädten , wobei auch kleine Dörfer angefahren werden.
Fahrpläne sind vor Ort zu erfragen, Vorbestellung der Sitzplätze
dringend empfohlen. Mehr Vertrauen als die vielen privaten Busfirmen
erwecken die staatlichen Gesellschaften, die ihre Busse besser zu warten
scheinen – im Land mit der weltweit höchsten Rate an Verkehrstoten
kein unwichtiger Hinweis. Sehr preisgünstiges Verkehrsmittel, auf
einigen touristisch interessanten Strecken sind auch relativ luxuriöse
Touristenbusse eingesetzt.
In Städten sind Taxis im Einsatz, deren Fahrer angehalten, aber
oft auch abgeneigt sind, den Taxameter einzuschalten. Von 22 bis 6 Uhr
wird 50% Nachtzuschlag erhoben. Beliebt und in riesiger Anzahl vorhanden
sind Autorikschas, kurz „Scooter“ genannt – Motorroller
mit Passagierkabine. In den verstopften Straßen der Städte
sind sie meist schneller als Taxis und zudem auch rund 30% billiger. „Tempo“ heißt
ein dreirädriges Gefährt, das hinsichtlich Geknatter und Gestank
dem Scooter ähnelt, aber bis zu acht Personen als Sammeltaxi befördern
kann. In Massen sind auch, vor allem in Touristenzentren, Fahrradrikschas
unterwegs.
Wirtschaft:Einerseits
gehört Indien zu den ärmsten Ländern der Welt
und rund 50% seiner Gesamtfläche sind Agrarland (zwei Drittel
der Bevölkerung leben mit meist Klein- und Zwergbesitz von
der Landwirtschaft), andererseits ist das von den Kolonialbriten
rücksichtslos ausgebeutete Land heute einer der zehn führenden
Industriestaaten der Erde. Es gibt kaum einen Industrie-, Technologiezweig,
der nicht das Logo Made in India führt, einschließlich
Raumfahrt und Atomwaffen. Seit Einführung der Fünfjahrespläne
(1951) konnte sowohl die landwirtschaftliche wie die industrielle
Produktion, besonders die Schwerindustrie kontinuierlich gesteigert
werden. Doch das Wirtschaftswachstum wird im Haushaltsjahr 2001/02
hinter den Erwartungen zurückbleiben. Man rechnet nur noch
mit einen BIP-Wachstum von knapp 5 % (2000/01: 5,2%). Auch wenn
Indien im internationalen Vergleich noch gut dasteht, gibt die
derzeitige Wirtschaftslage Anlass zur Sorge. Insbesondere die
Industrieproduktion ist stark zurückgegangen. Während
der industrielle Sektor 2000/01 noch um 5,1 % zulegte, dürften
es 2002 weniger als 2 % sein. Die indische Wirtschaftsstruktur
verzeichnete in den letzten Jahren eine deutliche Verschiebung
vom primären auf den sekundären und tertiären
Sektor. Auf die Landwirtschaft entfallen nur noch 27,5 %, auf
die Industrie 24,6% und auf den Dienstleistungsbereich bereits
47,9 des BIP. Der Anteil der Schattenwirtschaft ("black
money") ist erheblich.
Wichtige Bodenschätze sind: Eisenerz, Steinkohle, Mangan, Kupfer,
Chrom, Blei, Bauxit, Gold, Erdöl, Erdgas. Hauptexportgüter:
Jute-Produkte, Tee, Baumwolle und –produkte, Eisenerz, Leder, Gewürze,
Tabak, Edelsteine. Hauptimportgüter: Maschinen, Eisen, Stahl, elektrotechnische
Erzeugnisse, Erdöl, Getreide, Chemikalien, Haupthandelspartner:
USA, Großbritannien, Japan, und Deutschland. Die indische Wirtschaftsstruktur
ist dualistisch: Einer wachsenden Mittelschicht von über 70 Mio.
Personen mit ansehnlicher Kaufkraft steht die Mehrheit der indischen
Bevölkerung, insbesondere auf dem Lande, gegenüber, die am
Wirtschaftskreislauf kaum teilnimmt. Mindestens 40% der Inder leben unter
der Armutsgrenze.
Tourismus: Wenn
vom indischen Subkontinent nicht gerade Kriegsdrohungen gemeldet
werden, behauptet der Tourismus seine Position als zweitgrößter
Devisenbringer beharrlich. Über fünf Millionen Inder
sind in der „weißen“ Industrie tätig,
indirekt abhängig sind sogar 12 Mio. Der Fremdenverkehr
soll weiter ausgebaut werden, notorische Schwachpunkte sind aber
der Mangel an Hotelzimmern vor allem des Budget- und mittleren
Standards, unzureichende Inlandsflug- und Straßenverkehrskapazitäten.
Zumal der indische Binnentourismus mit rund 200 Mio. Übernachtungen
zu Buche schlägt. Die Negativmeldungen zu Themen wie Kaschmir,
Nukleartests und Schießereien an der Grenze zu Pakistan
drücken auf die Touristenankünfte. 2000, zu einer,
politisch gesehen, relativ ruhigen Zeit reisten gerade mal rund
2,5 Mio. Gäste ein. Aus Deutschland kamen im selben Jahr
85000 Besucher. Andererseits reisten rund 4,4 Mio. Inder in die
Ferne.
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