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Bei den Römern von Bad Gögging

Text und Fotos: Ferdinand Dupuis-Panther

Die Donau – lang ist es her – war einst Grenzfluss zwischen den Germanen und den Römern. Sie wurde auch als nasser Limes bezeichnet. Doch unabhängig von dem „Grenzfluss“ wurde die Nordgrenze des Römischen Reiches auch mit Festungsanlagen, dem über 500 Kilometer langen Limes mit seinen Kastellen und Wachtürmen, gegen die Barbaren des Nordens gesichert, so auch nahe Bad Gögging, wo neben dem Kastell Abusina das Römische Bademuseum und die Limes-Thermen römische Lebensform bis heute erahnen lassen.

Die Zeiten, als die Römer unter dem legendären Staatsmann und Feldherrn Gaius Julius Caesar kamen, sahen und siegten, ist längst vorbei. Der Ruf der strategischen Überlegenheit der Römer jedoch ist geblieben und bündelt sich in dem Caesar zugeschrieben Zitat: „Veni, vidi, vici“.

Bad Göging - Besucher im Römerkastell Abusia

Besucher im Römerkastell Abusia

Zeugnisse des Römischen Reiches sind nicht nur der sich durch den Süden Deutschlands ziehende Limes, sondern auch Kastelle und Wachtürme im Umfeld dieses mächtigen Grenzwalls. Vor den Toren des Kurortes Bad Gögging liegt das Kastell Abusina (1) . Doch von den einstigen Bauwerken sind nur noch die Grundmauern erhalten geblieben. Während der Entscheidungsschlachten des Zweiten Weltkrieges warfen Jagdbomber über dem Römerlager Bomben ab. Denn hier hatten Soldaten der deutschen Wehrmacht ihre Stellung bezogen, um den Vormarsch der Alliierten – wenn auch vergebens – in letzter Minute zu stoppen. In der Nachkriegszeit diente das ehemalige Kastell als Steinbruch. Auch der eine oder andere Stein der St. Sebastiankirche von Eining ist römischen Ursprungs.

Am „nassen Limes“

Neben dem römischen Festungswerk bildeten auch die Donau und die nördlich des Kastells gelegene, in die Donau mündende Abens als „nasser Limes“ einen Schutz vor dem anrückenden Feind. Römische Legionäre wird man auf dem Gelände des Römerkastells nahe Eining nur einmal im Jahr antreffen, wenn es heißt „Salve Abusina“. Jeweils im August findet das Römerfest statt: Gladiatoren messen sich in Schaukämpfen; Legionäre treten an, um auszurücken. Bunt ist das Treiben der Händler und Handwerker, die das sonst in einen Dornröschenschlaf gefallene Römerlager für einige Tage zu neuem Leben erwecken.

Bad Gögging - Blick vom Kastell auf die unterhalb fließende Abens

Blick vom Kastell auf die unterhalb fließende Abens

Das römische Kastell, oberhalb von Donau und Abens gelegen, ist nicht nur per Rad über den Donau-Radweg zu erreichen, sondern auch zu Fuß auf der Römerschlaufe am Jurasteig. Die römische Befestigung ist im leicht welligen Gelände – hier und da findet man Hopfenfelder und grasende Schafe in der Umgebung – gut auszumachen. Beim Besuch der Anlage, einem Außenposten der römischen Provinz Raetia, lassen wir uns in das 2. bis 5. Jahrhundert zurückversetzen. Zu diesem Zeitpunkt standen noch Gebäude aus Lehmfachwerk und Holz sowie wenige Steinbauten.

Bad Gögging - Infobox und „Fensterblick“ auf die Grundmauern der verschiedenen Kastellbauwerke

Infobox und „Fensterblick“ auf die Grundmauern
der verschiedenen Kastellbauwerke

Durch den Erhalt der Grundmauern dieser Bauten und dank der installierten „Sichtboxen“ mit entsprechenden Skizzen und Texten kann sich der Besucher ein gutes Bild vom Lagerleben machen, zu dem selbstverständlich auch der Thermenbesuch der Bewohner des Kastells gehörte. Nichts mehr ist übrig geblieben von den reichen Wandmalereien der Badegebäude, die nicht nur der Körperpflege, sondern vor allem als „Kontaktbörse“ dienten. Wie von den Bädern sind vom staatlichen Rasthaus nur die Grundmauern konserviert worden. Zu erkennen ist jedoch noch die um einen Innenhof angelegte vierflügelige Anlage, die als Ausspann für Pferde und Reiter diente, die im Römischen Reich mit Waren und Depeschen unterwegs waren. In Abusina besaß auch dieser Ausspann ein kleines Bad.

Inmitten des Kastells, das durch vier Tore zugänglich war, existierten neben dem Ausspann auch die Mannschaftsbaracken, das Wohnhaus des Kommandeurs, das Stabsgebäude, der Speicher und der Werkstattbau. Nur zu erahnen ist heute, wie das Leben der Soldaten wohl gewesen sein mag. Jeweils acht Männer bildeten eine Stubengemeinschaft und bewohnten zwei hintereinanderliegende Räume in den Baracken. Im Kopfbau einer jeden Baracke war das Zuhause des Centurio, der mehrere Räume bewohnte und eine eigene Latrine benutzen konnte.

Die Reste des Hauptquartiers innerhalb des Römerkastells Abusia

Die Reste des Hauptquartiers innerhalb des Römerkastells Abusia

Ins Auge springt das Fahnenheiligtum inmitten des Stabsgebäudes. Hier wurden die Feldzeichen und eine tragbare Kaiserbüste aufbewahrt. Zudem verwahrte man hier die Truppenkasse. So kann man dieses Fahnenheiligtum als „römisches Fort Knox“ bezeichnen, so der Gästeführer Peter Fröhlich, der mich einen Tag lang begleitete. Wie es in Abusina nach dem sogenannten Limesfall aussah, zeigt schließlich das Modell eines Idealkastells und einer Siedlungsumwehrung aus dem 4./5. Jahrhundert.

Im westlichsten Kurort Bayerns

Verlassen wir nun den Grenzposten der Römer und begeben uns nach Bad Gögging (2), wo man nicht nur wie die Römer Schwefelwasser, sondern auch das Moor zu Heilzwecken verwendet. Heute können Gäste des Ortes auch im warmen Thermalwasser planschen, das aus einer Tiefe von etwa 650 Metern „emporsprudelt“. Am Ortsrand von Bad Gögging befinden sich am Rande des Moorwegs die Moorlagerstätten. Nach der Aufbereitung des abgetragenen Moores gelangt dieses direkt in die Limes-Therme. Die örtlichen Lagerstätten – dabei handelt es sich um ein sogenanntes Auflagerungsmoor -, so erläutert Peter Fröhlich, reichen noch bis ins Jahr 2150! Darüber hinaus gibt es noch zwei Meter tiefe Urmoorflächen, die allerdings geschützt sind. „Für einen Meter Moor braucht die Natur 1000 Jahre“, gibt der engagierte Naturfreund Peter Fröhlich zu bedenken, als wir auf dem Moorweg unterwegs sind. Weiter geht es entlang des Flüsschen Abens, in dem der dreistachlige Stichling und der Flusskrebs zuhause sind. Ausgedehnt sind die Schilfgürtel am Ufer der Abens. Trauerweiden lassen ihr Laubkleid über den Ufersaum hängen. Die Wiesen sind mit gelben Farbtupfern bedeckt. Es ist der sogenannte Flammende Hahnenfuß, der hier in den Abensauen prächtig sprießt. Entlang des Flüsschens stoßen wir auch auf Kunst als Teil des „Kunstparkur Bad Gögging“: Ursula Merker zelebriert uns „Fischessen an der Donau“. Dazu müsste man Riese sein, so hoch sind die beiden Stühle und der Tisch, auf dem ein Fisch aus Spiegelglas liegt. Auf dem gegenüberliegenden Ufer sieht man zwei aufrecht stehende Wannen, die zwei Schildhäuschen gleichen. „Seemann , lass das Träumen...“ nannte Paul Feichter seine Arbeit, die Teil des 2007 veranstalteten Projekts „Wannenkunst“ ist.

Römische Badekultur

Bad Gögging - Fresken in der St. Andreas-Kirche

Fresken in der St. Andreas-Kirche

Dass über römischen Fundamenten christliche Kirchen entstanden, ist nicht unbedingt verwunderlich. Das ist auch bei der St. Andreaskirche mit ihrem sehenswerten romanischen Portal und ihren Fresken in der Gewölbedecke der Fall. Dieses Gotteshaus wurde über einem römischen Bad erbaut, dessen Heizungssystem man heute noch bestaunen kann. Heute befindet sich hier das Römische Bademuseum, das sich unter anderem mit der Heilkraft des stinkenden Schwefels befasst. Der römische Architekt und Ingenieur Vitruv schrieb um 20 vor unserer Zeitrechnung: „Schwefelhaltige Quellen nämlich stellen die Funktionen der Nerven dadurch wieder her, dass sie die gesundheitsschädigende Feuchtigkeit erhitzen und durch die Hitze aus dem Körper herausbrennen.“ Der Badebesuch versprach aber nicht nur Heilung von allerlei Leiden, sondern auch Entspannung und Körperpflege. So gab es in römischen Bädern, so ist beim Museumsbesuch zu erfahren, einen Enthaarer, der unerwünschte Körperbehaarung beseitigte, und ein Bademeister sorgte für kalte und heiße Güsse; Sklaven hingegen hielten die Fußbodenheizung in Betrieb.

Fußbodenheizung im Römischen Bademuseum von Bad Gögging

Fußbodenheizung im Römischen Bademuseum von Bad Gögging

Funde gestempelter Bauziegel belegen, dass die Staatskasse am Bau des hiesigen Bades finanziell beteiligt war. Ohne die Legionsziegelei Bad Abbach und die teilberittene 3. Britannische Kohorte aus dem nahen Abusina wäre das Bad jedoch nie errichtet worden. Gebadet wurde nackt und nach Geschlechtern getrennt. Gymnastische Übungen, Diäten und Ruhephasen waren Teil der Badekultur. Auch das „Kneippen“ kannte man in der Antike, sprich, man unterzog sich Kaltwasserkuren. Das moderne Kuren ist heute in den Limes-Thermen möglich, wo man nicht nur Schwefelwasser trinken, sondern sich auch in der Totes-Meer-Grotte entspannen und im AquaCycling-Pool etwas für seine Fitness tun kann. Moor- und Kreidepackungen kann man sich gleichfalls gönnen, wenn man möchte. Übrigens: Wer in Hallertauer Hopfen bei Wasser- und Luftmassagen sowie Unterwasserfarbspiel entspannen und ein zünftiges Bierchen genießen möchte, der ist in der Limes-Therme goldrichtig. Dort lädt die Hopfen-Hütte zu einem derartigen „Prosit der Gesundheit“ ein.

Blick in die Limes-Therme von Bad Gögging

Blick in die Limes-Therme von Bad Gögging

 

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