Die Bucht von Guanabara in Rio von oben

Olympische Segelregatten und die einzigartige Barockkirche Nossa Senhora da Gloria do Outeiro

Text und Fotos: Norbert Suchanek

Brasilien - Rio de Janeiro - Bucht von Guanabara

Wer die olympischen Segelregatten nicht direkt vom teilweise eingezäunten Flamengo Strand aus verfolgen will hat zwei ausgezeichnete, kostenlose Alternativen in Rio. Die eine ist der "Mirante do Rato Molhado" in Santa Teresa, auf dem gleichnamigen Hügel im Zentrum Rios gelegen. Eigens für die Olympischen Spiele hatte hier die Stadtregierung an diesem auf deutsch "Nasse Ratte" genannten Aussichtspunkt mehrere mächtige Regenwaldbäume abholzen lassen - für einen ungestörten Blick auf die leider bis heute vermüllte, aber nichtsdesto weniger eindrucksvolle Bucht von Guanabara.

Brasilien - Rio de Janeiro - Barockkirche Nossa Senhora da Gloria do Outeiro

Barockkirche Nossa Senhora da Gloria do Outeiro

Von hier aus hat man zudem eine herrliche Sicht auf die etwas tiefer gelegene, "malerische" Favela "Santo Amaro" und auf den Morro do Outeiro mit seiner einzigartigen Barockkirche Nossa Senhora da Gloria do Outeiro. Der weite Platz vor dieser St. Mariä Himmelfahrts-Kirche aus dem frühen 18. Jahrhundert wiederum bietet vielleicht die beste Aussicht auf die Bucht und die Segelregatten von Rio. Mehr noch, der Hügel (Morro) von Outeiro im Stadtteil Gloria ist gleichzeitig auch einer der geschichtsträchtigsten Orte Rio de Janeiros.

Brasilien - Rio de Janeiro - Barockkirche Nossa Senhora da Gloria do Outeiro

Der im Verhältnis zum Zuckerhut oder dem Corcovado eher kleine Hügel erhob sich einst abrupt aus der Bucht und war ursprünglich bekannt als “Hügel von Leripe" und in der Tupi-Guarani-Sprache als "Uruçu Mirim“ (Kleine Biene). Hier wurde 1567 die letzte Schlacht um Rio de Janeiro geschlagen. Der einst dicht bewaldete Hügel von Leripe oder "Morro do Outeiro" war die letzte Bastion der Franzosen, die sich hier mit ihren indianischen Verbündeten des Tupinambá-Kaziken Aimberê aus Rio im Indianerdorf Uruçu Mirim verschanzten. Erst nach zwei Jahren Belagerung und Kämpfen eroberten schließlich die Portugiesen unter gleichfalls massiver Unterstützung ihrer indianischen Verbündeten, dem Kaziken Arariboia und seiner Krieger, am 20. Januar 1567 diesen strategisch wichtigen Ort und vertrieben damit die französischen Siedler und Soldaten für immer aus der Bucht von Rio de Janeiro.

Noch bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts brandeten die Wasser der Bucht an seinen Felsen, und Fischer warfen zu Füßen der Nossa Senhora da Gloria do Outeiro ihre Netze aus. Doch im Zuge der Modernisierung, sprich Automobilisierung Rio de Janeiros verdrängten die Stadtväter ab den 1920er Jahren zunehmend das Meer und ebneten die Metropole am Zuckerhut regelrecht ein. Die „Modernisierer“ ließen historisch wichtige Stadthügel wie den „Morro do Castelo“ und den "Morro do Santo Antônio" gänzlich abtragen und damit weite Teile der Bucht zuschütten. Deshalb trennen heute eine mehrspurige Hauptstraße, eine autobahngleiche Schnellstraße, die den Süden Rios mit dem Stadtzentrum verbinden, sowie der Park „Aterro do Flamengo“ mit seinem olympischen Yachthafen und dem künstlichen Strand von Flamengo diesen so geschichtsträchtigen Hügel vom Meer.

Brasilien - Rio de Janeiro - Barockkirche Nossa Senhora da Gloria do Outeiro

Auch ohne olympische Ambitionen lohnt im übrigen ein Besuch der Kirche Nossa Senhora da Gloria do Outeiro, denn sie ist eine der seltenen Beispiele der barocken Schule von Borromini in Brasilien. Drei eindrucksvolle Rokoko-Altäre bestimmen das ovale Kirchenschiff. Doch seinen besonderen Charme gewinnt Rios St. Mariä-Himmelfahrts-Kirche durch rund 8.000 herrliche Kacheln der Meisterwerkstatt Valentim de Almeida aus Lissabon. Die 1728 gebrannten, blau-weissen Fliesen schmücken die gesamte untere Hälfte des Kirchenschiffs und erzählen von der Legende Rachel des Alten Testaments. Auch die Sakristei ist mit Kacheln aus Lissabon geschmückt. Nicht nur wegen ihrer einzigartigen Atmosphäre und ihrem herrlichen Ausblick auf die Bucht von Guanabara ist sie bei den „Cariocas“ seit langem als Hochzeits- und Taufkirche beliebt. Bereits Brasiliens Kaiser Dom Pedro I ließ hier seine Tochter Maria II von Portugal im Jahr 1819 taufen, gefolgt von Prinzessin Isabel und allen weiteren Nachkommen der kaiserlichen Familie.

Brasilien - Rio de Janeiro - Barockkirche Nossa Senhora da Gloria do Outeiro

 

Reisemagazin schwarzaufweiss

 

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