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Brasilien, Rio - DenkmalAuf der anderen Straßenseite, wo die Fähren nach Niterói ablegen, haben die Cariocas, wie sich die kaffeebraunen Einwohner von Rio nennen, Dom João ein Denkmal gesetzt (Foto rechts). Denn das tropische Märchen ist noch nicht zuende. Obwohl Lissabon von Napoleon längst befreit war, dachte der sinnenfrohe Monarch gar nicht daran abzureisen: er zog das süße Leben unter Palmen den liberalen Wirren zu Hause vor. Stattdessen verwandelte er Rio in eine strahlende Kapitale, förderte den Handel, die Wissenschaft und schönen Künste, gründete die erste Bank, Druckereien, ein Theater und ließ den Botanischen Garten anlegen, der nach sorgfältiger Restaurierung wieder geöffnet ist.

Der Kaiser von Brasilien

Ein Glück, dass manche Gotteshäuser aus der Kolonialzeit vor der radikalen Stadterneuerung geschützt wurden, etwa die Igreja da Glória oder die Franziskuskirche, vor allem aber die Klosterkirche São Bento von 1617 am nördlichen Ende der Guanabara-Bucht, deren äußere Schlichtheit die Pracht im Inneren kaum erahnen lässt: Üppig sind die Schnitzereien mit Gold überzogen, was sie zu Rios reichster Kirche macht und zu einer der schönsten Brasiliens. Da kann die Igreja da Candelária kaum mithalten, die am gleichnamigen Platz ab 1775 mit viel Marmor und Palisanderholz unter einer fensterlosen Kuppel entstand. Nie wurde ein finstererer Altar gesichtet als dieser. Finsteres ereignete sich auch vor dem mächtigen Bronzeportal: 1992 erschossen hier die sogenannten Todesschwadronen schlafende Straßenkinder.

Brasilien, Rio - Candelaria Kirche
Die Igreja da Candelaria

Das nächste Kapitel des brasilianischen Polit-Märchens beginnt am 7. September 1822. Jener Tag, an dem der inzwischen an den Tejo zurückgekehrte Monarch seine Kolonie kurzerhand in den Rang eines Kaiserreiches erhebt und sein dort zurückgebliebener Sohn Pedro zum Kaiser gekrönt wird: Pedro I., Kaiser von Brasilien. Ein kurzes Intermezzo, aber spektakulär.

Während die Kaiserzeit am Zuckerhut kaum mehr in Erscheinung tritt, der Palast und der Park Quinta da Boa Vista ausgenommen, ist sie im 66 Kilometer entfernten Petrópolis ungewöhnlich lebendig. Auf über 800 Metern im Hochland von Rio de Janeiro gelegen und mit angenehmen Durchschnittstemperaturen von 17 Grad, erfüllt sie alle Qualitäten eines Sommersitzes. „Cidade Imperial“, Kaiserstadt, steht über dem Einfahrtstor. Mit rund 300.000 Einwohnern zeigt sich der von deutschen Siedlern gegründete parkähnliche Gebirgsort heute als ausgewachsene Großstadt. Vieles erinnert an die Gründerzeit, etwa die Rua Mosela (Moselstraße), die „Katz“-Schokolade oder der Imbiss „Casa Alemã“, in dem es heiße Würstchen gibt.




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